Buchkritik: "Naked Conversations – Unsere Kommunikation der Zukunft"

Ein Beitrag von: Timo Heuer



Robert Scoble, besser bekannt als der Scobleizer, ist einer der bekanntesten Blogger der Welt und wird unausweichlich mit Microsoft assoziiert, auch wenn er mittlerweile nicht mehr dort angestellt ist. Zusammen mit Shel Israrel schrieb er ein Buch, das in den Vereinigten Staaten zu einem Bestseller wurde. Ihre Grundthese, die sie auch über das ganze Buch hinweg vertreten: Unternehmen, die in Zukunft nicht bloggen, werden unglaubwürdig sein.

“Ein Unternehmen ohne Blog ist wie ein Haus ohne Fenster”

Sie nennen ganz zu Anfang das Beispiel von Microsoft. Bevor das Redmonder Unternehmen seinen Corporate Blog Channel 9 ins Leben rief, hatte es ein sehr schlechtes Image. Durch den Start eines Blogs, dessen Name Channel 9 sich übrigens an einen offenen Audiokanal der United Airlines anlehnt, wurde Microsoft menschlich. Die Kunden konnten sehen, dass dort Menschen arbeiten und keine Pressemitteilungen. Ein Freund von mir hat es einmal in einem anderen Zusammenhang so oder so ähnlich auf den Punkt gebracht: “Ohne Blog ist das Unternehmen für die Menschen ein Backsteinhaus. Keine Fenster, nur eine alte Tür, die immer verschlossen ist. Durch den Blog bekommt das Gebäude Fenster und Mitarbeiter schauen heraus, winken den Leuten zu, reden mit ihnen und gehen auf sie ein”.

Bloggende Mitarbeiter

Es gibt aber im Gegensatz zu den eher bloggerfreundlichen Unternehmen, die ihre Mitarbeiter dazu ermutigen, also in unserem Beispiel oben, “Fenster einzubauen”, auch jene Unternehmen, die es ihren Mitarbeitern sogar verbieten. Apple ist so ein Unternehmen.

Im Buch werden einige bloggende Geschäftsführer genannt. So Robert A. Lutz, der als einziger Fortune 10-Geschäftsführer für General Motors mit seinem “Fast Lane“-Blog bloggt.

Ein gutes Beispiel ist auch Jonathan Schwartz, seines Zeichens CEO bei Sun. Er meint, Blogs hätten die Marke Sun authentischer gemacht als eine 1-Million-Dollar-Werbekampagne.

Schlechte Übersetzung und wohl unter Zeitdruck entstanden

Scoble/Israel: Unsere Kommunikation der Zukunft ("Naked Conversations")Das Buch selbst, so gut es im Englischen geschrieben sein mag, wurde sehr schwach und wohl auch mit großem Zeitdruck ins Deutsche übersetzt. Neben Layout-Fehlern finden sich vor allem Rechtschreibfehler, die so häufig sind, dass man sich über jede rechtschreibfehlerfreie Buchseite freut!

Lustig ist außerdem der deutsche Titel “Unsere Kommunikation der Zukunft”, während das Buch sich selbst im Innenteil “Naked Conversations”, also die englische Originalversion, nennt. Außerdem wird, um einen exemplarischen Fall zu nennen, der deutsche Blog “Fischmarkt“, der von der Agentur SinnerSchrader betrieben wird, im Buch “The Fish Market” genannt, was wohl daher stammt, dass er ins Englische übersetzt wurde und dann nicht wieder eingedeutscht wurde.

Inhalt

Robert Scobles und Shel Israels Buch beinhaltet neben nützlichen Tipps für Geschäftsführer und Unternehmen, die an der Aufsetzung eines Corporate Blogs interessiert sind auch Beispiele von Unternehmensblogs, die funktionieren und wie ihre Autoren und die dazugehörigen Unternehmen davon profitieren. Es werden die einige Argumente gegen Blogs widerlegt und es wird gezeigt, dass vor allem kleine Unternehmen eine viel größere Masse erreichen durchs Bloggen und so einen Hype auslösen können.

Fazit

Ein eigentlich gutes Buch, bei dem es jedoch irgendwann mehr Spaß macht, alle Rechtschreibfehler zu finden (nach der Hälfte des Buches habe ich nur noch Seite und Fehler notiert, statt Informationen zum Buch…). Inhaltliche Fehler sind wenige enthalten, sieht man einmal von falscher Verlinkung und Namensschreibung ab. Sie zeigen jedoch an interessanten Beispielen, wie Unternehmen effektiv mit den Bloggen beginnen können und wo sie es schon tun.

Eckdaten

“Unsere Kommunikation der Zukunft” von Robert Scoble, Shel Israel
Erschienen: April 2007, 349 Seiten, FinanzBuch-Verlag, ISBN: 978-3-89879-257-8

Über den Autor dieses Artikels

Timo Heuer ist Blogger und Podcaster und schreibt unter anderem für die Online-Magazine Sajonara sowie Phlow. [mehr]

 


Ein Beitrag von Timo Heuer.


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Veröffentlicht am Mittwoch, den 14. November 2007 um 06:00 Uhr.

 

7 Reaktionen zu “Buchkritik: "Naked Conversations – Unsere Kommunikation der Zukunft"”

Andy
schrieb am 14. November 2007 um 09:55 Uhr:

Finde es gut, das es immer mehr Bloggs auch von Unternehmen gibt. Natürlich erreicht man damit nur eine bestimmte Gruppe von Menschen, aber immerhin. Stellt sich nur die Frage, wenn jemand irgendein Produkt kauft, ob es dann schon entscheiden ist, ob die Firma einen blog hat oder nicht. Mal sehen ob diese Frage im Buch geklärt wird.

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Thomas Schwenke
schrieb am 14. November 2007 um 13:06 Uhr:

Danke für die sehr gute Kritik. Auf jeden Fall werde ich das Buch in englisch kaufen. Ist ein gutes Weihnachtsgeschenk für Kunden ;) In Deutschland herrscht doch immer noch ein Vorbehalt gegenüber Blogs gepaart mit dem Willen alles ja nur perfekt schreiben zu müssen.

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Spiele Blogger
schrieb am 14. November 2007 um 13:41 Uhr:

Jede große Website (auch die unsere) führt ein Blog! Blogs dienen gut zur Kommunikation zwischen User und Geschäftsführer oder der Marketingabteilung. Mit einem Blog kann man schnell und ohne viel Aufwand Feedback zu neuen Aktionen bekommen.

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Wellness Experte
schrieb am 20. März 2008 um 11:27 Uhr:

Ich finde den Vergleich genial: “Ein Unternehmen ohne Blog ist wie ein Haus ohne Fenster”. Blogs sind einfach ein super Instrument online Meinungsbildung und Marketing zu betreiben. Man sollte sie aber vernünftig einzusetzen wissen.

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Spiele Freak
schrieb am 25. Juni 2008 um 12:27 Uhr:

Naja es wird ja immer verrückter mit den ganzen gebloge, aber das ist wie jeder Hype im Internet, morgen kennt es schon keiner mehr.

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Thomas Kiwispotter
schrieb am 25. Juni 2008 um 13:59 Uhr:

@Spiele Freak:
Find ich auch! Ich würde das sogar für das ganze INet meinen! ;)

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