Die Zukunft der Buchbranche: Über die Möglichkeiten des Selfpublishing

Ein Beitrag von: Max Franke



Foto: spacejunkie / photocase.com

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Dieser Tage wird viel über die Zukunft des Buches geredet. Doch sollte sich nicht viel mehr die Frage nach der Zukunft der Buchbranche aufdrängen? Gewiss, E-Books gewinnen besonders in den Vereinigten Staaten immer mehr an Relevanz. So verkauft Amazon laut eigener Aussage mittlerweile mehr elektronische Bücher als Hardcover und der Standort- wie Kettenbuchhandel, von der aktuellen Entwicklung wahrscheinlich am meisten getroffen, gerät vielerorts so stark unter Druck, dass mancher Marktbeobachter das gedruckte Buch schon weitestgehend abgeschrieben hat und laut über das nahende Ende der Ära Gutenberg nachdenkt.

Allein ein Blick auf den deutschen Buchmarkt beweist, dass solch apokalyptische Aussagen unseriös sind und keiner Überprüfung standhalten. So zeigten sich die Umsätze der Buchbranche laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels im Jahre 2009 mit einem Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 9,69 Milliarden Euro mehr als stabil. Darüber hinaus haben nach Angaben der Unternehmensberatung Kirchner + Robrecht (PDF-Download) 69 Prozent der Deutschen noch nie von E-Books gehört und nur 2,5 Prozent jemals eins käuflich erworben.

Giganten in Bedrängnis, Autoren als Gewinner

Zwar ist die Lage so ernst, dass selbst der amerikanische Buchhandelsriese Barnes & Noble in großer Bedrängnis ist. Als Konsequenz der immensen wirtschaftlichen Schwierigkeiten fiel der Aktienkurs ins Bodenlose, das Unternehmen steht nun öffentlich zum Verkauf und ein Kahlschlag bei der Anzahl der Filialen und Mitarbeiter steht bevor. Jedoch ist diese Entwicklung nicht allein der Digitalisierung des Buches geschuldet. Vielmehr ist der verzweifelte Versuch der Handelskette, in ganz großem Stil ins E-Book-Geschäft einzusteigen (inklusive aufwendigem Lesegerät aus eigener Produktion), ja sogar den Markt für sich beanspruchen zu wollen, gnadenlos gescheitert.

Aber der amerikanische Buchmarkt lässt sich nicht so ohne Weiteres mit dem in Deutschland vergleichen. Eine Tatsache, die von einigen Kommentatoren gern ignoriert wird.

Auch die jüngste Ankündigung des Literaturagenten Andrew Wiley, fortan die E-Books seiner Autoren exklusiv und ohne Verlag über Amazon zu verbreiten, zeugt nicht in erster Linie vom Untergang des Buches, sondern von der Umstrukturierung einer ganzen Branche. Initiativen wie die von Wiley sind nicht wünschenswert, da die Autoren exklusiv an Amazon gebunden sind und so viele Verkaufskanäle (und auch Leser) nicht bedienen können. Außerdem ist dieser Schritt geradezu gefährlich, da er eine große Abhängigkeit von nur einem einzigen Anbieter bedeutet. Die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Verlag Macmillan Anfang des Jahres zeigt, dass Amazon ob seiner Marktmacht zuweilen gerne mit den Muskeln spielt. Es bleibt spannend, wie sich die Verlage angesichts dieser Entwicklung positionieren werden.

Mit dem eigenen E-Reader "Nook" wollte sich Barnes & Noble ein Stück vom E-Book-Markt sichern.

Mit dem eigenen E-Reader "Nook" wollte sich Barnes & Noble ein Stück vom E-Book-Markt sichern.

Egal welchen Lauf die Entwicklung noch nehmen wird, eine Gruppe gehört schon jetzt zu den Gewinnern: Die Autoren.

Die großen Vorteile für Autoren werden in den großartigen Möglichkeiten zur Produktion und Vermarktung ihrer Bücher ersichtlich, die jedoch erst durch die Digitalisierung ermöglicht wurden.

Früher: Das eigene Buch als teurer Spaß

Machen wir einen kleinen Rückblick: Gerade unabhängige Autoren hatten bis vor einigen Jahren große Schwierigkeiten, ihr Buch zu veröffentlichen. Die Produktion des eigenen Buches war nur über eine größere Auflage im Offsetdruck möglich, die aber mit enormen Kosten und hohen wirtschaftlichen Risiken für den Autor verbunden war. Selbst wenn dieses Hindernis überwunden war, hatte der Autor immer noch das Problem, sein Buch zu vermarkten und über die relevanten Vertriebskanäle zu verkaufen.

Dieses Modell wurde von den sogenannten Druckkostenzuschussverlagen abgelöst. Hinter diesem langen Wort verbergen sich Organisationen, die mit manchmal obskuren Methoden und wohlklingenden Versprechen versuchen, unabhängige Autoren zu ködern. Das zugrundeliegende Geschäftsmodell lässt sich in der Regel wie folgt herunterbrechen: Du, Autor, zahlst uns einen vier- bis fünfstelligen Betrag. Als Gegenleistung veröffentlichen wir dein Buch und du kommst in den Genuss unserer zahlreichen verkaufssteigernden Angebote. Es erklärt sich von selbst, dass diese Maßnahmen nur Augenwischerei sind und der Effekt mehr als nur fragwürdig ist. Attraktive Konditionen für Autoren sehen definitiv anders aus, sodass sich diese „Dienstleister“ treffender als „Abzocker vom Dienst“ titulieren müssten.

Heute: Buchveröffentlichung für jeden

Wer heute sein Buch veröffentlichen will, kann das - ohne sich finanziell zu verausgaben.

Wer heute sein Buch veröffentlichen will, kann das - ohne sich finanziell zu verausgaben.

Soweit zu den unschönen Facetten der Veröffentlichung von Büchern. Heutzutage bieten sich für Autoren ganz andere Möglichkeiten. Durch den modernen Digitaldruck lassen sich mit der Print-on-Demand-Technologie qualitativ hochwertige Bücher auch ab Auflage 1 kostengünstig drucken. Darüber hinaus bietet das Internet mit all seinen Bewertungsplattformen perfekte Möglichkeiten, um sich unkompliziert vorab über die Konditionen der Marktteilnehmer zu informieren. Vorbei die Zeit der Intransparenz und der großen Anfangsinvestments. Wer heute als Autor sein Buch veröffentlichen möchte, kann dies auch ohne vertragliche Fußangeln und Abzocke tun.

Bleibt noch die Frage des Buchmarketings. Gerade durch das Internet bietet sich für Autoren eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Bewerbung ihres Buches. Insbesondere Nischen-Themen finden im Netz die geeignete Zielgruppe. Beim Planen einer Paddeltour oder auf der Suche nach Informationen zum Stimmen eines Schlagzeugs wird als erstes das Internet konsultiert. Entsprechend muss ein Autor in den verschiedenen Foren, Blogs und Communities präsent sein, um die Nachricht über sich und sein Werk zu streuen und eine Reputation als Experte für das von ihm beschriebene Thema aufzubauen. Teure Plakate oder Messe-Pakete eines „Dienstleistungsverlags“ werden ihm kaum helfen, mehr Bücher zu verkaufen.

Auch Belletristik lässt sich nicht mit solch dubiosen Marketingpaketen verkaufen (z.B. teure Einträge in Novitätenlisten, die sofort in den Mülleimer wandern und nicht weiter beachtet werden). In erster Linie wird der Autor im erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis sowie über Mund-Propaganda seine Leser finden, wie z.B. Jens Bergmann mit seinem Buch „Busreisen machen glücklich“. Darüber hinaus kann man durch Selbstmarketing, wie Lesungen oder Berichterstattung in der lokalen Presse, sein Werk bekannt machen.

Hier bieten sich ebenfalls die Möglichkeiten des Onlinemarketing an. Die passende Hilfe zur internetgestützten Bewerbung des eigenen Buches geben kostenlose Plattformen wie epublizisten.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich aus den beschriebenen Entwicklungen folgende Erkenntnis ziehen:

Das Buch ist in Deutschland noch lange nicht tot! Die Amerikaner sind sehr praktisch denkende Menschen, für die der Nutzen im Vordergrund stehen dürfte. In Deutschland ist das Verständnis jedoch anders. Gerade qualitative Aspekte wie die Haptik eines Buches oder die gute alte Bücherwand im Wohnzimmer werden in unserer Gesellschaft immer noch sehr geschätzt.

Dramatisch ist hingegen der Einfluss auf die Wertschöpfungskette innerhalb der Buchbranche auch hierzulande. Während die Buchindustrie traditionell stark von wenigen Gatekeepern mit großer Marktmacht regiert war, erleben wir durch die Digitalisierung eine Liberalisierung des Buchgeschäfts, die die Machtverhältnisse aufweicht, verschiebt und völlig neuen Marktteilnehmern Chancen bereitet. So können unabhängige Autoren heutzutage zu fairen Konditionen ihre Bücher veröffentlichen und über alle relevanten Kanäle vertreiben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Transparenz des Marktes schnell greift und den schwarzen Schafen der Nährboden entzogen wird.

Über den Autor

100809-max-frankeMax Franke arbeitet für den Print-on-Demand- und Self-Publishing-Anbieter epubli im Bereich Business Development und Kommunikation. Bei epubli kommen keine Anfangskosten oder monatlichen Beiträge auf den Autoren zu und der Vertrag ist jederzeit innerhalb von einem Monat kündbar. Optional kann eine ISBN erworben werden, wodurch das Buch im gesamten on- und offline Buchhandel verfügbar ist. Weitere Informationen unter kontakt@epubli.de

 


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Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 2. September 2010 veröffentlicht. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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