Wie ein Schlag in die Magengrube
Weil sie die olympischen Ringe in ihrem „Saftblog“ abgebildet und über die olympischen Spiele geschrieben hatten, bekam die Kelterei Walthers Post vom Anwalt. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) berief sich dabei auf seine Rechte an diesem Symbol, die durch ein eigenes Gesetz geschützt sind. Kurz zuvor hatten die Walthers gerade in einer anderen Sache eine Abmahnung erhalten. Warum es das Saftblog daraufhin fast nicht mehr gegeben hätte, wie die Reaktionen ausfielen und warum es das Blog heute doch noch gibt, schreibt Geschäftsführerin und Bloggerin Kirstin Walther hier für UPLOAD – verbunden mit einem ganz großen Dankeschön an die Blogosphäre.

Dieser Artikel im UPLOAD PDF-Magazin Nr.1.
Unsere erste Abmahnung erhielten wir im August 2006 von einem Wettbewerber, weil wir im Internetshop Aussagen trafen, die laut Lebensmittelverordnung unzulässig waren.
Diese Abmahnung war berechtigt und zog nach sich, dass wir in den Monaten vor der DOSB-Abmahnung ausschließlich damit beschäftigt waren, alle Verpackungen, Werbeflyer, Webinhalte etc. prüfen und ändern zu lassen. Das war extrem zeitaufwendig und hat auch sehr viel Geld und Nerven gekostet.
Als im Dezember 2006 dann diese 17-seitige Abmahnung von den Anwälten des DOSB reinflatterte, war das wie ein Schlag in die Magengrube. Viele Gedanken gingen uns damals durch den Kopf… Von: „Soll das ein Scherz sein?“ Bis: „Wenn man das so liest, bekommt man Bedenken, dass man ins Gefängnis wandert.“
Das war auch der Grund, warum ich damals, als ich kurz über die Abmahnung im Saftblog berichtete, ziemlich geschockt war und wirklich ernsthaft darüber nachdachte, nie wieder Inhalte ins Netz zu stellen. Denn wenn man den Kopf nicht aus dem Graben steckt, wird man natürlich weniger schnell getroffen.
Die Welle die nach Hinweis auf unsere Misere losbrach, war gigantisch und völlig überraschend für uns. Die Solidarität der Blogger führte auch dazu, dass wir unzählige und wertvolle Informationen erhielten, die uns viel Mut machten und zeigten, dass die Anschuldigungen des DOSB doch erstmal geprüft werden sollten.
Und außerdem scheint es so gewesen zu sein, dass die Pressestelle des DOSB schon etwas verdutzt war, wieso sie plötzlich jede Menge E-Mails und Anrufe erhielten, mit dem Inhalt, dass sie uns bzw. das Saftblog doch gefälligst in Ruhe lassen sollen.
Wir sind sehr froh, dass mit Unterstützung der vielen Blogger und der anderen Leute die Sache sehr glimpflich für uns ausging. Die Einträge durften wir stehen lassen, nur die Ringe wurden entfernt und die Kostenquote auf 10 Prozent verringert.
Im Nachhinein war es natürlich eine sehr außergewöhnliche Erfahrung, die uns, nachdem klar war, dass wir mit einem blauen Auge davon kommen, trotz allem sehr viel Mut gemacht hat. Und somit war auch sonnenklar, dass wir weiterbloggen. Es macht uns stolz, zu dieser „Bloggerszene“ dazu zu gehören.
Das Fazit, was sich für uns ergab ist – in Bezug auf weitgehend abmahnsicheres Bloggen – ist: (Dummheit)/Naivität schützt vor Strafe nicht.
Und immer zweimal nachdenken bzw. nachprüfen, bevor man Dinge (in erster Linie Bilder) veröffentlicht, die man nicht selber gemacht hat.

Der Artikel stammt aus dem PDF-Magazin Nr.1, das Du Dir jetzt kostenlos herunterladen kannst. Mehr dazu in diesem Artikel.






...bei anderen deutschsprachigen Diensten über den Bookmark King: hype!, Yigg, Webnews, oneview und andere.
...bei internationalen Diensten über AddThis.com: Google, delicious, Facebook, StumpleUpon, Technorati und andere.



