Keep it simple: Vom One-Pager zum Flat-File-CMS

Die Zeiten, in denen wir genüsslich über Content-Management-Systeme herziehen durften, neigen sich so langsam dem Ende: Viele Systeme sind heute extrem gut und lösen hinter einer anwenderfreundlichen Fassade auch noch das komplexeste Problem. Doch was, wenn das Problem gar nicht komplex, sondern im Gegenteil völlig simpel ist? Wir haben uns mal ein paar Use-Cases ausgedacht und nach der jeweils einfachsten Lösung gesucht.

Rube Goldberg Light Switcher

Simple Aufgaben mit überkomplexen Maschinen zu lösen hat sich spätestens seit Rube Goldberg zu einer eigenen Disziplin entwickelt. Quelle: Etsy

Gleich vorab: Nicht für jede Webseite braucht man ein CMS. Daher soll es im ersten Schritt um Fallbeispiele gehen, bei denen statische Webseiten oder Standard-Templates völlig ausreichen. Diese Lösungen sind immer dann sinnvoll, wenn sich die Inhalte nicht permanent ändern oder erweitern. Rand-Thema? Nicht unbedingt, denn man glaubt gar nicht, wie viele Anwendungsfälle man schon mit einer einzigen Webseite (One-Pager) hinreichend abdecken kann. Man muss nur die eigenen Anforderungen auf das Wesentliche reduzieren und eine realistische Einschätzung von der Besucherzahl für sein geplantes Web-Imperium entwickeln.

Use-Case: One-Pager

One-Pager haben bereits vor einigen Jahren eine Renaissance erlebt, und das nicht ohne Grund: Der Aufwand ist gering und die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig. Vor allem die schicken Scroll-Animationen per JavaScript haben die Anwendungsfälle von One-Pagern deutlich erweitert, denn die Technik macht das Klicken auch durch längere Webseiten komfortabel. Statt einen Auftritt mit mehreren Seiten zu erstellen, baut man die Seiten einfach untereinander und lässt den Nutzer die einzelnen Abschnitte per Navigation ansteuern.

An Einsatzmöglichkeiten mangelt es nicht:

  • Coming-Soon-Pages für Startups und Projekte
  • Landing-Pages für Marketing-Aktionen
  • Einfache Portfolio-Seiten
  • Kleine Business-Auftritte
  • Persönliche Profil-Seiten

Wer sich inspirieren lassen möchte, der findet bei OnePageLove eine enorme Bandbreite an Themes und Use-Cases, die man mit einem One-Pager bestens abdecken kann. Von der Hochzeitsseite über das Restaurant-Theme bis hin zu Event- und Portfolio-Seiten ist alles dabei. Und auch wenn man an die Online-Visitenkarten von Kleinunternehmern oder Freelancern denkt: Braucht man wirklich ein CMS, wenn man zweimal oder dreimal pro Jahr einen Satz auf dem Webauftritt ändern will?

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Woher man One-Pager bekommt

One-Pager kann man sich entweder als Theme fertig herunterladen (frei oder kostenpflichtig), oder – falls HTML und CSS-Kenntnisse vorhanden sind – einfach selber bauen.

Für fertige Themes ist die genannten Seite OnePageLove.com eine gute Anlaufstelle. Templates, für die man kein CMS wie WordPress, Drupal und Co. benötigt, findet man unter der Kategorie „HTML“. Die kostenpflichtigen Templates stammen überwiegend von dem bekannten Theme-Vermarkter Themeforest.

onepagelove

Hübsche Templates für One-Pager auch ohne CMS gibt es bei OnePageLove.

Wer über gute HTML- und CSS-Kenntnisse verfügt und seine Seiten lieber selber baut, der kann auf ein paar hilfreiche Tools und Bibliotheken zurückgreifen. Ich fange mal mit den Puristen an und werde dann komplexer:

  • Smooth Scroll ist ein kleines JavaScript bzw. VanillaScript, das den Scroll-Effekt für einen One-Pager liefert. Es gibt sicher noch viele Alternativen, aber ich bin mit dem Script immer bestens klar gekommen.
  • Fixed Nav nutzt Smooth Scroll und liefert dazu noch ein Template mit oben fixierter Navigation. Die Navi ist responsive und verwandelt sich bei Smartphones in den bekannten „Burger-Button“. Leider funktioniert das Script bei sehr alten Mobile-Browsern nicht immer korrekt.
  • Wer lieber mit JQuery arbeitet, dürfte mit onepage-scroll oder scrollTo zurechtkommen.
  • Wer eine richtig komplexe Animation mit Parallax & Co. haben will, der kann sich mal ScrollMagic anschauen.
  • Bei weiteren Anforderungen hilft wie immer eine Suche auf GitHub nach Scroll, Parallax und Co.

Bei der Erstellung des HTML- und CSS-Templates kann man natürlich auf bekannte Frameworks wie Bootstrap, Foundation, Gumby und Co. zurückgreifen oder sogar Static-Site-Generatoren wie Jekyll nutzen. Wirklich nötig ist das allerdings nicht.

Remote-CMS für One-Pager

Wenn man die Inhalte auf seiner Seite doch häufiger ändern will, sich jedoch nicht an das kleine Einmaleins des HTML herantraut und auch niemanden kennt, der das übernehmen will, der muss am Ende doch auf ein CMS zurückgreifen.

Und an dieser Stelle wird es skurril, denn trotz der Renaissance von One-Pagern habe ich bislang noch keine Lösung gefunden, die exakt auf diesen Seitentyp zugeschnitten ist. Es gab zwar mal das Projekt Leeflets, das wird jedoch offensichtlich nicht mehr weiterentwickelt. Da eine lokale Test-Installation einen FTP-Server und diverse Server-Angaben erfordert, habe ich auf ein Ausprobieren dann komplett verzichtet. Vielleicht haben jedoch andere Nutzer positive Erfahrungen gemacht, denn zumindest im Vorfeld des Launchs klangen die Bericht euphorisch.

Eine andere Alternative können Remote-CMS-Anbieter sein. Dabei installiert man sich kein eigenes CMS, sondern erstellt einen Account bei einem zentral gehosteten CMS, mit dessen Hilfe die Inhalte der Seite editierbar gemacht werden können. Bekannte Anbieter sind:

Im Rahmen dieses Artikels habe ich kurz Surreal ausprobiert und kann bestätigen: Es funktioniert, und zwar komplett ohne Programmier-Kenntnisse. Nachdem man einen Account angelegt hat, gibt man die URL seiner Seite an, trägt die nötigen Server-Daten ein (FTP-Zugang, Ordner etc.) und bestimmt, welche Files bearbeitet werden sollen (z.B. die index.html). Surreal kopiert die Files und stellt die Seite in einem Editor (nicht immer ganz fehlerfrei) dar.

Im nächsten Schritt definiert man per Click einige Seitenbereiche, die man editieren will. Im HTML bekommen diese Bereiche eine individuelle ID und die CSS-Klasse „editable“ zugewiesen. Anschließend kann man die Texte direkt auf der Seite ändern (In-Page-Editing). Beim Speichern wird die geänderte Datei per FTP zurück auf den eigenen Server kopiert.

surreal_cms

Mit Remote-CMS-Systemen wie Surreal kann man auch statische HTML-Seiten nachträglich editieren.

Ich habe bei dem Test nur ein paar Text-Änderungen vorgenommen und kann daher nicht sagen, ob das System auch bei komplexeren Änderungen (Textausrichtung, Bilder etc.) reibungslos funktioniert. Als Option für einfache Änderungen kommen diese Angebote aber auf jeden Fall in Frage, sofern man bereit ist, einen monatlichen Betrag ab 10 Dollar für den Service zu bezahlen und freigiebig mit sensiblen FTP- und Server-Infos umzugehen.

Als selbstgehostete Lösung bietet sich unify an. Aufgrund der einmaligen Lizenz-Kosten von 24,49 Dollar habe ich unify für diesen Beitrag nicht ausprobiert, aber nach der Demo-Seite, der Doku und einigen Berichten zu urteilen, funktioniert das System ganz ähnlich wie Surreal und Co. Unify ist kein CMS, sondern ein Content-Editor. Man kann also keine neuen Webseiten damit erstellen, sondern nur bestehende ändern. Eine weitere Alternative ist MojoMotor von EllisLab (CodeIgniter und Expression Engine), wobei die Lizenzkosten hier mit 49 Dollar etwas stärker zu Buche schlagen.

Wie man sieht, gibt es durchaus Ansätze und Lösungen für One-Pager, auch wenn eine exakt zugeschnittene Lösung ähnlich wie leeflets derzeit noch fehlt. Möglicherweise eignet sich jedoch das etwas ältere Flat-File-System razorCMS für One-Pager, da Razor extrem reduziert ist, komplett auf In-Page-Editing setzt und die Erstellung neuer Content-Blöcke auf einer Seite ermöglicht. Bei der nächsten Gelegenheit wird Razor sicherlich von mir eine Chance bekommen.

razor cms

Das Flat-File-CMS Razor könnte ein Kandidat für One-Pager sein.

Es wäre sicher auch interessant, ein zugeschnittenes Mini-CMS für One-Pager selbst zu bauen. Vor kurzem bin ich beispielsweise auf das In-Page-Editing-Script Create gestoßen, das auch gleich eine PHP-Library zur Integration in ein bestehendes CMS mitbringt. Als Demo-Seite hat man bezeichnenderweise einen One-Pager gewählt. Für das Backend und die Speicherung der Inhalte in Files könnte man das Micro-Framework Slim verwenden, für Image- und File-Uploads stehen Tools wie Dropzone zur Verfügung. Damit wäre das kleine Micro-CMS für One-Pager schon beinahe fertig.

Use-Case: Dynamischer Webauftritt mit Flat-File-Systemen

Natürlich gibt es auch Szenarien, in denen man auf ein vollwertiges CMS angewiesen ist. Das ist immer dann der Fall, wenn es um viele Seiten, dynamische Inhalte und häufige Aktualisierungen geht. Bei dieser Beschreibung denken vermutlich viele an WordPress. Das wäre mir aber immer noch viel zu komplex.

Eine sinnvolle und kleine Lösung können Flat-File-Systeme sein, die seit zwei bis drei Jahren wieder sehr en vogue sind. Flat-File-Systeme sind allerdings eher etwas für Entwickler, da sie in der Regel keine umfangreiche Theme-Auswahl bieten. Im Gegensatz zu statischen Site-Generatoren wie Jekyll bringen viele Flat-File-Systeme jedoch eine Autorenoberfläche mit, sodass sie als vollwertige CMS-Lösungen durchgehen.

Der Verzicht auf Datenbanken ist bei Flat-File-Systemen zwar kein schlagendes Argument, bringt aber einige Vorteile mit:

  • Bei den kleinsten Hosting-Paketen stehen oft nur zwei oder drei Datenbanken zur Verfügung, vielleicht sogar überhaupt keine. Flat-File-Systeme verbrauchen in dieser Hinsicht schlicht keine Ressourcen und lassen die Datenbanken für andere Projekte frei.
  • Eine Datenbank ist zwar schnell eingerichtet, aber wenn der Schritt komplett wegfällt, ist es auch kein Grund zur Beschwerde.
  • Will man für einen Kunden schnell ein paar Änderungen entwickeln und realistischen Content haben, muss man nicht umständlich einen Datenbank-Dump erstellen und einspielen, sondern lädt fix die Ordner herunter. Gleiches gilt für Backups. Und auch Umstrukturierungen von Inhalten sind denkbar einfach: Man schiebt schlicht die Files ein wenig herum.
  • Nicht zuletzt sagt man Flat-File-Systemen eine enorm gute Performance nach.

Der eigentliche Vorteil solcher Systeme liegt jedoch in der extrem schnellen und einfachen Entwicklung von individuellen Webauftritten sowie in der – wenn vorhanden – sehr reduzierten und nutzerfreundlichen Autorenoberfläche.

Die beiden bekanntesten Systeme sind wohl Kirby und Statamic. Beide sind kostenpflichtig und liegen bei nicht-kommerziellen Seiten zwischen 29 Dollar (Statamic) und 19 Dollar (Kirby). Für kommerzielle Seiten bezahlt man bei beiden Systemen eine Lizenzgebühr von 99,- Dollar. Die beiden Systeme sind für mich derzeit die einzigen Lösungen, die man aufgrund der Feature-Power und der Stabilität auch ungeniert im Enterprise-Umfeld anbieten kann.

Daneben gibt es zahlreiche Open-Source-Alternativen. Derzeit (Stand Herbst 2014) erobert zum Beispiel das neue Flat-File-System Grav die Herzen der Entwickler. Und es sieht tatsächlich so aus, als könnte Grav bald auf dem Niveau von Kirby und Statamic mitspielen. Hinter Grav steckt der Theme-Vermarkter RocketTheme, ein Theme-Shop lässt also bereits heute grüßen. Aufgrund des hohen Entwicklungsaufwandes wurde allerdings auch schon ein Fremium-Modell für besondere Features ins Spiel gebracht. So oder so ist ein Business-Modell im Hintergrund ganz hilfreich, denn viele andere kurzzeitig gehypte Systeme werden heute schon nicht mehr weiterentwickelt (zum Beispiel Dropplets oder Pico). Für andere junge Systemen wie das Flat-File-Blogsystem HTMLy wünscht man sich ein anderes Schicksal, da sie eine wirklich sinnvolle Alternative zu schwergewichtigen Lösungen bieten. Noch mehr Alternativen findet man in dieser Übersicht über 20 Flat-File-CMS.

Flat File System Grav

Grav ist eine neue und vielversprechende Open-Source-Alternative auf dem Flat-File-Markt.

Eigene Erfahrungen habe ich vor allem mit Statamic gemacht. Und die waren derart positiv, dass ich bei neuen Projekten immer zunächst Statamic in Erwägung ziehe, bevor ich mich nach anderen Lösungen umschaue. Ein paar Gründe, die aus meiner Sicht für Statamic und andere Flat-File-Systeme sprechen:

  • Statamic basiert auf PHP, nutzt jedoch eine sehr einfache Template-Sprache (ähnelt Twig) in Kombination mit der vereinfachten Auszeichnungssprache YAML. Damit kann man nach einer kurzen Einarbeitung wesentlich einfacher, schneller und übersichtlicher arbeiten.
  • Da die Sprache so einfach und der Funktionsumfang so groß ist, brauchte ich bislang noch keine Plugins. Anforderungen wie Kalender, Tags, News, Maps, Slideshows, Formulare etc. hat man in Windeseile selbst gescriptet.
  • Bei der Definition der Seitentypen (z.B. Blog, News, Kalender und Co.) baut man das User-Interface für den Autor gleich mit, d.h. der Autor bekommt keinerlei überflüssige Felder und Funktionen zu sehen, sodass die Nutzeroberfläche immer sehr aufgeräumt ist.
  • Bei der Bearbeitung der Inhalte kann man zwischen verschiedenen Editoren und Auszeichnungssprachen wählen (Redactor und Markdown als Standard). Interessanterweise haben auch Nutzer kein Problem mit Markdown, wenn die Autorenoberfläche insgesamt gut gemacht ist.

Es gibt allerdings auch ein paar Einschränkungen bei Statamic, so gibt es beispielsweise für eine Suchfunktion nur ein kostenpflichtiges Plugin. Auch das ist eine Frage des Verzichts auf sinnlose Features, denn bei kleinen Seiten dürfte eine Suche in aller Regel überflüssig sein. Außerdem ist Statamic in erster Linie für Entwickler gedacht, daher gibt es auch nur wenige vorgefertigte Templates oder Themes. Wer also kein PHP oder eine andere Websprache beherrscht, der ist mit WordPress und Co. besser bedient.

Wer allerdings für kleinere Geschäfts-Kunden oder Freunde etwas bauen will, der könnte an solchen Flat-File-Systemen Gefallen finden. Die Anwendungsszenarien sind auf jeden Fall groß: Für Statamic gibt es mit Bison sogar eine vollständige, allerdings nicht ganz billige Flat-File-Lösung für E-Commerce.

XML-basierte Systeme

Einige Lightweight-Systeme arbeiten weder mit Files, noch mit einer Datenbank, sondern sie nutzen das Datenformat XML für die Speicherung von Inhalten. Ich habe mit solchen Systemen noch keine Erfahrung gemacht und kann daher nur wenig darüber sagen. Wer es mal ausprobieren will, könnte hier jedoch einen Einstieg finden.

Get-Simple ist ein schon recht etabliertes, auf PHP basierendes System, das beim Thema Lightweight-CMS häufig auftaucht. Die sehr aufgeräumte Autorenoberfläche kann man sich bei der Test-Installation auf der Webseite von GetSimple anschauen. Wer einen tieferen Einblick haben will, kann sich einen ausführlichen älteren Bericht über GetSimple auf t3n.de durchlesen.

Eine vergleichsweise junge Alternative ist Monstra. Für die Installation muss man lediglich Seitenname, User, Passwort und E-Mail in ein Formular eintragen, die Nutzeroberfläche ist extrem aufgeräumt und bereits für Mobile-Geräte optimiert, bleibt nur noch die Frage nach dem Entwicklungsprozess, den ich mir noch nicht angeschaut habe. Das Projekt scheint auf GitHub zwar schon etwas länger auf ein Update zu warten, die letzte auf der Webseite von Monstra angebotene Version lief bei einer Test-Installation aber stabil.

Monstra CMS

Was will man mehr? Die extrem reduzierte Autorenoberfläche des XML-basierten Monstra-CMS.

Schon etwas älter aber dennoch recht interessant ist das aus Argentinien stammende XML-Blog-System Nibbleblog. Ich war anfangs skeptisch, nach der Installation aber positive Überrascht: Das System bringt alles mit, was man für einen kleinen Blog benötigt, inklusive Kommentarsystem und Kommentar-Moderation. Außerdem hat Nibbleblog bereits drei durchaus ansprechende Themes im Gepäck, die sich wie bei WordPress per Click installieren lassen. Da die XML-Files extrem kryptische Namen und Inhalte haben, lässt sich der Blog nur klassisch über die Autorenoberfläche und nicht über die Erstellung von .md-Files füllen, wie es bei Markdown-Flat-File-Systemen üblich ist. Wem das allerdings egal ist (und den meisten Anwendern wird das egal sein), der sollte mal einen Blick riskieren.

Lightweight-Systeme mit Datenbank

Angesichts der vielen datenbanklosen Systeme muss man sich bei kleineren Projekten schon die Frage stellen, warum man überhaupt auf ein CMS mit Datenbank zurückgreifen sollte. Vor allem, weil man bei den Datenbank-basierten Systemen noch einmal mit einer riesigen Auswahl zu kämpfen hat. Solche Systeme kommen dann eher bei KMUs und mittleren Business-Kunden zum Einsatz und bieten eine Alternative zu Drupal, Joomla, TYPO3 und Co.

Da ich mit den Systemen selbst noch keine Erfahrungen gemacht habe, kann ich nur eine subjektive Auswahl von sehr neuen oder bereits recht etablierten Systemen geben und damit den Einstieg in die eigene Recherche erleichtern:

  • Bolt gehört mit 16 MBs und 3.500 Dateien wohl eher zu den schwergewichtigeren Lösungen, bezeichnet sich selbst aber immer noch als lightweight. Zum Vergleich: Statamic hat gut 5 MB und 800 Dateien, Montra braucht nur 2 MB und 500 Files. Dafür, dass Bolt erst 2013 entstanden ist, erfreut es sich mit 1200 Stars auf GitHub recht großer Beliebtheit. Leider gibt es zu Bolt keine Demo-Installation, sodass man sich von der Autorenumgebung nur über Screenshots einen Eindruck verschaffen kann, sofern man den Aufwand einer eigenen Installation scheut.
  • Ebenfalls im Jahr 2013 ist die erste Version von Craft erschienen, über das man viel Gutes liest. Die Craft-Entwickler kommen wohl aus dem Expression-Engine-Umfeld, in dessen Dunstkreis ja schon einige Projekte entstanden sind. Craft ist allerdings mit über 20 MB weder Lightweight, noch ist es Open Source (dreistufiges Modell von Free bis Pro). Leider gibt es auch für Craft keine Demo-Installation, die Screenshots lassen aber auf eine sehr aufgeräumte Benutzeroberfläche schließen.
  • PyroCMS gehört zu den älteren CMS-Lösungen, erfreut sich aber immer noch einer recht großen Beliebtheit (ca. 1800 Stars auf GitHub). Es basiert auf dem Framework CodeIgniter und dürfte damit schon nicht mehr zu den schlankesten Systemen gehören. Ehrlich gesagt hat mich die Admin-Oberfläche der Demo-Installation nicht sonderlich angesprochen. Dafür ist aber alles dabei, was man braucht: Themes, Module, Plugins, Rechteverwaltung und mehr.
  • Mit gerade einmal 3 MB und 700 Files kommt WolfCMS sehr leichtgewichtig daher. Über Wolf stolpert man recht häufig, allerdings ist es auch schon etwas in die Jahre gekommen und die Admin-Oberfläche sieht auch nicht mehr frisch aus. Aufgeräumt wirkt es dennoch, sodass es auch für dieses CMS sicherlich noch Einsatzmöglichkeiten gibt. Bei GitHub hat Wolf 230 Stars ergattert.
  • Ebenfalls etwas älter ist Fork, allerdings wird das CMS immer noch aktiv entwickelt und bekommt auf GitHub knapp 800 Stars. Für Fork gibt es eine Demo-Installation, wobei mich die Oberfläche nicht sonderlich anspricht. Dennoch ist auch Fork mit Sicherheit eine Option.

Das waren jetzt nur ein paar Systeme, die häufiger genannt werden. Oft stolpert man auch noch über Perch, CMSMadeSimple, CouchCMS und viele andere, ganz zu schweigen von den Content-Management-Systemen, die auf Ruby oder Python basieren und hier keine Erwähnung gefunden haben. Mehr als 300 Demo-Installationen von Open-Source-Systemen kann man sich übrigens unter OpenSourceCMS anschauen. Unnötig zu erwähnen, dass auch die dortigen Listen wohl noch nicht vollständig sind.

… und WordPress?

Natürlich bieten etablierte Systeme wie WordPress, Drupal und Co. immer noch eine ganze Menge Vorteile. Sie sind sehr verbreitet und verfügen über eine große Community, die für jedes denkbare Problem schon irgend eine Lösung gefunden hat. Und vor allem gibt es für diese Systeme sehr viele Themes und Templates, mit denen auch ein Technik-scheuer User eine schicke Standard-Seite erstellen kann.

Diese Argumente sind sehr stark und überzeugen auch viele. Das heißt jedoch nicht, dass man damit immer die beste Lösung gefunden hat. Auch WordPress ist inzwischen im Business-Bereich angekommen und es gibt nicht wenige Medienhäuser, die komplette Online-Magazine damit betreiben. Für einen kleinen Webauftritt ist WordPress also sicherlich keine Lightweight-Lösung mehr.

Mein eigener Entscheidungsprozess sieht so aus:

  • One-Pager baue ich grundsätzlich selbst, dafür ein großes System zu nutzen, wäre wirklich absurd. Sicherlich werde ich bei dem nächsten One-Pager mal eine der oben vorgestellten Lösungen ausprobieren, um die Seite auch für einen Nicht-Entwickler editierbar zu machen.
  • Für kleinere, individuelle und dynamische Webauftritte wie Profil-Seiten, Freelancer-Seiten oder kleine Business-Seiten nutze ich Statamic, da die Entwicklung schnell geht und viel Spaß macht. Nach dieser Recherche werde ich sicher auch mal ein anderes System ausprobieren.
  • Wenn es wirklich um einen klassischen Blog oder um ein Magazin mit Kommentarfunktion und vielen Erweiterungen geht, dann setze ich nach wie vor auf WordPress. Es würde einfach keinen Sinn machen, hier das Rad neu zu erfinden und mit anderen Systemen etwas Ähnliches zu entwickeln.

Und trotzdem steht auch WordPress als Option nicht mehr alleine da. Für absolute Puristen bieten sich Systeme wie HTMLy oder Nibbleblog an. Als schlanke datenbankbasierte Alternative zu WordPress hat sich inzwischen anchorCMS etabliert (es umfasst nur etwa 200 Files mit gut 400 kB). Um die Blog-Software Ghost ist es zwar etwas ruhiger geworden. Doch das Team scheint munter zu wachsen und an dem Projekt weiterzuarbeiten.

Anchor CMS

Anchor versteht sich als schlanke Alternative zu WordPress und ist inzwischen recht beliebt.

Fazit

Nach solchen Recherchen bin ich immer wieder erstaunt, wie viele unterschiedliche Systeme es auf dem Markt gibt. Es dürfte mindestens 500 CMS-Lösungen geben, allein im Lightweight-Bereich müssen es zwischen 50 und 100 sein.

Klar, irgendwann hat man ein Lieblings-System gefunden, dem man vertraut und auf das man setzt. Aber es lohnt sich, regelmäßig einen Blick über den Tellerrand zu werfen, um zu schauen, ob es für manche Probleme nicht doch etwas Passenderes gibt.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde zuletzt am 4.11.2014 aktualisiert.

Artikel vom 11. August 2014