Der Tag, an dem Klein Bloggersdorf stillstand

Nun ist es geschafft: Die eBay-Auktion zu „Basic Thinking“ ist vorbei. Herausgekommen sind: 46.902,00 Euro. Wie der Preis zu werten ist? Darüber wird sicher noch viel diskutiert dieser Tage. Klar ist jedenfalls, dass diese A(u)ktion manches in Bewegung gesetzt hat. Wenn wir in einigen Jahren zurückblicken, werden wir sagen: „Ja, damals, als dieser Robert Basic sein Blog verkauft hat, da fing das alles an.“ Aber was fängt denn jetzt eigentlich an?

Hinter WordPress Deutschland steht eine GmbH. Kai Müller vom Stylespion macht sich mit seinem Blog selbstständig. Hinter dem Podcast „Bits und so“ steht eine GmbH. Peter Turi nimmt mit seiner aus einem Blog entwickelten Newsseite rund 275.000 Euro pro Jahr ein und vier Redakteure können in Vollzeit davon leben.

Das sind einige Fakten aus den letzten Tagen und Wochen.

Zugleich hat der Verkauf von Basic Thinking eine ungeheure Medienaufmerksamkeit für Blogs gebracht. Und die Auktion zeigt: Ein Blog ist etwas wert, selbst wenn es nicht professionell darauf hin getrimmt wurde. Die Verkaufschancen für Basic Thinking waren nicht besonders gut. Zu sehr war das Blog mit Robert als Person verzahnt – auch wenn er das aus mir unerfindlichen Gründen immer abstreitet. Es sind seine Interessen, es ist seine Schreibe, es ist seine Art zu kommunizieren, die Basic Thinking groß gemacht haben – unabhängig davon, ob man selbst etwas mit dieser Art zu bloggen anfangen kann.

Trotzdem hat der Verkauf funktioniert.

Er ist ein weiteres, sehr offensichtliches Beispiel dafür, dass Blogs in den vergangenen Jahren ihren Weg fortgesetzt haben. Sie differenzieren sich weiter aus. Einige betreten die Schwelle zum Medienangebot mit klassischem Zuschnitt. Andere sind noch weiter gegangen.

Vielleicht gibt es da draußen noch ein paar Blog-Fundamentalisten, die die reine Lehre predigen. Sie haben ihre Anhänger. Aber sie sind nur ein Teil des Ganzen, so wie die Katzen- und Strickblogger, die SEO- und Geld-verdienen-Blogger, die journalistisch angehauchten Newsblogger oder die vielen zehntausend weiteren Blogger.

Die Masse an Blogs interessiert sich nicht für eine Medienrevolution. Sie interessiert es nicht, ob sie eine Gegenöffentlichkeit sind oder eine weitere Macht im Staat. Sie interessieren sich nicht für Regeln. Sie bloggen einfach.

Daneben aber gibt es Blogs, die nicht nur von Menschen mit großem Ehrgeiz, mit großer Leidenschaft oder beidem gemacht werden. Sie bloggen außerdem mit einer Idee im Hinterkopf, vielleicht sogar mit einem (Achtung!) Ziel vor Augen. Sie schämen sich nicht dafür, mit einem Blog Geld zu verdienen, sie finden das prima und wollen sogar noch mehr verdienen, damit sie sich endlich ganz dem widmen können, was ihnen und ihren Lesern so viel Spaß macht.

Wie gesagt: Das ist nur ein kleiner Teil aller Blogs. Aber es ist schon heute der, der am meisten wahrgenommen wird von Außenstehenden (wozu man leider nach wie vor die meisten Journalisten zählen muss).

Ein deutsches TechCrunch beispielsweise ist dennoch nicht in Sicht. Dort ist die Blog-Herkunft nur noch zu erahnen. Stattdessen ist es eine professionell aufgezogene Newsseite. Am ehesten könnte man wohl turi2 damit vergleichen, da es ebenfalls aus einem Blog hervorgegangen ist und heute damit nichts mehr zu tun hat (zum Glück, in diesem Fall). Netzwertig wäre ein anderer Kandidat.

Das ist übrigens keine Wertung. Ob mir TechCrunch oder turi2 oder Netzwertig gefallen, will ich damit gar nicht gesagt haben. Mir geht es um die Entwicklung. Und ich verbinde in den nächsten Jahren einige Hoffnungen damit.

Diese Hoffnungen sind beispielsweise, dass Leidenschaft gewinnt gegen kalte Berechnung. Dass die Leser dort hingehen, wo die Macher mit vollem Einsatz dabei sind. Dass viele Talente durch das Internet eine Chance bekommen, sich selbst auszuleben, unbeeinflusst durch Verlage, Redaktionsleiter, Programmchefs und die vielen anderen. Dass Wissen für alle zugänglich wird. Dass sich jeder frei informieren kann – nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch. Dass eine Gegenbewegung zu den Dinosauriern der Medienbranche entsteht. Dass verratene Ideale gerade auch im Journalismus wieder neue Freunde finden. Dass sich Fakten nicht aufhalten lassen, auch wenn sie einer starken Lobby nicht gefallen.

Ob sich diese Hoffnungen erfüllen? Wir werden es erleben. Aus der Faszination für das Kommende heraus habe ich jedenfalls vor gut zwei Jahren UPLOAD gestartet.

Die Ereignisse der letzten Wochen zeigen mir eines ganz klar: Blogs sind ein elementares Werkzeug der Revolution um uns herum. Sie sind nicht das einzige. Es gibt noch viele mehr. Aber sie sind wichtig und haben noch erhebliches Potenzial.

Nun gut, der Hype um Basic Thinking hat seinen Höhepunkt gefunden. Was wird jetzt passieren?

Klein Bloggersdorf wird bald wieder weitermachen, als wäre nichts geschehen. Man wird Basic Thinking beobachten. Man wird Robert Basics neue Projekte beobachten. Man wird über die nächsten lästern, die ihren eBay-Exit versuchen. Aber alles in allem wird es weitergehen.

Denn die Veränderungen passieren beinahe unmerklich. Nur manchmal, wenn man stehen bleibt und einen Moment genauer hinschaut, dann sieht man, was sich bereits wieder getan hat. Und dann ist man manchmal sehr verblüfft.

Artikel vom 15. Januar 2009