Screencasting-Software: Sechs Tools kurz vorgestellt

Wer einen Screencast aufnehmen will, braucht nicht nur die passende Hardware und einen guten Plan plus Übung, sondern vor allem eine entsprechende Software. Wir stellen sechs sehr unterschiedliche Vertreter hier kurz vor.

Foto: complize | Quelle: photocase.com

CamStudio

CamStudio - Eine populäre OpenSource-Lösungen für einfache Screencasts

CamStudio – Eine populäre OpenSource-Lösungen für einfache Screencasts.

CamStudio ist eine kostenlos erhältliche Screencasting-Software, die unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht wird. Das Produkt hat eine recht wechselvolle Geschichte hinter sich, so dass es auch eine Version 2.1 gibt, die keine Open-Source-Software ist. Aktuellste Version der freien Ausgabe ist 2.6. Seit 2010 gibt es den Plan einer vollkommen neu geschriebenen Version 3.0. Aber ob und wann die erscheint, ist offen. Das sollte man im Hinterkopf haben: Falls die Software nicht wie erwartet funktioniert oder wichtige Features fehlen, sollte man sich eher nicht auf Updates verlassen.

Davon abgesehen kann CamStudio den gesamten Bildschirm, einen ausgewählten Bereich oder ein einzelnes Fenster filmen und gibt ein AVI- oder SWF-File aus. Videos lassen sich auch Lossless aufnehmen – die Bildqualität bleibt erhalten, die Datei wird entsprechend größer. Ein Nachbearbeiten der Aufnahme innerhalb von CamStudio ist nicht vorgesehen.

Camtasia

Camtasia - Die Screencast-Software der gehobeneren Klasse.

Camtasia Studio ist zwar nicht ganz billig, lässt aber auch bei gehobenen Ansprüchen kaum Wünsche offen.

Camtasia Studio ist eine sehr umfangreiche und vielseitige Screencasting-Software. Inzwischen gibt es sie nicht mehr nur für Windows, sondern unter dem Namen „Camtasia for Mac“ auch für die Apfel-Fraktion. Allerdings unterscheiden sich beide Versionen in ihrem Umfang.

Camtasia bietet viele Möglichkeiten, die auch professionellen Bedürfnissen noch gerecht werden dürften. Gemessen am Funktionsumfang ist die Bedienung immer noch sehr intuitiv, auch wenn die fortgeschrittenen Anwendungen etwas Einarbeitungszeit erfordern. Camtasia nimmt nicht nur den Bildschirm auf, sondern kann gleichzeitig auch den Sprecher per Webcam erfassen und eine „Picture-in-Picture“-Aufnahme produzieren. Webcam, Screencast und Ton lassen sich entweder gemeinsam oder getrennt aufnehmen. Für den Schnitt und die Post-Produktion bietet die Software recht intuitive Werkzeuge und diverse Effekte wie Übergänge, Callouts, Zeitraffer oder Toneffekte.

Wer Camtasia einmal in Aktion sehen will, kann das in unserem Screencasting-Special übrigens im Video dieses Beitrags: „Making Of: Wie ein Screencast mit Camtasia und Audacity entsteht“.

  • Preise: 285,50 Euro (Camtasia Studio), 94,50 Euro (Camtasia for Mac). Kostenlose 30-Tage-Testversion verfügbar.
  • Plattformen: Windows, OS X
  • Eignung: Screencasts aller Art, auch umfangreiche Projekte
  • Offizielle Website zu Camtasia

Jing

Bevor die Aufnahme mit Jing startet, legt man den Bildschirmbereich fest, dann zählt ein Countdown runter und schon geht es los.

Jing ist eine kostenlose Software vom Camtasia-Hersteller TechSmith, die sich für kurze, einfache Screencasts eignet. Sie ist am ehesten für all jene gedacht, die auf die Schnelle einen Ablauf erklären müssen und dazu ohne große Umstände einen Screencast aufnehmen wollen. Das erledigt Jing auch wirklich perfekt: Bildschirmbereich auswählen, Aufnehmen, Stop drücken und per Share aufs hauseigene Portal hochladen – den Link findet man automatisch in der Zwischenablage. Neben Screencasts macht die Software ebenso simpel Screenshots.

Für umfangreiche Screencasts ist Jing dagegen eher nicht gedacht. Nachbearbeiten kann man nichts, Optionen gibt es wenige. Zum Üben und ersten Kennenlernen des Themas Screencast eignet sich Jing aber auf jeden Fall.

  • Preis: kostenlos
  • Plattformen: Windows, OS X
  • Eignung: einfache Screencasts schnell erstellen und mit anderen teilen
  • Offizielle Website zu Jing

QuickTime X

Bei QuickTime X kann man vor der Aufnahme den abzufilmenden Bildschirmbereich festlegen.

QuickTime X ist Bestandteil von OS X und wahrscheinlich wissen nicht all zu viele Mac-Nutzer, dass ihr Betriebssystem eine einfache Screencasting-Software kostenlos mitliefert. Sie wird allerdings nur kleinen Ansprüchen gerecht und bietet keine Möglichkeiten der Nachbearbeitung des Videos. Hier könnte man als Mac-Nutzer allerdings auf iMovie zurückgreifen, um das Ganze mit Einblendungen, Schnitten und Übergängen zu versehen.

Mit QuickTime X kann man vor der Aufnahme festlegen, ob der gesamte Bildschirm oder nur ein bestimmter Bereich mitgeschnitten werden soll. Zudem kann man aus den vorhandenen Audioquellen wählen. Einziges Special: Mausklicks lassen sich im Video visualisieren.

Wie bei Jing gilt auch hier: Zum Ausprobieren und Üben reicht es allemal.

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Screencast-O-Matic

Browserbasiertes Screencasting mit Screencast-O-Matic

Screencasts (fast) ohne Installation: Neben screenr läuft auch Screencast-O-Matic browserbasiert, erforderlich ist allerdings Java 1.5

Screencast-O-Matic ist neben screenr einer der wenigen browserbasierten Screencast-Tools. Für beide muss allerdings Java installiert werden. Einmal eingerichtet, bietet Screencast-O-Matic einen erstaunlichen Komfort: Die Screencasts kann man nach der Aufnahme zumindest rudimentär bearbeiten und sogar mit Overlays belegen. Die fertige Aufnahme lässt sich im Anschluss als Video-Datei in verschiedenen Formaten abspeichern oder direkt auf Screencast-O-Matic oder YouTube publizieren. In manchen Fällen ganz hilfreich: Die Videos können mit einem Passwort geschützt und so nur einem ausgewählten Personenkreis zugänglich gemacht werden.

ScreenFlow

Nach der Aufnahme hat man bei ScreenFlow viele Möglichkeiten, Video und Ton anzupassen und zu beeinflussen. Auch weitere Audio- und Videospuren sind möglich.

ScreenFlow gibt es derzeit nur als Version für OS X und gilt im Mac-Bereich als besonders umfangreich und fortschrittlich. Ich selbst habe ScreenFlow eingesetzt, als ich Teil des Moderationsteams von TechnikLOAD war. Man kann den Bildschirminhalt aufzeichnen und zugleich sich selbst per Webcam aufnehmen. Sowohl der Systemsound als auch eine externe Tonquelle kann man gleichzeitig hinzunehmen. Da sich ScreenFlow auf mehrere Ton- und Videospuren versteht und man auch Bilder und Schrift dynamisch ein- und ausblenden kann, lassen sich damit bei entsprechendem Zeitaufwand sehr professionell wirkende Screencasts produzieren. Die Bedienung habe ich nach kurzer Einarbeitungszeit als sehr intuitiv empfunden.

Wer ScreenFlow einmal in Aktion sehen will, sollte sich dieses Video in unserem Screencasting-Special ansehen: „Screencast How-to: Betonungen und Hervorhebungen“ (ab etwa 3:00 min).

Noch mehr Auswahl…

Wer hier noch nicht seinen Favoriten gefunden hat, sollte sich diese Übersicht zu Screencasting-Software in der englischsprachigen Wikipedia ansehen.

Special „Screencasting für Einsteiger“

Dieser Artikel gehört zu einem umfassenden Screencasting-Special.

Artikel vom 16. Mai 2012