Das UPLOAD Magazin hat Geburtstag!

Das UPLOAD Magazin gibt es jetzt seit 10 Jahren! Im Digitalen ist das eine sehr lange Zeit, fast schon ein ganzes Leben. Für uns fühlt es sich allerdings gerade so an, als wäre das zweite Leben des UPLOAD Magazins gestartet. Nie waren wir dichter an der ursprünglichen UPLOAD-Vision aus dem Jahr 2006 als heute.

(Foto: Brooke Lark, Unsplash)

(Foto: Brooke Lark, Unsplash)

Dabei war unser bisheriger Weg ganz sicher nicht die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten. Vielmehr wurde daraus eine Schlangenlinie mit vielen Aufs und Abs, mit Beschleunigung und Stillstand, mit Wachstum und Stagnation. Aber unser Weg, so geschlängelt er auch war, zeigt letztlich auch, dass ein langer Atem, eine entspannte Haltung und ein gutes Team die passenden Zutaten für ein Erfolgsrezept sein können.

Wir möchten uns aber gar nicht für die letzten 10 Jahre feiern lassen. Wir möchten viel lieber allen Machern da draußen Mut machen: Glaubt an eure Vision, arbeitet mit Leidenschaft an ihr und habt säckeweise Geduld und Gelassenheit.

Eine Sache noch: Strebt nicht gleich die Weltherrschaft an! Gerade in den letzten Jahren war es für uns von unschlagbarem Vorteil, dass wir mit dem UPLOAD Magazin nicht zwangsläufig Geld verdienen mussten. Das hat uns den Freiraum für journalistische Experimente gegeben und die Gelassenheit, die man braucht, um Dinge einfach mal ganz anders zu machen als andere. Ohne diesen Freiraum würde UPLOAD heute sehr wahrscheinlich ganz anders aussehen. Und wir sind ehrlich gesagt schon sehr stolz auf das UPLOAD Magazin von heute.

Erst war da die Idee…

Die Internet-Antike...

Die Internet-Antike… So sah der erste Entwurf fürs UPLOAD-Layout aus, den ich im Bild festgehalten habe.

Die Idee dahinter war immer: Ausprobieren, was ein digitales Magazin heutzutage sein kann. Als es im November 2006 an den Start ging, gab es kein iPhone, kein iPad, keinen App Store. Es gab auch keinen Kindle oder Kindle Store. Facebook gab es schon, aber das öffnete sich im September 2006 gerade erst für jeden. Der Begriff „Social Web“ war noch gar nicht erfunden. Mit anderen Worten: Es war eine ziemlich verwegene Idee, in diesem Umfeld ein digitales Magazin starten zu wollen. Schließlich gab es weder passende Lesegeräte, noch entsprechende Marktplätze, Vertriebswege oder leicht zugängliche Kanäle fürs Marketing.

Anders gesagt: Das ist unsere Version von „Wir hatten ja nichts“.

In meinem ersten Post auf dieser Seite schrieb ich 2006:

„UPLOAD“ möchte ich jedenfalls nutzen, um Macher vorzustellen, Werkzeuge wie Soft- und Hardware zu testen, Tipps und Tricks zu sammeln und Trends auszumachen und zu bewerten. Im Idealfall mache ich das alles nicht allein, sondern finde Mitstreiter. Aber dafür fange ich jetzt einfach schonmal an. Ich probiere es mit offenem Ausgang. Vielleicht werde ich mit Schimpf und Schande aus der Blogosphäre gejagt, werde geteert und gefedert für meine Vorstellung, man könnte aus Blogs Magazine und Zeitschriften machen, aus Podcasts TV- und Radio-Sendungen, die nicht nur eine Elite erreichen. Und das alles mit dem Geist und dem Schwung einer neuen Gründerzeit im Medienbereich.

„Magazin für digitales Publizieren“ hieß damals die Unterzeile. Und auf der Seite war das Zitat von Bruno Giussani verewigt: „Es gibt keine neuen und alten Medien – nur Werkzeuge, um Geschichten besser zu erzählen.“

2006/2007: Der Start als PDF-Magazin

Cover der ersten Ausgabe des PDF-Magazins 2007.

Cover der ersten Ausgabe des PDF-Magazins 2007.

Zunächst sollte das UPLOAD Magazin als PDF erscheinen, denn das schien das am besten nutzbare Format. Das Design war fürs Querformat entworfen, denn so konnte man es perfekt am Rechner lesen. Ausdrucken ließ es sich bei Bedarf trotzdem. An sich wollte ich die Ausgaben damals schon verkaufen, aber das war nicht umsetzbar: Ich traute mir nicht zu, das selbst zu programmieren, einfache Lösungen out-of-the-box gab es nicht, einen Programmierer konnte ich mir von meinen null Euro Startkapital nicht leisten. Also gab ich es letztlich kostenlos weg – anmelden musste man sich allerdings für den Download. So viel wollte ich dann doch von meinen Lesern.

Mir war klar, dass ein PDF-Magazin im damaligen Netz praktisch unsichtbar sein würde. So kann man beispielsweise nicht auf einen Artikel gezielt verlinken. Ich wusste aber, dass meine einzige Möglichkeit fürs Marketing die berühmte Mundpropaganda sein würde. Das war einer der Gründe, ein Blog zum Magazin zu starten. Abgesehen davon wollte ich auch zwischen zwei Ausgaben über meine Themen schreiben können. Später kam gar ein Podcast hinzu – denn darauf hatte ich ebenfalls große Lust. Diese beiden Kanäle sollten die Aufmerksamkeit für das eigentliche Magazin generieren. So der Plan.

Letztlich zeigte sich: Das PDF-Magazin war viel zu aufwändig umzusetzen, denn es gab kein Team. Ich kümmerte mich um die Inhalte, Olaf Penke setzte das Layout um. Das war’s. Meine vage Hoffnung, mit der Zeit ein Team zu erhaben, erfüllte sich (noch) nicht.

Das Blog und der Podcast funktionierten aber ganz prima. Entsprechend blieb es am Ende bei zwei Ausgaben des PDF-Magazins. Blog und Podcast aber lebten weiter, nicht zuletzt durch Gastbeiträge und andere Unterstützer.

Die Dornröschen-Phase

Eines der seltenen Lebenszeichen in der „Dornröschen-Phase“: das Screencasting-Special. (Foto: complize, photocase.com)

Eines der seltenen Lebenszeichen in der „Dornröschen-Phase“: das Screencasting-Special. (Foto: complize, photocase.com)

Das ging so lange gut, bis ich beruflich und privat so viel um die Ohren hatte, dass ich keine Zeit und Energie mehr fand. Die Einnahmen waren weiterhin praktisch nicht vorhanden, der Aufwand aber blieb immens. Meine Ansprüche an mich und meine Arbeit waren noch einmal um ein Vielfaches größer. Ergebnis: Die Seite ruhte.

Zwischendurch gab es mal Lebenszeichen, denn ich hatte mich mit Sebastian Schürmanns zusammengetan. Wir hatten uns über UPLOAD und sein damaliges Projekt kennen gelernt. Gemeinsam setzten wir das Special „Buch der Zukunft“ um. Das lief über einen ganzen Monat und war extrem aufwändig. Wir wiederholten das nie wieder. Zwei Jahre später wollten wir es eine Nummer kleiner versuchen und heraus kam das Screencasting-Special, dessen Artikel und Videos heute noch immer sehr gut abgerufen werden. Im Grunde ist das ein Vorläufer unserer heutigen monatlichen Themenschwerpunkte. Wir hatten uns allerdings noch immer viel zu viel vorgenommen. Es blieb bei dem einen Special.

Die Website fiel wieder in den Dornröschen-Schlaf zurück. Ich wurde nur daran erinnert, wenn mich jemand auf einem Event ansprach (vielen Dank an alle, die das getan haben!) oder wenn mir jemand die Seite abkaufen wollte. Glücklicherweise habe ich solche Angebote stets abgelehnt, vor allem weil es nie jemandem darum ging, die Seite in meinem Sinne weiterzuführen.

2012/2013: UPLOAD Magazin Reloaded

Ende 2012 dann passierte wieder etwas: Nachdem Sebastian und ich eine weitere Idee aufgrund zu großer Pläne einschlafen ließen, änderten wir unseren Ansatz. Ehrlich gesagt war es nicht einmal ein Ansatz. Es ergab sich einfach. Und das war ungefähr so:

Sebastian: „Ich habe mal etwas über die Plattformen geschrieben, auf denen man Coden lernen kann. Weiß nicht, ob das was ist. Schau’s dir mal an. Ist im Backend.

Ich: „Gefällt mir super. Lass uns das am Montag veröffentlichen. Ich hatte übrigens dieser Tage gerade etwas über den Begriff „Dark Social“ gelesen. Darüber könnte ich etwas schreiben. Mal schauen. Könnte ich ja einfach nächsten Monatg einplanen.“

Sebastian: „Okay! Ich wollte an sich auch mal was über die Berliner Startup-Szene schreiben. Wenn ich das schaffe, könnten wir das ja dann am Montag danach einplanen.“

Ich: „Ja…“

Sebastian: „Ja…“

Plötzlich hatten wir eine Reihe geschaffen: ein neuer Artikel jeden Montag. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das klappte dann plötzlich ganz wunderbar, Woche für Woche. Manchmal wurde es eng, aber wir hielten das letztlich über Monate hinweg durch. Und das obwohl die Artikel mit der Zeit wie von allein umfangreicher und aufwändiger wurden.

Dann kamen die ersten Tools heraus, mit denen man sehr simpel eine iPad-Magazin-App erstellen konnte und ich war ganz Feuer und Flamme dafür. Allerdings bedeutete das mit einem Mal eine Verpflichtung, die zu zweit nicht zu schaffen war. Zum Glück kam Falk Hedemann hinzu, weil er gerade einen beruflichen Neustart wagte. Wir kannten uns bereits vom t3n Magazin, hatten da super zusammengearbeitet und wollten sowieso schon lange etwas gemeinsam machen. Er fand die Idee mit dem monatlichen Digitalmagazin klasse.

Das digitale Fachmagazin

Die Cover der neuesten Ausgaben.

Die Cover der neuesten Ausgaben.

Gesagt, getan: Am 31. Juli 2013 erschien UPLOAD Nr. 1. Seitdem haben wir jeden Monat eine neue Ausgabe herausgebracht, immer am letzten Mittwoch des Monats. Die Artikel wurden seitdem umfangreicher und zahlreicher. Wir haben später die Themenschwerpunkte eingeführt. Wir mussten einmal den App-Anbieter wechseln und verloren im Zuge dessen alle bisherigen Abonnenten. Wir haben trotzdem weitergemacht. Und die Belohnung kam: Wir konnten Mittwald als Sponsor gewinnen und hatten damit erstmals Einnahmen statt Verluste.

In diesem Jahr nun haben wir unser Abo-Angebot erneut geändert, aber aus guten Gründen. Man kann jetzt einzelne Ausgaben direkt bei uns auf der Seite kaufen und auch hier das Abo abschließen. Uns gibt das viele neue Freiheiten. Allerdings fangen wir erneut von vorne an, denn die alten Abos lassen sich nicht automatisch umwandeln. Aber da müssen wir jetzt durch.

Wenn alles klappt, sollte das der letzte harte Einschnitt gewesen sein, denn ab sofort verwalten wir unsere Abonnenten-Datenbank selbst. Endlich! Auch wenn wir das System wechseln sollten, gehen uns die Abos (hoffentlich) nicht wieder verloren.

Fazit und Ausblick

Mit anderen Worten: In den letzten zehn Jahren ist eine Menge passiert. Und nach einigen weniger erfolgreichen Versuchen haben wir inzwischen eine sehr schöne Entwicklung vorzuweisen. Es geht langsam, aber stetig voran. Manchmal bin ich erstaunt, wenn ich eine fertige neue Ausgabe vor mir habe und mit dem vergleiche, was wir vor vier Jahren gemacht haben.

Ich gebe dabei ganz offen zu: Es war nicht immer einfach, dran zu bleiben. Wie erwähnt ruhte die Seite auch lange Zeit. Ich bin froh, dass ich die Idee trotz allem nie ganz losgelassen habe. Und noch glücklicher bin ich, dass zunächst Sebastian und dann Falk hinzukamen und wir das gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Mit der Zeit haben wir mehr und mehr Autorinnen und Autoren gewinnen können. Auf diese weiterhin wachsende Liste sind wir schon sehr stolz – und auch darauf, dass so mancher darunter bereits mehr als einen Beitrag geschrieben hat.

Mittwald hat in diesem Jahr sein Sponsoring vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert. Das war für uns wichtig, um den Schritt mit unserem neuen Abo zu wagen. In den nächsten Wochen und Monaten wollen wir weiter lesenswerte, nützliche und besondere Artikel liefern und dabei auch immer wieder neue Dinge ausprobieren. Wir freuen uns dazu jederzeit über Feedback, Ideen und Wünsche.

Und dann werden wir sehen, was in zehn Jahren sein wird. Ich glaube: Es wird in Zukunft mehr und mehr Medienangebote geben, die mit dem vergleichbar sind, was heute Fachmagazine sind. Verlässliche, regelmäßig aktualisierte Informationsquellen mit Anspruch, die zugleich all die Möglichkeiten nutzen, die man nur im Digitalen hat. Die konsequent digital sind, digital geboren. Die vielleicht zu besonderen Anlässen auch mal Papier bedrucken. Die sich aber von Print nicht darin einschränken lassen, wie sie ihre Inhalte planen und umsetzen.

Wir werden es erleben. Und wir sind schon sehr gespannt.

Artikel vom 21. November 2016