"Neue Künstler auf Augenhöhe mit den Stars"

Das deutsche Startup roccatune dreht sich um ein Thema, das (nahezu) jeden interessiert: Musik. Man kann kostenlos Musik hören und neue Künstler entdecken. Jetzt kümmert sich roccatune außerdem ganz gezielt um Newcomer. Sie sollen „auf Augenhöhe mit den Stars“ präsentiert werden, wie Gründer Constantin Thyssen im UPLOAD-Interview erklärt.

Screenshot der "artist backstage area" von roccatune

In der „artist backstage area“ können Newcomer ihre Musik selbst zu roccatune hochladen.

Gut zwei Millionen Songs kann man bei roccatune hören und in beliebig viele Playlisten sortieren, die sich dann von jedem Computer mit Internetzugang abrufen lassen. Das alles ist kostenlos und rein über Werbung finanziert. Achja: Legal ist es übrigens auch, roccatune hat Verträge mit großen Labels wie Sony BMG, EMI Music und Warner Music und vielen anderen.

Jetzt können Nachwuchsmusiker hier mitmischen und ihre Songs selbst in das Portal hochladen. Man kann sich auf einer eigenen Seite präsentieren und es gibt Widgets, die sich in andere Seiten integrieren lassen. Fans einer Band können also beispielsweise ein solches Widget im eigenen Blog einbauen. Die Künstler bekommen einen Anteil der Werbeeinahmen.

Geplant ist außerdem ein „Digital Only Music Label“. roccatune wird den Vertrieb rein auf digitalem Weg übernehmen. In über 300 Music Stores und Portalen sollen die Songs dann zu haben sein, heißt es in der Pressemitteilung dazu.

Gründer Constantin Thyssen erklärt im E-Mail-Interview mehr über die Hintergründe, seine Motivation und wie er die Zukunft der Musik generell sieht.

Constantin Thyssen, Gründer von roccatune
Constantin Thyssen, Gründer von roccatune

Das Musikgeschäft scheint im Umbruch und der zentrale Hebel ist das Internet. In welcher Rolle sieht sich roccatune dabei?

roccatune ist in erster Linie ein Online-Portal, das den mittlerweile schon sehr alten Wunsch, kostenlos und legal Musik zu konsumieren, wahr macht. Wir bieten über zwei Millionen Songs und viele tausend Alben von weltbekannten Stars, die man sich bei uns in voller Länge anhören kann.

Da es sehr viele Newcomer-Portale gibt, versuchen wir einen neuen Ansatz und präsentieren künftig neue Künstler auf Augenhöhe mit Superstars und sorgen so für eine Situation, von der primär die Newcomer profitieren, weil sie sich in einem sehr hochwertigen Umfeld bewegen und die Chance haben, dadurch entdeckt zu werden.

roccatune sieht sich aber nicht nur als PR-Maschine, sondern bietet den Newcomern auch die Chance, Geld zu verdienen. Im ersten Schritt durch das Partizipieren an den Werbeeinnahmen – wie es nun auch schon die Künstler der Major-Labels tun. Im zweiten Schritt, indem wir den besten, talentiertesten, engagiertesten und beliebtesten Künstlern einen echten Plattenvertrag anbieten und ihnen so die Möglichkeit geben, ihren Traum zu leben und professioneller Musiker zu werden.

roccatune möchte durch diese Initiative zu einem Portal werden, an dem weder Musikfan noch Musikschaffender künftig vorbeikommen.

Wie kam es eigentlich zu der Idee, ein solches Portal zu starten?

Ich träume schon seit zwölf Jahren davon, eine umfassende Musikplattform zum Einsatz zu bringen. Meine Vorstellung hat ursprünglich zwar kein werbefinanziertes Musikportal beinhaltet, sehr wohl aber all die Möglichkeiten, die einer Musikfirma im neuen Internet-Zeitalter zur Verfügung stehen, wenn man nicht auf alte Strukturen achten muss.

Die Kombinationsmöglichkeiten, die sich nun auch noch durch das roccatune Portal ergeben, haben zu dem Entschluss geführt, die Träume zu realisieren. Wir haben definitiv Großes vor, und eines ist Fakt: Nahezu jede Band kommt aus einer Garage oder von einer Dieter-Bohlen-Bühne. Jedes Jahr betreten neue Bands den nationalen und internationalen Musikzirkus. Bei diesen Bands setzen wir an und konzentrieren uns auf unsere Stärken: Web-Tools für Bands, Promotion bei und mit roccatune und letztlich rein digitaler Vertrieb.

roccatune wendet sich also verstärkt den Newcomern zu. Reichen die bekannten und etablierten Musiker denn nicht mehr?

Natürlich reichen sie aus. Mehr als zwei Millionen Songs wollen erst einmal gehört werden. Aber wir stellen durch einen Blick auf unsere Charts immer wieder fest, dass auch solche Bands gehört werden, von denen wir noch nie oder kaum etwas gehört haben. Das Verlangen nach neuer Musik ist also durchaus vorhanden. Und ebenso der Traum Vieler, Musik zu machen und sich dabei nicht zu verbiegen. Diese beiden Ansätze bringen wir nun zusammen: Wir bieten unseren Usern Musik, die sie garantiert noch nicht kennen und fördern auch Talente, die sich im Rahmen von Madonna, Coldplay und James Blunt entfalten können.

Mal ehrlich: Wollen die Musikhörer überhaupt etwas, was sie nicht kennen? Inwiefern haben neue Bands eine Chance?

Ja, definitiv. Wir dürfen eins nicht vergessen: Vor 25 Jahren war Madonna ein kleines Licht, vor zwei Jahren konnten nur die Seeed-Fans etwas mit dem Namen Peter Fox anfangen, und heute vor einem Jahr hatten wir noch nie den Namen Katy Perry gehört. Fortwährend werden neue Stars geboren, immer häufiger spielt dabei das Internet die entscheidende Rolle.

Gerade eine Plattform wie roccatune kann zum entscheidenden Karriereschritt führen, weil man bei uns ohne jegliches Risiko kostenlos Musik hören kann. Man muss noch nicht einmal 99 Cent zahlen, um Neues zu entdecken. Und durch die Tatsache, dass der Content dauerhaft kostenlos abrufbar ist, kommen die User wieder und entdecken so immer wieder Neues. Je öfter dabei die Songs gehört werden, desto schneller steigen sie in den Charts, und dadurch erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass andere auf diese Lieder aufmerksam werden, weil sich Menschen noch immer gerne an Ranglisten orientieren.

Es ist gelegentlich zu hören, dass man künftig mit der Musik selbst nichts mehr verdienen kann. Wie stehen Sie dazu? Und wovon werden Musiker künftig leben?

Das ist Blödsinn. Wenn man sich allein vor Augen führt, dass Madonna durch ihre Tour im letzten Jahr weit über 100 Millionen Euro verdient hat, sollte jedermann klar werden, dass man mit Musik sehr viel Geld verdienen kann. Auch im Zeitalter des Internets. Natürlich stellt Madonna eine Ausnahme dar, aber nur weil sich die Distributionswege ändern, heißt es nicht, dass kein Geld mehr fließt. Menschen sind nach wie vor bereit, für Musik zu zahlen. Vielleicht nicht für eine LP oder eine CD – aber doch für digitale Dateien in sehr guter Qualität und Konzertkarten.

Und vergessen wir eins nicht: Unternehmen sind immer mehr bereit, in einem Umfeld zu werben, in dem sie auf junge, aufgeschlossene Nutzer stoßen. Das war und bleibt die Grundlage für eine gesunde Finanzierung von roccatune. Nun gehen wir den nächsten Schritt.

Artikel vom 27. März 2009