Creative Commons für Autoren: Mit Freigebigkeit gewinnen

Ein Beitrag von: Jan Tißler



Foto: TilarX. Lizenz: CC BY.

Das Urheberrecht ist an sich erst einmal eine gute Sache: Es schützt den Urheber davor, dass andere ohne seine Einwilligung mit dem verdienen, was er geschaffen hat. Aber was ist, wenn man gern möchte, dass andere die eigenen Werke nutzen? Dann muss man eine Lizenz vergeben. Und wer hat schon die Möglichkeit, eine wasserdichte Lizenz zu erstellen, die genau den gewünschten Effekt hat? Hier setzen die Creative Commons an. Sie ermöglichen es Urhebern, sehr genau zu bestimmen, was andere mit den Werken anstellen dürfen und was nicht. Das kann man nutzen, gerade auch als Autor. Dabei geht es gar nicht darum, seine Arbeit zu verschenken. Im Gegenteil.

Seit 2001 gibt es die Creative Commons und auch heute noch müssen sie mit allerlei Missverständnissen leben. So meinen manche, die Creative Commons wollten das Urheberrecht abschaffen. Dabei basieren sie auf dem Urheberrecht (oder dem Copyright) und wäre ohne diese Basis gar nicht möglich.

Es geht auch nicht darum, alles zu verschenken, was man erschaffen hat.

Es geht darum, seinen Werken ein Eigenleben zu ermöglichen, das sie mit dem starren Urheberrecht allein nicht hätten. Und daraus können sich Dinge entwickeln, an die man selbst nie gedacht hätte.

So sind die CC-Lizenzen aufgebaut

Auf der Seite der Creative Commons gibt es ein Formular, über das man sich seine Lizenz zusammenklicken kann. Dabei gibt es lediglich zwei Fragen zu beantworten:

  • Willst du eine kommerzielle Nutzung erlauben? Mögliche Antworten: Ja, Nein.
  • Dürfen andere Dein Werk abwandeln? Mögliche Antworten: Ja, Ja sofern das neue Werk unter derselben Lizenz steht, Nein.

In jeder Lizenz ist dabei Pflicht, dass der ursprüngliche Urheber genannt wird. Auf diese Weise ist also sichergestellt, dass man mit seinen initialen Bemühungen zumindest etwas vom möglichen späteren Ruhm abbekommt.

Kommerzielle Nutzung erlauben oder nicht?

Die CC-Lizenz mit den größten Freiheiten schreibt nur vor, dass der ursprüngliche Urheber genannt wird. Ansonsten kann man alles mit dem Werk anstellen, was einem so einfällt – auch Geld verdienen. Auf diese Weise wahrt man sich als Urheber die Chance auf die maximale Verbreitung, allerdings kann es natürlich passieren, dass andere damit Geld verdienen. Ein Gedanke, der sicher nicht jedem behagt.

Untersagt man hingegen die kommerzielle Nutzung, steht man vor einem anderen Problem: Was ist eigentlich kommerzielle Nutzung? Ist ein Blogger mit Werbung auf seinen Seiten kommerziell?

Erlaube ich anderen die kommerzielle Nutzung, habe ich natürlich dennoch selbst die Möglichkeit, Geld damit zu verdienen. Und da man selbst sich nun einmal der nächste ist, stehen die Chancen sogar ganz gut, dass man das am besten hinbekommt.

Bearbeiten lassen oder nicht?

Wenn ich die Bearbeitung meiner Werke zulasse, eröffne ich mir ungeahnte Möglichkeiten. Aber natürlich ist das auch mit einem gewissen Kontrollverlust verbunden. Das gilt allerdings praktisch für alle CC-Lizenzen. Dieser Kontrollverlust aber zahlt sich am Ende (eventuell) durch eine spürbar höhere Verbreitung und Dynamik aus.

Ein möglicher Kniff der CC-Lizenzen ist dabei ganz interessant: Man kann festlegen, dass das neu entstandene Werk wieder unter derselben Lizenz stehen muss. Dadurch kann man sicherstellen, dass auch Bearbeitungen weiter der Allgemeinheit zur Verfügung stehen und ihrerseits bearbeitet werden können. Andererseits ist das wiederum eine Einschränkung der möglichen Nutzung. Wie immer bei den CC-Lizenzen muss man sich hier also zwischen maximalem Effekt und maximaler Kontrolle entscheiden.

Inwiefern ist das für Autoren interessant?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten als Autor, Creative Commons gezielt einzusetzen.

  • Fall 1: Ich bin ein relativ unbekannter Autor und möchte bekannt werden. Ich schreibe ein Werk und gebe es frei. Damit hoffe ich auf eine maximale Verbreitung und darauf, meinen Bekanntheitsgrad soweit zu erhöhen, dass ich in der Folge mit weiteren Werken dann doch noch Geld verdienen kann. Dreht es sich um ein Sach- oder Fachbuch, kann es zu Aufträgen aus anderen Bereichen führen wie Vorträge, Seminare, Beratung. Keine sichere Bank das alles, aber was ist das schon im Leben…
  • Fall 2: Ich bin zwar vielleicht ebenfalls ein relativ unbekannter Autor, aber ich fahre zweigleisig. So verschenke ich die elektronische Form des Buchs (z.B. als Website oder Download), verkaufe es aber auch als Print-Werk. Auf diese Weise kann das Buch bekannter werden und skeptische Leser können sich einen Eindruck verschaffen. Ein gewisser Prozentsatz wird das gedruckte Buch nicht kaufen, weil die digitale Version reicht. Insgesamt aber kann die Bilanz positiv ausfallen, weil mehr Leute auf das Buch aufmerksam werden.
  • Fall 3: Ich habe schon ein Buch veröffentlicht, vielleicht sogar recht erfolgreich. Nun ist aber der Ansturm darauf eindeutig vorbei. Vielleicht ist auch gerade ein Nachfolger in Arbeit. Ich verschenke den Erstling, um Aufmerksamkeit zu generieren.
  • Fall 4: Ich habe schon eine gewisse Fangemeinde um mich geschart. Denen gebe ich etwas als Dankeschön zurück, in dem sie sich ein Werk kostenlos herunterladen können.
  • Fall 5: Ich bin an sich ein guter Mensch und möchte zum Wissen aller beitragen. Ich gebe mein Werk aus Überzeugung frei und erfreue mich daran, dass es Verbreitung findet und ich nette E-Mails bekomme (hoffentlich).
  • Fall 6: Ich möchte, dass es ein Buch zu einem bestimmten Thema gibt, aber ich kann es nicht allein erarbeiten oder aktuell halten. Ich gebe es in der Hoffnung frei, dass sich andere beteiligen.

Diese Liste ließe sich lange fortsetzen. Wir werden in den nächsten Tagen auch noch ein konkretes Beispiel besprechen. Eine freie Lizenz kann auf jeden Fall ein Instrument sein, um Aufmerksamkeit zu generieren. Und sie kann ein Instrument sein, um ein Buch auf eine ganz neue Weise zu erstellen. Man denke nur daran, wie die Wikipedia entstanden ist und noch immer wächst. Und im Prinzip ist auch die Wikipedia ein Buch. Sie ist aber kein starres Gebilde mehr, sondern voller Dynamik. Sie wächst, sie verändert sich. Und das geht alles nur, weil die Inhalte unter entsprechenden Lizenzen stehen.

Weiterführende Links

 


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Der Beitrag wurde am Montag, den 30. August 2010 veröffentlicht. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

 

3 Reaktionen zu “Creative Commons für Autoren: Mit Freigebigkeit gewinnen”



Horst
schrieb am 30. August 2010 um 10:39 Uhr:

2004 war ich Fall 2. 8-)

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Jan Tißler
schrieb am 30. August 2010 um 11:59 Uhr:

Und? Wie war’s? Eher ein gemischtes Ergebnis, oder?

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Peter Himmel
schrieb am 15. November 2010 um 20:14 Uhr:

Guter, informativer Beitrag, den ich leider erst jetzt gelesen habe. Offenbar gibt es aber noch nicht allzu viele Schriftsteller im Bereich der Belletristik, die sich mit den CC-Lizenzen anfreunden können. Aufgefallen ist mir hier vor allem der Amerikanker Cory Doctorow mit seinen Roman, die es sowohl als Buch-, als auch als kostenlose Onlinepublikation gibt. Auch Arthur Missa hat das mit seinem Prosaband “Formenverfuger / Formenverfüger” so gemacht. (Das Buch findet man hier:
http://www.archive.org/search.php?query=creator%3A%22Arthur%20Missa%22 )
Allerdings hört es nach diesen beiden Beispielen bei mir auch schon wieder auf. Ich werde mich wohl mal durch die oben genannten weiterführenden Links klicken müssen ;-)

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