E-Books: Formatkrieg und Kopierschutzärger

Ein Beitrag von: Jan Tißler



Der Sony Reader PRS-505 im Kreise einiger Vorfahren

E-Reader und Reader-Apps auf Tablets sind ein kleines Hype-Thema geworden. Und kaum nimmt ihre Popularität zu, zeichnet sich auch schon Ärger am Horizont ab. Mehrere Firmen am Markt versuchen, ihre eigenen Formate durchzudrücken und fast nichts bekommt man als Kunde auf offiziellem Weg ohne ein drangeflanschtes Rechtemanagement (DRM). Ähnliches musste man im Musik-Bereich miterleben. Schlecht für alle Seiten: Es droht ein langer, schmerzhafter Kampf mit ungewissem Ausgang.

Die Musikindustrie hat schon viel gelernt, die Filmindustrie steht noch am Anfang und bei der Buchindustrie geht es gerade los: Der Kampf gegen die Realitäten im Netz. Leider scheinen zu viele im Buchgeschäft ebenfalls als erstes darüber nachzudenken, wie sie das alte Geschäftsmodell ins Internetzeitalter rüberretten, anstatt zu überlegen, welche neuen Chancen und Möglichkeiten dieses Internetzeitalter fürs Buch bereit hält.

Die Musikindustrie hat inzwischen gelernt, dass MP3 das Format der Stunde ist und die Kunden keinen Kopierschutz wollen. Auch haben sie verstanden, dass sie nur marktfähige Preise verlangen können – so ist das nun einmal in einer Marktwirtschaft. Bei den Büchern und ihren digitalen Verwandten sieht das alles noch ganz anders aus. Und es hat nicht den Anschein, dass man die Abkürzung gehen will und gleich zu den Erkenntnissen kommt, die die Musikindustrie schon lange hat. Alles deutet darauf hin, dass die bereits gemachten Fehler wiederholt werden.

Amazon ist das Apple des E-Book-Markts

Amazon ist dabei in einigen Aspekten das für E-Books, was Apple für den digitalen Vertrieb von Musik war und ist. Amazon hat beispielsweise einen eigenen Store und mit dem Kindle ein eigenes Lesegerät. Mit beidem sind sie erfolgreich, weil bislang kein Konkurrent ein ähnlich gut aufeinander abgestimmtes Paket vorweisen kann. E-Books direkt auf dem Kindle kaufen zu können, ist eine jener kleinen Kniffe, die ein erfolgreiches von einem erfolglosen Produkt unterscheiden. So war es beim iPod mit iTunes und dem iTunes Store.

Allerdings nutzt Amazon ein selbst entwickeltes Format für die E-Books, das mit keinem anderen Reader gelesen werden kann. Apple hatte mit AAC zwar auf einen Exoten gesetzt, der stammte aber wenigstens aus der MPEG-Arbeitsgruppe und war eine Weiterentwicklung von MP3.

Aber ebenso wie früher bei iTunes sind die Dateien bei Amazon mit einem digitalen Rechtemanagement (DRM) versehen. Das bedeutet: Der Käufer hat die Datei zwar, aber er ist nicht frei darin, was er damit tut. Möglicherweise wird ihm das Buch sogar einfach wieder gelöscht, wie bei Amazon bereits geschehen (siehe unten die “Links zum Thema”).

Das schlimmste Übel aber: Der Kindle ist meines Wissens der einzige E-Reader am Markt, der nicht das freie Format EPUB unterstützt…

Apple ist weniger Apple bei E-Books

Interessanterweise ist Apple weniger Apple in Sachen E-Books als Amazon. Apple-Chef Steve Jobs hatte einst keinen Hehl daraus gemacht, dass er von Lesegeräten wenig hält. Als ein Feature von vielen auf dem Tablet iPad ist es aber wohl als Verkaufsargument genehm – dann aber natürlich schön gestaltet, multimedial, mit virtuellem Bücherregal und Show-Blättereffekt.

Bei seinem iBooks Store setzt Apple auf das offene EPUB-Format und versieht es in der Regel mit einem eigenen DRM. Das bedeutet: Alle kopierschutzlosen EPUBs können problemlos gelesen werden. Hat mein ein per DRM eingeschränktes EPUB-Format, wird es nicht funktionieren. Andere Formate als EPUB oder PDF unterstützt die iBooks-Applikation derzeit nicht. Hier muss der Nutzer dann im Zweifel auf andere iPad-Apps ausweichen – wie beispielsweise die Kindle-App.

EPUB-Format als freie Alternative

Eine offene Alternative ist das E-Book-Format EPUB. Man kann es vereinfachend als das MP3 des E-Books ansehen. Es gibt Portale wie XinXii oder BookRix, die auf Epub setzen. Eine Reihe von Lesegeräten unterstützt dieses Format. Wer EPUB nutzt, ist also nicht an einen spezifischen E-Reader gebunden.

Sony hatte seinen E-Book-Store beispielsweise 2009 auf EPUB umgestellt. Allerdings sind auch diese Bücher mit einem DRM versehen, in diesem Fall von Adobe. DRM bedeutet aber zugleich wieder, dass nicht jedes Gerät jede Datei anzeigen kann. Es muss kompatibel zum Adobe-DRM sein. Und zudem lebt man als Käufer immer damit, dass die Datei irgendwann unbrauchbar sein kann, weil es der Verkäufer so entscheidet oder weil es schlichtweg die DRM-Server nicht mehr gibt, die den Kopierschutz entriegeln.

Ausblick: heiter bis wolkig

Am liebsten möchte die Industrie nun so etwas wie die DVD für E-Books: Ein Format, das überall funktioniert, aber dennoch einen Kopierschutz aufweist, der die Kunden möglichst wenig nervt.

Schöner wäre es natürlich, die Verlage und alle anderen Beteiligten würden den Kunden das alles ersparen und die Bücher so frei wie möglich zur Verfügung stellen.

Denn andernfalls werden die Bücher eben in den inoffiziellen Kanälen frei zur Verfügung stehen.

Links zum Thema

Dieser Beitrag ist eine aktualisierte und überarbeitete Fassung eines früheren UPLOAD-Artikels.


 


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Der Beitrag wurde am Montag, den 30. August 2010 veröffentlicht. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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