Eure Meinung zur Zukunft des Bloggens

Auf dem BarCamp in Hamburg möchte ich vielleicht eine Session anbieten, in der über die Zukunft von Blogs diskutiert werden kann. Einige Anregungen und Informationen möchte ich dazu heute und hier schon einmal veröffentlichen. Und ich wäre gespannt auf Eure Meinung, Eure Ideen, Eure Visionen von der Zukunft des Bloggens.


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Gestaltet von Vivian Pein, veröffentlich unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Germany License.

Passend zum Herbst sind Teile der Blogosphäre dieser Tage gerade wieder sehr niedergeschlagen. Bloggen sei auf dem absteigenden Ast. Niemand interessiere sich dafür. Das habe doch alles keinen Sinn. Und überhaupt war früher alles besser. Und davor, noch früher als früher, war alles noch viel, viel besser.

Was aber ist da wirklich dran?

1: Twitter und FriendFeed lösen Blogs ab

Wer einen interessanten Linktipp hat, veröffentlicht den eher mal eben schnell bei Twitter oder Identi.ca, anstatt dafür einen ganzen Blogbeitrag zu schreiben. Und letztlich wird alles Interessante sowieso in den Lifestreams bei FriendFeed und anderen gesammelt. Blogs verlieren damit einen wichtigen Daseinszweck und ihren Ursprung: Anderen zeigen, was im Internet interessant ist und was sie gerade beschäftigt.

Gegenrede: Twitter und FriendFeed befreien Blogs von Ballast. Anstatt kurz hingeworfener Linktipps und „Oh, verdammt, das müsst Ihr Euch anschauen“-Postings gibt es in Blogs eben alles, was nicht so auf die Schnelle erledigt ist. Und davon gibt es genug, sofern man sich für ein Thema tatsächlich interessiert.

2: Video schlägt Text

Nicht jeder hat Zeit und Lust, sich einen länglichen Blogbeitrag durchzulesen – mal eben einen Film in 2:30 Minuten anzuschauen, ist aber eher drin. Die technischen Möglichkeiten lassen in dieser Hinsicht kaum noch Wünsche offen. Videos in annehmbarer Qualität und auch Live-TV übers Netz sind heute Dinge, die jeder interessierte Nutzer selbst produzieren kann.

Gegenrede: Nicht alles lässt sich in Videos transportieren und nur in einigen Fällen sind Bilder überhaupt notwendig und vorhanden. Für ausführliche Informationen ist in solchen Filmen zudem kein Platz. Video ergänzt Texte und Fotos um eine weitere Komponente und will geschickt eingesetzt sein. Daneben aber haben reine Textangebote ebenso ihre Berechtigung.

3: Blogs zerbrechen an ihrer Professionalisierung

Waren Blogs zunächst persönliche Medien, die sich häufig auf einen eng umgrenzten Personenkreis bezogen, kann mit derselben Technik auch ein professionelles Produkt entstehen – wobei dann das eigentliche Wesen des Blogs verraten wird. „Blog“ verkommt zu einer speziellen Form des Content Managements mit einigen Zusatzfeatures wie Trackback und Pingback. Blogs verlieren damit ihre Eigenständigkeit und werden gesichtslos.

Gegenrede: Aus einigen Blogs wird sich – gewollt oder ungewollt – mehr als eine persönliche Website entwickeln. Es gibt genügend Menschen, die interessante Informationen, Meinungen und Werke haben, die einen großen Personenkreis ansprechen. Daneben (und hauptsächlich) wird es zugleich die privaten Blogs geben, mit denen Menschen über die Dinge berichten, die ihnen wichtig sind, ohne dass sie dabei über Einnahmen, Postingfrequenz oder suchmaschinenoptimierte URLs nachdenken.

4: Blogs bleiben ein Nischenthema

Kein einzelnes Blog kann einen so generellen Überblick liefern wie eine Tageszeitung oder die TV-Nachrichten. Kein Blog hat Korrespondenten, um aus Kriegs- und Krisengebieten zu berichten. Deshalb bleiben Blogs auf Nischen beschränkt, die für klassische Medien schlichtweg zu klein sind.

Gegenrede: Ein einzelnes Blog kann vielleicht nicht mit einer Zeitung mithalten – mit einem einzelnen Zeitungsredakteur aber auf jeden Fall. Betrachtet man Blogs nicht einzeln, sondern als Gesamtheit, haben sie bereits heute viel Einfluss und Bedeutung. Und sie haben vielleicht keine festen Korrespondenten, aber gebloggt und getwittert wird an vielen Orten der Welt. Meldungen, Fotos und Videos sind im Netz schneller beim Leser und Zuschauer als irgendwo sonst.

5: Blogs sind nichts für die breite Masse

Blogs sind etwas für Nerds und Geeks. Der durchschnittliche Internetnutzer will hingegen seine Informationen aus seriösen, gut recherchierten Quellen. Er möchte sie professionell aufbereitet, damit er schnell versteht, was das Wichtigste daran ist.

Gegenrede: Schon heute gibt es Blogs zu den verschiedensten Themen – Hausbau, Eltern werden, Recht, Kochen, Sport. Thematisch sind Blogs längst in der breiten Masse angekommen. Wie gut die Quelle ist, kann der Leser meist selbst beurteilen, da der Blogger eine greifbare Person und keine weitgehend anonyme Redaktion ist. Er oder sie schreibt aus Begeisterung und aus einem inneren Bedürfnis und nicht für den Lebensunterhalt. Je mehr Blogs es gibt, desto mehr Blogleser wird es geben. Schaut man in andere Länder, ist das Potenzial in Deutschland noch lange nicht ausgereizt.

Eure Meinung?

Es würde mich freuen, wenn einige von Euch mit den anderen UPLOAD-Lesern ihre Vorstellung von der Zukunft der Blogs teilen würden. Welche Rolle könnten sie in den nächsten Jahren spielen? Wer wird Blogs lesen? Wer wird Blogs betreiben? Oder sind Blogs in meinetwegen fünf Jahren Geschichte und die Menschen haben sich wieder ganz anderen Dingen zugewandt? Oder ist Euch das am Ende egal und „et kütt wie et kütt“? Auch das würde ich gern wissen!

Hinterlasst gern gleich hier einen Kommentar dazu oder schreibt anderswo etwas darüber – zum Beispiel in Eurem Blog ;-)

Artikel vom 15. November 2008