Mit dem Tragen von Shirts 70.000 Dollar verdienen? Das Web macht’s möglich

Wie sehr verkauft man sich selbst? Wie weit kann man damit kommen? Das sind so die Fragen, die einen mit Blick auf Jason Sadler beschäftigen können. Oder auch: Verdammt, warum komme ich nie auf sowas? Was Jason macht: Er trägt dieses Jahr jeden Tag ein anderes T-Shirt. Gut, das ist nicht ungewöhnlich. Aber er verdient damit über 70.000 Dollar. Und im nächsten Jahr soll alles noch doppelt so groß werden.

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Die Idee von Jason ist so schlicht wie ergreifend: Er trägt gegen Geld das T-Shirt eines Unternehmens und berichtet dann auf allen Kanälen darüber, die ihm heute im Netz zur Verfügung stehen. Und wir wissen alle: Das sind sehr, sehr viele.

Jeder kann heute eine breite Öffentlichkeit erreichen und das in der Regel auch noch kostenlos. Jason nutzt das und vermarktet sich selbst als Werbefläche.

Wer ihm am ersten Tag das Shirt stellt, zahlt 1 Dollar. Am zweiten Tag sind es 2 Dollar. Und so steigert sich das übers Jahr bis hin zu 365 Dollar (Ihr werdet es geahnt haben). Rechnet man noch einige weitere Deals hinzu, bringt ihm diese Aktion tatsächlich mehr als 70.000 Dollar ein.

Damit ist er nicht auf einen Schlag reich, aber von dem Geld lässt es sich doch wohl ganz gut auskommen. Und wer würde Jasons Tätigkeit dafür schon „Arbeit“ nennen wollen?

Leander, bei dem ich auf die Geschichte gestoßen bin, vergleicht es zu Recht mit Alex Tews Million Dollar Homepage oder Kyle MacDonalds Tauschkette von der Büroklammer bis zum Haus.

Das Netz hat all diese Aktionen möglich gemacht. Zugleich sind sie jeweils nur einmal in dieser Form möglich, denn die volle Aufmerksamkeit bekommt eben nur der erste. Das „Geschäftsmodell“ basiert ja allein auf der Aufmerksamkeit.

Insofern wird es spannend zu sehen sein, ob sich Jason Sadlers Idee wirklich weiterdrehen lässt. Er will 2010 alles verdoppeln. Nicht nur er trägt die Shirts, sondern auch Evan White. Entsprechend verdoppeln sich die Preise. Was zunächst verblüfft: Sie fangen tatsächlich wieder klein an: bei 2 Dollar für den ersten Tag. Dabei haben die beiden doch schon eine Menge Aufmerksamkeit und könnten sicher auch höhere Preise nehmen. Ein Blick auf den Verkaufskalender zeigt dann, dass die Taktik aufzugehen scheint: Die ersten vier Monate von 2010 sind schon komplett ausverkauft.

Irgendwie ein ganz schönes Schlitzohr dieser Jason Sadler, der sich selbst als „pretty simple guy“ darstellt und schreibt:

It is no secret, I am not a rock star, professional athlete, male model or anything internet spectacular. But I do have a passion for marketing, I find myself to be a pretty active guy and like achieving interesting goals.

„Interesting goals“ – so, so…

Was die Bewertung der Aktion angeht, bin ich irgendwie zweigeteilt. Einerseits finde ich die Idee in ihrer Schlichtheit spitze. Es freut mich auch, dass jemand es schaffen kann, über das Web auf diese Weise Geld zu verdienen. Andererseits muss man sich in diesem Fall schon heftig selbst verkaufen. Da hatte es Alex Tew mit seiner Million Dollar Homepage doch deutlich besser.

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Artikel vom 15. August 2009