Werbung in Weblogs – Fragen an C. B. Schmidt von Ecato (1)

Die von der Ecato GmbH erdachte Blogwerbeaktion zu Medion-Navigationsgeräten hat seit der vorigen Woche in manchen Weblogs hohe Wellen geschlagen. Generell ist Werbung in Blogs derzeit ein oft und kontrovers diskutiertes Thema. Ich habe Christian Boris Schmidt, einem der beiden Geschäftsführenden Gesellschafter von Ecato, Fragen zur Medion-Aktion und zum Thema Blog-Werbung gestellt. Und er hat ausführlich geantwortet. So ausführlich, dass die Antworten in zwei Teilen erscheinen: heute und Mittwoch.

Hintergrund: Blogger können bei der von Ecato organisierten Aktion über die neuen „GoPal“ Navigationsgeräte von Medion schreiben, eine per Klick bezahlte Werbung einbinden und eines von drei Medion-Navis gewinnen.

Wie kam es zum Kontakt mit Medion?

Wir bieten neben unseren Preisvergleichslösungen bereits seit August 2006 Produktwerbemittel an, die Webseitenbetreiber inhaltlich und farblich einfach an ihre Seiten anpassen können (siehe dazu diesen Artikel im meinem privaten Weblog).

In diesem Rahmen arbeiten wir auch seit einiger Zeit mit einer Agentur zusammen, die Medion im Online-Marketing für Medionshop.de unterstützt. Diese kam vor ein paar Wochen auf uns zu, um zusätzlich eine Kampagne für die neuen GoPal-Geräte zu schalten. Da wir gern auf neue Ideen bei der Produktvermarktung setzen, wollten wir ein besonderes Modell vorschlagen, das sich auch mit anderen Kunden weiterentwickeln ließe.

Warum eigentlich Werbung in Weblogs?

Aktuelle Studien belegen, dass Blogs eine immer größere Rolle in der Kaufentscheidung der Verbraucher spielen. Das ist auch gut so, da Blogger meist aus eigenen Erfahrungen schreiben oder die verschiedenen Informationsquellen nutzen, um zusammenfassend ihre Meinung zu einem Thema zu veröffentlichen. Das Verhältnis der Postings, die sich dabei auf Produkte konzentrieren, ist in Deutschland jedoch im Gegensatz zu dem in den USA oder auch in Frankreich noch sehr gering. Also wollten wir einen Anreiz schaffen, sich als Blogger mit Produkten auseinanderzusetzen, in diesem Fall mit Medions Navigationsgeräten.

Wie enstand die Idee zur Medion-Aktion?

Zuletzt konnte man beobachten, dass das Modell der „Paid Postings“ in Deutschland nur verhalten angenommen wurde. Ich habe selbst als einer der Wenigen an einer der ersten Aktionen teilgenommen. Bei mir hat diese jedoch immerhin den Ausschlag gegeben, mich in meiner knappen Freizeit mal konkret mit einem Produkt zu beschäftigen. Die Bezahlung stand für mich dabei im Hintergrund und war erst recht kein Grund nicht ehrlich zu schreiben. Den Bericht habe ich sogar dann noch unbezahlt fortgesetzt (siehe hier).

Allerdings scheinen die diversen „Schnitzeljagden“ bzw. „Stöckchenspiele“ für mehr Interesse bei Bloggern zu sorgen. Diese
ziehen sich derzeit teilweise sogar mit kommerziellen Hintergründen durch immer mehr Weblogs. Also haben wir die Ansätze der Modelle auf das Geschäftsmodell von Ecato übertragen. Da kam dann die Idee zur Aktion „Bloggen, Verdienen, Gewinnen“. Diese knüpft an unsere Produktvermarktungslösung an, die gegen Google Adsense, Ebay Relevance Ads oder Amazon Self Optimizing Links antritt.

Durch das Kampagnenbudget, das Medion wie gewohnt in „klassische“ Bannerwerbung investieren wollte, können wir den teilnehmenden Bloggern eine aus unserer Sicht sehr attraktive Klickvergütung auf die klar vom Inhalt getrennten Werbeanzeigen anbieten. Außerdem konnten wir den Kunden davon überzeugen, drei der neuesten Geräte für eine abschließende Verlosung zur Verfügung zu stellen.

Im Grunde ist dies beides gängige Praxis zum Beispiel bei Affiliate-Marketing-Programmen. Hier werden teilweise sogar werbliche Texte als Vorlagen für Kooperationspartner zur Verfügung gestellt. Das widerspricht aber ganz klar dem Nutzen von Weblogs für deren Leser. Deshalb sollen die an unserer Aktion teilnehmenden Blogger ihre eigene Meinung schreiben. Dabei sind sie bis auf die üblichen rechtlichen Rahmenbedigungen, die bei jeder Form der öffentlichen Äußerung gelten, völlig frei.

Wie haben Sie die letzten Tage seit Start der Aktion erlebt?

Am Montag, 5. März, ging es nach einigen Wochen Vorbereitung und immer wieder Warten auf Feedback des Kunden los. Zeitgleich berichtete der Europa-Fachpresse-Verlag sowohl in der Printausgabe vom „Kontakter“, als auch online unter anderem bei „W&V“ über die Aktion.

Wie ich schon in meinem persönlichen Weblog schrieb, waren wir natürlich sehr gespannt, wie die Aktion aufgenommen würde.

Es lag nie in unserem Interesse, Blogger zu beeinflussen oder ihnen inhaltliche Vorgaben in Richtung werblicher Aussagen zu machen, wie es uns jetzt teilweise unterstellt wurde. Blogger lassen sich da meines Erachtens auch nicht reinreden. Daher wollten wir es ihnen ebenso überlassen, ob sie ihren Beitrag als „sponsored“ kennzeichnen oder nicht. Insbesondere dieser Punkt führte jedoch zu Kritik, wordurch wir in die Grundsatzdiskussion über die Kommerzialisierung der Blogszene gerutscht sind.

Einige Gegner von Werbung in Blogs führen die Debatte mit einem sehr emotionalen, teilweise leider auch unangebracht hetzerischen Ton. So „überrollte“ uns nach den genannten ersten neutralen Veröffentlichungen eine Welle von meist destruktivem Feedback.

Die Mehrzahl der meinungsführenden Blogger ist jedoch offenbar gegenüber neuen Vermarktungsmodellen aufgeschlossen und bewertet diese glücklicherweise konstruktiv.

Wir haben dieses Feedback direkt genutzt, um Verbesserungen vorzunehmen, und die Aktion eindeutig von dem aufgekommenen Vorwurf der „Schleichwerbung“ abgegrenzt. Zudem sind wir ausführlich auf das Thema eingegangen. Wir freuen uns nun über immer mehr hilfreiche, überwiegend auch positive Reaktionen und Ankündigungen einiger Blogger, an der Aktion teilzunehmen.

Im zweiten Teil am Mittwoch unter anderem: Welche Schlussfolgerungen hat Christian Boris Schmidt aus den Reaktionen auf die Aktion gezogen? Und warum passen aus seiner Sicht Werber und Blogger eigentlich „wunderbar zusammen“?

Artikel vom 12. März 2007