Plattformen für Bücher und Dokumente

Ein Beitrag von: Sebastian Schürmanns



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Dokumentenplattformen haben vor allem mit dem amerikanischen Anbieter Scribd einen Aufschwung erlebt und sind heute feste Größen im Web. Dabei ist der Übergang zu anderen Sharing-Plattformen wie Issuu für Magazine oder auch Filestoring-Diensten wie Box.net fließend. Im Gegensatz zu Selfpublishern bieten die Dokumenten-Plattformen allerdings keine Printversionen und auch keinen Vertrieb über den klassischen Handel an. Vorgestellt werden in diesem Beitrag die Anbieter Docstoc, Doktus, DoXtop, PEO, Txtr, Scribd und XinXii.

Docstoc

Docstoc ist seit November 2007 auf dem Markt und wird seitdem als Hauptkonkurrent von Scribd gehandelt. Ebenso wie bei Scribd lassen sich bei Docstoc Dokumente in den verschiedensten Formaten (doc, xls, ppt, pps, pdf, rtf, txt, docx, xlsx, ppts) hochladen. Anschließend können die Dokumente online über einen Reader gelesen oder auch auf externen Seiten eingebettet werden:


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Bislang wurden auf Docstoc ca. 11 Mio. Dokumente hochgeladen, wobei der Schwerpunkt auf Business- und Legal-Inhalten liegt. Die beliebtesten Dokumente weisen knapp 1 Mio. Views aus. Damit ist die Plattform zwar bereits recht groß, liegt insg. jedoch noch deutlich hinter Scribd, zumindest in Bezug auf die Anzahl der Views. Allerdings versucht sich Docstoc mit diversen Zusatztools abzuheben: Interessant ist z.B. die Synchronisationsfunktion oder die Möglichkeit, über DocCash mittels eingeblendeter Google-Adwords-Layern an Werbeeinnahmen zu partizipieren (50% gehen an den Autor).
Scribd und Docstoc haben in 2009 diametrale Strategien verfolgt: Beide haben einen Store zum Verkauf von Dokumenten eröffnet (Scribd im Mai 2009, Docstoc im August 2009). Scribd hat dabei Verträge mit verschiedenen namhaften Verlagen geschlossen und versucht nun über die inhaltliche Aufwertung einen ernstzunehmenden eBook-Store zu etablieren. Anders Docstoc: Die Plattform hat Verträge mit zahlreichen Dokumentensellern geschlossen und verbessert dadurch die Vertriebswege für die Inhalte der Uploader.
Glaubt man der Statistik von compete.com, so hat Scribd seit Mitte 2009 deutlich nachgelassen, während Docstoc leicht zulegen konnte und sich nun beide Plattformen auf einem ähnlichen Niveau bewegen:

Allerdings sind bei Scribd die Viewer-Zahlen bei eBooks nach wie vor deutlich höher als bei Docstoc. Zudem sind bei Docstoc leider nirgendwo die genauen Konditionen für einen Verkauf im eStore auffindbar.

Doktus

Doktus ist eine Dokumentenplattform mit Schwerpunkt auf Business-Dokumenten und Vorlagen. Ebooks finden sich hier nicht, allerdings verstreut etwas Literatur oder Ratgeber. Der Schwerpunkt liegt jedoch klar Gebrauchsdokumenten wie Kündigungsvorlagen etc., mit denen die Plattform eine beachtliche Leserschaft anzieht: Über 300.000 Views zählt das Top-Dokument auf Doktus.
Die Dokumente können per Flashpaper online gelesen werden, ein Einbetten in externe Seiten ist nicht möglich. Ebenso wenig bietet Doktus einen Verkauf für Uploader an, es gibt lediglich einen Store mit einigen Dutzend Profi-Vorlagen. Leider ist die Vorschau recht klein geraten und auch sonst mangelt es an weiteren Informationen (Verfasser?), sodass man die Katze im Sack kaufen muss. Kurios ebenfalls, dass Doktus ein recht eigenes Verständnis von Tagging mitbringt: Über die Tags erhält man nicht etwa weitere getaggte Dokumente, sondern es wird offensichtlich eine Suchanfrage mit dem Tag-Begriff generiert, die anschließend alles sinnige und unsinnige wieder ausswirft (“Roman” findet dann auch “necromancer”). Das mag zwar gut sein, um die Trefferzahlen zu erhöhen, aber nicht unbedingt, um passende Informationen zu finden…

DoXtop

Eine recht unbekannte Dokumentenplattform aus Deutschland ist DoXtop, die irgendwo zwischen Scribd und Issuu angesiedelt ist. Etwas mehr “Web-Publicity” hat DoXtop als Partner von dem online-basierten und recht bekannten feed-to-mag-Konverter Feedjournal erhalten, der an anderer Stelle bereits vorgestellt wurde. Die Plattform ist inzwischen mit über 11.000 Dokumenten gefüllt, während die Leserzahlen mit gut 5.000 an der Spitze noch steigerungsfähig sind. Dass DoXtop hierzulande nahezu unbekannt ist, spiegelt sich auch in den Dokumenten wieder: Fasst alle sind englischsprachig:

DoXtop zeigt sich mit einer Vielzahl von Funktionen auf der Höhe der Zeit: Communities, ein eigener Magazin-Bereich, Embedding, Statistik-Funktionen bis hin zu kollaborativen Workflows – so ziemlich alles wird aufgefahren. Allerdings ist die Plattform nicht ganz so übersichtlich und intuitiv in der Bedienung und ev. macht sich auch im Marketing bemerkbar, dass DoXtop eher das (sehr gute) Nebenprodukt eines Stuttgarter Software-Hauses ist, das sich ansonsten als Dienstleister z.B. im Bereich SharePoint bewegt. Trotzdem nicht ausgeschlossen, dass die Plattform noch einen späten Frühling erlebt, denn die Funktionalitäten überzeugen.

Peo

Peo ist eine weitere Dokumentenplattform aus Deutschland, die ähnlich wie XinXii einen Upload und Verkauf von Dokumenten und eBooks ermöglicht. Die unterstützten Formate sind pdf, txt, rtf und doc sowie die Bildformate jpg, gif und png. Ebooks erhalten von Peo kostenlos eine ISBN, außerdem bietet PEO den Autoren eine Unterstützung beim Layout an.
Im Gegensatz z.B. zu XinXii bietet PEO eine komplette Onlinevorschau aller (freien und sogar kommerziellen) Dokumente an. Hübsch ist zudem die Idee, aus den verschiedenen Kategorien Online-Magazine zu generieren. Zwar wirken einige Magazine wie Spielwiesen für Selbstdarsteller, andere – wie das Magazin für Theatertexte – kommen jedoch recht lebendig und gut gestaltet daher:

PEO hat wohl eher ein Problem mit dem Marketing: Es wurden zwar bereits über 9.000 Dokumente hochgeladen, allerdings halten sich die Viewer-Zahlne mit etwa 7.000 an der Spitze noch in Grenzen.

Scribd

Die Dokumentenplattform Scribd aus San Francisco dürfte wohl jedem bekannt sein, denn in seinem dreijährigen Bestehen (März 2007) hat sich eine beachtliche Usergruppe gebildet und es gab viel Publicity im Web: Mit ein paar Klicks können Texte und Dokumente hochgeladen, anschließend über den Scribd-Reader gelesen und auf externen Webseiten eingebettet werden. Nach Scribd-Angaben wurden bislang ca. 10 Mio. Dokumente hochgeladen, das populärste Dokument zählt immerhin über 2 Mio. aufrufe (ein Data-Sheet vom USaid) und auch die diversen Communities auf Scribd weisen recht beeindruckende Zahlen auf. Zur Verbreitung (zumindest englischsprachiger) Dokumente dürfte die Plattform zusammen mit docstoc die erste Wahl sein:

World Population Datasheet 2007

Als Verkaufsplattform für Dokumente ist Scribd hingegen für deutsche Autoren noch nicht interessant: Der Store befindet sich derzeit noch in der Beta-Phase und ist nur in den USA verfügbar. Dort kann der Autor den Preis für den Verkauf – ähnlich wie bei den Self-Publisher-Verlagen – selbst festlegen und nachträglich anpassen. Von den Einnahmen erhält der Uploader einen Anteil von 80%. Hauptaugenmerk liegt bei Scribd jedoch auf eBooks, die er von Partnerverlagen erhält.

An Formaten akzeptiert Scribd die gängigen PDF-, Office- und Text-Dokumente. Ein Upload von Bildern ist nicht möglich, und leider wird auch das ePub-Format derzeit nicht mehr unterstützt. Das scheint vor dem Hintergrund des neu etablierten eBook-Stores etwas unverständlich, kurios wird es dadurch, dass Scribd über eine mobile-optimierte Webseite verfügt, über die jedoch nur “Smartphone-feindliche” Formate wie PDFs heruntergeladen werden können.

Trotz des Verbesserungspotentials: Scribd hat dem Dokumenten-Sharing in den letzten Jahren sicherlich einen großen Schub gegeben und zahlreiche ambitionierte Nacheiferer gefunden.

txtr

Das Startup txtr ist 2008 als einfaches Texterstellungs- und Verwaltungs-Tool angetreten. Die Grundfunktionalität – Texte erstellen resp. kopieren, in Ordnern sammeln und ggf. freizugeben – ist bis heute geblieben, mit einem zeitgemäßen Text-Snipper gab es einen netten Update, insgesamt hat sich die Plattform jedoch zu einem Online-Ebook-Store gewandelt, wobei txtr vor allem mit seinem eigenen Ebook-Reader für Aufmerksamkeit sorgte.

Txtr sticht vor allem durch ein sehr gutes und immer zeitgemäßes Web-Design hervor. Eigene Texte lassen sich hier jedoch nur bedingt verbreiten, sodass die Plattform für Selfpublisher allenfalls als Notizsammler in Frage kommt.

XinXii

XinXii ist eine etablierte, deutschsprachige Plattform, über die sich Dokumente jeder Art verkaufen lassen. Die Überschneidungen mit klassischen Selfpublisher-Verlagen sind groß, zumal auch eBooks mit ISBN und ebenso eMagazine veröffentlicht werden können. Wie bei allen Dokumentenplattformen ist jedoch keine Veröffentlichung von Print-Versionen auf XinXii möglich und die Dokumente werden auch nicht über klassische Vertriebswege wie dem Buchhandel verkauft, sondern nur über den XinXii-Shop, in dem zurzeit etwa 6.500 Dokumente angeboten werden. Bei den meisten Selfpublisher-Titeln dürften die Vertriebswege jedoch ohnehin keine große Rolle spielen: Allenfalls ist die einfache Verfügbarkeit über den Amazon-Account ein Plus (keine erneute Eingabe von Bankdaten, bekannter Anbieter etc.), aber den Verkauf anheizen dürften das nicht.

Auch bei XinXii legen die Autoren den Preis selbst fest, wobei je nach Publikationsart mehr oder weniger Freiheiten bestehen:

  • Bei Publikationen mit ISBN greift die Buchpreisbindung und nachträgliche Änderungen sind nicht mehr möglich;
  • Bei Publikationen ohne ISBN kann der Preis nachträglich geändert werden.

Vom Netto-Verkaufspreis erhalten die Autoren ein Honorar von 70%.

Der Publikationsprozess ist bei XinXii beschrieben und denkbar einfach: Man macht Angaben zu Titel, Untertitel und Inhalt, füllt ein Autorenprofil aus, gibt eine Kategorie an, setzt den Preis fest und lädt schließlich die Datei hoch. Bei den Eingabeformaten zeigt sich XinXii flexibel: Word-, Excel-, Power-Point und PDFs sind erlaubt. Bei den Ausgabeformaten kam Ende 2009 noch das ePub-Format hinzu, das allerdings bislang von den Autoren nicht in Anspruch genommen wurde.

Wie es um die Verkaufsaussichten steht, ist schwer einzuschätzen: Nach eigener Aussage hat XinXii pro Tag mehrere Tausend Besucher. Bei der Bestseller-Liste schwanken die Views zwischen ca. 43.000 (Platz 1, erstaunlich bei dem stolzen Preis von 23,80 Euro) und 460 (Platz 8). Der aktuelle Titel auf Rang 10 weist wieder über 6000 Views aus (alles Stand Jan. 2010). Die Conversation-Rate (Käufer im Verhältnis zu Besuchern) schwankt also stark und über die Verkaufszahlen kann man nur Vermutungen anstellen: Für Platz 8 wären 460 Verkäufe bei einer Conversation-Rate von 1:1 das Maximum, angesichts der ansonsten offensichtlich eher geringen Konversationsraten und einem sehr hochpreisigen Verkaufsschlager sollte man eher von einigen Dutzend Exemplaren bis max. niedrigen dreistelligen Zahlen bei den Bestsellern ausgehen (was für Selfpublisher allerdings schon einen beachtlichen Erfolg darstellt).

XinXii bemüht sich wie kaum eine andere Plattform um eine Präsenz im Social Web: Die Plattform ist von Twitter bis Facebook so ziemlich überall zu finden und animiert auch die Autoren zu einem Engagement im Netz. Damit setzt XinXii sicher auf den für Selfpublisher mit Abstand vielversprechendsten Ansatz. Zudem gibt es Embed-Funktionen, mit denen die Bücher auf externen Seiten beworben werden können (leider ohne Preview-Funktionen, generell kommt das “Eeinschnuppern” etwas zu kurz). Obwohl man allen Selfpublishing-Autoren grundsätzlich Bestseller-Träume ausreden sollte, kann sich für ambitionierte Schreiber die Frage nach der Vertriebsstärke der Plattform und der Verfügbarkeit des Titels stellen.

 


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Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 19. August 2010 veröffentlicht. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

 

Eine Reaktion zu “Plattformen für Bücher und Dokumente”



Werner Leder
schrieb am 11. August 2011 um 15:31 Uhr:

Eine gute Auswahl für Autoren,um Texte und Bücher zu produzieren und zu veröffentlichen.

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