Marktübersicht: E-Reader in Deutschland

Ein Beitrag von: Ansgar Warner



Oaxis, Hixreader, Viewsonic – auf den ersten Blick ist der E-Reader-Markt ein Sammelsurium exotischer Geräte. Das Beratungsunternehmen Kirchner&Robrecht zählte im ersten Halbjahr 2010 insgesamt rund 67 E-Reader und 32 Tablets – und das bei einer Preisspanne von 190 bis 650 Euro.

Die meisten der Namen muss man nicht kennen, denn viele E-Reader sind entweder in Deutschland gar nicht lieferbar oder bisher nur angekündigt. Wie Marktforscher im Frühjahr 2010 herausfanden, sind vielen Verbrauchern selbst in Deutschland häufig genutzte E-Reader wie etwa von Sony kaum bekannt. Das hat sicherlich etwas mit dem iPad-Hype zu tun, genauso aber mit der aktuellen Berichterstattung über den Konkurrenzkampf zwischen zwei „klassischen“ elektronischen Lesegeräten mit 6-Zoll-Display. In der einen Ecke des Rings steht dabei der Kindle-Reader, ein reines E-Ink-Gerät, in der gegenüberliegenden Ecke der Nook-Reader, ein Dual-Screen-Gerät mit einer Kombination aus E-Ink und Farb-LCD.

Kindle 3 (Amazon)

  • Display: 6 Zoll E-Ink (16 Graustufen)
  • E-Book Format: PDF, Kindle-Book, etc.
  • Gewicht: 240 Gramm
  • Features: Whispersync, Webbrowser
  • Preis: 139 $ (WiFi-Version), 189 $ (UMTS)
  • Testbericht (E-Book-News)

Nook (Barnes&Noble)

  • Display: 6 Zoll E-Ink (16 Graustufen) plus 3,5 Zoll LCD (Touchscreen/Farbe)
  • Unterstützte E-Book Formate: PDF, epub (DRM), etc.
  • Gewicht: 340 Gramm
  • Besondere Features: Webbrowser, Sudoku, Schach
  • Preis: 149 $ (WiFi-Version), 199 $ (UMTS)
  • Testbericht (Mobile Tech)

E-Reader-Showdown: Kindle versus Nook

Hinter Kindle und Nook stecken mit Amazon sowie Barnes&Noble nicht ganz zufällig die beiden größten Buch- wie auch E-Book-Händler der USA. Amazon versucht seine marktbeherrschende Stellung dabei auch technisch zu untermauern. Wichtiger Teil der Knockout-Strategie ist ein hauseigenes E-Book-Format. Das heißt für die Nutzer: Anderswo erworbene elektronische Bücher im Standardformat EPUB können auf dem Kindle nicht gelesen werden, bei Kindle-Books wiederum verstehen die anderen Reader nur Bahnhof.

So ganz barrierefrei ist der Nook jedoch auch nicht. Denn Barnes&Noble nutzt bei E-Books im EPUB-Format nicht den sonst üblichen DRM-Standard von Adobe. Kopiergeschützte Titel, die man bei Barnes&Noble erworben hat, kann man also nur auf dem Nook lesen.

Kleiner Trost: Der meist sehr günstige Lesestoff gelangt in beiden Fällen drahtlos auf den Reader, entweder per WLAN oder über das Mobilfunknetz. Auf Multimedia wie beim iPad muss man dagegen verzichten. Die E-Ink-Displays der beiden Reader sind zwar kontrastreich und hochauflösend, bieten jedoch nur 16 Graustufen. Amazons aktuelles Modell, der Kindle 3, glänzt immerhin mit der allerneuesten Display-Technologie, die 50 Prozent mehr Kontrast ermöglicht als bisherige E-Ink-Lösungen.

Im Gegensatz zum iPad kommt man dafür sogar noch weitaus billiger weg. Mit Niedrigstpreisen von 139 bzw. 149 Dollar für die WLAN-Version von Kindle und Nook machten Amazon und Barnes&Noble zuletzt auch in Deutschland Schlagzeilen.

Sony, Bookeen, Hanvon & Co.: In Deutschland herrscht E-Reader-Pluralismus

Große Bedeutung dürften Kindle und Nook in diesem unserem Leseland vorerst wohl nicht bekommen. Der Nook wird bisher offiziell gar nicht nach Deutschland geliefert, die ersten Kindle 3-Reader werden gerade ausgeliefert. Den Kindle DX, mit 9 Zoll-Display sozusagen der große Bruder des normalen Kindle, konnte man dagegen schon seit einiger Zeit bekommen, allerdings für stolze 379 Dollar.

Das größte Problem bleibt aber ohnhein der Lesestoff. Weder im Kindle-Store noch im E-Store von Barnes&Noble gibt es eine nennenswerte Auswahl aktueller deutscher Titel. Gerade gegenüber Amazon, bekannt für konsequente Niedrigpreis-Politik bei aktuellen E-Book-Bestsellern, sind die deutschen Verlage bisher extrem zurückhaltend. Damit blieb den deutschen Lesern letzlich auch ein Closed-Shop-System erspart, das ein bestimmtes Lesegerät zwingend mit einem bestimmten E-Store verbindet. Das kann sich natürlich noch ändern. Als erster deutscher Buchhändler will ab Oktober Thalia einen eigenen Reader auf den Markt bringen, und über einen E-Store auch für exklusiven Content sorgen. Näheres wird das Unternehmen auf der IFA bekanntgeben.

Die großen deutschen Buchhandelsportale wie libri, buch.de oder Weltbild setzen zur Zeit nicht nur auf einen gemeinsamen E-Book-Standard, sie bieten jeweils auch eine ganze Palette systemoffener E-Reader an – vor allem von Sony, Bookeen, Pocketbook sowie Hanvon. Auch Libreka, das gemeinsame Online-Portal des deutschen Buchhandels hat E-Reader dieser Hersteller im Angebot.

Preislich liegen die meisten der mit 5- oder 6-Zoll Display ausgestatteten Reader bereits unterhalb der 200-Euro-Schwelle, günstigstes Angebot ist zur Zeit die „Weltbild-Edition“ von Hanvons N 516-Reader für 149 Euro.

Einen Haken hat die Sache: Alle diese Lesegeräte bieten anders als Kindle oder Nook keine drahtlose Verbindung ins Netz an. E-Books wandern also vom Desktop via USB-Kabel auf den Reader. Dafür hält aber wiederum der Akku deutlich länger.

Hanvon N516 („Weltbild Edition“)

  • Display: 5 Zoll E-Ink (8 Graustufen)
  • Unterstützte E-Book Formate: PDF, epub (DRM), etc.
  • Gewicht: 150 Gramm
  • Features: Seitliches Trackwheel; Schnittstelle: Mikro-USB
  • Preis: 149 Euro
  • Testbericht (E-Book-News)

Reader Pocket Edition (Sony)

  • Display: 5 Zoll E-Ink (8 Graustufen)
  • Unterstützte E-Book Formate: PDF, epub (DRM), etc.
  • Gewicht: 220 Gramm
  • Schnittstelle: Mikro-USB
  • Preis: 189 Euro
  • Testbericht (E-Book-News)

Cybook Opus (Bookeen)

  • Display: 5 Zoll E-Ink (4 Graustufen)
  • Unterstützte E-Book Formate: PDF, epub (DRM), etc.
  • Gewicht: 150 Gramm
  • Schnittstelle: Mikro-USB
  • Preis: 199 Euro
  • Testbericht (lesen.net)

Pocketbook 360 (Pocketbook)

  • Display: 5 Zoll E-Ink (4 Graustufen)
  • Unterstützte E-Book Formate: PDF, epub (DRM), etc.
  • Gewicht: 150 Gramm
  • Features: G-Sensor, Schnittstelle: Mikro-USB
  • Preis: 219 Euro
  • Testbericht (lesen.net)

Wer in Deutschland drahtlos lesen will, wird deutlich mehr Geld los

Wer in Deutschland drahtlos an aktuellen Lesestoff kommen möchte, muss bis auf weiteres etwas tiefer in die Tasche greifen. Für WiFi-Modelle von Pocketbook oder Onyx werden um die 300 Euro fällig, für Sonys Edel-Reader PRS-900 alias „Daily Edition“ mit 7-Zoll-Display theoretisch ebenfalls, allerdings ist das Gerät offiziell gar nicht in Deutschland lieferbar. Für mehr Geld bekommt man immerhin auch mehr Komfort – die zuvor genannten drei Reader besitzen nämlich ein Touch-Screen-Display.

Der Königsweg zum drahtlosen deutschen E-Book hat sich bisher leider komplett als „Vaporware“ erwiesen – der seit Ende 2009 angekündigte txtr-Reader lässt weiter auf sich warten. Schade eigentlich, denn das vom gleichnamigen Berliner Startup konzipierte Gadget sollte sogar mit einem prall gefüllten deutschsprachigen E-Store glänzen. Den gibt’s mittlerweile auch tatsächlich, doch mangels Reader-Basis ist man auf die txtr-App für iPod, iPhone oder iPad angewiesen.

Auf dem Display von Apples Tablet ist das E-Book-Angebot ohnehin recht gut, vor allem weil parallel zum iPad-Launch auch iBooks gestartet ist, sozusagen Apples iTunes für Bücher. Mittlerweile sind via iBooks zehntausende deutsche E-Book-Titel erhältlich. Wer parallel dazu noch die Kindle-App von Amazon installiert, kann sich zudem mit einer großen Auswahl englischer Bücher, Zeitungen und Zeitschriften versorgen. Weitere Versionen der Kindle-App machen sogar das BlackBerry oder Android-Smartphones zum elektronischen Lesegerät.

Pocketbook 302 (Pocketbook)

  • Display: 6 Zoll E-Ink (Touch-Screen, 16 Graustufen)
  • Unterstützte E-Book Formate: PDF, epub (DRM), etc.
  • Gewicht: 280 Gramm
  • Features: G-Sensor, Webbrowser; Schnittstelle: WiFi/USB
  • Preis: 295 Euro
  • Testbericht (E-Book-News)

Onyx Boox (Onyx)

  • Display: 6 Zoll E-Ink (Touch-Screen, 8 Graustufen)
  • Unterstützte E-Book Formate: PDF, epub (DRM), etc.
  • Gewicht: 300 Gramm
  • Features: G-Sensor, Webbrowser; Schnittstelle: WiFi/USB
  • Preis: 319 Euro
  • Testbericht (E-Book-News)

iPad Basisversion 16 GB/WiFi (Apple)

  • Display: 9,7 Zoll LCD (Farbe, Touch-Screen)
  • Unterstützte E-Book Formate: PDF, epub (DRM), etc.
  • Gewicht: 700 Gramm
  • Features: iBooks, G-Sensor; Schnittstelle: WiFi/USB
  • Preis: 499 Euro
  • Testbericht (E-Book-News)

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Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 1. September 2010 veröffentlicht. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

 

9 Reaktionen zu “Marktübersicht: E-Reader in Deutschland”


Thomas
schrieb am 1. September 2010 um 11:56 Uhr:

Hatte gestern Gelegenheit, dass neue AmazonKindle live zu erleben – ein Kumpel hatte es bestellt und bereits bekommen.

Haptik und Optik finde ich gut, auch das Display überzeugt, da es ohne Beleuchtung auskommt und wirklich sehr kontrastreich ist. Aber der Inhalt ist einfach mau. Mein Kumpel hat es sich bewusst gekauft, um englische Bücher zu bestellen und zu lesen – alles andere kann man allerdings auch vergessen. Selbst die von Adobe umgewandelten PDF-Dateien sind so mies aufbereitet (auf Kindle-Format umformiatiert), dass man diese nicht wirklich lesen kann (Zeilenumbrüche, wo keine sein sollen, Formatierungen wie Liste oder ähnliches gehen anscheinend verloren). Wir haben dann gestern noch ein EPUB-Book ausprobiert, sind allerdings daran gescheitert, das EPUB auf das Kindle zu transferieren – es gibt wohl Tools, da hatte ich aber dann auch keine Lust mehr.

Fazit: Wer englische Bücher aus dem Amazon-Kindle-Store lesen will, bekommt ein gutes Gerät. Das Display ist super. Es passen im Vergleich weniger Wörter/ Zeilen auf eine Seite und beim Blättern switcht das Display kurz auf Schwarz, dann wieder auf die „normale“ Darstellung. Daran könnte man sich gewöhnen – ist ja technisch bedingt.
Wer aber mehr will, als nur Bücher von Amazon lesen, sollte zu einem anderen eReader oder zu einem Tablet greifen. Ich werde jedenfalls die iPad und Konsorten-Entwicklung weiterverfolgen und keinesfalls ein Kindle kaufen.

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Thomas
schrieb am 1. September 2010 um 12:03 Uhr:

Sorry, im Zusammenhang mit „PDF“ soll „Adobe“ eigentlich „Amazon“ heißen – dort kann man PDF-Dateien per E-Mail umwandeln lassen.

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mygadgetblog.de
schrieb am 10. September 2010 um 17:06 Uhr:

@Thomas: Wieso denn PDFs umwandeln? Die Kindle haben doch mitlerweile alle einen ziemlich guten PDF-Reader integriert?

EPUB umwandeln geht mit diversen Tools (am besten vor allem bei größeren eBook-Sammlungen ist wohl Calibre) wirklich super einfach, wenn man ein evtl vorhandenes DRM erstmal losgeworden ist 🙂

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Markus
schrieb am 9. März 2011 um 21:44 Uhr:

Der Markt für Ebookreader wird in Deutschland wohl erst so richtig durchstarten wenn Amazon den Kindle auch auf Amazon.de verkauft und es mehr deutsche Ebooks zu kaufen gibt. Eine Liste der in Deutschland bekannteren Ebookreader kann man sich auf http://www.ebookreader-und-ebooks.de/ebookreader-im-vergleich.html ansehen. Die Tablet-PCs könnten den Ebooks zwar den Durchbruch bringen, sind aber wegen der verwendeten Hintergrundbeleuchtung nicht so gut für die Augen. Will man viele Ebooks lesen, sollte man sich dafür lieber einen Ebookreader leisten, da diese meist ohne Hintergrundbeleuchtung auskommen und eine höhere Akkulaufzeit ausweisen.

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David
schrieb am 18. September 2011 um 01:29 Uhr:

Für den kleinen Geldbeutel sollte eigentlich auch auf die Geräte mit 7 Zoll Farb-TFT Bildschirm hingewiesen werden. Diese sind mittlerweile für weit unter 100 Euro zu haben, bieten ausreichend Lesespass, und halten mit ihrer, zugegebenermassen geringen, Akkuladung von 4-5 Stunden einem durchschnittlichen Leser allemal Stand.

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