Basiswissen Google+ für Unternehmen

Zwar ist Google+ im Vergleich zu Facebook gerade im deutschsprachigen Raum ohne Zweifel sehr viel kleiner, aber es gibt gute Gründe, zumindest über die Entwicklung auf dem Laufenden zu bleiben. Welche Möglichkeiten Googles Social Network inzwischen für Unternehmen bietet und wo noch wichtige Funktionen fehlen, fasst dieser Beitrag zusammen. Falls der Post auf Interesse stößt, wäre auch eine deutlich umfangreiche Version z.B. in Form eines UPLOAD-Specials mit mehreren Beiträgen denkbar.

"Dein Profil auf Google" – so wirbt das Unternehmen u.a. für sein "Social"-Angebot.

„Ihre Visitenkarte auf Google“ – einer von mehreren Aspekten, mit denen das Unternehmen für sein „Social“-Angebot wirbt.

Hinweis: Inzwischen gibt es eine aktualisierte und erweiterte Fassung dieses Beitrags, die im Rahmen der Ausgabe Nr. 11 des UPLOAD Magazins erschienen ist.

Wozu sich mit Google+ beschäftigen?

Die Nr.1 im Social Web ist Facebook – sowohl international, als auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wessen Branche und Firma zu Social Media passen, kommt in der Regel um Facebook nicht herum.

Google+ ist nach wie vor meistens eine Randnotiz, aber das Unternehmen rund um die führende Suchmaschine hat in den anderthalb Jahren seit dem Start des Social Networks eines deutlich gemacht: Google+ ist kein Experiment, sondern elementarer Bestandteil der eigenen Zukunft. Schritt für Schritt wird das Angebot auf Google+ ausgebaut und zugleich wird es immer mehr in andere Dienste integriert. Ob in der Websuche, bei YouTube, Gmail oder anderswo: Das Google+ Profil und die Verknüpfungen mit anderen Google+ Profilen werden immer wichtiger. Google+ und Google werden eins. Im Grunde ist Google+ eine Erweiterung des Google-Accounts um „soziale“ Elemente.

Für Unternehmen wird es u.a. interessant, wenn es um die Websuche und andere Dienste geht, die ihnen potenzielle Kunden schicken. Hier haben sie eine Chance, mit gut gepflegten Inhalten bei Google+ zu überzeugen. Und es gibt inzwischen Möglichkeiten, die Nutzer bei der Stange zu halten – also das „Engagement“ zu steigern, wie es im Beratersprech heißt.

An anderer Stelle tun sich zugleich noch große Lücken auf und es ist alles andere als leicht, sich als Firma auf Google+ zu etablieren. Darauf kommen wir jetzt.

Feature 1: Die Google+ Page

Porsche nutzt vor allem Videos und Fotos, um die Fans zu unterhalten.

Porsche nutzt vor allem Videos und Fotos, um die Fans zu unterhalten.

Auf einer Google+ Page hat eine Firma oder Institution im Prinzip dieselben Möglichkeiten wie eine Person. Man stellt Texte, Bilder, Videos, Links etc. ein. Ein wichtiger Unterschied: Man kann nur dann Personen zu den eigenen Kreisen hinzufügen, wenn man selbst zuerst hinzugefügt wurde. Auch beim Kommentieren ist man entsprechend eingeschränkt. Das soll Spam eindämmen, schränkt die eigenen Möglichkeiten aber natürlich auch schmerzlich ein.

Eine Google+ Page kann darüber hinaus Hangouts starten und Communities anlegen. Dazu kommen wir gleich noch.

Wie man es nutzen kann: Google+ ist an vielen Stellen sehr visuell angelegt. Ohne Bilder und Videos geht fast nichts. Das sollte man beachten. Eine Idee kann es sein, neben einer Google+ Page für die eigene Firma eine für das eigene Thema anzulegen. Wobei man hier eventuell inzwischen besser mit einer Community beraten ist, sofern man den Aufwand nicht scheut (siehe unten).

Man hat auf Google+ viel Platz für Texte und kann diese recht leicht grundlegend formatieren (Absätze, schräggestellter und hervorgehobener Text). Von solchen Möglichkeiten sollte man Gebrauch machen, um positiv aufzufallen.

Was alles noch fehlt: Man hat praktisch keine Möglichkeit, die eigene Google+ Page zu bewerben. Man kann sie als Privatperson mit den eigenen Kontakten teilen, um sie bekannt zu machen. Aktionen wie Hangouts sind eine Idee, um auf sich aufmerksam zu machen, damit andere es freiwillig weitergeben. Und Google+ hat theoretisch viel virales Potenzial: Im Bereich „Entdecken“ werden Posts gesammelt, die besonders viele Reaktionen bekommen haben – die können auch von einer Google+ Page stammen. Nutzer bekommen das standardmäßig auch dann auf ihrer Startseite zu sehen, wenn sie die Person oder Page gar nicht hinzugefügt haben. Aber um das zu erreichen, braucht man natürlich einen Mindestbestand an Nutzern.

Eine weitere große Lücke in den Funktionen der Google+ Pages ist die Analyse. Es gibt tatsächlich genau gar keine Statistiken. Erstaunlich, wenn man an Google Analytics denkt. Hier wird sicher etwas kommen, aber wann, ist komplett offen.

Was außerdem fehlt, ist eine Schnittstelle für Tools. HootSuite ist momentan meines Wissens der einzige Dienst, mit dem man von außen bei Google+ posten kann. Zu empfehlen ist dies übrigens nicht, denn die Posts sehen einfach nicht schön aus und ihre Wirkung wird deshalb komplett verpuffen. Eher können sie sogar einen negativen Eindruck bei den Nutzern hinterlassen. Auch hier ist vollkommen offen, wann und in welcher Form eine solche Schnittstelle („API“) kommt.

Unbequem ist die Pflege einer Google+ Page über die Mobil-Apps durch einen Fakt: Man kann nicht fliegend zwischen dem eigenen Account und den betreuten Pages wechseln. Man muss sich tatsächlich in der App ausloggen und kann dann beim Einloggen wählen, als welche Person oder Page man denn die App nutzen möchte. Das ist zwar machbar, aber trotzdem umständlich.

Feature 2: Hangouts und Hangouts on Air

Screenshot aus der ersten Testausgabe von "UPLOAD on Air", aufgenommen via Google+.

Screenshot aus der ersten Testausgabe von „UPLOAD on Air“, aufgenommen via Google+.

Eine Besonderheit von Google+ seit Tag 1 sind die „Hangout“ genannten Videochats. Bis zu zehn Personen können gleichzeitig teilnehmen. Alles das passiert im Browser. Bei den „Hangouts on Air“ wird der Videochat zudem live gestreamt und landet automatisch als Video im zuvor verknüpften YouTube-Kanal. Hier können also Personen von außen zusehen und sich den kompletten Stream hinterher noch einmal abrufen.

Wie man es nutzen kann: Hangouts on Air eignen sich im Zusammenhang mit Unternehmen beispielsweise für Online-Pressekonferenzen, Diskussionsrunden oder live gestreamte Präsentationen. Man hat die Möglichkeit, die Zuschauer über das eigene Thema zu informieren und die eigenen Kompetenzen zu zeigen. Hier gelten übrigens weitgehend die Tipps aus dem Artikel „Mehr Zuschauer für deine Videos“ unter Punkt 2 „Zuschauer begeistern“. Beispielsweise sollte man zu Beginn erklären, worum es geht, die Inhalte im Vorfeld strukturieren und sich so kurz und knapp wie möglich halten.

Alles in allem sind Hangouts on Air somit ein Tool, um sowohl Livestreams anzubieten als auch seinen YouTube-Account mit neuen Inhalten zu befüllen. Ein Hangout on Air erfordert dabei ein wenig Übung und Eingewöhnung, denn man hat logischerweise nur eine einzige Chance auf eine gelungene Aufnahme.

Eine offene Frage ist derzeit noch die rechtliche Seite der Hangouts on Air. Wer planvoll und regelmäßig „sendet“, kann hier mit Pech als Rundfunk gelten. Dazu aber braucht man in Deutschland noch immer eine Lizenz. Ein denkbarer Ausweg (ohne Garantie, dass dieser rechtlich einwandfrei ist): Hangouts on Air nicht zu einem festen Termin veranstalten und eventuell auch nicht öffentlich ankündigen, sondern nur den Personen in den eigenen Kreisen.

Randbemerkung: Bei Interesse stelle ich das Thema Hangout on Air demnächst noch ausführlicher vor. Sebastian Schürmanns und ich haben unter dem Titel „UPLOAD on Air“ ein wenig damit herumprobiert. Die beiden Testausgaben finden sich in meinem privaten YouTube-Account.

Die regulären Hangouts ohne Livestream und Aufzeichnung dürften im Unternehmenskontext hingegen eher für die interne Kommunikation interessant sein. Personen können hier nicht nur miteinander sprechen, sondern beisielsweise parallel gemeinsam an Dokumenten bei Google Docs arbeiten. Da man den anderen Nutzern außerdem den Inhalt eines Fensters auf dem eigenen Computer zeigen kann, sind hier ebenso Besprechungen inklusive Präsentationen etc. denkbar.

Hangouts brauchen einen performanten Computer und Internetzugang, damit sie klaglos funktionieren. Beziffern kann ich das leider nicht. Es soll nur der Vorwarnung dienen…

Was noch fehlt: Als einer der Startfeatures von Google+ haben die Hangouts inzwischen einige Weiterentwicklungen erfahren. Wer als Musiker beispielsweise ein Online-Konzert geben will, kann nun eine entsprechend höhere Tonqualität auswählen. Und Tools ermöglichen Einblendungen von Namen und anderen Informationen. Aber es ist nicht alles eitel Sonnenschein.

Für Firmen ungünstig: Man kann derzeit seine Google+ Page nicht mit einem eigenen YouTube-Account verknüpfen. Stattdessen wird der YouTube-Account des Nutzers genommen, der den Hangout gestartet hat. Das soll noch geändert werden, aber einen Termin gibt es dafür nicht. Bis dahin bleibt ein Workaround, der allerdings nur unter Vorbehalt zu empfehlen ist: Man legt mit dem YouTube-Account des Unternehmens einen Fake-Account auf Google+ an. Man erfindet also eine Person, die im Namen des YouTube-Accounts auf Google+ ist. Dann kann man als diese Fake-Person den Hangout starten. Allerdings sind solche Konten, die keine wirkliche Person repräsentieren, der Gefahr einer Sperrung ausgesetzt. Dazu muss man wohl erst einmal angeschwärzt werden, aber das Risiko besteht.

Feature 3: Google+ Communities

Rund 25.000 Mitglieder tauschen sich in der "Space"-Community aus.

Rund 25.000 Mitglieder tauschen sich in der „Space“-Community aus.

Noch recht frisch sind die Google+ Communties, die man als Pendant zu den Facebook Gruppen ansehen kann. Jede Person und jede Google+ Page kann eine solche Community starten. Es gibt öffentliche und private, welche mit Zugangsbeschränkung und ohne. Man hat damit alle Möglichkeiten zur Hand, um sie intern oder für die Außendarstellung nutzen zu können. Hier lassen sich dieselben Posts erstellen, wie man sie bereits andernorts kennt und ebenfalls Hangouts starten. Eine Besonderheit: Man kann Kategorien anlegen, denen die Postings zugeordnet werden sollen.

Die Communities werden in der Suche angezeigt und haben einen eigenen Bereich in der Navigation. Man kann Nutzer einladen, die man selbst zu seinen Kreisen hinzugefügt hat und diese werden über die Einladung benachrichtigt. Entsprechend sorgfältig sollte man mit diesen Einladungen umgehen.

Wie man es nutzen kann: Eine solche Community ist eine gute Möglichkeit, um sein eigenes Thema zu präsentieren. Man hat hier eine Chance, mit interessierten Nutzern ins Gespräch zu kommen, ohne dass dabei das eigene Unternehmen im Vordergrund steht. Der Aufwand einer gut laufenden Community ist dabei nicht zu unterschätzen. Schließlich ist es ja gewollt, dass die Nutzer selbst aktiv werden. Steht man als Unternehmen dahinter, muss man aber zugleich aufpassen, dass nichts Rufschädigendes passiert und vor allem muss man natürlich überhaupt Interesse an den Inhalten der Nutzer haben und darauf reagieren – ansonsten kann man sich den Aufwand sparen.

Was noch fehlt: Wie bei den Google+ Pages gibt es hier ebenfalls noch keinerlei Statistiken. Gut möglich, dass „Analytics für Google+“ in den nächsten Monaten einmal als Feature für das gesamte Netzwerk kommt und dann alle Inhalteformen umfasst.

Generelle Tipps und Hinweise

Neben der Suche auf Google+ ist Circlecount.com ein Ort, um auf erfolgreiche Nutzer, Pages und Communities zu stoßen.

Neben der Suche auf Google+ ist Circlecount.com ein Ort, um auf erfolgreiche Nutzer, Pages und Communities zu stoßen.

Neben diesen drei genannten Features gibt es noch die Events und die „Local“-Einträge, die in bestimmten Fällen interessant sein können. Über die Events lassen sich beispielsweise Hangouts on Air ankündigen. Und die Local-Inhalte sind die Nachfolger der Orts-Informationen, wie man sie schon in der Google-Suche fand. Wer hier also vertreten sein will mit seinem Geschäft, Restaurant oder sonstigen Ort, sollte sich das definitiv genauer ansehen. Es würde allerdings den Rahmen dieses Beitrags sprengen, das ebenfalls vorzustellen.

Generell hat man es auf Google+ als Einzelperson am leichtesten und mein wichtigster Tipp ist es daher: Man lege sich sein Profil an, fülle es aus und schaue sich auf Google+ um. Die Suche liefert nicht nur Beiträge als Ergebnis: Man kann ebenso nachsehen, ob es schon passende Communities zu den eigenen Interessen und Themen gibt oder ob sich Nutzer finden, die bereits aktiv und einflussreich sind. Wer über den deutschsprachigen Tellerrand hinausschaut, bekommt noch mehr Anregungen, wie man sich geschickt anstellen kann.

Durch diese Herangehensweise hat man drei Vorteile:

  • 1. Man versteht besser, wie Google+ eigentlich funktioniert und warum es in vielerlei Hinsicht anders ist als Facebook. Ich persönlich sehe es immer eher als ein Twitter mit den Features von Facebook.
  • 2. Im Idealfall trifft man auf Personen, Seiten und Communities, die für einen selbst interessant sind und man profitiert davon.
  • 3. Ist man interessant und aktiv genug, dass andere Nutzer einen in ihre Kreise hinzufügen, schafft man sich eine gute Grundlage für weitere Unternehmungen. Es ist sehr schwer, eine Google+ Page oder eine Community zu promoten, wenn man selbst keinerlei Kontakte auf Google+ hat.

Hier wie andernorts werde ich zudem nicht müde hervorzuheben, dass es nicht umsonst „Social Media“ heißt. Es geht um ein soziales Miteinander, den Austausch und das Verknüpfen. Das kann man zwar ganz pragmatisch geschäftlich nutzen, sich mit Tricks und Kniffen bekannt machen und sich ansonsten einen Dreck darum scheren, ob man etwas Sinnvolles zur Gemeinschaft beiträgt oder nicht. Der große Nachteil ist nur: Man verpasst das Beste.

Das gilt ebenso für Google+. Man kann dieses Angebot von Google als Möglichkeit zur Suchmaschinenoptimierung sehen und generell fürs Online-Marketing einsetzen. Das wird aber aus meiner Sicht diesem Dienst ebenso wenig gerecht wie anderen aus dem Social Web.

Die große Frage, ob man „jetzt schon“ dabei sein solle oder noch abwarten könne, lässt sich pauschal nicht beantworten. Zwingend ist Aktivität auf Google+ wohl nur für wenige, vorteilhaft dagegen bereits für viele.

Und wie eingangs erwähnt: Google+ ist kein Experiment wie Googles gescheiterte Angebote Wave oder Buzz, mit dem es anfangs von manchen verglichen wurde. Es ist integraler Bestandteil von Googles Strategie für die nächsten Monate und Jahre. Erstmals hat man darüber die Möglichkeit, sich direkt im Herzen der Suchmaschine selbst zu positionieren und dabei zugleich auf interessante Personen und Inhalte zu stoßen. Für so manchen ist das eine große Chance.

Hinweis: Inzwischen gibt es eine aktualisierte und erweiterte Fassung dieses Beitrags, die im Rahmen der Ausgabe Nr. 11 des UPLOAD Magazins erschienen ist.

Artikel vom 17. Dezember 2012