Putpat.tv: Musikfernsehen, wie es sein sollte

Putpat.tv ist ein weiteres Beispiel dafür, warum es mit klassischen Medien wie dem Fernsehen bergab geht und warum dem Internet mit seinen Möglichkeiten die Zukunft gehört. Putpat.tv ist ein neuer Dienst aus Deutschland, den man derzeit in einer geschlossenen Beta ausprobieren kann. Hier bekommt man Musikfernsehen so, wie es sein sollte: Musik pur. Und was läuft, kann man auch noch selbst bestimmen und dann den Sender einfach laufen lassen. Herrlich. Was Putpat.tv besonders macht, sind einige liebevolle Details.

Startseite von Putpat.tv

Startseite von Putpat.tv.

Putpat.tv im jetzigen Stadium ist sicher noch ganz am Anfang, dazu fehlt doch noch so manches denkbare Feature. Aber es macht schon jetzt Spaß und ich freue mich auf alles, was da noch kommen mag.

Beim BarCamp in Köln konnte ich einen ersten Blick darauf werfen und auch im Selbstttest hat sich der sehr gute Eindruck bestätigt.

Konkret gesprochen: 20.000 Musikvideos hat Putpat.tv derzeit verfügbar. Wenn das Plattenlabel EMI noch hinzukommen sollte, wird das Angebot weiter wachsen. Am Ende soll ein Großteil der in den letzten 40 Jahren produzierten Musikvideos zur Verfügung stehen.

Wie beim klassischen Musikfernsehen reiht sich hier Clip an Clip. Zusätzlich zum TV kann man selbst eingreifen. Entweder wählt man einen von mehreren fertigen Kanälen aus. Die gibt es zu Musik diverser Stilrichtungen und zu Kooperationen wie beispielsweise den Kanal von Jazzthing oder von der Intro. Oder aber man nimmt sich den „Veequalizer“ und stellt sich seinen eigenen Kanal mithilfe von fünf Schiebereglern zusammen. Hier kann man entweder Künstler, Musikrichtungen oder grundsätzliche Stimmungen aussuchen und miteinander mixen. Dann startet man den Sender und genießt.

Wenn man so herumklickt, dann merkt man, dass hier Leute mit Leidenschaft bei der Sache waren. Das zeigt sich beispielsweise bei der Songbewertung: Sie reicht von „Lieblingslied“ über Zwischenwerte wie „Hammer“, „Oberklasse Nord“ und „Geht so“ bis hinunter zum „Mittelstrahl“… Ein kleines Detail, aber eines das mir ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Und wenn das so eine Website schafft, finde ich das gut.

Auch MTV-Legende Ray Cokes war begeistert

Ein paar Features vermisst man noch. So wäre es beispielsweise schön, wenn man die einmal gefundene Einstellung des Veequalizers irgendwo abspeichern könnte, um sie zu einem anderen Zeitpunkt wieder abzurufen. Aber wie zum BarCamp Köln erklärt wurde, ist die Todo-Liste im Team noch lang. So wird man künftig auch einmal seine Kanäle mit anderen austauschen können und mehr. Vielleicht gibt es sogar moderierte Kanäle. MTV-Legende Ray Cokes soll jedenfalls von Putpat ganz begeistert gewesen sein. Was übrigens nicht geht: Einen Titel gezielt auswählen. Denn das würde erheblich mehr Lizenzgebühren kosten.

Die Bild- und Tonqualität fand ich ausgesprochen gut. Sollte es doch ruckeln, kann man die Qualität in den Optionen manuell herunterregeln.

Hinter Putpat stecken übrigens Rainer Schütz und Tobias Trosse, die für Viva gearbeitet haben, bis der Sender 2004 durch MTV übernommen wurde. Finanzieren soll sich das alles künftig auf zwei Arten: Durch Werbung, die möglichst gut zum Nutzer passtund ihn nicht mit Klingeltönen nervt. Und durch einen Premium-Account, der werbefrei ist.

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Wenn ein Song abgespielt wird, tritt die Benutzeroberfläche komplett zurück – wie früher, als Musikfernsehen noch Spaß gemacht hat, geht es nur ums Video.

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Aus diversen Channels kann man sich einen passenden heraussuchen.

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Eine andere Möglichkeit ist der „Veequalizer“, mit dem man sich seinen eigenen Mix zusammenstellt. Möglich sind wie hier Musikrichtungen, aber auch Künstler und Bands oder Stimmungslagen – beliebig kombiniert.

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Hier kann man sich für den Veequalizer etwas aussuchen oder in dem grauen Balken etwas eintippen – eine Band, eine Musikrichtung…

Artikel vom 10. Juni 2009