Overblog: Bloggen auf die französische Tour

Overblog ist in Frankreich eine feste Größe in der Bloglandschaft, in Deutschland dagegen der Neuling. Überzeugen will die Blog-Plattform vor allem mit ihrem Werbesystem, bei dem der Blogger mitverdienen kann. Wer daran nicht teilnimmt, betreibt sein Blog kostenlos und werbefrei. Und wer Profi-Ambitionen hat, kann Overblog neuerdings auch ähnlich einer selbstgehosteten Blogsoftware nutzen.

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Seit 2004 gibt es Overblog, etwas mehr als 800.000 Blogs sind nach eigenen Angaben in Frankreich dort zu finden. In Deutschland ist man seit Oktober 2007 präsent. “Wir wollen den Nutzer erreichen, der ganz schnell und ohne Aufwand ein Blog starten will”, erklärt mir Mario Grobholz, Country Manager Deutschland, am Telefon. Dass sie nicht ganz die ersten sind, die diese Zielgruppe ins Auge gefasst haben, ist ihm natürlich klar. Was also sind die Argumente, die für Overblog sprechen im Vergleich mit Angeboten wie Blogger.com, MyBlog oder Blog.de?

Der große Speicherplatz von 4 GB unterscheide sie auf jeden Fall von der Konkurrenz, erklärt Mario Grobholz. “Ideal, um Bilder, Videos und andere Dateien einzubinden”, schwärmt er. Bei anderen sei das oft erst im kostenpflichtigen Produkt drin. Zudem könne man das Layout sehr frei anpassen. Overblog nehme sich als Anbieter auch sehr zurück, so dass es für einen Besucher oftmals gar nicht erkennbar sei, dass der Blogger überhaupt diesen Dienst nutzt. Es gebe ein Newslettermodul, ausführliche Statistiken und vieles mehr.
Mario Grobholz, Country Manager Deutschland bei Overblog
Mario Grobholz, Country Manager Deutschland bei Overblog

Aber das, womit die Franzosen den deutschen Markt eigentlich umkrempeln wollen, ist ihr ungewöhnlicher Umgang mit dem Thema Werbung. Bei anderen Anbietern ist es oftmals so, dass man zwar ein kostenloses Blog bekommt, im Gegenzug aber Werbung darauf akzeptieren muss. Bei Overblog hingegen sind die Blogs sowohl kostenlos als auch werbefrei. Wer möchte, kann Werbung zulassen und verdient als Belohnung dann daran mit.

Um am Werbeprogramm teilzunehmen, muss man allerdings einen gewissen Status erreichen: einen “Blogrank” von 60. Für diese Zahl werden Faktoren wie die Seitenabrufe, die Artikelfrequenz, die Zahl der Kommentare und Verlinkungen, die eigene Aktivität in der Community und einiges mehr zusammengefasst. “In drei, vier Wochen kann man durchaus auf einen Blogrank von 60 kommen”, erklärt Mario Grobholz. Will man dann Werbung im eigenen Blog anzeigen lassen, schließt man mit Overblog einen entsprechenden Vertrag. Die Beteiligung an den Einnahmen richtet sich dabei nach dem Blogrank. Mit 60 bekommt man 60 Prozent, mit 70 entsprechend 70 Prozent usw. Abgerechnet wird die Werbung generell über die Zahl der Seitenabrufe und nicht per Klick aufs Werbemittel. Welche Werbeform wo im Layout steht, bestimmt man dabei weitgehend selbst.

In Frankreich seien es rund 15.000 Blogs, die bei diesem Werbesystem mitmachten. Die Einnahmen seien natürlich sehr unterschiedlich. “Eine handvoll” verdiene vierstellige Beträge im Monat.
Screenshot Overblog Deutschland
Overblog wirbt vor allem mit dem möglichen Geldverdienst

Mit welchen Blogs man besonders erfolgreich wird, ist dabei gar nicht so einfach zu definieren. Ein Vielverdiener ist beispielsweise Gigistudio, mit einem regelmäßigen Videojournal. Ein anderes Beispiel ist diese Seite einer 40-jährigen Französin, die jeden Tag ein Foto eines Kinderspielzeugs veröffentlicht – und damit eine vierstellige Summe im Monat verdient. “Wenn die beiden etwas gemeinsam haben, dann vielleicht, dass beide Blogs mit viel Leidenschaft und Eigenmotiviation betrieben werden”, sagt Mario Grobholz. Beide schafften es, Menschenmassen auf ihrem Blog zu vereinen – wenn auch höchst unterschiedliche.

Und auch wer noch mehr mit seinem Blog anstellen will, soll bei Overblog bleiben können – oder als Neublogger hinzukommen. Ein neues, kostenpflichtiges Premium-Paket kostet für sechs Monate rund 30 Euro, für ein Jahr 50 Euro. Darin enthalten sind neben allen Features der Basisversion eine eigene Domain und 30 GB Speicherplatz.

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11 Gedanken zu „Overblog: Bloggen auf die französische Tour

  1. Einen ähnlichen Dienst gibt es in Deutschland seit langem. Wir sind dort mit mehreren Seiten zu großer Zufriedenheit seit 2002 gehostet. Serverausfälle tendieren gegen Null. Service per Ticket ist ausgezeichnet 24/7. Reaktionszeit meist unter zehn Minuten. Wir benötigen den Service aber extrem selten, da auch die Wartung excellent ist.

    Weil wir werbefrei sein wollen, genießen wir alle Vorteile und 5 GB Speicher für € 6,66 pro Monat (die ersten drei Monate frei).

    Wer Werbung toleriert und/ oder auf andere Weise partizipert, kommt kostenlos oder mit Verdienst heraus.

    Aber auch für kleine, private Seiten gibt es Angebote, die sich sehen lassen können, da kostet ein Blog Web/ Foto Web € 0,33 pro Monat. Nicht zu verachten ist auch, daß eine Firstlevel- Domain “.de” z.B. nur € 4,65 im Jahr kostet. Auch hier hat man die Möglichkeit, durch Werbung zuzuverdienen.

    Einziger Nachteil: das Angebot ist nicht “französisch” ;-)

  2. Sagen wir mal so, die “emulieren” eine Community. Man kann zwischen verschiedenen Blogsoftwares wählen (oder eigene verwenden, wie wir z.B. mit Drupal). Man kann je nach eigenen Fähigkeiten, nur Space mieten, oder mit FTP und MySQL selbst herumspielen, oder einen eigenen Server mieten. Es ist kein Portal im eigentlichen Sinn, das ist richtig.

  3. Eine Plattform, die tatsächlich vergleichbar und kostenlos ist, liegt nach meiner Meinung bei Iname vor.
    Dort benötigt man ebenfalls nur eine kostenlose Registrierung und es geht alles ohne Programmierkenntnisse. Auch gibt es einige Zusatzfunktionen, so kann man z.B. Beiträge (sogar mit Bild) per E-Mail an den eigenen Blog senden und selbst mehrere Blogs anlegen.

  4. Vielen Dank für Eure Ergänzungen. iName würde mir als Nutzer von der Optik her nicht so zusagen, aber da gehen die Geschmäcker ja immer weit, weit auseinander. Zudem kann ich nicht beurteilen, welche Funktionen dort geboten werden.

    Es gibt auf jeden Fall eine Menge Blogplattformen neben Overblog- auch französische ;-)

  5. Alles mehr oder weniger schön und gut; warum bei overblog die Trackbacks/Pingbacks nicht funktionieren – das ist und bleibt ein Rätsel und Nachteil.

  6. Ja. Von irgendwas müssen die Leute ja auch ihre Miete bezahlen ;-) Steht aber oben im Text: Der Blogger verdient mindestens 60 Prozent, also bekommt Overblog maximal 40 Prozent.

  7. Also ich bin jetzt die 4.Woche bei Overblog und sehr zufrieden. Einzig der Support lässt zu wünschen übrig. Ich hoffe, dass bessert sich noch.

  8. Gute Sache mit dem kostenlosen und werbefreien Blog, obwohl ich ja nicht glauube, dass man dazu ein Unternehmen aus Frankreich braucht.
    Ich werd es in den nächsten Wochen mal ausprobieren und dann mal schauen wie es so ist. Gespannt bin ich auf jeden Fall.

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