Selfpublishing Guide – Der Leitfaden zum eigenen Buch

Ein Beitrag von: Sebastian Schürmanns



Wer heute ein Buch auf eigene Faust veröffentlichen will, hat nicht nur alle Möglichkeiten sondern vor allem die Qual der Wahl. Zahlreiche Anbieter und Dienste sind auf dem Markt. Und die technischen Möglichkeiten vom Blog übers E-Book bis hin zum gedruckten Buch sind enorm. Der jetzt veröffentlichte „Selfpublishing Guide“ auf UPLOAD will hier Abhilfe schaffen. Er entstand zunächst unter dem Titel „Do-It-Yourself-Guide for Publisher“ (DIYG) vor einem Jahr. Jetzt zieht er hier zu UPLOAD um. 12 ausführliche Artikel zu verschiedenen Aspekten des Themas finden sich darin. Anlass genug, einmal in diesem Beitrag hier die Geschichte des Selfpublishings nachzuzeichnen und einen Überblick zu den wichtigsten Artikeln des Guides zu geben…

Wer heute über Selfpublishing spricht, meint dabei meist die Blüten der digitalen Revolution. Und oft kennen solche Gespräche nur zwei Positionen: Die einen freuen sich über den Button, mit dem sie die Macht der Verlage einfach ausknipsen können, die anderen flüchten bereits vor der drohenden Lawine unqualifizierter Möchtegern-Literatur.

Dabei vergisst man schnell, dass Selfpublishing auch vor der digitalen Revolution eine teils glorreiche, teils traurige Blütezeit erlebt hat: So fanden sich im „Samizdat“ (sam = selbst, izdat(elstwo) = Verlag) Osteuropas Literaten wie Solschenizyn, die mit der Druckerpresse im Keller die Zensoren umgingen. Im Westen wiederum waren es vor allem Promovenden, die zur Erlangung der Doktorwürde zwar ihrer Publikationspflicht nachkommen mussten, angesichts der meist saftigen Druckkostenzuschüssen jedoch knauserten und lieber auf eigene Faust publizierten.

Selfpublishing und die Rolle der Verlage

Heute sieht die Situation ganz anders aus: Die Rolle der Verlage als kritische Instanz beginnt langsam zu bröckeln, während einige Dienstleister bereits zum Nulltarif veröffentlichen. Haben traditionelle Verlage – und vor allem Lektoren – also ausgedient?

Das klingt reichlich überspitzt, vor allem wenn man rasch die letzten Jahre überblickt: Denn die digitale Revolution im Verlagswesen begann bereits in den 1980ern, als das Desktop-Publishing (DTP) Einzug erhielt und den Herstellungsprozess enorm vereinfachte. Schon damals öffnete sich der Flaschenhals und der Leser erlebte eine gewaltige Titelflut. In diesem Jahrzehnt hielten dann digitale Druckverfahren Einzug, die auch Kleinstauflagen rentabel machten und das Publizieren erneut vereinfachten. Schließlich boten wissenschaftliche Bibliotheken eine digitale Veröffentlichung per Upload an – seitdem dient das gedruckte Buch auch bei Doktoranden nur noch dem Renommee.

Und jetzt noch das Buch für Jedermann, der Bestseller von der Straße. Noch vor wenigen Jahren rümpften – zumindest hierzulande – fast alle Leser und Verlagsmenschen die Nase über die neuen Selbstverleger. Zuletzt haben jedoch einige Autoren den Gegenbeweis angetreten und sich trotz Verlagsangebot für das Publizieren auf eigene Faust entschieden. Gleichzeitig wachsen alternative Publishing-Modelle, E-Books und bei Selfpublishern weit verbreitete Print-on-Demand-Verfahren zu einem echten Massenmarkt heran. Wohl kein Zufall, dass inzwischen auch das Establishement mit eigenen Angeboten (siehe ePubli von Holtzbrinck) in den Markt startet und die wegschwimmenden Felle wieder einzusammeln versucht. Und warum auch nicht: Manuskripte sind genug auf dem Tisch, vom Trend kann man eigentlich nur profitieren und wer weiß: Vielleicht dienen die angebundenen Selfpublishing-Communities bald auch als Testmarkt, um die schwierige Entscheidungsfindung im Programm-Management zu unterstützen. Denn auch heute dürfte ein Bestseller in traditionellen Verlagen immer noch fünf Flops mitfinanzieren.

Publizieren in Eigenregie und der DIYG für Publisher

Für die Autoren bringt der Trend zum Selfpublishing erst einmal nur Positives mit – und trotzdem wird sich so manch ein Autor bei der neuen Publikationsfreiheit eine blutige Nase holen: Denn die für Laien recht herausfordernde Herstellung (Typographie/Satz/Layout) des Buches legen die meisten Anbieter in die Hände der Autoren und nach dem Druck liegt der vermeintliche Bestseller meist wie digitales Blei in den virtuellen Regalen. Ganz abgesehen von der Qual der Wahl, die der Autor in Sachen Format, Anbieter und Konditionen hat.

Was darf’s denn sein: Ein Blook, ein paar Riffs oder ein dOttojewskij?

Schon auf die ersten Frage, wie und was überhaupt publiziert werden soll, liefert der Markt gleich ein ganzes Dutzend Antworten. Denn längst loten zahlreiche Plattformen und neue Verlagsmodelle die Grenzen der klassischen Buchpublikation aus und bieten teils kuriose Lösungen. Da gibt es einmal den Trend zur Dynamisierung von Inhalten: Bookriff aus England zum Beispiel ist ein reichlich visionäres Startup, bei dem man keine Bücher mehr publiziert, sondern so genannte „Riffs“: einzelne Kapitel oder Textbausteine, die dann von einer Art „Content-DJ“ zu Büchern zusammengemixt werden. Oder FastPencil: Bei dem Selfpublisher aus den USA kann jeder Karl-Otto einen Klassiker wie Dostojewskij hochladen und – Slawisten wird es begeistern – seinen eigenen dOttojewskij daraus machen. Hier ein Gag, dort ein Hit, denn einige neue Schulbuchverlage machen die individuelle Anpassung von Lehrbüchern zum neuen Prinzip. Dagegen wirken User-Generated-Media-Ansätze wie beim JPG-Magazine, bei der Lokalzeitung MyHeimat oder bei den aus Blogs entstandenen „Blooks“ beinahe schon altbacken. Wie dem auch sei: Wer publizieren will, muss das schon längst nicht mehr in Form eines klassischen Buches machen, sondern kann seiner Kreativität in den vielfältigsten Spielarten freien Lauf lassen.

Nicht mehr in Stein gemeißelt: Bei DynamicBooks können Lehrer die Buchvorlagen des Verlages einfach an die individuellen Bedürfnisse anpassen

Vom Web zum Buch

Kaum zu glauben, aber auch nach 20 Jahren World Wide Web ist die Umwandlung von Web-Inhalten in klassische Medien immer noch ein ziemliches Abenteuer. Dabei würden sich gerade Blogs bestens dazu eignen, ein Buch im Web entstehen zu lassen, eine Leserschaft aufzubauen, die man anschließend mit einer Print- oder E-Publikation beglücken kann.

Klar gibt es einige Anbieter, die eine Umwandlung von Blogs in Print-Bücher garantieren. Die meisten beschränken sich jedoch auf spezielle Blogplattformen und arbeiten wie eine Blackbox: Inhalte rein, Buch raus – dazwischen editieren, gestalten, sortieren? Meist Fehlanzeige. FastPencil aus Übersee gehört bislang zu den wenigen Anbietern, die dieses simple Anliegen recht erschöpfend befriedigen: Per RSS kann man Beiträge importieren und anschließend eben auch sortieren, gestalten, umschreiben und zu einem Buch destillieren.

Recht üppig sind dagegen die Angebote zur Umwandlung von RSS-Feeds in E-Formate: Auch diese Tools sind meistens Blackboxen, allerdings dürfte das bei der Ausgabe auf E-Readern nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Zudem bieten einige Tools auch eine Sortierung und Filterung von Beiträgen an (sonst geht man eben den Umweg über Yahoo-Pipes), und neben dem PDF-Format setzen einige auch schon auf den bei E-Readern besonders beliebten EPUB-Zug…

Buchpublisher im Überblick

Wer mehr Ambitionen hat und sein Werk auch verkaufen möchte, den führt der Weg zu einen der zahlreichen Buchpublisher. Hier sollte man allerdings die Angebote gut vergleichen. Kriterien können sein:

  • Wie hoch ist das Autorenhonorar bzw. die Kosten für eine Veröffentlichung?
  • Wie sehen die vertraglichen Konditionen aus (Verwertungsrechte)?
  • Wie werde ich im Herstellungsprozess unterstützt?
  • Welche Formate werden angeboten (E-Book, Print-Buch, Hörbuch, Mobile-Books)?
  • Welche Gattungen werden geboten (Photobuch, Kochbuch, Roman etc.)?
  • Wie frei bin ich in Typographie/Gestaltung/Layout?
  • Wie stark ist der Verlag im Vertrieb aufgestellt?
  • Welche Unterstützung bietet der Verlag bei der Selbstvermarktung
  • Gibt es Sharing-Möglichkeiten, eigene Communities, Social-Media-Anbindungen?

Eine Vergleichsliste mit verschiedenen Anbietern bietet ebenfalls der Selfpublishing-Guide. Auch wenn die Liste nicht vollständig und teilweise nicht mehr aktuell sein dürfte, bleibt sie immer noch ein guter Ausgangspunkt für die Recherche. Weitere Vergleichslisten hat gerade Christiane Schulzki-Haddouti (KoopTech) in der aktuellen c’t veröffentlicht.

Mobile Publishing

Eine ganz neue Herausforderung ist mit dem Erfolg von Kindle, iPad & Co. auf Selfpublisher zugekommen, denn seitdem ist die simple PDF-Version der Druckfahnen als E-Book längst nicht mehr die einzige oder erste Wahl. Was auch Verlage derzeit erst lernen müssen, dürfte die meisten Selfpublisher jedoch einigermaßen überfordern, denn die Umwandlung in diverse Formate kann eine nervenraubende Angelegenheit sein. Zumindest mit dem von vielen Geräten unterstützten freien Format EPUB sollte man sich jedoch beschäftigen, denn inzwischen bieten immer mehr Dienstleister wie Lulu, Tredition oder Xinxii auch eine Veröffentlichung in EPUB an.
Produktfoto Apple iPhone
Es gibt jedoch nicht nur die vielen neuen E-Reader, sondern auch das Publizieren für Smartphones ist inzwischen zu einer vielversprechenden Option für Publisher geworden. In Asien und vor allem in Japan sind Handy-Romane bereits ein etablierter Markt mit vielen eigenen Bestsellern. Deutschland und Europa warten noch auf den ersten Selfpublisher mit einem Mobile-Bestseller und doppelter Ruhm wäre ihm wohl gewiss. Angesichts des Booms von Smartphones wird aber auch hierzulande die Bedeutung zunehmen und mit Verlagen wie Blackbetty gibt es bereits erste Spezialisten, die sich allein auf Handy-Romane beschränken. Auch hier ist man mit dem EPUB-Format gut beraten, man sollte sich also über die verschiedenen Konvertierungsmöglichkeiten, die gebräuchlichste Readersoftware und die digitalen Bibliotheken schlau machen. Einen Beitrag dazu gab es übrigens auch hier im UPLOAD-Magazin.

Preisfindung und Sharing-Plattformen

Eine Frage, die sich vor einigen Jahren noch keiner gestellt hat: Soll ich mein Buch überhaupt verkaufen oder doch lieber verschenken? Und wenn ich es verschenke, wie mache ich das am besten? Ja, auch die letzte Frage ist ernst gemeint, denn angesichts des Überangebots an Information wollen viele Leute nicht einmal mehr etwas geschenkt haben. Nicht schlecht, wenn man sich da einen Überblick über die wichtigsten Sharing-Plattformen verschafft, die ein möglichst großes Publikum versprechen. Als Sharing-Plattform für E-Magazine hat sich issuu in den letzen Jahren einen guten Namen gemacht, allerdings gibt es auch hier diverse Alternativen, die man sogar parallel nutzen könnte. Im Vergleich machen die Sharing-Plattformen für Bücher und Dokumente längst nicht so viel her, doch relativ breit ist die Auswahl inzwischen auch hier.

Das Kostenlos-Prinzip ist übrigens auch für etablierte Verlagshäuser inzwischen eine anerkannte Marketing-Strategie, seitdem man realisiert hat, dass sich über FreeBooks recht gut Marketing betreiben und der Absatz der Printbücher steigern lässt. So oder so haben die Kombinationsmöglichkeiten von kostenlosen E-Books, kostenpflichtigen E-Books und ggf. zusätzliche Print-Ausgaben die Preisstrategien für Bücher um ein paar Kombinationsmögichkeiten bereichert.

Selbstvermarktung

Preisbildung und Sharing-Möglichkeiten haben es bereits angedeutet: Die Publicity und die Selbstvermarktung dürften für Selfpublisher mit Abstand die größte Hürde darstellen. Pfiffige Marketing-Aktionen sind nicht jedermanns Sache, klassische PR-Arbeit verlangt meist viel Geduld und Disziplin, und auch das vielversprechende Web 2.0 hat zwar die Eintrittsbarrieren deutlich gesenkt, läuft aber auch nur in den seltensten Fällen von ganz alleine.

Wer sich mit einem klassischen Print-Buch auch den klassischen Medien verbunden fühlt, der dürfte über traditionelle PR-Arbeit die meisten Chancen für sich sehen. Und grundsätzlich kann man es auch schnell zu enormer Reichweite bringen: Einmal bei dem richtigen Redakteur den Nerv getroffen oder möglicherweise über Vitamin B seinen Titel platziert – damit ist der PR fasst schon genüge getan. Nüchtern betrachtet tun sich allerdings selbst Spitzentitel aus etablierten Verlagen schwer. Für Selfpublisher dürfte sich PR bei einem entsprechend hochwertigem Buch eher in der Nische lohnen. Und auch hier ist die Öffentlichkeitsarbeit äußerst zäh. Der Überblick über Anlaufstellen, Tools und Werkzeuge mag zwar erst einmal erschlagend sein. Im Praxistests wird man dann jedoch schnell selbst erfahren, wie schwer sich ein Publikum finden und Traffic generieren lässt…

Über den Autor

Sebastian Schürmanns arbeitet in einer Webagentur und lebt irgendwo im Netz. Vor seiner digitalen Einbürgerung war er jahrelang für Kommunikationsagenturen und (Fach-)Verlage tätig. Getreu dem Motto, lieber etwas zu viel auszuprobieren als im entscheidenden Moment das große Ding zu verschlafen, hat er bereits ein halbes Dutzend Konzepte ersonnen und ebensoviele Blogprojekte gestartet. Aktuell gilt sein Herzblut dem Webprojekt MyTweetMag, mit dem Twitterfreunde einen gemeinsamen Newsstream ins Leben rufen können.


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Der Beitrag wurde am Freitag, den 20. August 2010 veröffentlicht. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

 

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