Fünf Fragen an… Sönke Schulz, tredition
Ein Beitrag von: Jan Tißler
Im Rahmen des Themenschwerpunkts befragen wir interessante Buch-Startups und -Dienste aus dem deutschsprachigen Raum und stellen sie kurz vor. In diesem Fall antwortet Sönke Schulz von tredition. Das ist ein Verlag, der sich auf kleine Auflagen spezialisiert hat. Er ist überzeugt: „Jedes Buch hat seinen Markt.“ Die Zahl der Titel werde künftig weiter wachsen – die verkauften Auflagen werden sinken.
1. Was sind die wichtigsten Eckdaten, die man von Eurem Projekt kennen sollte, um sich ein Bild davon zu machen?
Wir sind in erster Linie ein Verlag. Seit 2007 haben wir ca. 800 Titel veröffentlicht. Wir veröffentlichen Buchtitel unter unserem eigenen Label „tredition“ aber auch unter White-Label. Wir kümmern uns aktiv um den Vertrieb und verdienen ausschließlich an verkauften Büchern.
2. Beschreibe einmal die Grundidee. Was genau finde ich bei Euch?
Es gibt viele gute unveröffentlichte Bücher, denen im klassischen Buchverlags-Wesen kaum Chancen eingeräumt werden. Wir haben ein Verlagssystem geschaffen, welches es erlaubt, auch kleinauflagige Titel profitabel zu verlegen. Jedes Buch hat seinen Markt. Selbst wenn sich ein Buch nur 100 Mal verkauft, war es trotzdem wert, veröffentlicht zu werden, da nach unserem Verlagsmodell alle Beteiligten davon profitieren.
Wir wenden uns an mehrere Zielgruppen:
- 1. Autoren: Als Autor, der sein Buch veröffentlichen möchte, findest Du auf www.tredition.de ein umfassendes Dienstleistungsangebot. Uns zeichnen mehrere Faktoren aus: Zum einen berechnen wir keine Gebühren o.ä. für eine Veröffentlichung. Zum anderen haben wir ein sehr großes Netzwerk geschaffen, in welchem „Literatur-Partner“, das sind Lektoren, Hörbuchsprecher, Übersetzer und Illustratoren, Autoren ihre Mithilfe anbieten. Ein weiterer besonderer Faktor ist unser eigenes Lektorat. Wir achten darauf, dass Bücher einem festen Qualitätsniveau entsprechen. Deshalb veröffentlichen wir bei weitem nicht alle Titel, die uns angeboten werden.
- 2. Webseitenbetreiber im weitesten Sinne: Unsere gesamte Veröffentlichungstechnik stellen wir lizenzkostenfrei zur Einbindung in die eigene Webseite zur Verfügung. So werden die Betreiber dieser Webseiten zu Herausgebern eigener Buchreihen in eigenem Design, indem diese wiederum Autoren die Veröffentlichung von Büchern anbieten. Unsere Kunden sind sehr heterogen. Klassische Buch-Verlage nutzen unsere Technik und Dienstleistung für Bücher, die nicht im klassischen Buchverlagsmodell veröffentlicht werden können. Tageszeitungen bieten ihren Lesern die Veröffentlichung unter einer Buchmarke der Tageszeitung an und bewerben diese auch aktiv in ihren Zeitungen und auf ihrer Webseite. Interessenportale und Communities (z.B. für Tiere oder Reisen) setzen unsere Technik ein, um ihren Usern die Möglichkeit der Buchveröffentlichung zu geben.
- 3. Zeitschriften- und Zeitungsverlage: Wir helfen vielen namhaften Verlagshäusern, ihre Inhalte in Buchform zu monetarisieren oder in den Buchmarkt einzusteigen.
3. Wie kam es zu dieser Idee?
Augenöffner war ein Zeitungsartikel in der FAZ in 2006, welcher das Dilemma klassischer Verlage darstellte. Viele Titel sind reine Kostenfresser und es fehlte an geeigneten Verlagsmodellen, jeden Titel profitabel verlegen zu können. Das war der Start von tredition.
4. Was interessiert Euch gerade am Bereich „digitales Publizieren“?
Unsere gesamte Wertschöpfung ist „digital“. Autoren veröffentlichen bei uns und unseren Partnern ausschließlich digital. Wir freuen uns über wachsende Umsätze im digitalen Lesebereich (nicht zuletzt auch durch die Einführung des iPad).
5. Schau mal in Deine Glaskugel und verrate uns: Wie wird sich die Landschaft fürs Publizieren in den nächsten 10 Jahren verändern?
Wir befinden uns in einer spannenden Phase. Die Publikationsmöglichkeiten für Inhalte verändern sich rasend schnell und stets kommen neue Anbieter in die Branche. Die Branche wird aber noch einen längeren Suchprozess erleben, wie Inhalte wirklich monetarisiert werden können. Vor allem im Buchbereich werden die klassischen Verlage heftigen Gegenwind spüren und die Zahl derjenigen, die nachhaltig Erfolg haben, wird gering sein. Wir rechnen mit einem Zuwachs an Self-Publishing-Dienstleistern und einem Einstieg großer Händler in den Verlagsprozess. Amazon beginnt mit print-on-demand und jeder Autor kann direkt über Amazon sein E-Book verkaufen. Schlüssel zum Erfolg wird sein, stets dynamisch und flexibel neue Vertriebswege für Inhalte zu erschließen oder in seine Wertschöpfung zu integrieren. Dabei erwarten wir mehr und mehr eine Bewahrheitung unser Grundidee, dass jedes Buch seinen Markt hat. Die Zahl der Titel wird wachsen – die verkauften Auflagen werden sinken.
Dir hat der Artikel gefallen? Dann kannst Du ihn hier auf Twitter oder Facebook weiterempfehlen:
Oder sag Dankeschön per Flattr:
Dranbleiben? Nichts verpassen? Ganz einfach per...
RSS-Feed, Twitter oder Facebook.
Einen Kommentar schreiben




Eine Auswahl der Beiträge aus diesem Special gibt es jetzt auch als gedrucktes Buch für 19,90 Euro. Hier versandkostenfrei bestellen: