Astroturfing & Co.: Massenbewegungen selbst gemacht

Das Internet macht es so einfach wie nie, seiner Meinung Gehör zu verschaffen, Informationen zu verbreiten und Mitstreiter zu finden. Was auf der einen Seite eine der großen Stärken des Webs ist, lässt sich aber auch ausnutzen. Firmen und andere Organisationen starten dann beispielsweise einen fingierten Verein, um verdeckt für ihre eigenen Ziele zu werben. Gegnerische Gruppen werden unterwandert oder diskreditiert. Dieser Artikel stellt das oftmals „Astroturfing“ genannte Phänomen vor.

Welche Protestbewegung ist echt, welche ist unterwandert und welche ist gar frei erfunden? (Foto: "7th week of 24/7 protest" von Jordan Busson auf flickr.com. Lizenz: CC BY 2.0)

Welche Protestbewegung ist echt, welche ist unterwandert und welche ist gar frei erfunden? (Foto: „7th week of 24/7 protest“ von Jordan Busson auf flickr.com. Lizenz: CC BY 2.0)

Der Begriff Astroturfing stammt aus dem US-amerikanischen Sprachraum und ist dabei ein Wortspiel mit „grassroots movement“ („Graswurzelbewegung“). So werden Gruppierungen bezeichnet, die sich tatsächlich von unten nach oben entwickeln, weil sich beispielsweise Betroffene zusammenschließen. „AstroTurf“ ist hingegen eine Produktbezeichnung für Kunstrasen. Insofern ist Astroturfing, wenn künstliche Graswurzelbewegungen erschaffen werden.

Warum es ein wichtiges Thema ist

Auch wenn es vielleicht nicht jeder gern zugibt: Die öffentliche Meinung beeinflusst unsere eigene Meinung. Das gilt nicht zuletzt für Politiker. Die haben sowieso bereits die schwere Aufgabe, verschiedene Interessen gegeneinander abzuwägen. Entsprechend umlagert sind sie von Lobbyisten, die ihre Agenda durchsetzen wollen. Schließlich geht es nicht selten um viel Geld. Man denke hier nur an den stetigen Konflikt zwischen Umweltschutz und der Industrie. Oder die Diskussion um das Urheberrecht in Zeiten des Internets. Oder um die Lebensmittelindustrie. Hier stehen die Interessen von großen Unternehmen gegen die Interessen vieler Bürger.

Während direkter Lobbyismus durchaus öffentlich gemacht werden kann, sieht es bei geschicktem Astroturfing anders aus. Er ist Lobbyismus im Tarnmantel. Da werden beispielsweise bereits vorhandene Vereine und Verbände gezielt gefördert oder im Zweifel eben selbst erschaffen. Für Politiker sieht es dann so aus, als gäbe es eine starke Bewegung in der Bevölkerung für oder gegen ein Thema, die in Wirklichkeit überhaupt nicht vorhanden ist. Oder aber es wird so getan, als seien Fakten umstritten und als gäbe es Zweifel – siehe Klimawandel.

In diese Falle laufen dann wenig überraschend auch Journalisten – und verstärken das Phänomen damit weiter. Sie haben schließlich nicht tagelang Zeit, um für eine kurze Meldung erst selbst zu recherchieren, verschiedene Personen und Institutionen zu befragen und Nachforschungen anzustellen. Das kann man mit Recht kritisieren, aber es bleibt trotzdem Realität.

Einige Beispiele

Aber wie sieht Astroturfing in der Praxis aus? Das kann man anhand einiger Beispiele aus der Vergangenheit aufzeigen, die letztlich aufgeflogen sind.

Zuckersüße Forschungsergebnisse

Website des Global Energy Balance Network

Website des Global Energy Balance Network heute

Was sind die wahren Gründe für Übergewicht und Fettleibigkeit? Das wollte das gemeinnützige Global Energy Balance Network herausfinden und kam zu einer überraschenden Erkenntnis: Fast Food und zuckerhaltige Getränke sind nicht das Problem. Stattdessen ist fehlende Bewegung verantwortlich zu machen. Ernährungswissenschaftler widersprachen vehement: Mehr Aktivität bei gleichbleibend schlechter Ernährung helfe nicht – genau andersherum werde ein Schuh daraus.

Wie kommen die Macher dann aber zu ihren Schlussfolgerungen? Sie behaupten schließlich „die Stimme der Wissenschaft“ beim Thema Fettleibigkeit zu sein. Das wurde bald klar: Die New York Times berichtete im August 2015, dass Coca Cola die Gruppierung mit 1,5 Millionen US-Dollar unterstützt habe und zudem deren Website betreibe. Zwei der Gründer sollen in den Jahren zuvor außerdem knapp 4 Millionen US-Dollar für andere Projekte vom Limo-Konzern erhalten haben.

Anfangs versuchten sich die Beteiligten noch zu wehren und pochten darauf, die Gruppe handele trotz der finanziellen Zuwendungen unabhängig. Ein Bericht der Nachrichtenagentur AP strafte diese Aussagen Lügen: Interne E-Mails zeigten, dass Coca Cola dabei mithalf, die Führungspersonen der Gruppe auszuwählen, das Mission Statement zu schreiben und Artikel und Videos für die Website auszusuchen.

Im Dezember 2015 stellte die Gruppierung ihre Arbeit sang- und klanglos ein. Coca Cola enthielt sich jedes weiteren Kommentars.

Müll von Tetra Pak

Ein weiteres Beispiel war die Organisation „Waste Watchers“. Sie machte gegen den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Stimmung, weil er neuen Müllverbrennungsanlagen kritisch gegenüberstand. Waste Watchers erklärte, damit sei der BUND für wachsende Müllberge verantwortlich. Öffentlichkeitswirksam kippte man der Organisation eimerweise Abfall vor einen Messestand. Was zu dem Punkt bereits bekannt war: Der Gründer der Waste Watchers hatte früher als Pressesprecher für Tetra Pak gearbeitet. Später kam allerdings heraus: Vier der übrigen sechs Gründungsmitglieder hatten ebenfalls Verbindungen zu diesem Verpackungshersteller. Der fünfte war der Schwiegervater des Gründers. Die Waste Watchers verschwanden letztlich in der Versenkung.

Feministinnen gegen Vatertag

Auf 4chan wurden die Fake-Feministinnen und ihre Aktion zur Abschaffung des Vatertags erdacht.

Auf 4chan wurden die Fake-Feministinnen und ihre Aktion zur Abschaffung des Vatertags erdacht.

Eine andere Variante des Astroturfing nutzt dieselben Methoden – aber nicht, um seine eigenen Positionen und Vorhaben zu stärken, sondern um einen Gegner zu schwächen. Ein Beispiel dafür ist die von 4chan-Nutzern gestartete „Operation Lollipop“. Sie sollen im Zuge dessen rund 200 Fake-Twitter-Accounts gestartet haben, in denen sie sich als farbige Frauen und Feministinnen ausgaben. Unter anderem starteten sie eine Aktion, um den Vatertag abzuschaffen. Der Hashtag #EndFathersDay schaffte es tatsächlich in die Trending Topics bei Twitter. Die Idee hinter solchen und anderen Taktiken: Feministinnen in der Öffentlichkeit lächerlich machen und Zwietracht sähen. Und das ging sogar auf, bis der Fake aufflog.

Hillarys falsche Freunde

Ein ähnliches Beispiel aus dem Bereich der US-Politik: Schon 2008 nahm Hillary Clinton Anlauf, um US-Präsidentin zu werden, unterlag innerhalb der Demokraten aber gegen Barack Obama. Bald darauf tauchten etliche Personen und Blogs auf, die erklärten: Wenn Clinton nicht für die Demokraten antreten darf, stimmen wir jetzt für den republikanischen Kandidaten McCain! Allerdings gab es starke Anzeichen dafür, dass diese Personen zum Großteil nicht echt waren.

Weitere Beispiele für Astroturfing finden sich u.a. bei Wikipedia im PR Wiki und in der Lobbypedia.

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Von Robotern und Sockenpuppen

Bei alldem macht es das Internet heute so einfach wie noch nie, eine Massenbewegung vorzutäuschen oder gegen andere Stimmung zu machen. Eine Website ist schnell aufgesetzt, Fake-Accounts bei sozialen Netzwerken lassen sich problemlos in gewünschter Menge erstellen und dann kann es losgehen.

Für Einsteiger reicht schon ein Tool wie Buffer, um bequem diverse Social-Media-Accounts zu befüllen. Für Fortgeschrittene ist es denkbar, viele Handgriffe gleich zu automatisieren. So werden Schreib-Automaten bekanntlich immer besser. Deren Methoden kann man ebenso anwenden, um automatisch in Diskussionen mitzumischen und die eigenen Positionen zu vertreten. Oder wer den Algorithmen nicht so vertraut, besorgt sich über das Netz eben billige Arbeitskräfte, die für einen Tag Copy & Paste entlohnt werden.

1 Person + 1 Software = 70 Fakes

Bekannt geworden ist „Operation Earnest Voice“ der US-Regierung. Eine Sicherheitsfirma entwickelte eine Software, die den Prozess von Fake-Accounts weitgehend automatisiert, so dass jeder Mitarbeiter zehn falsche Identitäten aktiv unterhalten kann. Die bestehen nicht nur aus einem einzigen Profil, sondern bekommen einen umfangreichen, glaubwürdigen Hintergrund in diversen Sprachen – teilweise inklusive persönlicher Website und anderer Dinge. Der Guardian berichtete darüber hinaus bereits 2011 von einer Software, bei der eine Person bis zu 70 Profile bedienen kann. Teilweise werden diese Accounts über lange Zeit aufgebaut und mit Inhalten gefüllt, bevor sie zum Einsatz kommen.

Von „sock puppets“ („Sockenpuppen“) spricht man allgemein, wenn eine Person hinter mehreren Accounts steckt. Der Begriff „meat puppets“ („Fleischpuppe“) wird bisweilen verwendet, wenn dahinter zwar ein realer Mensch steckt, der aber in Wirklichkeit beeinflusst ist oder gar nur ein Befehlsempfänger.

Es gibt aber noch einen weiteren Fall: Menschen, die aus verschiedenen Gründen selbst eine Scheinidentität annehmen. Manchmal geschieht das zum eigenen Schutz. Deshalb wird Facebooks Klarnamenpolitik immer wieder kritisiert. Aber manchmal legen sich Menschen eine falsche Identität zu, weil sie sonst nicht gehört würden. Und da ist die Grenze zur Manipulation sehr schnell überschritten.

„Vielleicht habe ich viel darüber zu sagen, wie es farbigen Frauen in den USA geht, aber weil ich ein weißer Mann bin, hört mir keiner zu. Dann täusche ich im Netz vor, eine farbige Frau zu sein und alle meine Aussagen bekommen einen Bonus an Glaubwürdigkeit.“ Mit diesem Beispiel erklärte Liz Henry in einem Vortrag in San Francisco, was dabei geschieht. Sie ist Entwicklerin, Bloggerin, arbeitet für Mozilla und hat seit vielen Jahren eine Faszination für Hochstapler im Netz. Sie hat die Macher von Fake-Blogs befragt und mitgeholfen, sie zu enttarnen. Ein prominentes Beispiel: Amina Omari, Autorin des Blogs „A Gay Girl in Damascus“.

Amina Omari, „A Gay Girl in Damascus“

Angebliches Blog von Amani Omari

Angebliches Blog von Amina Omari

Sie geriet ins Rampenlicht, als ihr Cousin auf dem Blog schrieb, sie sei von den syrischen Behörden in Gewahrsam genommen worden. Das war zur Zeit der Aufstände im Zuge des „arabischen Frühlings“ und entsprechend berichteten große Medien wie der Guardian oder die Washington Post darüber. Amina hatte sowohl die US-amerikanische als auch die syrische Staatsbürgerschaft. Seltsam nur: Die US-Behörden konnten nirgends etwas über sie finden. Liz Henry machte sich online auf die Suche und entdeckte tatsächlich Posts, Blogs und Profile. Stutzig machte Liz Henry, wie Amina darin über hypothetische andere Identitäten sprach. Beispielsweise sinnierte sie darüber, wie es wohl sei, wenn sie ein Mädchen aus Atlanta wäre. Liz Henry spürte diesen Profilen ebenfalls nach – und fand sie tatsächlich. Die Anzeichen verdichteten sich und letztlich kam heraus: Amina Omari war kein lesbisches, syrisches Mädchen in Gefangenschaft sondern ein in Edinburgh lebender, verheirateter US-Amerikaner.

Damit nicht genug: Im Zuge derselben Story wurde nur einen Tag später auch Paula Brooks enttarnt. Die lesbische Bloggerin war bestens vernetzt und hatte sich aktiv am Fall Amina Omari beteiligt. Aber wie sich zeigte: Paula Brooks war in Wirklichkeit ein in Ohio lebender, ehemaliger Bauarbeiter. Gegenüber der Washington Post erklärte er, er habe den Fake mit den besten Absichten ins Leben gerufen. Er habe gesehen, wie ein lesbisches Paar in seinem Bekanntenkreis behandelt wurde. „Ich habe das nicht unter meinem eigenen Namen gestartet, weil ich dachte, dass das niemand ernst nehmen würde.“

Es gibt zahlreiche weitere Beispiele. Manche Personen entwickeln dabei nicht nur eine gefälschte Identität, sondern gleich etliche, die teilweise miteinander interagieren. Liz Henry hat dabei im Zuge ihrer Recherchen festgestellt: Während manche Faker vielleicht tatsächlich auf Umstände hinweisen wollen, die ihnen wichtig sind, sind andere wiederum schlichtweg zwanghafte Lügner. Sie können nicht anders, als ständig Geschichten zu erfinden. So wird dann beispielsweise eine schwere Krankheit vorgetäuscht oder sogar der eigene Tod. „Sie wollen auf diese Weise Gelder einsammeln oder manchmal geht es einfach um die Suche nach Aufmerksamkeit“, erklärte Liz Henry.

Der entstandene Schaden lässt sich nicht immer leicht beziffern. Im Fall von „Amina Omari“ und „Paula Brooks“ stürzten die Fakes die lesbische Internetszene in eine schwere Krise. Die große Frage war: Wem konnte man noch vertrauen? Schließlich ist es nicht weiter ungewöhnlich, dass homosexuelle Menschen ihre Identität verschleiern. Zudem ist es nicht immer leicht möglich, sich persönlich zu treffen.

Mit solchen Methoden ließen sich natürlich alle Arten von Gruppierungen unterwandern und zerschlagen.

Fakes durchschauen

Aber was tun, wenn man den Verdacht hat, dass eine Institution, eine Website oder vielleicht eine einzelne Person nicht das sind, was sie vorgeben zu sein? Zum einen gibt es technische Methoden im Internet. Wer beispielsweise in einem Blog oder Forum kommentiert, hinterlässt dabei in der Regel seine IP-Adresse. Wer unter mehreren Namen zur gleichen Zeit aktiv ist, verrät sich dadurch. Fotos wiederum kann man in die Google Bildersuche hochladen und so herausfinden, ob dasselbe Motiv andernorts bereits gepostet wurde. Auf diese Weise findet man beispielsweise Profilfotos, die eigentlich anderen Personen gehören oder Stockfotos sind. Und natürlich kann man versuchen, mehr über die Person herauszufinden: Wo tritt sie sonst in Erscheinung? Wie viele Kontakte hat diese Person (und wie echt sehen die wiederum aus)? Wie lange ist diese Person bereits im Netz aktiv?

Aber es gibt zugleich ganz praktische, persönliche Wege, Geschichten zu überprüfen. Typisch für Fake-Personen ist beispielsweise, dass man oftmals keine Gelegenheit bekommt, sich mit ihnen direkt zu unterhalten oder sie gar zu treffen. Oder es wird eine Verabredung kurzfristig wegen eines „Notfalls“ abgesagt. Oder man entdeckt bei Recherchen etwas Verdächtiges, konfrontiert die Person damit und bekommt dann weitere Geschichten aufgetischt.

Wenn man sich beispielsweise bei einem Forum fragt, ob die Personen echt sind, gibt es noch andere Signale, wie Liz Henry in ihrem Vortrag erklärt hat: Ein Blick auf Datum und Uhrzeit der Postings verrät, ob sie in schneller Abfolge veröffentlicht wurden. Die Nutzernamen sind vielleicht alle nach einem ähnlichen Schema gestaltet. Sprachliche Eigenheiten lassen sich oftmals auf lange Sicht nicht verbergen und schleichen sich in die verschiedenen Fake-Personen ein, die man geschaffen hat. Oder aber es zeigt sich, dass mehrere Personen vor allem miteinander diskutieren, aber nicht oder kaum mit anderen. Alles das sind zwar keine Beweise, aber doch gute Indizien.

Weitere Hinweise bekommt man mit Hilfe von Werkzeugen wie dem kostenlosen NodeXL. Dieses Excel-Template kann Verbindungen in einem Social Network visualisieren. Ein anderes Beispiel für die Analyse von Personen, Gruppen und ihren Verbindungen ist Maltego. Darüber hinaus gibt es viele kostenpflichtige Werkzeuge beispielsweise fürs Social Media Management, die ebenfalls in Frage kommen.

Wichtig sei bei alldem allerdings, die ethischen Grenzen des eigenen Tuns im Blick zu behalten, betonte Liz Henry. Schließlich dürfe man nicht vergessen, dass man hier in das Privatleben anderer Menschen eindringe. Vor allem sollte man sich mit vorschnellen Anschuldigungen zurückhalten.

Die Grenzen sind fließend

Plakat von Amnesty International in Hamburg, das zu Protestbriefen aufruft. (Foto: Jan Tißler)

Plakat von Amnesty International in Hamburg, das zu Protestbriefen aufruft. (Foto: Jan Tißler)

Stellt sich abschließend noch die Frage, wo man die Grenze ziehen kann. Bis zu welchem Grad ist es Aktivismus, ab wann wird es Astroturfing? Schließlich kämpfen alle Seiten um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Netzpolitische Aktivisten beispielsweise fordern regelmäßig auf, zu bestimmten Themen die Volksverteter in den Parlamenten per Besuch, Anruf oder E-Mail anzusprechen. Vorlagen dazu werden gleich mitgeliefert. Aber ist das dann noch eine „echte“ Graswurzelbewegung? Oder inszeniert man damit schon Aktivität, die es so gar nicht gibt?

Aus meiner persönlichen Sicht gibt es einen entscheidenden Unterschied: Ob die „Strippenzieher“ im Dunkeln bleiben wollen oder nicht. So lange für die Öffentlichkeit klar ersichtlich ist, wer der Absender einer Nachricht ist, bewegt man sich im grünen Bereich. Allerdings ist das in der Praxis nicht ganz so leicht umzusetzen, denn im Prinzip kann jedes Gespräch, jede E-Mail, jedes Telefonat eine andere Person beeinflussen. Wollte man vollkommen transparent sein, müsste man das alles offenlegen. Letztlich bleibt die Grenze also fließend.

Fazit

Als mein persönliches Fazit nehme ich gerade auch in meiner Eigenschaft als Journalist und Blogger mit: Man kann gar nicht kritisch genug mit Informationen sein, selbst wenn sie von einem scheinbar vertrauenswürdigen Absender kommen. Es ist in der täglichen Berufspraxis letztlich nicht möglich, stets alles zu hinterfragen, jede Aussage zweifach zu überprüfen, die Vorgeschichte jedes Interviewpartners zu durchleuchten oder Verstrickungen von Vereinen und Unternehmen zu recherchieren. Aber es ist trotzdem wichtig im Hinterkopf zu behalten: Nirgends hat man so schnell eine prachtvolle Fassade aufgestellt wie im Web.

Artikel vom 18. Januar 2016