Große und bekannte Websites mit WordPress

WordPress ist mittlerweile schon seit mehr als elf Jahren auf dem Markt und das System hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Am Anfang ignoriert, dann belächelt, entwickelte sich das Open-Source-Projekt von einer spartanischen Blog-Software zum ausgewachsenen Redaktionssystem mit der, mit weitem Abstand, höchsten Verbreitung und der größten Popularität auf dem CMS-Markt.

Symbolbild WordPress

(Collage: WordPress-Logo, Grafik von © iuneWind – Fotolia.com)

Momentane Situation auf dem CMS-Markt

Bevor wir uns dem eigentlichen Thema widmen, schauen wir uns den momentanen Stand des CMS-Marktes etwas genauer an. Die Zahlen stammen von der Website w3techs.com. Laut dieser beherrscht WordPress aktuell – also im Juli 2014 – 60,4 Prozent des CMS-Marktes. Hier die Werte von WordPress und seinen drei bekannten Open-Source-Konkurrenten:

  • WordPress: 60,4 %
  • Joomla 8,1 %
  • Drupal: 5,2 %
  • TYPO3: 1,6 %

Bei w3techs.com werden die Top-10-Millionen Websites berücksichtigt und anschließend wird geschaut, welches CMS die jeweilige Website einsetzt. Berücksichtigt man hier auch die statischen Websites, so läuft WordPress momentan auf 22,6 % aller Websites in der Top-10-Millionen-Liste. Weitere Hinweise zu der Auswertung findet man hier.

Allerdings ist der momentane Stand der Dinge auf dem CMS-Markt nicht die einzige interessante Zahl. Schaut man sich die Werte der letzten 12 Monate an, dann wird man feststellen, dass einzig WordPress eine nennenswerte Zunahme an Verbreitung verzeichnen kann, während die anderen Systeme ihre Verbreitung verlieren oder bestenfalls beibehalten können.

„Kein richtiges CMS…“

Trotz der sehr hohen Verbreitung und der Popularität bei den Nutzern, gibt es nach wie vor diverse Vorurteile gegenüber WordPress. Zwei dieser Vorurteile fassen manche Kritiker auch in einem Satz zusammen: „WordPress ist zwar schön und gut, aber kein (richtiges) CMS und eignet sich auch nicht für große Website.“ Im Folgenden wird man feststellen, dass diese Aussage nicht die Realität abbildet.

Beispiele großer und bekannter Websites

Ich kann lange behaupten, dass viele bekannte, große – sowohl in Bezug auf den Umfang als auch in Bezug auf die Besucherzahlen – und auch außergewöhnliche Websites mit WordPress betrieben werden, aber Beispiele oder besser gesagt Screenshots sagen mehr als tausend Worte.

Die erste Website auf die ich eingehe, ist das sehr bekannte Webworker-Portal Smashing Magazine. Mit diesem ersten Beispiel erwische ich mehrere Fliegen mit einem Schlag. Auch wenn sich durch die englische Sprache der Inhalt dieser Website an ein internationales Publikum richtet, so handelt es sich hierbei dennoch um ein Projekt aus Deutschland. Man muss also nicht immer Beispiele von der anderen Seite des Teiches nehmen um große und populäre Webprojekte aufzuzeigen.

Smashing Magazine

Smashing Magazine

Durch die bis zu 5,5 Millionen Unique Visitors pro Monat und seine Magazin-artige Struktur eignet sich diese Website sehr gut als Beispiel sowohl für Traffic-starke als auch für Websites ohne Blog-Charakter, die mit WordPress betrieben werden. Siehe dazu auch das Kurz-Interview am Ende des Artikels.

Wo wir gerade im IT-Segment sind, lohnt es sich auch TechCrunch zu nennen. Hierbei handelt es sich um ein sehr bekanntes IT-Portal mit ca. 15 Millionen Besucher pro Monat.

Weitere Beispiele aus dem IT-Bereich wären das Informationsportal von SAP und das Weblog von Mozilla.

Wer sich ein richtig seriöses Beispiel wünscht, der sollte mal die offizielle Website von Schweden besuchen. Diese wird ebenfalls mit WordPress betrieben.

Sweden.se

Sweden.se

Gut an diesem Beispiel ist, dass es sich sowohl vom Layout als auch von der Struktur her, um ein Portal handelt und man recht wenig von der „klassischen“ Blogstruktur erkennen kann.

Aber auch im Showbiz ist WordPress gut vertreten. Sowohl BBC America als auch Sylvester Stallone oder William Shatner setzen auf das populäre System und auch musikalisch reicht die WordPress-Spanne von a-ha über Justin Bieber bis zu den Rolling Stones und Tom Jones.

Noch ein kleiner Hinweis an die Star-Wars-Fans … ja, genau. Das offizielle Weblog läuft ebenfalls mit WordPress. Laut diversen Gerüchten hat sich Yoda dazu mit folgenden Worten geäußert:

Auf WordPress setzen du musst.

Und wo wir gerade im Weltraum sind: Das Projekt Spacehack.org, welches sich zum Ziel gesetzt hat, eine breitere Öffentlichkeit für das Thema Weltraum-Erforschung zu begeistern, nehme ich ebenfalls in die Liste auf.

Ein weiteres interessanteres Projekt, welches mit WordPress betrieben wird, ist Paleo Plan. Es handelt sich hierbei um eine Website zum Thema Steinzeit-Ernährung. Ich habe diese Website nicht deswegen in die Auflistung aufgenommen, weil ich dieser Ernährungsweise die Figur verdanke, wie ich sie noch mit Anfang 20 hatte :-), sondern weil die Website über eine Struktur bzw. Elemente verfügt, die für einige Leser interessant sein könnte. Dazu zählen u.a. der Verkaufsbereich und der geschlossene Bereich für die Mitglieder.

Weitere Beispiele findet man u.a. im offiziellen Showcase.

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Warum ist WordPress so erfolgreich?

Der Erfolg von WordPress basiert auf mehreren Faktoren. Die Jahre 2003 bis 2005 waren gute Jahre, um ein neues System zu entwickeln und zu etablieren. Wenn man sich die Systeme anschaut, die es vor WordPress auf dem Markt gab, dann kann man die Begeisterung der Leute verstehen, die damals das neue CMS kennenlernten. Auch in seinen Anfangszeiten war WordPress, im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, recht einfach zu installieren und anzupassen.

Durch die zunehmende Verbreitung wuchs nicht nur die Zahl der Nutzer sondern auch der Entwickler, die sich mit dem System beschäftigen. Damit erklärt sich die sehr hohe Anzahl an Erweiterungen (Plugins) und der einsatzbereiten Layouts (Themes).

Momentan zählt das offizielle Verzeichnis mehr als 32.000 Plugins und mehr als 2.600 Themes. Wobei das nur die kostenlosen Vertreter sind. Im Web kursieren unzählige kostenpflichtige Erweiterungen und Themes.

WordPress war schon immer ein System, das es dem Autor ermöglicht hat, recht schnell und unkompliziert Inhalte zu veröffentlichen. Dazu zähle ich sowohl die zwei anpassbaren Editoren – Text- und den visuellen Editor – als auch die Einbettungsfunktion, mit deren Hilfe man schnell und äußerst einfach diverse Inhalte, wie z.B. Tweets, Videos, Bilder, Musik und Umfragen in den Artikeln einbetten kann.

Aber schauen wir uns zum Abschluss ein Beispiel noch etwas genauer an.

Kurz-Interview „Smashing Magazine“

Wir haben dem Smashing Magazine via E-Mail einige Fragen dazu gestellt, wie WordPress für sie performt und wie sie dem System Beine machen. Hier die Antworten von Markus Seyfferth (Smashing Magazine) und Alex Frison (Inpsyde GmbH):

Wie groß ist Smashing Magazine eigentlich konkret?

Markus: Dazu einmal einige Zahlen auf einen Blick:

  • 2.371 Artikel
  • 402 Pages
  • 214.970 Kommentare
  • Besucher: im Schnitt 4,5 bis 5,5 Millionen Unique Visitors im Monat
  • Seitenabrufe = im Schnitt 9 bis 11 Millionen Page Views im Monat
  • 1 bis 2 neue Artikel pro Tag

Wie sieht eure Hosting-Lösung aus?

Markus: 2 WWW-Server, und zwei Server für die Auslieferung von Bilddateien und CSS. Das Ganze mit vorgeschaltetem Load-Balancer. Wir sind aber dabei, das mittelfristig umzustellen und die Server-Performance zu verbessern, insofern arbeiten wir derzeit nicht mit State of the Art Hosting.

Welche Optimierungen habt ihr an WordPress vorgenommen?

Markus: Zu nennen sind hier vor allem Dinge, die die Frontend-Performance verbessern wie Lazy-loading unserer Ads sowie Webfonts. Beides zusammen hat richtig was gebracht, insbesondere auf Mobile. Bzgl. der Optimierung von Caching mittels Plugins: Wir arbeiten hier mit einem Customized Plugin — Verbesserungen sind aber schon geplant.

Wir arbeiten ansonsten nur mit möglichst wenig Plugins, darunter WP SEO Premium, Remove Blog Slug zum Entfernen von /blog/ im Slug, ein Plugin für Comments und eines für den RSS-Feed. Das war’s. :-)

Plugins bspw. fürs Lazy-loading von Bildern taugen in der Regel nichts, verschlechtern sogar eher noch das Ergebnis beim Google Pagespeed, auch wenn Plugins sich selbst als „light-weight“ bezeichnen — sie sind es im Regelfall nicht.

Alex: Den Kern von WordPress haben wir bei alldem nicht angefasst. So können einfach und schnell Updates für WordPress und die eingesetzten Plugins durchgeführt werden. Auch bei den Eigenentwicklungen halten wir uns an die Standards, um so permanent auf dem hohen Sicherheitslevel zu arbeiten, den WordPress vorgibt.

Das von uns eingesetzte WordPress ist eine Multisite, welches seit Anfang 2014 aus vormals sechs einzelnen WordPress-Installationen, welche die Bereiche Smashing, Coding, Mobile, WordPress, UxDesign, Fireworks waren, entstand. Die einzelnen Seiten wurden in eine WordPress-Installation zusammengeführt und mit Hilfe der Kategorie-Taxonomy neu abgebildet.

Alle bisher eingesetzten Plugins und Themes wurden auf eine einheitliche Code-Basis umgestellt, überflüssiges entfernt und weite Teile neu geschrieben. Mit diesen Optimierungen konnten wir die Request-Zeiten von 400 ms auf 40 ms senken.

Freie Plugins wie z.B. Antispam Bee und WPSeo (Premium) werden nur noch für den Komfort eingesetzt. Das Rad muss ja nicht neu erfunden werden.

Unter der Hardwarehaube stecken zwei Root-Server für die Redundanz und ein Varnish-Cache-Server, um möglichst wenig Datenbankzugriffe zu generieren und die Webserver zu entlasten.

Welche Stellschrauben sind nach eurer Erfahrung die wichtigsten? 

Alex: Das wichtigste Kriterium einer großen WordPress-Installation ist das zu Grunde liegende Programmkonzept. Um Performance, Sicherheit und Aktualisierbarkeit zu gewährleisten, muss genau abgewägt werden, welche Teile selbst geschrieben werden sollen oder welche über freie Plugins implementiert werden können. WordPress.org bietet aktuell mehr als 32.000 freie Plugins an. Eine Vielzahl davon kann, aufgrund der schlechten Code-Basis, langfristig zu sehr großen Problemen führen. Leider fehlt den meisten WordPress-Betreibern das wichtige Know-how und früher oder später stehen sie vor dem Problem, viel Zeit und somit Geld in die Fehlerforschung und -behebung zu investieren.

Bei der Entwicklung von Plugins und Themes muss darauf geachtet werden, dass die Code-Basis sauber und wartbar ist. Sie sollte sich an den WordPress-Standard halten und die hauseigenen APIs verwenden. Auf Implementationen, die sich davon entfernen (zum Beispiel eigene MySQL-Tabellen) sollte nach Möglichkeit verzichtet werden. Auch gilt zu entscheiden: Was gehört ins Theme und was in ein Plugin? Viele begehen den Fehler und füllen ihr Theme mit Features und wundern sich bei einem Themewechsel, wieso plötzlich nichts mehr funktioniert.

Statische Daten, wie JavaScript, CSS oder auch Bilder sollten gebündelt, minifiziert, und optimiert ausgeliefert werden. Bei größeren Projekten empfiehlt es sich auf CDN-Services zurück zu greifen. Dieses Vorgehen kann auch auf viele Teile rechenintensiver Prozesse angewandt werden – Such-Server zum Beispiel.

Was spricht aus eurer Sicht dagegen, WordPress für große Projekte einzusetzen?

Alex: Grundsätzlich gibt es keine Einschränkungen für die Verwendung von WordPress. Millionen von Webseiten zeigen, dass es nicht nur massiv skalieren kann, sondern auch sicher und performant läuft. Trotz einer riesigen Verbreitung auf dem Markt sind nur wenige Sicherheitslücken bekannt – selbst wenn, werden diese meist sofort gepatched.

Eine der wenigen Hürden ist das Know-how. Mit den richtigen Stellschrauben kann WordPress tausende von Seiten mit abermillionen Beiträgen verwalten.

Andere CM-Systeme kommen für uns nur für kleinere Seiten in Frage. So nutzen wir z.B. Kirby für unsere Konferenz-Seiten. Für große Projekte, wie dem Magazine, setzen wir aus den oben genannten Gründen weiterhin auf WordPress.

Artikel vom 25. August 2014