Literaturcommunities und Autorenforen

Ein Beitrag von: Sebastian Schürmanns



Literaturcommunities und Autorenforen können wertvolle Anlaufstellen für Selfpublisher sein, um Erfahrungen und Infos auszutauschen oder das eigene Buch vorzustellen. Allzu üppig ist die Auswahl allerdings nicht: Eine handvoll Foren und Communities dominieren das geschehen, und selbst von den großen haben längst nicht alle den Übergang in das Web2.0-Zeitalter vollzogen. Um zumindest einen Einstieg zu erleichtern, sollen ein paar größere Foren hier kurz vorgestellt werden. Weitere interessante Adressen und Links können in die DIYG-Datenbank eingetragen bzw. recherchiert werden.

Literaturcommunities

Angesichts des Hypes von Facebook und Co. wird Foren keine große Beachtung mehr geschenkt. Doch trotz der oft altertümlich wirkenden Konzepte und Designs versammeln Foren nach wie vor recht große und aktive Gemeinschaften. Und einige Foren haben inzwischen auch den Sprung zur Community geschafft und z.B. Netzwerk-Funktion integriert …

Lovelybooks

Eine erfreuliche Erscheinung in der Community-Szene ist Lovelybooks: Die Seite ist nicht nur ansprechend und zeitgemäß gestaltet, sondern auch im Web2.0 äußerst aktiv. Mit über 6000 Fans und einer starken Präsenz bei Twitter. Zudem hat Lovelybooks mit Aktionen wie dem “Leserpreis” zuletzt auch in der Blogszene Akzente gesetzt.

Mit Rezensionen, Gruppen, virtuellen Bibliotheken etc. lässt die Plattform kaum Wünsche offen. Einzelne Gruppen zählen mehrere tausend Mitglieder mit bis zu 50.000 Beiträgen. Damit dürfte Lovelybooks mit einigem Abstand die bedeutendste Community hierzulande sein.

Literatur-Couch

Einen interessanten Ansatz verfolgt auch die Literatur-Couch, unter deren Dach mehrere thematische Unter-Communities vesammelt sind. Die Mitgliedstärke aller Couch-Communities wird mit ca. 17.000 angegeben – damit dürfte die Foren-Gruppe hierzulande zu den größten gehören.

Die Intensität der Web2.0-Präsenz ist dabei von Forum zu Forum unterschiedlich: Während die Krimi-Couch auf Twitter und Facebook fleißig Fans und Follower sammelt, verzichten andere Foren komplett auf das Netzwerken im sozialen Web. Alles in allem sollten die Foren auch für Selfpublisher eine gute Anlaufstelle sein.

Literatina

Das Literatur- und Bücherforum Literatina ist durch zahlreiche Anzeigen im Literaturnetz recht bekannt und gehört klar zu den großen und etablierten Leserforen im Web. Und auch wenn der Trend eher in Richtung Netzwerke geht, zeigt Literatina, dass auch klassische Foren noch ihre Daseinsberechtigung haben. Wie üblich scheinen Krimis, Fantasy & co. zu dominieren, allerdings ist auch anspruchsvolle Belletristik gut vertreten, während Comics oder Sachbücher eher unterrepresentiert sind.

Im Gegensatz zu vielen anderen Foren ist Literatina z.B. auch auf Facebook mit über 300 Fans aktiv.

Büchertreff, Büchereule, Literaturschock, Comicforum

Von den zahlreichen klassischen Buch- und Literaturforen seien aufgrund ihrer Größe stellvertretend vier weitere erwähnt. Der Büchertreff zählt ca. 8000 Mitglieder, die Büchereule um die 6000 Mitglieder und der Literaturschock immerhin noch über 1000 Mitglieder. Viele dieser Communities verfügen über extra eingerichtete Rezensionsbereiche und die Zahlen verdeutlichen, dass auch über die klassische Forenszene nach wie vor zahlreiche Leser erreicht werden können.

Häufig lohnt es sich, nach kleineren Foren mit einem enger zugeschnittenen Themenkreis zu recherchieren. Dass solche Recherchen nicht nur Nischenforen zu Tage befördern, zeigt z.B. das Comic-Forum: Mit 40.000 Mitgliedern stellt es selbst die etablierten Literaturcommunities in den Schatten. Auch Mobile-Read, eine (allerdings internationale) Community zu E-Books und E-Readern, verfügt über eine beachtliche Mitgliederzahl…

Autorenforen

Fasst alle Literaturcommunities warten auch mit einem eigenen Bereich für Autoren auf. Communities ausschließlich für Autoren sind wesentlich seltener zu finden. Alternativ lohnt sich auf jeden Fall auch ein Blick in die Foren der Buchpublisher.

Schreibwerkstatt

Möglicherweise ist es auch dem sehr aufgeräumten Auftritt zu verdanken, dass die Schreibwerkstatt mit etwa 4800 Mitgliedern zu den größten Autorencommunities im Netz zählt. Auch die Rubriken des Forums sind wohl sortiert: Neben der Veröffentlichung eigener Texte in verschiedenen Gattungen bietet die Schreibwerkstatt einen Bereich für Rezensionen, Schreibtipps, Hinweise zu Literaturwettbewerben oder eine Liste von Literaturverlagen an.

Angesichts der Größe verwundert es allerdings, dass die Schreibwerkstatt auf eine Präsenz in den sozialen Netzwerken vollständig verzichtet.

Montsegur Autorenforum

Aufgrund der guten Themenwahl sei auch noch das Autorenforum Montsegur erwähnt: Mit Hinweisen zur Verlagssuche, Tipps zu Verträgen und einer Schreibwerkstatt konzentriert sich Montsegur vor allem auf das Autorenhandwerk und versteht sich weniger als Publikationsplattform für eigene Texte.

Recht restriktiv geht das Forum jedoch mit neuen Mitgliedern um: Alle Anmeldungen werden individuell geprüft, verlangt wird eine “aussagekräftige Bewerbung”. Entsprechend halten sich die Zahlen mit etwa 360 Mitgliedern in Grenzen.

Kurzer Blick auf Facebook

Eine einzelne “Group” auf Facebook ist sicher nicht vergleichbar mit der Größe und dem Aktivitätsgrad traditioneller Communities – in den meisten Fällen endet das Engagement mit dem Klick auf den Join-Button. Als Gesamtnetzwerk ist Facebook jedoch ein ideales Forum, dass mit Profilen, Fanpages und Groups viele Knotenpunkte für Gleichgesinnte bereithält. Große Gruppen und Fanpages sind beispielsweise “Zu viele Bücher, die ich lesen möchte” (Gruppe mit ca. 1.200 Mitgliedern), “Bücher” (Gruppe mit über 600 Mitgliedern), Buchtipp (Gruppe mit über 700 Mitgliedern), “Deutsche Literatur” (Gruppe mit gut 1000 Mitgliedern), die Fanpage der Aktion “Ich mache was mit Büchern” mit gut 1.500 Fans, Lesen=Luxus mit 1800 Fans oder die Fan-Page vom Webmagazin Literatur-Cafe mit über 700 Fans.

Als Beispiele für die bunte Vielfalt auf Facebook seien zwei unterschiedliche Präsenzen vorgestellt: Die-Schreib-Maschine ist eine junge Plattform aus Berlin für “Autoren, Komponisten, Liedtexter, Choreographen, Übersetzer und alle, die neue Musicals auf die Bühne bringen wollen”. Als recht speziell ausgerichtetes Forum hat die Schreib-Maschine inzwischen immerhin 180 Fans gesammelt. Mit einem netten Design und einer aktiver Diskussion lässt sich in Facebook also auch für sehr spezielle Themen Aufmerksamkeit erzeugen.

Ein ganz anderes Beispiel ist Lettra – ein Webmagazin, das sich auf Video-Rezensionen und (Web-)Büchersendungen spezialisiert hat, jedoch auch klassische Textbeiträge publiziert. Lettra kooperiert mit zahlreichen Tageszeitungen und generiert laut Eigenaussage ca. 60.000 Channel-Views im Monat. In unserem Zusammenhang interessant ist jedoch in erster Linie die Präsenz in den Netzwerken: Neben einer Mobile-App und einem Twitter-Stream gehört Facebook dabei zu den Hauptkanälen. Dort findet man eine recht beliebte Fan-Page (über 1800 Anhänger) sowei eine eigene Facebook-App, die immerhin über 400 Nutzer zählt. Mit der App lassen sich Bücher suchen, in virtuelle Regale stellen, bewerten, rezensieren, kaufen und schließlich ins eigene Profil einbinden. Eine Einbindung in fremde Fanpages gibt es leider noch nicht, allerdings wurden weitere Features und ein Relaunch der Lettra-Seite angekündigt…

Lettra ist kein Einzelfall: Wer auf Facebook nach Applikationen für Buchfreunde sucht, kann zwischen mehreren Dutzend Angeboten wählen. Eine Liste mit etwa 50 Facebook-Apps für Bücher hat vor einiger Zeit das Weblog Online-College zusammengestellt – und selbst die dürfte noch nicht vollständig sein. In jedem Fall sind einige dieser Tools auch für Selfpublisher nützlich, um Bücher über Facebook präsent zu machen.

 


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Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 19. August 2010 veröffentlicht. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

 

2 Reaktionen zu “Literaturcommunities und Autorenforen”



Sascha
schrieb am 8. September 2010 um 19:51 Uhr:

Danke für die schöne Auflistung. Lovelybooks gehört zu Hultzbrinck, die haben massiv in Werbung etc investiert; da können die kleineren überhaupt nicht mithalten, auch wenn die Community schön aktiv ist.

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Frieling-Verlag
schrieb am 26. November 2010 um 14:57 Uhr:

Wow, vielen Dank für diese gute Übersicht. So etwas ausführliches hat bisher noch gefehlt.

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