Scribd Store: Geld verdienen mit dem "YouTube für Texte"

Geld verdienen mit selbstgemachten Büchern, Anleitungen, Artikeln? Das will die Dokumenten-Plattform Scribd jetzt ermöglichen. Wo man bisher schon seine Dateien hochladen, im Portal präsentieren und anderweitig einbinden lassen konnte, gibt es nun auch einen Store. Der richtet sich zum einen an Verlage, aber auch direkt an Autoren. Die Konditionen jedenfalls scheinen mehr als fair.

Screenshot Scribd Store

Dokumente aller Art können über den Scribd Store nun zum Kauf angeboten werden.

In vielerlei Hinsicht ähnelt Scribd (siehe auch dieses UPLOAD-Interview aus dem April 2007 dazu) dem Video-Portal YouTube: Jeder kann Inhalte hochladen und die Inhalte auf seiner eigenen Seite einbetten. Auch bei Problemen mit dem Urheberrecht ist Scribd seinem Video-Bruder erstaunlich ähnlich. Denn längst nicht immer weiß der Urheber davon, dass seine Werke hier kostenlos zu finden sind…

Und so gilt der jetzt eingeführte Scribd Store manchen Beobachtern auch als Zugeständnis gegenüber den Verlagen. Denn die können darüber nicht nur ihre Werke anbieten, sondern auch verhindern, dass nicht autorisierte Kopien auf Scribd landen. Das Prinzip: Jede im Store angebotene Datei wird in eine interne Datenbank aufgenommen. Alle hochgeladenen Dateien werden wiederum mit dieser Datenbank abgeglichen. Schon sind die Werke geschützt. Da sich Texte sehr viel leichter als Videos analysieren lassen, sollte das recht zuverlässig funktionieren.

Selbstredend, dass die Publisher ihre auf Scribd angebotenen Werke mit einem Kopierschutz versehen können, wenn sie denn wollen. Insofern nähert sich Scribd wieder den Realitäten an, die nun einmal vorherrschen – ob sie einem selbst nun gefallen oder nicht.

Immerhin sind die Konditionen fair: Man bestimmt den Verkaufspreis selbst und bekommt 80 Prozent der Einnahmen ab. Bei Amazon sehen die Verleger und Autoren dagegen gerade einmal 30 Prozent der Einnahmen wieder – teilweise soll es noch weniger sein.

Wer ungeschützte PDFs anbietet, erkauft sich darüber einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Sie funktionieren auch auf dem Amazon Kindle und vielen anderen Geräten. Für Apples iPhone soll es nächsten Monat eine eigene Applikation geben. Noch ist der Markt des mobilen Lesens im Anfang begriffen. Aber es war ja selten verkehrt, gleich zu Beginn dabei zu sein.

Der Kindle und Amazon insgesamt kann man dabei durchaus als direkten Konkurrenten für Scribd sehen. Schließlich möchte der Online-Buchhändler Amazon gern für das E-Book werden, was Apple für den Internetvertrieb von Musik geworden ist. Die Chancen darauf stehen momentan nicht schlecht, denn wie Apple vor einigen Jahren mit iPod und iTunes so hat heute Amazon möglicherweise mit Kindle und Online-Store das richtige Angebot zum richtigen Zeitpunkt.

Jared Friedman, Technikchef und Gründer von Scribd, gegenüber der New York Times: „Ein Grund, warum Verleger und Autoren gern mit uns zusammenarbeiten wollen: Sie fürchten sich davor, dass Amazon und Google ihre Vertriebskanäle einengen, je mehr Kontrolle sie über den E-Book-Markt bekommen.“

Noch ist allerdings kein Großverlag im Scribd Store zu finden. Allein Bücher von Lonely Planet, O’Reilly Media und Berrett-Koehler sollen demnächst hier zu haben sein.

Tammy Nam, bei Scribd in den Bereichen Marketing und Content zuständig, erklärte gegenüber paidContent, wie man sich bei Scribd die Zukunft der Plattform vorstellt: „Unsere wichtigste Zielstellung ist es, neue Inhalte auf die Seite zu bekommen. Wir denken, dass es in vielerlei Hinsicht eBay ähneln wird und man eine Mischng aus Amateur- und Profi-Angeboten haben wird. Aber angesichts von 60 Millionen Lesern jeden Monat sehen wir vor allem große Chancen für nicht-professionelle Inhalte.“

Und der Nutzen in der Praxis?

Macht der Scribd Store nun Menschen reich und berühmt? Nicht unbedingt. Aber Scribd war vorher schon eine weitere Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es findige Autoren gerade im englischsprachigen Bereich gibt, die die neue Plattform geschickt für sich einzusetzen wissen. Wie immer gilt auch hier wie für bezahlte Inhalte generell: Sie müssen eine zahlungsbereite Zielgruppe haben und deren Bedürfnisse exakt treffen. Dann kann es etwas werden und dann ist eine Plattform wie Scribd sicher den einen oder anderen Test wert.

Allzu euphorisch würde ich angesichts des Angebots jetzt aber nicht sofort werden. Interessant ist die Entwicklung aber allemal und wer weiß, wo wir in fünf Jahren bei diesem Thema stehen?

Artikel vom 18. Mai 2009