Tablet oder E-Reader? iPad oder Kindle? Ein Vergleich
Ein Beitrag von: Jan Tißler
Galten bislang E-Reader vom Schlage eines Amazon Kindle als die besten Lesegeräte für elektronische Bücher, ist mit der neuen Generation von Tablets à la iPad ein neuer Kandidat in den Ring gestiegen. Was spricht für einen E-Reader und was für ein Tablet? Hier die wichtigsten Argumente.
Und bevor die „Äpfel und Birnen“-Rufe kommen: Ja, das ist ein Vergleich von Äpfel und Birnen. Er ist deshalb legitim, weil Konsumenten vor Kaufentscheidungen dauernd Äpfel mit Birnen vergleichen. Dem potenziellen Käufer geht es nämlich in erster Linie um den Zweck, um das Ziel, das er erreichen will. Und dann schaut er, wer das am besten kann.
So viel zur Rechtfertigung
Preis
Schauen wir als erstes auf den Anschaffungspreis. Hier steht der Sieger des Duells schnell fest: Der Amazon Kindle 3 ist derzeit schon ab 139 US-Dollar zu bekommen. Dann hat er zwar nur WLAN als Zugang zum Internet, aber das dürften viele verschmerzen können. Schließlich braucht man den Internetzugang auf dem Kindle in der Regel nur dann, wenn man sich einen neuen Inhalt für das Gerät kaufen möchte. Soll es doch mit UMTS sein, werden auch nur 189 US-Dollar fällig.
Ganz anders beim iPad. Es kostet schon in der kleinsten Variante 499 Euro – und hier ist ebenfalls nur WLAN eingebaut. Soll es UMTS sein, kommen noch 100 Euro hinzu.
Ein weiterer Kostenfaktor: Der UMTS-Zugang des Kindle wird über die Nutzung bezahlt, ist also beispielsweise beim Kauf eines Buchs mit enthalten. Fürs iPad benötigt man hingegen einen waschechten Tarif, für den meist regelmäßige Kosten anfallen.
- Fazit: Beim Preis sind E-Reader wie der Amazon Kindle unschlagbar.
Lesekomfort
Auch dieses Kapitel scheint zunächst klar an den E-Reader zu gehen. Schließlich setzen diese Geräte auf einen speziellen „E-Ink“-Screen, der fürs Lesen optimiert ist. Diese Bildschirme sind nicht beleuchtet, sondern sind am ehesten als „elektronisches Papier“ zu bezeichnen. Die Schrift wird recht klar auf einem leicht grauen Hintergrund dargestellt. Strom verbrauchen diese Bildschirme nur, wenn sich die Anzeige ändert. Deshalb sind Animationen nicht ihre Domäne. Ihre Stärke ist Text.
Das Display eines Tablets setzt hingegen in der Regel auf LCD-Technologie, wie wir sie von Computerbildschirmen schon eine Weile bestens kennen. Sie sind hintergrundbeleuchtet und daher auch bei Dämmerlicht ohne zusätzliche Lampe zu erkennen. Dafür werden sie bei direkter Sonneneinstrahlung schnell unbenutzbar, während das E-Ink-Display auch hier noch wie klassisches Papier lesbar bleibt.
Ermüdungserscheinungen der Augen konnte ich hingegen auch bei längerer Nutzung des iPads als Lesegerät nicht feststellen – zu meinem eigenen Erstaunen. Ich denke, es liegt an den Apps wie iBooks von Apple selbst, in denen man die Helligkeit des Bildschirms noch einmal gesondert regeln kann. Im Grunde wirkt der Screen immer wie eine gut ausgeleuchtete Papierseite.
- Fazit: Pluspunkte für den E-Reader, aber der Vorteil ist in der Praxis nicht so groß, wie man in der Theorie denken könnte.
Buchauswahl
Dieser Punkt ist schwer zu vergleichen und hängt klar vom Gerät ab. Allerdings ist das iPad durch seine nahezu endlose Erweiterbarkeit per Apps hier wohl dennoch klar überlegen. Schließlich gibt es ja sogar die Kindle-App fürs iPad. Und dazu iBooks von Apple selbst, außerdem Stanza und txtr sowie diversen Möglichkeiten, PDFs zu lesen.
- Fazit: Das iPad hat hier allein schon deshalb Vorteile, weil es per App erweiterbar und dadurch flexibel ist.
Mobilität
Ein moderner E-Reader wie der Kindle 3 ist kompakt, leicht und hat eine schier endlos lange Akkulaufzeit. Das iPad ist zwar ebenfalls so leicht, dass man es in einer Umhängetasche nicht bemerkt, aber der Kindle ist dennoch deutlich leichter, was sich vor allem beim Halten in der Hand bemerkbar macht. Das iPad hält man entweder mit zwei Händen oder stützt es ab. Der Kindle ist leicht genug, ihn in einer Hand zu halten. Und auch wenn das iPad mit zehn Stunden Akkulaufzeit für seine Klasse spitze ist, können die E-Reader mit ihren supersparsamen E-Ink-Screens gnadenlos punkten: Bis zu 1 Monat hält der Akku durch.
- Fazit: E-Reader sind supermobil in jeder Hinsicht.
Features
Ein E-Reader ist ein E-Reader und meist nicht mehr. Das kann er sehr gut. Aber schon wenn’s ins Internet gehen soll, wird es problematisch. Von Anwendungen, die weit jenseits der Funktion „Lesen“ sind mal ganz abgesehen.
Beim iPad ist das Lesen eine Möglichkeit von hunderten oder tausenden Anwendungsfällen. Das iPad ist ein Tablet-Computer, der eben auch diverse Apps zum Lesen hat. Der Touchscreen macht es enorm flexibel.
- Fazit: Wir müssen nicht lange drumherum reden: Tablets wie das iPad haben einfach mehr drauf.
Zukunftssicherheit
Wer auf einen einzigen Anbieter und dessen Rechtemanagement setzt, kann immer in Schwierigkeiten kommen. Das gilt für den Kindle ebenso wie fürs iPad. Allerdings kann das iPad nun einmal mehr Formate verarbeiten und ist durch den App Store auch in den kommenden Monaten und Jahren auf neue Entwicklungen vorbereitet – in der Theorie jedenfalls. Und wer Apples App-Store-Politik nicht mag, bekommt in der nächsten Zeit jede Menge Alternativen, die beispielsweise auf das freie, von Google geförderte Betriebssystem Android setzen. Auch bei den E-Readern hat man die Wahl und sollte darauf achten, dass offene Formate wie EPUB unterstützt werden.
- Fazit: Unentschieden.
Gesamtfazit
Wenn es nur ums Lesen geht, sind E-Reader unschlagbare Spezialisten. Sie sind klein, leicht, haben eine enorme Akkulaufzeit und ihre Bildschirme sind dafür prädestiniert. Dafür sind sie in den Features naturgemäß eingeschränkt. Angesichts des deutlich geringeren Preises ist das zu verschmerzen.
Tablets wie das iPad können ebenfalls viel Spaß machen, um darauf E-Books zu lesen. Das Lesen ist deutlich angenehmer, als man denken könnte. Für wen die Lesefunktion also nur ein Feature unter vielen ist, der wird sich nicht extra einen speziellen Reader kaufen.
Ein wenig erinnert das an die Situation im Bereich digitaler Musik. MP3-Player wie Apples iPod hatten über lange Zeit viele Fans. Inzwischen sind die Verkaufszahlen rückläufig, weil die Player in anderen Geräten wie den Smartphones immer besser und komfortabler werden. Wer viel Musik und andere Audio-Inhalte konsumiert, wird sich vielleicht trotzdem noch einen Player nur dafür anschaffen. Viele andere aber werden lieber in ein Gerät investieren, dass ihnen viele weitere Features bringt – und trotzdem ein guter Musikabspieler ist.
Eure Erfahrungen und Meinungen?
Falls Ihr bereits Erfahrungen mit E-Readern und Tablets gesammelt habt, freue ich mich über Eure Ergänzungen in den Kommentaren.
Fotogalerie: Sony Reader und Apple iPad
Dank einer freundlichen Leihgabe kann ich euch hier Fotos mit Sonys E-Reader und Apples iPad zeigen. Der Sony Reader ist in mancherlei Hinsicht nicht repräsentativ und der aktuelle Kindle 3 von Amazon kann ein paar Dinge besser, aber einen Eindruck von der Unterschiedlichkeit sowie den Stärken und Schwächen bekommt man dennoch, denke ich.

Die Startbildschirme beider Geräte. Während sich bei Sony alles ums Lesen dreht und Features wie „Text-Memo“ und „Handschrift“ nur Gimmicks sind, ist das iPad ein multifunktionales Gerät, wo wiederum das Lesen nur ein Teil des Einsatzzwecks ist.

Klar zu erkennen: Links das E-Ink-Display ist auf Lesbarkeit und Stromsparen ausgelegt, das LC-Display des iPads kann alles, was LC-Displays eben können.

Das Display dieses Sony-Reader-Modells finde ich persönlich enttäuschend. Der Kontrast ist extrem flau. Da hat Sony selbst schon besseres ausgeliefert. Schade, Chance verpasst.

Die Helligkeit des iPad-Displays kann man in der iBooks-App und auch in vielen anderen Lese-Apps noch einmal deutlich weiter runterregeln als in den geräteweiten Einstellungen - sehr angenehm am Abend.

Ja, solche hübschen Effekte gehen nun einmal nicht auf einem E-Ink-Display. Ob man sie braucht, steht auf einem anderen Blatt... Trotzdem: Das Umblättern gehört zu den Showeffekten, die immer für Begeisterung sorgen. Man muss dazu sagen, dass man durch einfaches Antippen des linken oder rechten iPad-Displayrandes auch sehr fix blättern kann.

Den Sony Reader in der Hand zu halten, macht überhaupt keine Mühe. Er ist ein echtes Leichtgewicht. So manches Buch ist schwerer. Tolle Sache.

Das iPad wiederum hält niemand lange so in einer Hand - außer vielleicht diese Typen, die bei Strong-Man-Wettbewerben mitmachen. Normalerweise hält man es in zwei Händen oder stützt es in irgendeiner Form ab. Immerhin besteht das iPad zu geschätzten 95 Prozent aus Akku.

Durch das geschickte Apple-Design mit einem abgerundeten Rücken wird die wahre Dicke gut verschleiert. Das Gerät ist nicht wirklich „dick“, aber schon dicker als der Sony Reader. Und was wahr ist, muss auch wahr bleiben... Also: Nein, das iPad schwebt in diesem Bild nicht über dem Boden
Der Abstand zum Untergrund kommt eben durch die gut versteckte wirkliche Dicke des iPads zustande.

Ganz klar: Der Sony Reader ist das kompaktere Gerät. Er passt zwar ebenfalls nicht in eine Hosentasche, aber sobald man irgendeine andere Tasche dabei hat, kann er dabei sein. Das iPad ist deutlich kompakter als ein Laptop oder auch ein Netbook, aber eben doch spürbar größer als der Sony Reader.
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5 Reaktionen zu “Tablet oder E-Reader? iPad oder Kindle? Ein Vergleich”
- Smartphones, Tablets, E-Reader: Was ist, was kommt | watcher.ch
verlinkte am 12. Januar 2011 um 10:42 Uhr - » Smartphones, Tablets, E-Reader: Was ist, was kommt [UPLOAD Blog]
verlinkte am 5. Dezember 2011 um 01:18 Uhr
Schöne Gegenüberstellung. Noch schöner wäre es, wenn vll. noch ein offenes System wie der TXTR oder der WISEReader mit einbezogen worden wäre.
Hallo Zusammen,
ich finde mit den ganzen Informationen und ehrlichen Aussagen am Anfang ist es eine wirklich gelungene Gegenüberstellung. “Äpfel und Birnen” sind halt auch schwer zu vergleichen
Trotzdem ist es Dir wirklich gut gelungen.
happy Day
Sebastian
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