10 neue Publishing-Modelle in Bild und Ton
Ein Beitrag von: Sebastian Schürmanns
Digital geht so einiges, und immer mehr junge Startups im Publishing-Business machen von den Möglichkeiten auch Gebrauch. Eine kleine Auswahl an – durchaus auch kuriosen – Modellen und Startups wird hier in Bild, Ton und Text vorgestellt. Die Auswahl war natürlich rein subjektiv oder aus der Not geboren, denn längst nicht jedes Startup wirft gleich ein high-quality-Werbevideo auf den Markt. Trotzdem sollte für jeden etwas dabei sein. Und noch etwas: Die Aktion “UPLOAD your STARTUP”. Am Ende des Beitrags findet ihr dazu eine Tabelle, in der ihr eure Tipps zu Startups im Publishing-Bereich eintragen könnt. Mit Bild. Und Link. Und Kurzbeschreibung. Nur zu!
Vook
Vook, schon wieder eine neue Wortschöpfung, in diesem Fall steht sie für eine Mischung aus Video und Book. Angeboten wird das neue Format von dem namensgebenden Publisher “Vook” seit Mitte 2009.
Klingt ja recht hip, doch zumindest die Meinung von Techchrunch ist eher ernüchternd: “None of the Vooks I’ve seen have really blown me away yet”. Immerhin – auch Kindle & Co. bereiten sich mit ihren Apps auf einen möglichen Boom multimedialer Bücher vor, und der pfiffige Verlag FrogDogMedia hat einen wirklich sinnvollen Einsatz gefunden: Kinderbücher mit visueller Begleitung in Gebärdensprache. Da ist doch noch einiges drin…
Bookriff
Tja, was ist ein Bookriff? Irgendwie ein Stück Text, der für den Remix freigegeben wird und dann in irgendeinem Buch landet:
So richtig versteht man Bookriff erst mit dem Promo-Video, wenn überhaupt. Die Gründer aus den UK jedenfalls haben jahrelang an Bookriff herumgefeilt, 2010 haben sie ihr Projekt endlich aus der geschlossene Beta entlassen und einem breiten Publikum vorgestellt. Vielleicht etwas spät, denn inzwischen sind so einige Ideen von Bookriff auch von anderen Startups übernommen worden …
FlatworldKnowlegde
Schulbuch-Verlage aufgepasst: FlatworldKnowledge bietet seit Anfang 2009 Schul- und Lehrbücher, die von Lehrern/Professoren umgeschrieben und an das jeweilige Unterrichtskonzept angepasst werden können:
“Remixable Books” nennt Flatworld-Knowledge das Konzept, das irgendwie an Bookriff erinnert. So oder so eine ausgezeichnete Idee – die auch schon einen Nachahmer gefunden hat: Kein anderer als Macmillan Publishers Ltd. hat Anfang 2010 mit DynamicBooks ein CopyCat für den Wissenschaftsbetrieb ins Rennen geschickt. Ob sich Cornelsen das Konzept schon angeschaut hat?
Inkling
Publizieren neu gedacht: Das Startup Inkling lässt das traditionelle Buchkonzept mehr oder weniger komplett links liegen und publiziert reine Mobile/iPad (Lehr-)Publikationen mit multimedialen Inhalten und (u.a.) Social-Networking-Elementen:
Tja, all zu viel ist über Inkling bislang nicht bekannt, außer, dass es Anfang 2010 gegründet wurde und vor kurzem – wie Techcrunch berichtete – ein Funding einheimsen konnte. Mobile-Publishing-Verlage sind in Japan ja schon lange etabliert, und auch im deutschsprachigen Raum z.B. mit Blackbetty aus Wien vertreten. Inkling scheint jedoch die Mobile-Möglichkeiten ungleich stärker auszuschöpfen. Sollte man wohl im Auge behalten …
Gesetzbuch24
Gesetzbuch24 ist ein junger Service vom Boorberg-Verlag, über den man eigene Gesetzessammlungen zusammenstellen und als Print-Buch erwerben kann. Eines der ersten Verlagskonzepte für individualisierte Bücher oder Content-on-Demand hierzulande.
Schlicht und doch recht schick und nützlich, trotzdem muss ich zugeben, dass ich das Individualisierungskonzept von Inzumi im Reiseführer-Bereich noch etwas ambitionierter und innovativer finde. Zu Inzumi gab’s aber leider kein Video. Trotzdem. Boorberg macht den Anfang und den machen sie gut.
MeeGenius
Personalisierungen in der Kinderbuch-Sparte ist zwar nichts neues mehr, aber MeeGenius macht es irgendwie besonders schön: Buch umschreiben, vorlesen lassen und Text highlighten.
Die Kinderbuch-Community zeigt sich ohnehin recht innovationsfreudig, wie das nächste Beispiel noch zeigen wird. Und ja, iPhone, iPad und Co werden ohnehin immer gleich mitbedient, keine Frage. Ein anderer junger Mitspieler im Kinderbuch-Markt ist storysomething, der gleich mehrere Konzepte verbindet: Personalisierung, Networking und interaktives Vorlesen. Vermutlich gibt es noch ein Dutzend weitere Startups in diesem Bereich …
Readeo
Kein Publishing, sondern Konsum, und zwar für die ganz Kleinen: Mit readeo kann man per Webcam und Bildschirm eine interaktive BedTimeStory erzählen.
Auch readeo ist nicht allein: Schon vor einiger Zeit hatte astorybeforebed.com die Runde gemacht, die mehr oder weniger das gleiche BedTimeStory-Konzept anbieten.
Groupstory
Fotobücher erstellen ist nichts Neues mehr, aber in der Gruppe geht das wohl erst mit dem neuen Startup Groupstory:
Ok, der ganz große Brüller ist das sicherlich nicht, Selfmade-Fotobücher gibt es seit Blurb und Pro7 ja mehr genug. Apropos Pro7: Inzwischen kann man natürlich auch eigene Kochbücher erstellen, und die Promo-Dame von Tastebook.com hinterlässt irgendwie den Eindruck, als wäre sie von QVC herübergeeilt…
Booklamp
Schon wieder kein Publishing-Modell, dafür ein Buchempfehlungs-Tool, dass sich erst einmal jeder Erklärung entzieht, letztendlich jedoch tolle und wissenschaftlich geprüfte Empfehlungen ausspuckt. Booklamp:
Zugegeben, um 23:24 mag man sich ein 08:31-minütiges Video nicht mehr anschauen, aber offensichtlich nehmen die Leute von Booklamp ihre Arbeit ernst und stellen ihre Buchempfehlungen erst nach intensiven und wissenschaftlich verbrieften Datenanalysen aus. Verlassen wir uns einfach mal drauf, dass sie wissen, was sie da machen …
Digital Copycats
Da es ja um das Buch der Zukunft geht, darf Japan an dieser Stelle keinesfalls fehlen. Nein, keine tollen Mobile-Verlage oder sonstiger Gimmik, sondern im Land der tausend Technik-Trends wirbeln gerade die ganz profanen Duplex-Scanner von Fujitsu den Publishing-Markt auf:
“Get your PDF and shred the rest” – was der nette Mann auf der Mattscheibe erzählt, trifft es so ziemlich auf den Punkt. Denn die Japaner haben von den Print-Büchern endgültig die Nase voll, wie dieMainichi News letzten Freitag berichtete. Jetzt werden die Bäume einfach eigenhändig gefällt, sprich die Bindung abgeschnitten, um die Bücher anschließend doppelseitig per Scanner für das iPad aufzubereiten. Sollte man das etwa als leisen Warnruf aus dem Land der digitalen Trends verstehen?
Zum Schluss: Blätterrauschen
Als versöhnlichen Schluss noch etwas Balsam für all jene, die das Papier gerne noch rauschen hören. Wie old-school das ist, zeigt schon das Veröffentlichungsdatum des Videos: August 2008.
Und auch der Anlass war old-school – nämlich das 25. Jubiläum der 4th Estate Publishers’. Ja ja, eine Hommage, ein verträumt-verklärter Blick zurück und ein kleines Tränchen im Auge …
Links
Um sich über neue spannende Ideen im Publishing-Business auf dem Laufenden zu halten, bieten sich folgende Quellen an:
- Springwise: Mit neuen Ideen aus der Medien- und Publishing-Industrie.
- Meshing: Eine Directory unter anderem zum Thema Books and Writing.
- KillerStartups: Das größte Startup-Verzeichnis mit beinahe wöchentlich neuen Gründungen aus der Medien- und Verlagsindustrie.
- Buch der Zukunft auf MyTweetMag: Mit täglich frischen Linktipps aus der Upload-Redaktion.
Über den Autor
Sebastian Schürmanns arbeitet in einer Webagentur und lebt irgendwo im Netz. Vor seiner digitalen Einbürgerung war er jahrelang für Kommunikationsagenturen und (Fach-)Verlage tätig. Getreu dem Motto, lieber etwas zu viel auszuprobieren als im entscheidenden Moment das große Ding zu verschlafen, hat er bereits ein halbes Dutzend Konzepte ersonnen und ebensoviele Blogprojekte gestartet. Aktuell gilt sein Herzblut dem Webprojekt MyTweetMag, mit dem Twitterfreunde einen gemeinsamen Newsstream ins Leben rufen können.
UPLOAD your STARTUP
In dieser Tabelle könnt ihr über das Formular unten eigene Startup-Tipps eintragen. Die Startups MÜSSEN aus dem Publishing- und Buch-Bereich kommen. Ihr habt 140 Zeichen für den Beschreibungstext und die Bilder dürfen maximal 140 Pixel breit sein. Wir sind sehr gespannt auf euren Input…
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9 Reaktionen zu “10 neue Publishing-Modelle in Bild und Ton”
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