Jobsuche 2.0: Wenn der Netzwerkfaktor zum Einstellungskriterium wird

Wer auf der Suche nach einem neuen Job ist, muss dafür heute nicht mehr unbedingt die Stellenanzeigen der regionalen Tageszeitungen durchforsten und auch die Stellenrecherche im Internet muss nicht mehr sein. Kreative Menschen drehen einfach den Spieß um und lassen die potentiellen Arbeitgeber auf sich zu kommen. Damit das gelingt, müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt werden.

Die traditionelle Jobsuche in den Stellenanzeigen der Zeitungen spielt in der digitalen Branche für einige Jobsuchende nicht mehr die Hauptrolle. Foto: photologue_np (CC BY 2.0)

Die traditionelle Jobsuche in den Stellenanzeigen der Zeitungen spielt in der digitalen Branche für einige Jobsuchende nicht mehr die Hauptrolle. Foto: photologue_np (CC BY 2.0)

Das Internet hat seit seinem Bestehen für viele neue Arbeitsplätze gesorgt und sogar neue Berufe entstehen lassen. Vor allem kreativ-schöpferische Tätigkeiten in Bereichen wie Webdesign, Webentwicklung, Marketing, Multimedia, Texterstellung und natürlich Social Media sind zum Teil neu hinzugekommen und stehen bei Arbeitgebern wie auch bei den Arbeitnehmern hoch im Kurs. Klassische Bewerbungen als Mappe mit Lebenslauf und Zeugnissen von der Grundschule bis zum Hochschulstudium und einem noch schnell beim Fotografen um die Ecke besorgtem Bewerbungsbild, werden für solche Berufe immer mehr zur Ausnahme. Zeugnisnoten verlieren schnell ihren Reiz und auch ihre Notwendigkeit, wenn digitale Arbeitsproben vorliegen und sich der Arbeitgeber genau anschauen kann, was ein potentieller neuer Mitarbeiter zu leisten im Stande ist.

Durch den Aufstieg der sozialen Netzwerke in den letzten Jahren kommt nun noch ein neue Komponente hinzu, die die Jobsuche auf die Ebene 2.0 bewegt: Virtuell aufgebaute Beziehungsgeflechte können heute entscheidend bei der Jobsuche sein, der Netzwerkfaktor wird zum zusätzlichen Einstellungskriterium – und das gleich zweifach.

Netzwerkfaktor – was bedeutet das denn konkret?

Wer im Social Web aktiv ist und sich auf verschiedenen Plattformen wie Facebook, Twitter, Google+, Xing oder LinkedIn mit Personen aus seinem beruflichen und thematischen Umfeld vernetzt, kann davon bei einem anstehenden Jobwechsel gleich doppelt profitieren. Zum einen kann man davon ausgehen, dass einige Kontakte aus dem eigenen Netzwerk Jobgesuche weiterverbreiten und man so seine Reichweite zum Teil drastisch erhöhen kann. Hat man sein Netzwerk sorgfältig und themenorientiert aufgebaut, ist zudem die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass ein Kontakt auch direkt weiterhelfen kann. Sei es durch ein eigenes Jobangebot oder über eine Empfehlung beziehungsweise das Wissen um eine offene Stelle.

Was sich recht einfach anhört, ist in der Regel harte Arbeit, die Jahre zuvor begonnen wurde. Der aktive Aufbau eines persönlichen Netzwerks braucht reichlich Zeit, weil dafür sehr viel Kommunikationsarbeit erforderlich ist. Wer also nun ebenfalls plant, eine Jobsuche 2.0 über das eigene Netzwerk zu forcieren, sollte dafür bereits eine ausreichende Reichweite sowie eine gewisse Reputation mitbringen. Denn auf diese beiden Faktoren kommt es letztlich an. Wie so oft ist die reine Quantität nur ein Merkmal und ohne entsprechende Qualität nicht viel wert. Ein Vergleich soll dies deutlich machen:

Fall A: Ein Jobsuchender hat bei den drei großen Plattformen Facebook, Twitter und Google+ insgesamt 10.000 Personen in seinen Kontaktlisten: 500 Freunde, 4.000 Follower, 5.500 Einkreisungen. Er selbst folgt bei Twitter 1.000 Personen und hat bei Google+ ebenfalls etwa 1.000 Personen in seine Kreise einsortiert. Bei Twitter wurde er zudem noch in 400 Listen einsortiert.

Fall B: Ein Jobsuchender hat bei Twitter 100 Follower und folgt selbst 200 Personen. Auf Listen steht er bisher nicht. Facebook benutzt er eher privat und kommt lediglich auf 50 Freunde. Bei Google+ hat er sich zwar angemeldet, aber er nutzt die Plattform nicht aktiv. Immerhin haben ihn 50 Personen eingekreist, er selbst folgt 200 Personen.

Vergleicht man nun diese beiden fiktiven aber nicht unrealistischen Fälle miteinander, so ist die Ausgangslage recht deutlich: Der im Fall A beschriebene Jobsuchende hat deutlich bessere Chancen mit seiner Jobsuche 2.0 erfolgreich zu sein. Er hat nicht nur die deutlich höhere Reichweite, sondern auch die höhere Reputation, wenn man dafür stark vereinfacht die Follow-Following-Ratio von Twitter und Google+, die Zahl der Listings bei Twitter und die Zahl der Freunde bei Facebook hernimmt. Konkret würde das für dieses Beispiel bedeuten, dass die Person aus Fall B mit einer Jobsuche 2.0 vermutlich keinen Erfolg haben dürfte, während der Jobsuchende aus Fall A schon eine gute Chance hat.

Funktioniert die Jobsuche 2.0 in jeder Branche?

Ganz klar: Nein! Während es sich für Tätigkeiten aus der Kommunikationsbranche oder aus dem Bereich Webdesign und Webentwicklung geradezu aufdrängt, wird es für einen Handwerker, einen Autoverkäufer oder einem Vermessungstechniker ungleich schwieriger sein, über das Social Web eine neue Anstellung zu finden. Alle Berufe aus dem breiten Angebot der digitalen Wirtschaft eignen sich grundsätzlich besser dafür, als Tätigkeiten, die wenig bis gar nichts mit dem Internet zu tun haben.

Geeignet sind beispielsweise:

  • Community Manager
  • Social Media Manager
  • Social Media Berater
  • Journalisten
  • Webentwickler
  • Webdesigner
  • Programmierer
  • Texter
  • PR Manager
  • Multimedia Spezialisten
  • Suchmaschinenoptimierer

Die Liste lässt sich sicher noch erweitern, sollte aber auch so in etwa die Richtung deutlich machen. Wichtig ist die Verbindung der Tätigkeit mit dem Medium Internet.

Ein Jobgesuch 2.0 muss man sich als digitales Plakat vorstellen. Foto: sven.glomme (CC BY 2.0)

Ein Jobgesuch 2.0 muss man sich als digitales Plakat vorstellen. Foto: sven.glomme (CC BY 2.0)

Was muss man beachten, damit es klappt?

Eine hundertprozentige Erfolgsaussicht gibt es natürlich auch bei der Jobsuche 2.0 nicht. Dennoch bietet es sich als eine alternative Form der Stellensuche an, wenn bestimmte Voraussetzungen stimmen. Neben der bereits erläuterten Vernetzung und einem passenden Tätigkeitsbereich, gibt es weitere Punkte, die beachtet werden müssen. So sollte beispielsweise bedacht werden, dass die Jobsuche 2.0 keine stille Suche ist. Wer noch in einer ungekündigten Anstellung beschäftigt ist und lediglich mal seine Fühler ausstrecken möchte, sollte dies eher in direkten, vertraulichen Gesprächen tun. Ein öffentliches Posting im eigenen Blog ist nur dann ratsam, wenn kein festes Beschäftigungsverhältnis besteht oder die aktuelle Anstellung gerade gekündigt wurde. Auf jeden Fall wäre es nicht gut, wenn der Chef von der Stellensuche aus dem Internet erfahren würde.

Eine weitere Empfehlung, wenn auch kein absolutes Muss, ist ein eigenes Blog. Zwar kann man theoretisch eine Notiz oder einen normalen Post bei Facebook oder Google+ schreiben, doch schon bei Twitter funktioniert das nicht mehr – es sei denn man schafft es in 140 Zeichen. Hostet man ein eigenes Blog, so hat man kaum Einschränkungen bei der Gestaltung des Beitrags. Von optisch dezent und dafür mit einem aussagekräftigen Text bis zum optischen Leckerbissen mit Multimediaeinsatz (Bilder, Infografiken, Videos, Audio) – alles ist möglich. Ein eigenes Blog ist im Idealfall zusätzlich auch noch ein Showcase für die eigenen Fähigkeiten, die man bereits in früheren Beiträgen veröffentlicht hat und im Jobpost verlinken kann.

Für den Blogbeitrag sollte man sich genügend Zeit nehmen, denn immerhin soll er großen Einfluss auf die Arbeitszukunft entwickeln. Man sollte sich daher von vorne herein klar machen, dass den Beitrag sehr viele Menschen lesen werden, die man für sich als Person mit allen Stärken und Schwächen gewinnen möchte. Dazu gehört dann auch, dass einige Dinge nicht geschrieben werden. In der Regel suchen Leute nach einer neuen Herausforderung, weil mit ihrem aktuellen Job irgendetwas nicht (mehr) ganz passt. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben und hat oft eine positive und eine eher negative Seite. Wer dies allzu offensiv in seinem Blogpost thematisiert, schreckt potentielle Arbeitgeber eher ab. Denn heute ist der Wechsel der Arbeitsstätte eher die Regel als die Ausnahme, so dass der potentiell neue Arbeitgeber auch an einen erneuten Arbeitsplatzwechsel denken wird. Muss er dabei negative Äußerungen und damit verbunden einen Imageschaden befürchten, so wird er sehr wahrscheinlich von einer Einstellung Abstand nehmen.

Besser ist es da die positiven Aspekte herauszustellen und beispielsweise auf die gemachten Erfahrungen einzugehen: An welchen Projekten hat man mitgearbeitet, was hat man erreicht, was hat man gelernt, wo konnte man sich weiterentwickeln. Hat man diesen Punkt abgedeckt, sollte man auf jeden Fall auch schreiben, was man von seiner neuen Stelle erwartet, beziehungsweise was man gerne machen möchte. Nur zu sagen, ich bin verfügbar und suche eine neue Herausforderung, reicht an dieser Stelle nicht. Allerdings sollte ebenfalls darauf geachtet werden, dass sich das Anforderungsprofil der Stelle nicht nach einem Forderungskatalog anhört, sondern eher die eigene Motivation beschreibt. Konkret könnte man also beschreiben, warum man künftig eine bestimmte Aufgabe übernehmen möchte. Ein Webentwickler, der bisher schwerpunktmäßig Webseiten mit TYPO3 entwickelt hat, könnte beispielsweise einen bevorzugten Wechsel zu WordPress mit einem Plädoyer für das Blog begründen.

Steht der Blogbeitrag, folgt als nächster Schritt die Veröffentlichung. Hier kann es nicht schaden vorher noch mal eine vertrauenswürdige Person über den Text schauen zu lassen, denn Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck sollten unbedingt passen. Immerhin handelt es sich um eine öffentliche Bewerbung, die nicht nur ein Personaler in seine Hände bekommt, sondern die jeder lesen kann. Auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung sollte gut gewählt sein. Zum einen sollte sich der Jobsuchende überlegen, an welchem Wochentag und zu welcher Tageszeit er am meisten Reichweite erzielen kann. Das kann je nach Netzwerk durchaus unterschiedlich sein, so dass hier Erfahrungen mit vorherigen Blogbeiträgen allgemeinen Tipps vorzuziehen sind.

Bedenken muss man zum Veröffentlichungszeitpunkt zudem auch noch, dass man im Anschluss selbst Zeit zum Verteilen des Beitrags in den sozialen Netzwerken und zum Interagieren hat. Eine getimte Veröffentlichung während der Arbeitszeit und vielleicht sogar noch in einer wichtigen Projektphase, ist daher eher ungünstig. Wer noch in einer Anstellung beschäftigt ist und noch Urlaubsanspruch hat, könnte 2-3 Tage Urlaub einplanen, um die erste Welle abzufangen. Auch wenn man ein Angebot nicht in Anspruch nehmen möchte, ist es ein Gebot der Höflichkeit darauf entsprechend zu reagieren. Am Ende ist hoffentlich eine passende Stelle dabei und die Jobsuche 2.0 hat sich gelohnt.

Artikel vom 03. Juni 2013