Was fehlt: ein lernender Feedreader

Ein Beitrag von: Jan Tißler



Ich habe eine Menge RSS-Feeds abonniert. Keine Ahnung, wie viele es genau sind. Aber wenn ich mal einen Abend nicht reinschaue, ist am nächsten Tag die Informationsflut schier übermächtig. Was ich mir in diesen Momenten wünsche: Ein lernendes System, das meine Themen erkennt, das ich teilweise anlerne und das künftig immer besser von allein genau die Artikel findet, die mich interessieren – vielleicht sogar in Feeds, die ich noch nicht kenne. Warum gibt es das noch nicht? Herr Google, übernehmen Sie!


Achtung: Informationsflut!
Achtung: Informationsflut! Foto: Inniger, photocase.com

Beispiel heute: 250 ungelesene Beiträge warteten im Feedreader – und das nur in den Ordnern, in denen die unbedingt wichtigen Feeds untergebracht sind. Daraus wurden am Ende wohl gut 50 Bookmarks – Artikel, die interessante Infos für künftige Beiträge enthalten oder aus denen direkt eine Newsmeldung für T3N oder hier für UPLOAD entsteht. Könnte es nicht ein System geben, das mir diese 50 aus den 250 automatisch heraussucht?

Auch wenn viele Google nicht mögen, skeptisch oder ängstlich sind: Die Leute dort kommen mit großen Informationsmengen zurecht und können sie zudem noch mit teils erstaunlicher Präzision auswerten. Wenn ich jemandem einen intelligenten Feedreader zutraue, dann ist das momentan Google.

Sie haben auch schon einige Techniken dafür in der Schublade. So wertet Google bei der normalen Websuche mit aus, wonach man sucht und welche Links man klickt – sofern man mit seinem Google Konto angemeldet ist. Das soll in die entsprechenden Suchergebnisse einfließen. Der Google Reader wiederum empfiehlt mir durchaus RSS-Feeds, die zu den bereits abonnierten passen könnten.

Was ich mir aber vorstelle, ist ein Feedreader, den ich anlerne. Er würde also praktisch wie ein umgekehrter Spam-Filter funktionieren. Zu Anfang füttere ich ihn eventuell mit einigen Stichworten oder mit Beispielartikeln, die mir besonders gut gefallen. Die analysiert er und erstellt daraus ein erstes Profil. In Zukunft schlägt er mir nun Postings vor, die besonders geeignet erscheinen. Ich bewerte nun, ob er richtig oder daneben liegt und er lernt weiter.

Ähnliches kennt man von den Empfehlungen bei Amazon. Hier werden die bisherigen Käufe und Bewertungen herangezogen, um eine Liste von möglicherweise interessanten Produkten zu erstellen. Wer will, kann diese Vorschläge bewerten und damit die Qualität der Vorschläge verbessern.

In eine vergleichbare Richtung geht Apple bei der neuen “Genius”-Funktion in iTunes 8 und den aktuellen iPods. Hier werden zu einem Titel möglichst passende weitere herausgesucht. Dabei will Apple auf die Nutzungsdaten anderer zurückgreifen und das System so immer weiter ausfeilen.

Kurz gesagt: Die technische und gedankliche Basis ist da. Jetzt müsste es “nur noch” jemand umsetzen. Dass es nie 100%ig funktionieren wird, ist klar. 90% wären in diesem Fall aber auch schon extrem hilfreich.

Und eins wäre klar: Wer auch immer das funktionsfähig herausbringt, ist nicht nur mein großer Held.

 


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Der Beitrag wurde am Dienstag, den 16. September 2008 um 19:15 Uhr veröffentlicht. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

 


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19 Reaktionen zu “Was fehlt: ein lernender Feedreader”



Amy
schrieb am 16. September 2008 um 20:03 Uhr:

Mal wieder ein beherztes: “Hier auch!”

Ich nutze fast immer NetNewsWire, den Google Reader nur für unterwegs. Der kann im Übrigen beschriebenes bereits auf Ebene der Feeds: Neue Feeds werden (auf Basis Deiner ausgewerteten Abonnements) empfohlen – die Empfehlungen kann man verfeinern, indem man im Empfehlungsmenu auf Abonnieren oder Kein Interesse klickt.

Soweit, so realisiert. Abo-intern, also auf Basis der eingegangenen Feeds, ist diese automatische Wichtigkeitssortierung leider (noch?) nicht möglich.

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Jan Tißler
schrieb am 16. September 2008 um 20:20 Uhr:

Genau! Und ich könnte wetten, dass da bei Google schon Leute dran arbeiten…

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Amy
schrieb am 16. September 2008 um 20:46 Uhr:

Also ich hab jetzt mal ein wenig gegoogelt und gesucht: Es gibt ein Blog zum Google Reader sowie eine sehr umfangreiche Diskussionsgruppe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Idee nicht bereits aufgetaucht ist und/oder diskutiert wurde.
Hab gerade leider keine Zeit, die Google Gruppe entsprechend zu durchforsten, aber da gibt es bestimmt Potential. Im Reader Blog habe ich leider noch keine Tipps diesbezüglich gefunde, habe aber auch nur nach “suggest”/”suggestions” gesucht – die Key-Wörd-Kreativitätsmaschine ist müde, da gibt es aber sicher noch andere Kombinationen, nach denen es sich zu suchen lohnt.

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Renato
schrieb am 16. September 2008 um 22:10 Uhr:

Also eigentlich macht das der Google Reader, zumindest Ansatzweise, bereits: “Empfehlungen für neue Feeds basieren auf dem Vergleich mit den Feeds von Nutzern mit ähnlichen Interessen wie Sie”. Mehr dazu gibt es hier: http://www.google.com/support/reader/bin/answer.py?hl=de&answer=80468

Oder habe ich etwas falsch Verstanden?

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Jan Tißler
schrieb am 16. September 2008 um 22:53 Uhr:

Nein, Empfehlungen für neue Feeds brauche ich erst einmal nicht – ich habe ja schon mehr als genug… ;-) Was ich mir wünschen würde: Der Feedreader findet für mich die interessanten Beiträge in meinen bereits abonnierten Feeds.

Mal ganz praktisch gesprochen: Wenn ich den (intelligenten) Google Reader öffne, müsste da stehen: “758 ungelesene Postings, davon sind diese 37 Postings für Sie von Interesse.” Und dann lasse ich mir nur die 37 anzeigen, wenn’s gerade mal sehr eilig ist ;-) Und wenn alles einigermaßen gut läuft, sind das die 37 Beiträge, die ich mir per Hand auch aus den 758 ausgesucht hätte.

Wie gesagt: Zu 100% wird das nicht funktionieren. Aber es würde doch manchmal einiges erleichtern.

Natürlich entdecke ich auch gern neue Blogs und lese Artikel zu Themen, die nicht zu meinem Hauptinteresse gehören. Aber vor allem wenn man die Feeds beruflich liest, wäre eine Vorauswahl klasse. Und da ich mir einen menschlichen Assistenten nicht leisten kann, wünsche ich mir eben einen automatischen. ;-)

Ich weiß nicht, ob ich meinen Wunsch jetzt besser erklären konnte?

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Jan Tißler
schrieb am 16. September 2008 um 22:56 Uhr:

Man könnte sich alternativ sicherlich etwas in Yahoo Pipes bauen, was Artikel anhand von Begriffen wie “Open Source”, “WordPress” usw. ausfiltert. Aber das wäre recht starr. Ideal wäre ein dynamisches System, das teilweise unsichtbar lernt, teilweise von mir gezielt angelernt wird – so wie beispielsweise die oben schon angeführten Empfehlungen bei Amazon.

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Martin
schrieb am 17. September 2008 um 02:13 Uhr:

Zumindest die Verbindung mit einer Spamfilter-Funktion ist nicht allzu schwer, ich hab mich mal daran versucht: http://tt-rss.org/forum/viewtopic.php?p=1386

Scheiterte in der Praxis aber an den Details. Vor allem daran, dass a) viele Feed-Items ohne Volltext zu kurz sind um zuverlässig klassifiziert zu werden und b) dass ich die uninteressanten Artikel nicht alle einzeln eintrainieren wollte.

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emediablogger
schrieb am 17. September 2008 um 03:03 Uhr:

Da tut sich einiges und das bewegt sich Richtung Information Management. Bei Newsfeeds funktioniert dies über MashUps, d.h. mehrere Feeds werden zu einem zusammengefügt und aus diesem relevante Nachrichten herausgefiltert. Ich hab kurz zwei Services rausgesucht, beide webbasiert und der zweite funktioniert auch mit den üblichen webbasierten Feedreadern: Feedeye und FeedHub (s.a. folden.de)

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guttertec
schrieb am 17. September 2008 um 09:57 Uhr:

Ich denke http://www.feedego.com ist das was du suchst. Ist von den Machern von noiseriver.

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Horst
schrieb am 17. September 2008 um 10:11 Uhr:

Ach komm… 500-1000 neue Artikel pro Tag sind doch manuell noch kein Problem… 8-)
Ich scanne die Überschriften und setze bei den interessanten eine Markierung. Die werden dann im zweiten Schritt genauer angeschaut. Evtl. gibts dann die Markierung “Zum Bloggen”, “Später lesen” oder “Aufheben”.

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Christian
schrieb am 17. September 2008 um 16:28 Uhr:

Interessante Sache. Ich hätte aber so meine Bedenken, weil dann vielleicht die ein oder andere versteckte Neswperle verloren geht. Das System würde nie so intelligent sein, um mir wirklich wichtige Sachen zu liefern. Im groben Rahmen schon, aber nicht in einem so kleinen.

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Jan Tißler
schrieb am 17. September 2008 um 20:28 Uhr:

Hey, vielen Dank an alle für die tollen Tipps – werde ich mir ansehen :-)

@Horst: Ja, ich weiß – ich bin eine Memme. Und verwöhnt! ;-)

@Christian: Das stimmt. Ich würde sicher auch trotzdem noch in den Feeds stöbern, aber man hat ja nicht an allen Tagen die Zeit dazu.

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Paranoid Chesus
schrieb am 18. September 2008 um 23:33 Uhr:

Was ihr immer mit eurem Google habt… wartet ihr auch auf die Weltrettung durch Google? :)

Wenn ich jetzt mal nicht ganz auf dem Schlauch stehe, dann hat eine solche Funktion jeder anständige Feedreader. Das ist sowieso eine grundlegende Funktion, die man in der EDV schlichtweg braucht, weil EDV nunmal dafür da ist. Sowas nennt sich dann News-Watch oder wie auch immer. Zumindest Thunderbird und Seamonkey können das iirc. Ich selber benutze GreatNews und der sucht mir auch alle News mit bestimmten Stichwörtern raus und kategorisiert und katalogisiert sie.

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Jan Tißler
schrieb am 19. September 2008 um 00:02 Uhr:

Vielen Dank für die Ergänzung. Ich möchte aber nur ausnahmsweise Stichwörter eingeben müssen. Eigentlich soll der Feedreader selbst lernen. Aber in den Kommentaren oben gab es bereits einige interessante Linktipps dazu.

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Paranoid Chesus
schrieb am 19. September 2008 um 10:02 Uhr:

Ja, selbstlernend sind die Methoden der genannten Reader nicht, das gebe ich zu. Wollte ich eigentlich noch drauf hinweisen, aber hatte es dann leider vergessen. Das wäre sicher eine nette Sache und sonderlich schwer umzusetzen wäre es prinzipiell nicht. Man müßte Texte parsen, Stichwörter sammeln und auf Häufigkeiten abgleichen. Da ich eh mal demnächst einen eigenen Reader mit Perl schreiben wollte, kann ich mal schauen, in wieweit sowas umsetzbar ist. – Derweil bin ich mit der Suche nach Stichwörtern eigentlich zufrieden. Die Links und Hinweise oben schau ich mir nochmal in Ruhe an.

Was mich viel mehr stört, das ist, wenn ich meine knapp 450 Feeds aktualisiere und ein Großteil der Meldungen wiederholt sich. Lese ich dann nicht nur im Reader, sondern auch noch in abonnierten Newslettern in jedem zweiten, daß nun Chrome und FFx.0 oder $Präsident ein Depp ist, dann geht mir das nicht nur auf die Nerven, nein, es kostet auch Zeit. Genauso wie es Zeit kostet, wenn ich Meldungen lesen muß, die mich kein Stück weit interessieren, aber was will man dagegen in Tageszeitungen schon machen.

So wäre also eine Kombination all dieser Techniken sicher ein schöner Weg und man sollte sich dranmachen, das mal umzusetzen. *auf die Todo-List schreib*
Aber eins will ich ganz sicher nicht: Daß die Lösung von Google kommt. ;)

Die Menschen ersticken in diesem Informationszeitalter in ihren eigens produzierten Informationen und verschwenden tagtäglich unendlich viel Ressourcen und Zeit für nichtsnutzigen Kram, der keinen weiterbringt.

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Jan Tißler
schrieb am 19. September 2008 um 19:43 Uhr:

Was mich viel mehr stört, das ist, wenn ich meine knapp 450 Feeds aktualisiere und ein Großteil der Meldungen wiederholt sich.

Stimmt. Jüngstes Beispiel war Google Chrome. Da war was los… In solchen Fällen wäre eine Zusammenfassung gut oder eine Logik, die den (wahrscheinlich) besten Beitrag zum Thema erkennt o.ä. Jedenfalls könnte es an manchen Tagen hilfreich sein. Ich bin aber ganz optimistisch, dass wir da in den nächsten Jahren noch viele spannende Ansätze zur Lösung dieser Probleme sehen werden.

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Sacha Vorbeck
schrieb am 23. September 2008 um 06:24 Uhr:

Schön, da sind ein paar interessante Tipps dabei. Aus Rivva könnte auch was werden: http://rivva.de/

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Thorsten Boersma
schrieb am 27. November 2008 um 01:01 Uhr:

Ich habe jetzt mal PostRank ausprobiert. Ist zwar auch nicht selbstlernend, kann aber Artikel nach “Qualität” filtern. Der Filter basiert auf einer Bewertung von News und Artikel in fünf Kategorien, die für “Engagement” relevant sein sollen: Creating, Critiquing, Chatting, Collecting und Clicking.

Man kann dort auch zusätzlich nach Keywords filtern – halte ich aber nicht von. Ich habe jetzt mal meine Blogroll bei PostRank nach den “besten” Artikeln gefiltert und diese dann per Yahoo Pipes in einen Feed vereint, der mir den letzten “besten” Artikel jedes einzelnen Feeds anzeigt. Weiter mache ich jetzt mal einen Vergleich mit dem Original SPON-Feed und dem gefilterten SPON-Feed.
Mal sehen, ob das was bringt.

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Jan Tißler
schrieb am 27. November 2008 um 22:38 Uhr:

Das klingt sehr interessant. Ich bin gespannt auf einen Erlebnisbericht!

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