“Welt”-Chefredakteur legt Blogger an die Leine

Offenbar überraschend musste Christoph Keese, Chefredakteur der Tageszeitung “Die Welt”, feststellen, dass Blogs keine journalistischen Erzeugnisse in anderer Verpackung sind. Zumindest in seinem Herrschaftsbereich werden sie nun an die Leine gelegt. Hintergrund: “Welt”-Kommentarchef Alan Posener hatte in einem Blog-Beitrag den Chefredakteur der “Bild”, Kai Diekmann, angegriffen. Christoph Keese hatte diesen Beitrag entfernen lassen und jetzt sollen alle Beiträge zunächst “gegengelesen” werden. Der ursprüngliche Sinn des neuen Blogbereichs “Welt Debatte” auf der Website der Tageszeitung ist damit nun weg. Christoph Keese wird es nicht stören. Nach seiner Meinung entsteht professioneller Journalismus generell erst durch die Kombination von Schreiben und Redigieren, am besten in einem mehrstufigen Verfahren. Blogs seien allenfalls “private Tagebücher”, erklärte er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Gefunden bei: DWDL.de

Jetzt neu: „Kanban – Die schnelle Einführung“

Kanban – Die schnelle Einführung
(Coverfoto: © fizkes, depositphotos.com)

Mehr über die Inhalte erfahren ...

 

3 Gedanken zu „“Welt”-Chefredakteur legt Blogger an die Leine

  1. Alan Posener, dessen Vorbehalte gegenüber der Bildzeitung ich vollkommen teile, verwechselt jedoch Ursache und Wirkung im konkreten Fall und übersieht, dass gerade eine liberale und pluralistische Gesellschaft die Bildzeitung mit ihren “Wichsvorlagen” aushalten muss. Denn die Bildzeitung liefert “nur” das, was Millionen von Deutschen gerne haben wollen und was diese sich sonst in anderen Medien und aus dem Internet holen. Insofern wird die Bildzeitung von dem Geschmack eines nicht kleinen Teils der Bevölkerung produziert.

  2. Hallo Stephan, Du kannst Bedürfnisse aber auch künstlich erzeugen. Nur auf diese Weise funktioniert ja unser heutiges Gesellschaftssystem. Insofern sind Ursache und Wirkung hier nicht so leicht auszumachen.

    Davon abgesehen: Deine These würde bedeuten, dass man die Bild-Redakteure von aller Veranwortung für ihr Tun freisprechen kann, weil sie ja nur liefern, was die Leser wollen. Als Journalist habe ich allerdings auch Pflichten. Dass die “Bild” trotz sinkender Auflage noch immer erfolgreich ist, stimmt natürlich. Aber Erfolg ist kein Freibrief und kein Persil-Schein.

    Aber eigentlich ging es hier gerade noch um etwas anderes: Dass die “Welt” erst mit großem Tamtam Weblogs einführt, beim ersten Problem in Panik gerät und sie praktisch fallen lässt. Schlimm auch, wie der Chefredakteur von einem idealisierten Journalismus träumt, den es in der Wirklichkeit kaum noch gibt. Welche Zeitung wurde doch gleich mit der Berliner Morgenpost zusammengelegt?

    Im Weblog der Axel-Springer-Akademie hatte ich einmal eine ähnliche Diskussion:
    http://www.axel-springer-akademie.de/blog/index.php/2007/03/06/journalismus-statt-dampfplauderei/

    Mich nervt es wirklich kolossal, wie manche Journalistenkollegen mit Zerrbildern von Weblogs versuchen, von ihrer eigenen Unzulänglichkeit abzulenken. Aber sollen sie nur machen. Je später der Axel-Springer-Verlag mitbekommt, was hier wirklich abläuft, desto besser für die vielen kleinen Projekte, die mit sehr viel Herzblut und Engagement die neuen Möglichkeiten des Internets für sich zu nutzen wissen.

    Horst: Danke für den Link. Wieder einmal ein wunderbarer Text von Don Alphonso.

Kommentare sind geschlossen.