Mark Zuckerberg (Facebook): Mundpropaganda statt Journalismus

“In den vergangenen 100 Jahren haben Magazine und Zeitungen Informationen für eine allgemeine Leserschaft ausgesucht und aufbereitet. Ich las Nachrichten, von denen irgendwelche Journalisten dachten, dass sie für mich von Interesse sein könnten. Dank neuer Plattformen wie Facebook kann heute jeder diese Filterfunktionen übernehmen. Und ich vertraue einem Freund, der mich auf ein Thema, eine Geschichte, einen Film hinweist, schlichtweg mehr als einem Journalisten, dessen Namen ich nicht einmal kenne”. Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, im Interview mit Vanity Fair (43/07).

Lesetipp: Dossier Content für Marketing und Kommunikation

(Cover-Illustration: © enotmaks, depositphotos.com)

Mehr über die Inhalte erfahren...

 

5 Gedanken zu „Mark Zuckerberg (Facebook): Mundpropaganda statt Journalismus

  1. Und wer produziert vorher die Geschichte oder den Film (und filtert dabei fleißig Informationen)? Richtig, die elende Journallie.

    Warum habe ich eigentlich das Memo nicht bekommen, in dem der Krieg zwischen Web20ern und Journalisten formal erklärt wird?

  2. Dieses Argument, dass Blogs und andere Web-2.0-Medien sich angeblich nur auf Berichte von “echten” Journalisten beziehen und ohne sie nicht denkbar wären, wird gern wiederholt, bleibt dabei aber falsch. In Wirklichkeit finden die meisten Themen, die von Blogs & Co. bedient werden, in diesen alten Medien überhaupt nicht oder nur minimal statt. Deshalb werden Blogger und Journalisten auch irgendwann feststellen, dass diese ganzen Hahnenkämpfe totaler Unsinn sind.

    Auf solche Bemerkungen wie die von Mark Zuckerberg sollte man allerdings schon achten und überlegen, wie man darauf reagieren könnte als Journalist.

  3. Ich kann dir gerade nicht folgen. Die Vanity Fair lese ich nicht, daher bin ich auf diesen Post hier angewiesen. Und da geht es doch nur um die Gatekeeper-Funktion (Filterfunktionen), oder?

    Wenn mich nun irgendein Freund auf einen Link hinweist, hinter dem ein Inhalt steht, den NICHT jemand mir bekanntes geschrieben hat, bin ich doch wieder genau so weit wie vorher, denn der erste Filter ist immer noch der Verfasser. Und der kann immer Blödsinn geschrieben haben, egal ob es um den Irak-Krieg oder Katzenbilder geht.

  4. Ja, na klar kann der Blödsinn geschrieben haben. Es geht aber erstmal darum, ob ich überhaupt ernst nehme, dass mich jemand auf dieses Thema hinweist.

    Einen Freund kann ich da besser einschätzen als einen Journalisten. Um das Beispiel “Film” von Mark Zuckerberg aufzugreifen: Kinotipps bekomme ich von sehr verschiedenen Leuten. Und da ich ihren Geschmack ein wenig kenne, kann ich den jeweiligen Tipp einordnen. Und ich kann davon ausgehen, dass sie den Film wirklich gesehen haben. Bei meiner Lokalzeitung bin ich mir nichtmal sicher, ob der Journalist nicht einfach anhand einer Pressemitteilung und der Bewertung in der Cinema irgendwas zusammengeschrieben hat, ohne im Kino gewesen zu sein. Oder ob er eine Agenturmeldung passend gekürzt hat, deren Autor sie aus einer Pressemitteilung und der Bewertung der Cinema zusammengeschrieben hatte.

    Was ich davon glaube und was nicht, ist dabei letztlich mir und meiner Medienkompetenz überlassen. Klar. Nur wird es gern so dargestellt, als wären Journalisten die alleinigen Gatekeeper. Das hat schon früher nicht so gestimmt und stimmt durch die Möglichkeiten des Internets immer weniger.

    Was ich persönlich lese und erfahre, wird nur noch zu einem sehr kleinen Teil durch Journalisten bestimmt. Blogs wie das Designtagebuch oder die diversen Lawblogs kommen zum Beispiel vollkommen ohne Journalisten aus – weil sie sich in der Thematik wesentlich besser auskennen und die Zielgruppe zu klein ist, als dass darüber klassische Medien in dieser Breite überhaupt berichten würden. Und von diesen “long tail”-Nischenthemen könnte man noch hunderte aufzählen.

  5. Die Kriegserklärung gibts nicht und die wird auch nicht kommen. Mundpropaganda und Journalismus sind zwei paar Stiefel, die auch gut nebeneinander Existieren können. Fraglich ist nur, ob der Journalismus in seiner institutionalisierten Form überlebt (also als Verlagsmodell) oder ob das nicht auch über Web 2.0 Plattformen laufen kann. In 5 Jahren macht Print in den USA nur noch 5% im Marketing Mix aus. Da wird sich viel papier einfach nicht mehr halten können. Und dann gibt keinen Krieg zwischen Journalismus und Web 2.0 sondern Journalismus IM Web 2.0

Kommentare sind geschlossen.