Drupal – das bessere WordPress?

Als Jan Tißler, der Betreiber dieses Blogs, mich vor einigen Wochen per E-Mail gebeten hat einen Artikel über Drupal für seinen Blog zu schreiben, zweifelte ich ein wenig ob ich es zeitlich einrichten kann. Als ich dann aber las, dass es sich um einen Vergleich Drupal vs. WordPress handeln soll, war mir klar, dass ich ihn schreiben muss. Ich wollte die Gelegenheit wahrnehmen um das ein oder andere klarzustellen und hier und da ein Missverständnis aus dem Weg zu räumen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Drupal ist grundsätzlich nicht das bessere WordPress.

WordPress ist eines der besten – wenn nicht das beste – Blogsystem das man derzeit bekommen kann. Für ca. 90 Prozent aller Blogs stellt es aus verschiedenen Gründen eine Lösung dar, die man als ideal bezeichnen könnte:

  • frei verfügbar (kostenlos und quelloffen)
  • sehr große Community
  • viele Designs (meistens ebenso frei)
  • viele Plugins (ebenfalls frei)

Gerade für technisch unerfahrenere Blogger sind dies wichtige Grundlagen. Die Installation von WordPress ist für eine sehr große Zielgruppe ohne Probleme zu schaffen. Ebenso die Installation von zusätzlichen Funktionen über Plugins. Die Struktur der Designvorlagen (Templates) ist einfach genug, um kleine Anpassungen nach etwas Einarbeitung hinzubekommen. Also ein Idealfall um „mal eben“ mit dem Bloggen loszulegen, bzw. wenn der Blog beim Bloghoster um die Ecke gerade nicht mehr gut genug ist.

Bei Drupal sieht die Sache schon ganz anders aus. Zwar ist Drupal ebenfalls frei verfügbar, die Ressourcen rund herum sind jedoch in viel geringerer Quantität vorhanden als bei WordPress. Die Drupal-Community wächst zwar ständig, jedoch ist das Angebot gerade im deutschsprachigen Raum noch eher spärlich. Hilfestellung für Einsteiger ist also schon mal nicht so einfach zu finden wie z.B. bei WordPress.

Screenshot: Simplesnip - realisiert mit Drupal
Mit Drupal realisiert: SimpleSnip, eine Community für Onlinenotizen.

Wenn es darum geht, ob Drupal WordPress auf dem eigenen Blog ersetzen soll, ist jedoch in meinen Augen ein viel entscheidenderer Punkt die Zielsetzung der Systeme. WordPress ist und bleibt ganz klar ein Blogsystem. Es kann auch dank einiger Plugins etwas mehr als nur bloggen (statische Seiten, Bildergalerie, etc.), aber grundsätzlich ist WordPress ganz klar eine Blogsoftware. Drupal hingegen ist eher ein solides, modulares und sehr flexibles Baukastensystem für dynamische Websites. Es stellt eine Basis dar für Websites, die wesentlich mehr können sollen als nur bloggen.

Dementsprechend fehlt es Drupal hier und da schon mal an einem Plugin um diese oder jene Funktion, die bei WordPress locker zu bekommen ist, zu ermöglichen. Ein sehr gravierendes Beispiel ist hier der Bereich Antispam. Es gibt zwar mittlerweile eine Akismet-Integration und ein „Rechenaufgaben“-Modul um Spamkommentare oder Botanmeldungen zu vermeiden, im Bereich Trackbackspam ist Drupal jedoch noch ziemlich verwundbar. Auch gibt es derzeit keine zufriedenstellende Lösung um Pingbacks zu senden oder zu empfangen – bei WordPress gehört das zum Standardrepertoire.

Dafür kann Drupal einiges andere wiederum viel besser als WordPress. Darunter fällt z.B. die strukturierte Verwaltung fester Inhaltsbereiche, der Aufbau Community-ähnlicher Strukturen (Benutzerverwaltung, Profile, Privatnachrichten, etc.) und vieles, vieles mehr. Vor kurzem habe ich z.B. SimpleSnip gestartet – eine Community für Online-Notizen, die komplett auf Drupal aufgebaut wurde. Der Aufbau einer solchen Plattform wäre derzeit mit keinem anderen System so einfach möglich wie mit Drupal.

Ich denke, es wird langsam klar, dass es etwas schwierig ist, die beiden Systeme miteinander zu vergleichen.

Kurz zusammengefasst: WordPress ist hervorragend spezialisiert aufs Bloggen. Drupal kann viel viel mehr als WordPress – auch bloggen, aber das eben nicht so gut und nicht so optimiert.

Das soll nun nicht heißen, dass ich von Drupal abraten möchte – ich will eher warnen. Wer plant, Drupal für sich einzusetzen, sollte sich im klaren darüber sein, dass es zwar schnell installiert, aber keinesfalls schnell erlernt ist. Bei Drupal gilt es alte Denkstrukturen abzuschütteln und neue (die keinesfalls schlecht sind) zu erlernen – das kostet Zeit und Energie, lohnt sich aber sicherlich, wenn man die Funktionen auszunützen weiß.

Screenshot: Drupalblog - basiert natürlich auch auf Drupal
Natürlich auch mit Drupal gemacht: Drupalblog.de

Wer mehr über Drupal erfahren möchte wirft am besten direkt einen Blick auf die offizielle, englischsprachige Homepage. Es gibt auch eine deutsche Community, die jedoch vergleichsweise klein ist und bisher nur in wenigen Fällen direkte Hilfe bietet. Seit wenigen Tagen schreibe ich zusammen mit anderen Autoren an einem DrupalBlog auf dem wir versuchen, etwas über Drupal aufzuklären und den ein oder anderen Tipp aus unserer eigenen Erfahrung an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Über interessierte Leser freuen wir uns natürlich jederzeit.

Über den Autor

Frank Helmschrott berät Unternehmen und Privatpersonen beim Einsatz von Publikationssystemen für das Internet. Dazu gehören sowohl Weblogs als auch der Aufbau von Communities und anderen dynamischen Webapplikationen. Anfragen richten Sie bitte direkt an die im Weblog von Frank Helmschrott angegebene Adresse.

Artikel vom 05. Juli 2007