Google Cardboard Anleitung: Virtual Reality zum Taschengeldpreis

Mit seinem „Cardboard“-Projekt hat Google eher aus Versehen einen Hit gelandet. Für wenig Geld wird damit das eigene Smartphone zur Virtual-Reality-Brille. Immer mehr Modelle kommen auf den Markt und die Zahl der Anwendungen steigt. Der Spaß hat allerdings auch seine Grenzen.

Unofficial Cardboard

Die Macher von „Unoffical Cardboard“ führten ihr Produkt auf der Comic Con vor.

Von einem Moment auf den nächsten stehe ich auf dem Dach eines futuristischen Hochhauses. Vorsichtig blicke ich in die Tiefe. „Und das mir bei meiner Höhenangst“, denke ich noch. Einmal durchatmen. Allen Mut zusammenfassen. Und schon stürze ich mich herunter. Meine Aufgabe: Exakt durch leuchtende Ringe fallen. Wie in einem Traum kann ich meinen Fall steuern und letztlich sogar fliegen. Ich sammle Punkte ein, bis ich schließlich gegen einen Vorsprung pralle. Game over. Mir ist schwindelig.

Von außen betrachtet stehe ich bei alldem natürlich weiterhin mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Ich halte mir einen Pappkarton vor die Augen und mache einige hektische, vollkommen unerklärliche und ziemlich lächerliche Bewegungen. Ich bin aber nicht allein: Neben mir fährt gerade jemand Achterbahn. Auf der anderen Seite wandert jemand durch Fotos.

Was wir dort erleben und ausprobieren, ist die wohl einfachste und preisgünstigste Form von virtueller Realität, die es derzeit gibt: Google Cardboard heißt sie. Und „Pappe“ im Namen ist hier wortwörtlich zu nehmen.

Die Geschichte beginnt in Paris

Das Projekt geht zurück auf David Coz und Damien Henry. Beide arbeiteten zu dem Zeitpunkt beim Google Cultural Institute in Paris. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, Kunstwerke, Denkmäler und ganze Ausstellungen über das Web zugänglich zu machen. Man kann dort Gemälde bis ins kleinste Detail betrachten oder durch viele der berühmtesten Museen und Galerien dieser Welt wandern. Das folgende Video stellt es vor:

Das Projekt erinnert an Googles ursprüngliche Mission, das Wissen der Welt zu versammeln und zugänglich zu machen. Und es erklärt auch, wie David Coz und Damien Henry auf die Idee mit Google Cardboard kamen: Sie wollten offenbar einen einfachen Weg schaffen, wie man die virtuellen Touren noch besser erleben kann, ohne dass man deshalb viele hundert Euro in passende Geräte investieren müsste.

Ihre Grundidee: Moderne Smartphones bringen heute im Prinzip schon viel von dem mit, was man für virtuelle Welten benötigt. Die Displays sind vergleichsweise hoch aufgelöst. Die Performance reicht für 3D-Anwendungen. Dank vieler Sensoren weiß das Handy, wenn es gedreht wird und in welche Richtung es zeigt. Und über die App Stores und das Web gibt es bereits bestens eingeführte Vertriebswege für Inhalte. Alles, was man noch bräuchte: ein Gehäuse, das aus dem Smartphone eine VR-Brille macht. Gesagt, getan…

David Coz und Damien Henry nutzten für das Projekt ihre 20-Prozent-Zeit: Weiterhin haben Google-Ingenieure die Möglichkeit, 20 Prozent ihrer Arbeitszeit auf selbstgewählte Projekte zu verwenden. Sie setzten darin ihre Idee einer simplen und preisgünstigen Virtual-Reality-Brille für jedermann um.

Der Überraschungserfolg

Heraus kam ein Gerät, das praktisch jeder mit einfachen Mitteln nachbauen kann. Man benötigt dazu lediglich Pappe, Klettverschlüsse, Plastiklinsen, einen Magneten und ein Gummiband. Die Bauanleitung gibt es kostenlos als PDF.

Ganz neu ist die Idee dabei nicht. Tech-Journalist Andy Lim hatte Googles Papp-Idee schon 2009 und zeigt im folgenden Video, wie man sich seine eigene VR-Brille bastelt:

Aber trotzdem muss man anerkennen: Das Cardboard-Projekt verwandelte diese Grundidee in ein vergleichsweise gut funktionierendes und leicht nachzubauendes Bastelprodukt.

Google entschloss sich letztlich, eine begrenzte Anzahl von Bastelsets für Cardboard herstellen zu lassen. Es wurde kostenlos an die Besucher der hauseigenen Entwicklerkonferenz Google I/O verteilt – und entwickelte sich zu einem größeren Hit, als die Macher gedacht hatten. Wie es eben manchmal so ist: Gelegentlich landet man einen Erfolg, mit dem man gar nicht gerechnet hat.

Das Problem: Google hatte gar nicht vor, in das Geschäft mit Cardboard einzusteigen und es standen keine weiteren Bausätze parat. In diese Lücke sprangen sehr schnell andere und boten eigene Cardboard-Kits an. Inzwischen hat Google die Informationsseite zum Projekt aufgeräumt, ausgebaut und aufgehübscht. Auch die zunächst „inoffiziellen“ Kits bekamen im Zuge dessen eine eigene Seite.

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Cardboard-Viewer: Kunterbunte Vielfalt

Wer sich seinen Cardboard-Viewer selbst bastelt (so heißen die Papp-Brillen offiziell), kann das Ganze natürlich gemäß dem eigenen Geschmack verschönern:

Cardboard Viewer

(Foto: Google)

Cardboard Viewer

(Foto: Google)

Oder man entwickelt die Idee in eine ganz neue (alte?) Richtung weiter:

Cardboard Viewer

(Foto: Google)

Verschiedene Cardboard-Modelle und wo man sie kaufen kann

Neben solchen Freizeitprojekten finden sich inzwischen auch Weiterentwicklungen von Händlern und anderen Unternehmen. So gibt es beispielsweise Cardboard Viewer aus Schaumstoff oder Plastik. Google selbst hebt auf seiner Cardboard-Seite momentan vier Anbieter hervor. Hier einige Beispiele näher betrachtet:

DodoCase

DodoCase

Das DodoCase kann man sich als Unternehmen auch individuell bedrucken lassen.

Das Startup DodoCase aus San Francisco hat etliche Modelle im Angebot. Die Basisversion ist das Virtual Reality Cardboard Toolkit für 24,95 US-Dollar: ein Bausatz für die klassische Version. Die Macher haben auch eine eigene Android-App in petto, die aber mit jeder Cardboard-Brille zusammenarbeitet. Sie haben darüber hinaus eine Variante im Angebot, in die man den Leap Motion Controller integrieren kann. Entwickler experimentieren, inwiefern man darüber die Hände des Nutzers in die virtuelle Welt bekommt. Der „Popup-Viewer“ wiederum hat ein anderes Faltprinzip und soll sich darüber laut Werbetext in 30 Sekunden zusammenbauen lassen. Nicht zuletzt können sich übrigens Firmen auch individuell bedruckte Pappbrillen herstellen lassen.

Witziges Detail: Einige DodoCase-Brillen kann man über eine spezielle Vorrichtung am Schirm einer Baseballmütze befestigen. Das ist eine Alternative zu den sonst üblichen Gummibändern. Allerdings wage ich nicht vorherzusagen, wie gut das in der Praxis funktioniert.

I Am Cardboard

I Am Cardboard

„I Am Cardboard“ bietet auch eine Version aus EVA-Kunststoff. Keine Sorge: Schlichtes Schwarz ist ebenfalls eine Option.

Unter dem sehr selbstbewussten Namen „I Am Cardboard“ findet man das klassische Cardboard-Modell in diversen Farben. Dort gibt es zudem ein Set nur mit den Einzelteilen, ohne die Pappe. Und nicht zuletzt größere Modelle, in die man auch ein Phablet unterbringen kann. Zwei weitere Innovationen: ein Modell aus dem Kunststoff EVA anstatt Pappe sowie ein Bluetooth-Knopf für die Steuerung.

Unter dem Namen „XG VR“ arbeiten die Macher auch an einer hochwertigeren Kunststoff-Version. Diese wurde via Kickstarter vorfinanziert. Hier kosteten sie ab 69 US-Dollar und sollen im Mai an die Unterstützer ausgeliefert werden.

Knox Labs

Knox Labs

Dieses Modell von Knox Labs ist groß genug für Phablets mit bis zu 6,2 Zoll Displaydiagonale.

Bei Knox Labs will man sich vor allem durch witziges Design von der Konkurrenz unterscheiden. Neben der „Classic“-Version gibt es eine in Weiß zum Selbstbemalen, mit Schrödingers Katze, mit einer roten Sonnenbrille, in Gelb mit Sonnenbrille oder im Design einer nicht weiter benannten, aber wohlbekannten Sofortbildkamera (keuch, Polaroid, keuch). Funktionell machen diese Modelle aber keinen Unterschied.

Zwei Besonderheiten hat Knox Labs aber auch in petto. Den Cardboard-Viewer aus Aluminium mit Holzapplikationen. Das ist sicherlich stabiler, ergibt aus meiner Sicht allerdings nicht wirklich Sinn. Wer will sich schon hartes, kaltes Aluminium vor die Augen schnallen? Sinnvoller ist da das „Cardboard 2.0 VR Kit“: Es unterstützt Phablets bis hin zu 6,2 Zoll Displaydiagonale. Dank angepasster, größerer Linsen bietet es insgesamt ein breiteres Sichtfeld als das Standard-Cardboard.

Unofficial Cardboard

Unofficial Cardboard

Die Macher von „Unofficial Cardboard“ verkaufen schlicht das Original in zwei Größen.

Ich selbst habe mich letztlich für „Unofficial Cardboard“ entschieden (siehe dazu weiter unten). Sie bieten schlichtweg Cardboard-Sets in zwei Größen an – ohne jeden Kokolores. Man kann sich auch ein Gummiband dazubestellen. Oder man bestellt sich einfach die Bauteile ohne die Pappe. Unspektakuläre Produkte, aber aus meiner Sicht dem Thema angemessen.

Durovis Dive

Durovis Dive

Durovis Dive kommt aus Deutschland.

Dieses Kunststoff-Modell aus Deutschland ist hier genau genommen fehl am Platze: Das Unternehmen aus Münster hat an seiner Brille bereits gearbeitet, bevor Google Cardboard auf den Markt gekommen ist. Technisch aber ist es voll kompatibel, vor allem seitdem die Macher ihr „Magnet Upgrade-Kit“ kostenlos beilegen. Es gibt zwei Modelle: Durovis Dive 5 ist für Smartphones gedacht und kostet rund 60 Euro. Durovis Dive 7 nimmt kleine Tablets auf und kostet 119 Euro. Weitere Infos dazu direkt auf der Website.

Wer Zugriff auf einen 3D-Drucker hat, sollte sich übrigens OpenDive anschauen. Die Dateien dafür gibt’s kostenlos. Dann braucht man nur noch das Linsenset und hat seine eigene Plastik-VR-Brille hergestellt.

LG VR for G3

LG VR for G3

Aufbau des „LG VR for G3“. Die Kunden bekommen es fertig zusammengesetzt. Es ist für das LG G3 Phablet gedacht.

„Cardboard in hochwertiger“ ist die Grundidee beim „VR for G3“, das LG vorgestellt hat. Die Südkoreaner haben dazu mit Google zusammengearbeitet. Die Funktionalität ist dieselbe, aber das Gehäuse ist aus Kunststoff. Wie der Name es schon andeutet, ist es für das LG G3 Phablet gedacht. Verkauft wird es allerdings nicht, nur an Neukunden verschenkt und auch das nur in einigen Märkten.

Mattel View-Master

View-Master

Google und Mattel bringen den View-Master zurück – als VR-Brille auf Basis von Cardboard.

Den original View-Master werden sicher noch viele aus ihrer Kindheit kennen: Man setzte ein Rad mit bunten Bildern ein und schaute man ins Gerät, sah man sie in 3D. Google und Mattel bringen diese Idee zurück, aber eben als Virtual-Reality-Brille, die auf Cardboard basiert. In dieser Version sollen die jungen Nutzer u.a. „Photosphären“ von berühmten Orten erleben können. Für 29,99 US-Dollar soll es im Herbst auf den Markt kommen. Dann liegt auch ein „Experience Reel“ bei, das ähnlich wie die früheren Foto-Räder aussieht. Gemeinsam mit der View-Master-App bekommt man darüber offenbar die Inhalte. Weitere solche „Reels“ sollen dann für 14,99 US-Dollar das Stück angeboten werden.

Zeiss VR One

Zeiss VR One

Die Zeiss VR One funktioniert mit Cardboard-Apps, will aber noch mehr bieten (Foto: Zeiss)

Auch der deutsche Hersteller Zeiss ist mit dabei. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen bereits mit seinen „Cinemizer“-Brillen experimentiert. Die sind als „Unterwegs-Bildschirm“ gedacht, über den man beispielsweise Filme schaut. Jetzt aber hat man die „VR One“ vorgestellt. Diese Cardboard-kompatible Brille soll dabei vor allem durch hochwertigere Materialien für Gehäuse und Linsen ein besseres Erlebnis bieten. Zudem soll das Smartphone besonders exakt in dem Gerät sitzen, denn man braucht eine eigens angepasst Schublade für das jeweilige Modell.

Die VR One kann dabei auch mit Cardboard-Apps genutzt werden. Zeiss hofft aber, Entwickler auch für die eigenen Features begeistern zu können, die man speziell für diese Brille anbietet. Ob das klappt, wird sich zeigen. Mit 99 Euro ist die Zeiss VR One auf jeden Fall im Cardboard-Universum „High End“.

Cardboard zusammenbauen und ausprobieren

Ich selbst habe mein Kit bei Unofficial Cardboard bestellt. Einige Tage später kam es in einem erstaunlich kleinen Umschlag an. Das Zusammensetzen war in wenigen Minuten erledigt, denn man richtet sich einfach nach den aufgedruckten Nummern. Ich bin nun wirklich kein Bastelprofi und hatte keinerlei Probleme. Und so sah das dann aus:

Unofficial Cardboard

Karton und Gummiband extra.

Unofficial Cardboard

Die Inhalte.

Unofficial Cardboard

Fast fertig.

Unofficial Cardboard

Kann losgehen!

Das Endergebnis kann sein Grundmaterial Pappe nicht wirklich verleugnen. Aber, hey, dafür habe ich auch nur ein paar Dollar bezahlt.

Ein bisschen gerätselt habe ich kurz über den Magneten: Wo und wie bringt man den an? Aber man platziert ihn einfach in der Aussparung und darin wird er automatisch festgehalten. Er soll als Eingabegerät dienen und ein wesentliches Problem lösen: Wenn das Smartphone im Cardboard-Viewer steckt, kann man das Display nicht mehr so ohne weiteres berühren – aber wie wählt man dann irgendetwas aus? Die Idee mit dem Magneten: Man zieht ihn einmal aus seiner Position nach unten und lässt ihn zurückschnappen. Diese Veränderung soll das Smartphone wahrnehmen können. Klappt leider mit meinem Nexus 4 nicht. Hier hilft es aber, denn Magneten kurz gegen den Kopfhöreranschluss zu tippen. Das ist natürlich nicht besonders bequem und elegant, aber wir reden hier auch nicht gerade über eine High-End-Lösung…

Alternativ dazu gibt es bei anderen Sets auch eine Vorrichtung, bei der man einen Knopf an der Seite benutzt, um auf das Display zu tappen. Oder man hat einen Knopf, den man per Bluetooth mit dem Smartphone koppelt. Darüber hinaus kann man natürlich auch ein Gamepad oder etwas ähnliches benutzen.

Und was macht man nun? Apps für Cardboard

Cardboard Apps im Play Store

Cardboard Apps im Play Store

Die beste Anlaufstelle ist Googles offizielle Cardboard-App. Darin finden sich schon einmal einige Demos und eine erste Anleitung. Ein Beispiel ist Google Earth, wo man sich an verschiedenen Orten der Welt umschauen kann. „Tour Guide“ ist ein virtueller Rundgang durch Versailles (womit wir wieder beim Ausgangspunkt des Projekts im Google Cultural Institute wären). Und „Windy Day“ ist ein recht niedlicher VR-Cartoon.

In der Cardboard-App selbst wird auch auf weitere Angebote hingewiesen. Außerdem gibt es eine eigene Katagorie im Play Store. Hier kann man also prima herumstöbern. Hier einige Beispiele für Android im Bild:

Tuscany Dive

Tuscany Dive: Ein kleiner Urlaub in der Toskana gefällig?

VR Roller Coaster

VR Roller Coaster: Das Leben ist eine Achterbahn… Achtung: Nutzer berichten hier vielfach über Schwindelgefühle und Übelkeit.

Lamper

Lamper: Spaßiges kleines Spiel, das man ohne Bluetooth-Controller steuern kann.

Sisters

Sisters: Etwas für Leute, die sich gern gruseln…

Orbulus

Orbulus: App mit zahlreichen Rundum-Panoramen.

Jack White: Third-D

Jack White: Third-D: Beispiel für ein VR-Video.

VRSE

VRSE: VRSE ist als wachsende Sammlung von VR-Erlebnissen gedacht. Enthalten ist aktuell u.a. ein komplett am Computer entstandener VR-Kurzfilm.

Glitch

Glitcher VR: Diese App nutzt die eingebaute Kamera des Smartphones. Man schaut sich also in seiner Umgebung an und kann das Bild mit diversen Filter verfremden. Die App reagiert auf Sprachbefehle!

Refugio

Refugio: Hier kann man eine Raumstation mit gläsernem Boden sowie einen Tempel erkunden.

polar-sea-360

Polar Sea 360°: Eine TV-Reportage als Virtual-Reality-Erlebnis.

Alles in allem gibt das einen Einblick in einen Bereich, der hier und heute gerade erst entsteht. Aus meiner Sicht gibt es noch keine „Killerapplikation“, für die man sich unbedingt Cardboard anschaffen muss. Wer Spaß am Ausprobieren hat und eine gesunde Neugier mitbringt, wird aber bestens bedient.

Schwächen von Cardboard

Nachdem man Cardboard eine Weile ausprobiert hat, werden allerdings auch schnell die heutigen Grenzen und Schwächen deutlich. So ist beispielsweise das Display meines Nexus 4 durchaus ordentlich aufgelöst, aber so dicht vor den Augen sieht man dann eben doch die Pixel. Apropos dicht vor den Augen: Ich kann für mich bestätigen, dass ich Cardboard recht schnell anstrengend für meine Augen finde. Und auch das generelle VR-Problem von Schwindelgefühlen und Übelkeit ist durchaus vorhanden. Hier wird allerdings jeder anders reagieren.

Hinzu kommt, dass Dateien rund um VR naturgemäß sehr groß sind, es sind schließlich viele Daten zugleich festzuhalten. Deshalb dauern Downloads lange und man braucht entsprechend viel Speicherplatz auf seinem Gerät.

Und zu guter Letzt brauchen diese Anwendungen auch eine Menge Performance. Zum einen reicht mein Nexus 4 da manchmal schon nicht mehr aus und kann Inhalte nicht ruckelfrei oder nur in verringerter Auflösung darstellen. Zum anderen wird der Akku natürlich sehr schnell leergesaugt.

Fazit

Trotz dieser Nachteile bereue ich keine Minute, dass ich die 25 US-Dollar in mein Cardboard-Set investiert habe. Ich möchte eben gern wissen, woran in diesem Bereich gearbeitet wird, was die Entwickler und Macher ausprobieren und welche Schwierigkeiten und Hürden es noch zu überwinden gilt. Wer sich darin wiederfindet, sollte sich definitiv auch ein Cardboard zulegen.

Inwiefern sich die höherpreisigen Modelle lohnen, ist dann allerdings noch einmal eine andere Geschichte. Wenn ich ein aktuelleres Android-Gerät mit größerem Display, höherer Auflösung und schnellerem Prozessor hätte, wäre mein Erlebnis vielleicht noch einmal ein anderes. Interessant wäre hier beispielsweise Samsungs Gear VR, das ja in Zusammenarbeit mit Oculus entsteht. Da würde ich vermuten, das man ein spürbar besseres Erlebnis bekommt, denn die Macher von Oculus achten sehr darauf, das Thema Virtual Reality nicht durch schlechte Geräte kaputtzumachen.

Artikel vom 27. April 2015