Catharina Bruns: „Erfüllende Arbeit findet man nicht – man muss sie sich gestalten“

Jeder war schon einmal auf der Suche nach einer erfüllenden Arbeit. Doch nicht alle finden sie. Der Grund dafür ist ebenso einfach wie erhellend: „Erfüllende Arbeit findet man nicht – man muss sie sich gestalten“, sagt Catharina Bruns. Und „gestalten“ ist das richtige Stichwort: Catharina hat ihren guten Arbeitsplatz gekündigt, sich selbständig gemacht und das Buch „work is not a job“ geschrieben. Heute betreibt sie mit Sophie Pester mehrere erfolgreiche Projekte in der Handmade-Szene. Im Interview erklärt sie uns ihren Denkansatz.

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Catharina Bruns (rechts) mir ihrer Geschäftspartnerin Sophie Pester. (Bild: © Sophie Pester)

Hallo Catharina. Das Magazin brand eins nannte dein Buch „work is not a job“ eines „… der klügsten, das man zum Thema Neue Arbeit lesen kann“. Du selbst bezeichnest es als Inspirationsbuch und nicht als Ratgeber. Wie würdest du einen Leser motivieren, der nur einen Job macht, aber eigentlich von einer erfüllenden Arbeit träumt?

Catharina: Ich glaube nicht, dass man andere wirklich motivieren kann. Das ist auch nicht meine Aufgabe. Aber ich finde es wichtig, zu inspirieren, Vorbild zu sein und über die eigene Arbeit zu zeigen, dass es eine Frage der Haltung ist, wie erfüllend oder ermüdend Arbeit ist. Und, dass es einen riesigen Gewinn an Entwicklungs- und Gestaltungsmöglichkeiten bedeutet, wenn man sich entscheidet, sein Leben mit der richtigen Arbeit zu verbringen. Ich frage mich auch, warum Jobs auf einmal erfüllend sein sollten. Sie werden doch nicht geschaffen, um persönlichen Sinn zu stiften, sondern aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten heraus. Ein Glücksfall, wenn sich da Überschneidungen ergeben. Wer tatsächlich von „erfüllender Arbeit träumt“, der muss etwas anderes unternehmen, als das beste Abi zu machen und die coolsten Stellenanzeigen zu durchforsten. Erfüllende Arbeit findet man nicht einfach irgendwo – man muss sie sich gestalten.

Woher kommt aus deiner Sicht die weit verbreitete Unzufriedenheit mit der eigenen Arbeitssituation. Ist die Realität tatsächlich so grau oder einfach nur die Fantasie so bunt?

Catharina: Ich fürchte, viele Menschen vergegenwärtigen sich niemals, was sie eigentlich wirklich tun wollen und wofür sie sich zuständig fühlen. Niemand scheint sich zu fragen, was möchte ich gestalten? Es geht immer darum, wo gibt es eine freie Stelle, wie viel kann ich verdienen und vor allem: Wo ist es „sicher“. Es geht also um Rahmenbedingungen, nicht um Substanz. Selbstverständlich ist unser ganzes Bildungs- und Sozialversicherungssystem auf die abhängige Beschäftigung ausgelegt, kein Wunder, dass nur wenige überhaupt darauf kommen, eigene Arbeitsmodelle zu erfinden.

Wenn die Jobs, die es schon gibt, uns so kalt lassen, ja sogar unglücklich machen, dann ist es wohl Zeit, Arbeit neu für sich zu definieren.

Hinzu kommt, dass Unzufriedenheit häufig aus der Angewohnheit sich zu vergleichen resultiert. Man möchte nicht mehr das, was man selbst möchte, sondern das, von dem alle sagen, es sei erstrebenwert. Nicht sein eigenes Leben zu leben, sondern eine idealtypische Karriere hinzubekommen, erzeugt natürlich enormen Druck. Das mit dem Vergleichen bezieht sich natürlich nicht nur auf das Berufsleben und niemand ist vollkommen frei davon – aber heute haben wir doch mehr Möglichkeiten denn je, unseren eigenen Weg zu finden und zu gehen und uns Arbeit zu gestalten, die unserem Lebensentwurf entspricht. Wenn die Jobs, die es schon gibt, uns so kalt lassen, ja sogar unglücklich machen, dann ist es wohl Zeit, Arbeit neu für sich zu definieren.

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Für dich ist die Selbständigkeit ja nur die konsequenteste, aber nicht die einzige Form der workisnotajob-Philosophie. Wenn man in einer Festanstellung ist: Wann muss man deiner Meinung nach die Arbeit wechseln und wann eher die eigene Einstellung ändern?

Catharina: Alles steht und fällt mit der inneren Haltung zu den Dingen. Sehe ich die Chance, oder nur das Problem? Sehe ich mich selbst oder andere in der Zuständigkeit, die Situation zu verbessern? Bin ich Opfer der Umstände, oder bin ich mündig und habe Gestaltungswillen? Man hat ja immer mehrere Möglichkeiten mit einer Situation umzugehen. Man kann sich entweder unendlich beklagen oder still weiterleiden, oder man kann unaufhörlich nach etwas Besserem suchen (viel Glück!) oder man kann sich entscheiden, endlich anzufangen selbst zu gestalten. Ein Job-Wechsel ändert ja oft nichts an dem Grundübel – Fremdbestimmung, Langeweile, falsche Auslastung etc. Aber ein persönlicher Mentalitätswandel kann das ganze Leben verändern. Denn konsequent gelebt, wird er es erforderlich machen, sich der „richtigen“ Arbeit zu widmen. Warum tut man, was man tut? Das muss man sich schon beantworten können.

Über die Generation Y wird oft gesagt, dass sie die Arbeitswelt durch ihre Forderungen nach mehr Eigenständigkeit, Sinngebung und Work-Life-Balance verändert. Liest man das kürzlich veröffentlichte Manifest zur Neuen Arbeit von Microsoft, dann klingen viele Aussagen sehr ähnlich. Aber natürlich zielen sie im Kern auf eine Steigerung der Produktivität ab. Sind das die zwei Seiten derselben Medaille oder wird da irgendeine Seite über’s Ohr gehauen?

Catharina: Ja, „Generation Y“. Wo sind die denn alle? Mir begegnen kaum aktive Vertreter dieser angeblich so selbstbewussten, eigenständigen und sinngetriebenen Generation. Ich sehe nur, dass wir es nicht mit einer neuen Generation von Selbstständigen zu tun haben, sondern einfach mit der nächsten Generation von Angestellten, die bloß etwas andere Ansprüche an die Arbeitswelt haben. Das ist ja auch ganz normal. Nicht nur meine persönliche Erfahrung, sondern auch verschiedene aktuelle Studien zeigen, dass auch sie die Festanstellung der Selbstständigkeit vorziehen – was ist daran eigenständig oder besonders sinngetrieben? Wenn ein „Manifest zur Neuen Arbeit“ ausgerechnet von einem Konzern kommt, amüsiert mich das. Dass Unternehmen Produktivität einfordern, ist ja nun Teil des Deals – Arbeitskraft gegen Geld. Wenn sie sich, um ihre Unternehmensziele zu erreichen, alles mögliche in Sachen „Onboarding“ einfallen lassen, Annehmlichkeiten schaffen und versuchen, Mitarbeiter auch emotional zu binden, ist das ja nichts Schlechtes. Solange tatsächliche Identifikation nicht mit erzwungener Anpassung verwechselt wird. Aber ein echter Wandel wird sicher nicht von einem Konzern initiiert und er ist auch keine Generationsfrage, sondern eine Frage Einzelner, die sich Arbeit und Leben ganz anders vorstellen.

Ist die Einstellung zu Arbeit und Beruf eher eine Generationenfrage, eine Altersfrage oder eine Typfrage?

Catharina: Sie ist vollkommen abhängig vom einzelnen Menschen. Aber nicht jeder setzt sich damit auseinander, welche Haltung er oder sie eigentlich wirklich selbst zur eigenen Arbeit hat und welche Gestaltungsmacht mit ihr einhergehen kann.

Ein guter Job bedeutet häufig einfach gute Rahmen-Bedingungen. Gute Arbeit jedoch bedeutet persönlich bedeutsame Inhalte.

Solange Arbeit mit Erwerbsarbeit gleichgesetzt wird und Erwerbsarbeit idealerweise der abhängig beschäftigte Normalarbeitsplatz ist, ist sie eben auch erstmal nur ein Job. Wer mehr will, muss sich anders mit sich und seiner Arbeit auseinandersetzen. Ein guter Job bedeutet häufig einfach gute Rahmenbedingungen. Gute Arbeit jedoch bedeutet persönlich bedeutsame Inhalte.

Wir haben gerade erst über die jungen YouTube-Stars geschrieben. Viele der großen Stars haben sich kürzlich zusammengeschlossen. Sie wollen sich trotz des Erfolgs von den großen kommerziellen Networks emanzipieren und wieder ihr eigenes Ding durchziehen. Ist das vielleicht die Generation W[ork is not a job], die online aufgewachsen ist und die Technologien ganz selbstverständlich für die Selbstverwirklichung und für einen unabhängigen Lebensstil nutzt?

Catharina: Klar, das Internet und neue Technologien machen es einfacher, sich etwas Eigenes auszudenken und sich sichtbar zu machen. Internet sei Dank sind die Möglichkeiten unendlich – auch ohne viel Startkapital, ohne Vitamin B oder spezielle Abschlüsse kann jeder einfach aus sich selbst heraus tätig werden. Aber grundsätzlich kann man überall mehr aus seiner Arbeit machen. Ich frage mich, warum sich so wenige unternehmerisch austoben? Mir wird dann immer gesagt, „weil der Arbeitsmarkt so gut funktioniert“ und das stimmt ja auch, aber selbstständig machen sollte man sich nicht aus Not, sondern aus Überzeugung. Gerade wenn der Arbeitsmarkt gut funktioniert und mit der Gewissheit, dass es Jobs gibt, könnte man sich doch vollkommen risikofrei und nebenbei am Markt ausprobieren. Was spricht dagegen?

Du hast ja nicht nur über deine Arbeits-Philosophie geschrieben, sondern sie vor allem erst einmal gelebt. Was war dein Aha-Erlebnis, das dich dazu gebracht hat?

Catharina: Ich hatte nicht den einen großen Aha-Moment. Ich hatte eher sehr viele kleine „Schweine im Weltall-Momente“. Man könnte also sagen, meine Erfahrungen aus jeder Festanstellung, auch in so genannten „guten Jobs“, haben mir gezeigt, dass ich anders Leben will. Dass es auch ganz anders geht, darauf muss man erstmal kommen! Ich habe schon als Werkstudentin in einem soliden deutschen Großkonzern gearbeitet und später auch in einem amerikanischen Online-Konzern. Ich habe ganz verschiedene Jobs gehabt, bevor ich mich selbstständig gemacht habe, einige waren lustiger als andere, aber eines hatten sie alle gemeinsam: Sie hatten im Grunde nichts mit mir zu tun. Wie auch, sie sind ja auch auf Konformität und Austauschbarkeit ausgelegt. Das darf man okay finden, aber ich kam zu der Überzeugung, dass ich von meinen eigenen Ideen leben möchte.

Die Selbstständigkeit ist für mich nicht die Alternative zur Festanstellung, sondern eine selbstverständliche Qualität und Form zu leben und zu arbeiten.

Und – so pathetisch es klingt – ich hatte auch das Gefühl, dass der Beitrag, den ich leisten kann und möchte, ein ganz anderer ist. Ich möchte außerdem nicht reduziert sein auf einen Verantwortungs- und Aufgabenbereich. Ich möchte alles tun und anwenden, was ich kann und mich außerdem unabhängig und flexibel entwickeln können, und nicht nur in der Form, in der irgendein Arbeitgeber es grade für mich vorsieht. Die Selbstständigkeit ist für mich nicht die Alternative zur Festanstellung, sondern eine selbstverständliche Qualität und Form zu leben und zu arbeiten. Mich hat die angestellte Abhängigkeit trotz aller Annehmlichkeiten immer unheimlich befremdet.

Wenn man sich eure Arbeit anschaut, sieht alles perfekt aus: Du hast mit Sophie Pester eine Gleichgesinnte gefunden, eure Hauptprojekte Supercraft und Lemonbooks sind alle in der klar definierten Handmade-Szene angesiedelt, ihr seid selbst als kreative Macher und Organisatoren der Hello-Handmade-Messe Teil dieser Szene und die Projekte haben genau die richtige Größe. Wie klar und einfach war dieser Weg oder musstet ihr erst lange suchen?

Catharina: Danke! Aber mit dem Anspruch an Perfektion belasten wir uns nicht. Wir setzen um, was uns wichtig erscheint und zwar so gut wie wir es können. Wir möchten andere inspirieren, selbst GestalterInnen zu sein. Sobald man seine Überzeugung kennt und lebt, muss man eigentlich nicht mehr lange rumsuchen, die Ziele werden klarer, der Weg aber dadurch nicht einfacher.

Wir möchten andere inspirieren, selbst GestalterInnen zu sein.

Es geht auch nicht um „einfacher“, sondern um richtiger. Sicherlich sind solche Lebensläufe nicht planbar und wir sind ja auch noch lange nicht fertig mit unserer Entwicklung, sondern ganz im Gegenteil, lernen ständig dazu. Die Freiheit zu haben, viele Ideen umsetzen zu können und auch an den einzelnen Entwicklungsstufen zu wachsen, gehört ja zu den großartigen Herausforderungen der Selbstständigkeit. Der Weg ist eben nicht vordefiniert, sondern vollkommen ausgestaltbar.

supercraft

Eines der vielen Projekte von Catharina und Sophie: das DIY-Supercraft-Kit.

Was war beim Aufbau der Projekte am wichtigsten? Eine Gleichgesinnte zu finden, passende handwerkliche Fähigkeiten zu besitzen, hilfreiche Kontakte zu haben oder vielleicht einfach nur das Startkapital?

Catharina: Wir haben unsere Projekte vollständig selbst finanziert und uns kennen gelernt, als wir schon selbstständig waren. Vorher haben wir unabhängig von einander auch schon alles in unsere eigenen Projekte gesteckt, und dann gekündigt. Dass ich Sophie kennen gelernt habe, könnte man als Glücksfall betrachten, denn eigentlich war ich im Begriff, nach New York zu ziehen, aber dann war der Wunsch gemeinsam in Deutschland zu gründen reizvoller. Also, es gab weder viel Startkapital, noch besondere Kontakte, die uns den Weg geebnet hätten – es gehört zu den Unsinnsmythen über die Selbstständigkeit, dass zu jeder erfolgreichen Gründung immer Investoren und die richtigen Kontakte gehören. Was man allerdings braucht ist eine Überzeugung und der Wille, sich zum Meister der eigenen Leidenschaften zu machen. Wenn man sich für eine Sache wirklich interessiert, dann möchte man auch gut darin sein, bzw. immer besser werden. Wissen sollte man niemals delegieren, sondern immer ausbauen.

Es gehört zu den Unsinnsmythen über die Selbstständigkeit, dass zu jeder erfolgreichen Gründung immer Investoren und die richtigen Kontakte gehören.

Man muss sich außerdem davon befreien, nach fremder Vorgabe arbeiten zu wollen. Das ist nicht so selbstverständlich, wie es sich vielleicht anhört. Ich habe aber gelernt: Erst wenn man wirklich eigene Angebote schafft, kann man sich von dieser unsäglichen Auftragslogik lösen und erst wenn man wirklich Gestaltungsverantwortung übernimmt und beginnt, eigene Regeln zu machen, bekommt die eigene Arbeit eine ganz andere Dynamik.

Sascha Lobo hat neulich in einem Interview gesagt, dass er in seiner frühen Gründerzeit, bevor er mit „Wir nennen es Arbeit“ bekannt wurde, phasenweise massive finanzielle Probleme hatte und heute nur noch für üppige Honorare und aussichtsreiche Projekte arbeitet. Wie schwer ist der Balance-Akt zwischen Selbstverwirklichung und finanziellen Notwendigkeiten?

Catharina: Mit den eigenen Ideen, einem eigenen Produkt und auch noch nach eigenen Vorstellungen Geld zu verdienen ist nicht einfach – keine Frage. Es ist eher ein jahrelanger Prozess und seltener eine Sache, die von Anfang an hinhaut. Das Ziel, sich selbst zu verwirklichen, reicht selten aus, um davon auch leben zu können. Das eine hat mit dem anderen erstmal nichts zu tun. Der Punkt ist doch, dass man sich nicht aufhalten lassen darf. Nicht vom Geld und nicht von der Angst. Niemand muss heute gleich kündigen, um sich langsam aber sicher etwas Eigenes aufzubauen. Es gibt unzählige Wege, sich zu verwirklichen – ein Job bietet eben nur selten die Möglichkeit dazu. Dafür bringt er Geld. Es spricht nichts dagegen, seine Träume durch irgendeinen Job finanzieren zu lassen. Gleichzeitig kann man seine „finanziellen Notwendigkeiten“ mal überdenken. Wieviel Geld brauche ich wirklich und wofür will ich es ausgeben? Was ist mir wichtig im Leben? „Mehr haben oder mehr sein?“ Die Frage, die Erich Fromm vor Jahrzehnten schon gestellt hat, bleibt doch für immer aktuell.

lemon books

Individuelle Notizhefte im Hosentaschenformat. Lemon Books ist ein neues Projekt vom Superlab-Team. (Bild: Superlab)

Wann kam bei dir der Moment bei deiner Selbständigkeit, als du dachtest: „ja, es funktioniert“?

Catharina: Da ich mich von Anfang an in meiner Selbständigkeit besser gefühlt habe, als im Büro, da ich ganz andere Leute kennenlernte und plötzlich ein ganz anderes Leben gelebt habe, war mir sofort klar, das ist mein Weg, nur so kann es für mich überhaupt funktionieren. In der Selbstständigkeit gibt es aber keine Garantie dafür, wie lange etwas funktioniert. Man hat jedoch gleichzeitig immer die Chance, flexibel zu sein und etwas Neues umzusetzen. Für mich „funktioniert“ meine Arbeit, wenn sie Wertangebote schafft, die möglichst viele Menschen positiv erreichen und dabei auch meine Idee von der Welt widerspiegelt, ich mich also über sie ausdrücken und entwickeln kann. Da unsere Projekte uns wirtschaftlich schnell unabhängig gemacht haben, funktioniert es auch unternehmerisch. Alles woran wir glauben, steckt in unseren Unternehmen und darum versuchen wir immer bessere Angebote zu schaffen, uns weiterzuentwickeln und uns steigender Qualität zu verpflichten. Wahrscheinlich funktioniert es auch deshalb.

Wie geht man mit Momenten des Zweifelns oder Scheiterns um oder gibt es die gar nicht, wenn man so von seiner Aufgabe erfüllt ist?

Catharina: Natürlich gibt es das! Zweifel sind tatsächlich häufig, nicht an der grundsätzlichen Überzeugung, sondern eher an der persönlichen Tauglichkeit. Wer ist schon immer und ständig von seinen Fähigkeiten überzeugt? Hinzu kommt, dass man, indem man etwas Eigenes vorstellt – sei es ein Produkt, eine Idee oder eine Überzeugung – nicht nur Lob, sondern auch Kritik und Ablehnung annehmen können muss. Ich glaube, gerade wenn man von seiner Aufgabe erfüllt ist und ständig die Grenzen der eigenen Komfortzone ausdehnt, sind Zweifel und Unsicherheiten normal und gehören zur Entwicklung nun mal dazu. Was mir dann hilft, ist der feste Glaube an die Sache. Was man tut, kann man ja jederzeit anpassen, aber warum man etwas tut, also die inneren Beweggründe, bleiben gleich. Man darf – im Zweifel – damit nicht ausschließlich rational umgehen, denn der Kopf behindert da nur. Wie schon gesagt, man darf sich nicht aufhalten lassen, auch nicht von sich selbst.

Nicht jeder hat Visionen, nicht jeder hat Unternehmerblut und auch nicht jedem ist der Erfolg vergönnt, selbst wenn er es versucht. Was können solche Leser aus deinem workisnotajob-Ansatz herausziehen?

Catharina: Nicht jeder hat Visionen, aber jeder hat Träume. Vielleicht glauben wenige, sie seien zum Unternehmer geboren, aber wer glaubt denn bitteschön von sich, er sei zum unselbstständigen Angestellten geboren? Und Erfolg ist eine Sache der persönlichen Definition – es ist erlaubt, sich von dem, was angeblich Erfolg im Leben sichtbar macht, zu lösen und sich eine eigene Definition von Erfolg zu überlegen. Das bedeutet workisnotajob. Dass jeder, der sich dazu entscheidet, seiner Arbeit persönlichen Sinn und individuelle Form geben kann – dazu dürfen wir Arbeit nicht mit Job verwechseln und müssen die Lust an der Selbstständigkeit entdecken. Gestaltung ist alles!

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Artikel vom 05. Januar 2015