MIKI: Online-Magazine im Eigenbau

Unter dem Namen MIKI läuft ein interessantes, neues Medienprodukt aus Deutschland. Für den Leser ist es die Übersetzung des klassischen Magazinformats ins Internet und auf den Computerbildschirm. Für den Macher wiederum ist es ein Werkzeug, mit dem sich online und ohne große Vorkenntnisse ein professionelles Ergebnis erzielen lässt.
Screenshot vom MIKI zum BarCamp Hamburg
MIKI zum BarCamp Hamburg

Der Name MIKI ist dabei eine Mischung aus Magazin und Wiki und soll die beiden Eigenschaften des Produkts andeuten: Schön wie ein klassisches Magazin, aber jeder kann mitmachen. Sehr weit sollte man diese Vergleiche allerdings nicht treiben, denn ein MIKI ist ein eigenständiges Medium mit eigenen Vor- und Nachteilen. Beim BarCamp in Hamburg hatte mir Marc Frey, Gründer der IntelliMedia AG, die Möglichkeiten vorgestellt und einen Ausblick auf die Zukunft gegeben.

Für den Leser

Interessant und ungewöhnlich zugleich ist die Darstellung am Bildschirm. Sinnvollerweise erscheint alles im Querformat, schließlich sind Bildschirme quer und werden in Zeiten der Widescreen-Displays immer breiter. Das MIKI ist dabei wie eine endlose Seite. Zwar gibt es jede Seite einzeln und am unteren Bildschirmrand kann man die auch einzeln anwählen. Aber zugleich kann man die Seiten mit der Maus nach links oder rechts verschieben. Je nach Gestaltung kann das eine nahezu endlos breite Magazinseite ergeben – muss es aber nicht.

Das MIKI funktioniert mit Flash – was wiederum nicht jeden begeistern wird. Um Suchmaschinen die Arbeit zu erleichtern, gibt es alle Inhalte parallel noch einmal ohne Flash. Und tatsächlich ist es möglich, Seiten direkt zu verlinken. Puristen werden anmerken, dass man das ohne Flash leichter haben kann. Aber die Optik ist aus meiner persönlichen Sicht überzeugend.

Mir gefällt dabei auch, dass man nicht umblättert. Bei vielen Flash-Magazinen gibt es einen eigens angelegten Effekt, der das Umblättern eines Papiermagazins nachahmt – inklusive Geräusch. Man tut so, als sei man Print. Mich nervt das ab der zwanzigsten Seite ungeheuer. Es kostet unnötig Zeit und ist komplett überflüssig. Da gefällt mir die Idee des MIKIs, alles hintereinanderzulegen, viel besser.

Nachteil: Sicher kommt nicht jeder Nutzer damit auf Anhieb zurecht. Es fehlt beispielsweise ein Hinweis darauf, dass man die Seiten verschieben kann. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass sich das ganze Projekt noch in der Testphase befindet.

Für den Macher

Sehr fortgeschritten geht es hinter den Kulissen zu. Als Macher eines solchen Magazins hat man ein erstaunlich umfangreiches Online-Layoutprogramm vor sich und kann Bilder und Text platzieren, mit Effekten und Links versehen und einiges mehr.

Wer mag, kann hier seiner Phantasie und Kreativität freien Lauf lassen und dürfte sich nur selten eingeschränkt fühlen. Zugleich gibt es Vorlagen, die dem Nutzer ohne Layout- und Designkenntnisse weiterhelfen. Hier befüllt man den Rohling mit den eigenen Inhalten und fertig ist die Seite – und nach und nach dann auch das Magazin.

Interessant ist die Idee, dass Nutzer künftig aus vorhandenen Inhalten neue Magazine zusammenstellen. Wer sich beispielsweise für die Toscana interessiert, könnte ein MIKI mit eigenen Fotos und Texten erstellen und um Seiten aus anderen MIKIs ergänzen. Möglich wäre auch, dass sich Nutzer ganz darauf verlegen, sehens- und lesenswerte Teile aus anderen MIKIs in ein eigenes zu übernehmen und auf diese Weise eine Vorauswahl treffen und zugleich dem ursprünglichen Autor weitere Leser bringen.

Bei den Inhalten ist neben den Nutzern selbst durchaus an professionelle Anbieter gedacht – die davon allerdings erst einmal überzeugt werden müssen.

Beispiele

Heute aber schon kann jeder das Tool ausprobieren und sein eigenes Magazin anlegen. Hier einige Beispiele:

Fazit

Die Optik eines MIKIs gefällt mir gut. Ausgezeichnet finde ich den Ansatz, jeden Interessierten ein solches Magazin machen zu lassen. Das Format an sich ist sehr innovativ und das ist zugleich eine Hürde für die gesamte Idee: Wird das Prinzip von den Nutzern angenommen? Die Navigation ist interessant, aber eben auch anders. Flash ist dabei nicht jedermanns Sache und beim Durchscrollen wünsche ich mir oft schnellere Ladezeiten. Und ebenso wichtig: Finden sich genügend MIKI-Macher?

Mein persönliches Fazit dazu fällt positiv aus. Die technische Grundlage finde ich so gut wie das Vorhaben, ein Magazin fürs Web-Zeitalter zu schaffen – inklusive Nutzerbeteiligung. Die Nutzungsmöglichkeiten für ein MIKI sind dabei vielfältig – von einer Zeitschrift über einen Katalog bis hin zum Bilderalbum.

Vieles davon kann man heute schon realisieren und mit anderen Mitteln umsetzen. Aber das ist eigentlich immer so und zumindest für mich kein Argument. Die Fotos von der Hochzeit beispielsweise kann ich natürlich einfach bei Flickr hochladen und jeder kann sie sich ansehen. Schön oder besonders ist das dann allerdings nicht. Aus den besten Aufnahmen ein solches Online-Magazin zu erstellen, finde ich hingegen interessant.

Ob die Nutzer das genauso sehen werden, wage ich nicht vorherzusagen. Wie ist Eure Meinung dazu?

Artikel vom 02. Dezember 2008