Das richtige Shopsystem finden

Shop-Systeme gibt es wie Sand am Meer. Die Spannweite reicht dabei vom kostenlosen „SUPR Shop“, Kauf- und Mietshops, wie den „1&1-eShop“ oder „JTL-Shop3“ als Lösung von der Stange, über individuell anpassbare Open-Source-Shops (Magento, OXID eShop, Shopware und andere) bis hin zu komplexen Fullservice-E-Commerce-Lösungen mit einem siebenstelligen Investitionsvolumen. Dass die letztgenannte Variante allein wegen der initialen Kosten für Ihr E-Commerce-Projekt nicht in Frage kommt, ist unbestritten. Die beiden anderen Lösungen (Miet-/ Kaufshops beziehungsweise Open-Source-Systeme) nehmen wir hier dagegen etwas genauer unter die Lupe.

Symbolfoto Auswahl
(Foto: © ra2 studio – Fotolia.com)

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus dem Buch „Praxiswissen E-Commerce“ aus dem O’Reilly-Verlag. Weitere Informationen dazu am Ende des Beitrags.

Der Abschnitt zu Magento wurde im September 2017 aktualisiert.

Kauf- und Mietshops

Die Auswahl an Anbietern von Shop-Systemen ist nahezu unbegrenzt und wechselt täglich. Genauso vielfältig wie die Auswahl ist auch die Liste der Pro- und Contra-Argumente, die für oder gegen einen E-Commerce-Einstieg mit einer gemieteten oder gekauften Software-Lösung sprechen.

Ähnlich wie bei der Diskussion über Automarken stellt sich aber nicht die Frage, ob Sie damit Ihre Produkte im Internet verkaufen können (oder mit dem Auto von A nach B kommen), sondern ob die Lösung Ihre aktuellen Erfordernisse erfüllen kann und ob die Software in der Lage ist, mit Ihnen zu wachsen.

Miet-Lösungen wie der deutsche Shopify-Nachbau SUPR, der als SaaS-Lösung (Software-as-a-Service) daherkommt, bieten einen guten Einstieg.

Supr
Screenshot www.supr.com

Die Shop-Software wird dabei auf bestehenden Webservern vom Anbieter gehostet, das heißt, im Internet zugänglich gemacht und auch technisch verwaltet und weiterentwickelt. Als Shop-Betreiber eröffnen Sie mit wenigen Mausklicks einen eigenen Online-Shop und können alle Funktionen nutzen. Das Shop-Layout passen Sie online mittels der bereitgestellten Grafikvorlagen (Templates) an.

Letztlich müssen Sie nur noch die Eckdaten wie Versandkosten oder Zahlungsarten festlegen und die Produktdaten eintragen, um loslegen zu können.

Kauf-Software, zum Beispiel JTL-Shop3, wird als Software-Paket zur Verfügung gestellt oder auf Datenträger an Sie ausgeliefert. Die Installation der Software auf einem Webserver, der den fertigen Online-Shop im Internet bereitstellt, muss durch Sie oder Ihre Agentur erfolgen.

Übersicht Kauf- und Mietshops

Die Liste der verfügbaren Shopanbieter ist nahezu unbegrenzt. Einige der am weitesten verbreiteten Lösungen auf dem deutschen Markt finden Sie – alphabetisch sortiert – in der folgenden Liste. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und enthält auch keinerlei Wertung. Auf Basis der unten genannten Kriterien sollten Sie sich einen Überblick über die Funktionalitäten und Preise der einzelnen Systeme verschaffen.

Vorteile von Kauf- und Mietshops

Die Vorteile einer gekauften oder gemieteten Lösung liegen eigentlich auf der Hand: Sie erhalten ein fertiges Shop-System, das Sie in der Regel umgehend einsetzen können.

Gerade die Mietshops sind bereits auf Webservern vorinstalliert. Sie wählen das richtige Shop-Modell aus, das sich oft an der Anzahl der Artikel im Online-Shop und einzelnen Features bemisst, geben Ihre Geschäfts- und Kontaktdaten ein, wählen eine Internetadresse (Domain) aus, unter der der Shop im Internet zu erreichen ist, und können loslegen.

Während des laufenden Shopbetriebs kümmert sich der Software-Anbieter bei den meisten Angeboten um die Wartung des Webservers und um die Weiterentwicklung des Shop-Systems.

Einige Anbieter verfügen über offene Schnittstellen zur eigenen Shop-Software, die es anderen Software-Entwicklern ermöglicht, eigene Erweiterungen für das Shop-System anzubieten.

In den Feature-Listen einiger Systeme wird auch vom „rechtssicheren Online-Shop“ gesprochen, der für den Online-Handel auf dem deutschen Markt vorbereitet ist (sein soll).

Auf den ersten Blick klingt das sehr logisch und einfach umzusetzen. Der Einstieg in den Online-Handel ist sehr schnell realisiert, und Sie können direkt loslegen und erste Erfahrungen sammeln.

Spätestens nach der Lektüre unseres Buches „Praxiswissen E-Commerce“, in dem wir die vielfältigen Möglichkeiten des Online-Handels in Kombination mit dem Online-Marketing aufzeigen, werden Sie aber feststellen, dass Sie mit einer Kauf- oder Mietlösung sehr schnell (zu schnell) an Ihre Grenzen stoßen.

Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Wenn Sie Artikel wie diesen nicht verpassen wollen, bestellen Sie unseren wöchentlichen Newsletter. Wir haben jede Woche einen neuen, ausführlichen und nützlichen Beitrag für Sie, geschrieben von Fachjournalisten und Experten. Themen: E-Business, Online-Marketing, Social Media und mehr. Mit uns bleiben Sie auf dem Laufenden und lernen jedes Mal etwas Neues hinzu. Fast 1.900 Empfänger nutzen bereits diesen kostenlosen Service!

Weitere Informationen zu den Inhalten und zum Datenschutz finden Sie auf dieser Seite.

Grenzen von Kauf- und Mietshops

Die Vorteile der Mietshop-Lösungen können problemlos als Nachteile ausgelegt werden. Es ist lediglich eine Frage des Betrachtungswinkels.

Zwar warten die meisten Shop-Systeme mit einer Reihe von Funktionalitäten auf. Sie sind als Nutzer des Shops aber auch genau an diese Funktionen gebunden.

Ist im Mietshop zum Beispiel die Nutzung von PayPal und Kreditkartenzahlung als Zahlungsarten möglich, aber keine Sofortüberweisung/Giropay oder der Kauf auf Rechnung, so müssen Sie zunächst einmal davon ausgehen, dass dies in Zukunft auch nicht möglich sein wird oder zumindest nicht in absehbarer Zeit vom Anbieter umgesetzt wird.

Gleiches gilt natürlich für individuelle Anpassungen am Layout, die über die Änderung von Farben oder den Austausch des Logos hinausgehen, die Anbindung von Warenwirtschaftssystemen und Versandhandels-Software oder der gleichzeitige Verkauf auf anderen Marktplätzen wie Amazon oder eBay.

Und auch die „Rechtssicherheit“ des Online-Shops darf in Frage gestellt werden. Im Paket ist natürlich nicht die Erstellung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder individuellen Widerrufsbelehrungen enthalten. Ein Blick auf mit SUPR.com erstellte Online-Shops offenbart schon auf der Einstiegsseite der Shops einen möglichen Verstoß gegen die Preisangabenverordnung.

Bei sich ändernden Gesetzeslagen oder bei generellen Problemen mit der Software sind Sie bei Nutzung einer Miet-/Kauf-Lösung immer auf die Arbeit und den guten Willen des Software-Anbieters angewiesen. Ist er nicht bereit, eine Lösung umzusetzen, weil sie ihm nicht wirtschaftlich erscheint oder weil er seine zeitlichen Prioritäten bei der Abarbeitung der Wünsche aller Nutzer des Shop-Systems anders gesetzt hat, müssen Sie zwangsläufig warten oder sich – im schlimmsten Fall – nach einem anderen Anbieter umsehen.

Vergessen Sie nicht: Trotz der Nutzung einer Miet- oder Kauf-Software müssen letztlich allein Sie als Betreiber des Online-Shops für alle relevanten Funktionen und die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben geradestehen und können gegebenenfalls auch dafür haftbar gemacht werden. Eine schnelle Anpassungsfähigkeit Ihres Shop-Systems hinsichtlich Design und Funktionalitäten ist daher nicht nur zur Verbesserung der Umsätze oder der Conversionrates sinnvoll, sondern manchmal auch aus rechtlicher Sicht kurzfristig notwendig.

Zu „guter“ Letzt: Es besteht immer die Gefahr, dass ein Anbieter aufgibt und den Betrieb seiner Lösung einstellt. Sie müssen in diesem Fall sehr schnell und flexibel eine andere Lösung suchen und Ihren kompletten Online-Shop auf ein anderes System migrieren, um einen temporären Ausfall Ihrer Internetpräsenz zu vermeiden.

Wenn Sie die Nutzung einer Miet-/Kauf-Lösung dennoch in Erwägung ziehen, sollten Sie in jedem Fall überprüfen, ob das Shop-System alle von Ihnen gewünschten Optionen und Möglichkeiten in den folgenden Kategorien erfüllt:

  • Zahlungsarten
  • Versanddienstleister
  • Anbindung von Warenwirtschaft oder Versandhandels-Software
  • Anbindung an die Buchhaltung
  • Anbindung an externe Marktplätze
  • Import/Export von Bestelldaten
  • Freie Integration von externen Marketingtools
  • Freie Integration von Controlling-Diensten
  • Möglichkeit zur Zertifizierung (beispielsweise Trusted Shops)
  • Funktionen zur Suchmaschinenoptimierung
  • Social-Media-Integration
  • Individualisierbarkeit des Designs, die über die Farbanpassungen der Layout-Vorlagen hinausgehen
  • Individualisierbarkeit von Produktdetailseiten
  • Erstellung einer individuellen Navigation
  • Erweiterung der Suchfunktion
  • Rabatte und Gutschein-Aktionen
  • Varianten und Attribute von Artikeln
  • Steuerliche Vorgaben (0%/7%/19% Mehrwertsteuer), Export
  • Shop-Internationalisierung

Pro oder contra Miet-/Kauf-Shops?

Allein die Möglichkeit, umgehend mit dem Start des Online-Shops (mit wortwörtlich „wenigen Klicks“) loslegen zu können, spricht für Anbieter wie SEOshops, SUPR oder STRATO.

Gegen diese Lösungen spricht vor allem die mangelnde Flexibilität der Software bei der Umsetzung Ihrer geplanten E-Commerce-Strategie.

Den meisten Miet-/Kauf-Shops wird es schwerfallen, mit dem Erfolg Ihres Online-Shops und den gestiegenen Anforderungen mitzuwachsen (mangelnde Skalierbarkeit). Möchten Sie Funktionalitäten in Ihren Shop integrieren, die von Haus aus nicht in der Software vorgesehen sind, werden Sie den Anbieter der Software nur schwerlich davon überzeugen können, diese Funktionalitäten zu integrieren.

Und letztlich sind Sie immer dem Risiko ausgesetzt, vom (wirtschaftlichen) Erfolg des Software-Anbieters abhängig zu sein. Scheitert sein Business-Konzept, müssen Sie sich auf die Suche nach einem neuen Anbieter machen. Die Tendenz geht daher eindeutig in Richtung „contra“ bei Kauf- und Mietshop-Lösungen.

Stattdessen empfehlen wir die Entwicklung Ihres Online-Shops auf Basis einer der Open-Source-Lösungen, die wir Ihnen im folgenden Abschnitt vorstellen.

Open-Source-Online-Shops

Unter Open-Source-Software versteht man quelloffene Software. Im Vergleich zu proprietärer Software, zu der zum Beispiel Windows-Betriebssysteme oder das Office Paket aus dem Hause Microsoft gehören, ist der Quellcode der Software für jeden einseh- und auch veränderbar.

Die Software ist frei erhältlich und wird oft von einer unabhängigen Entwicklergemeinde weiterentwickelt. Hintergrund des Engagements ist häufig die Begeisterung für ein gutes neues System, der Wunsch, sich selbst aktiv an seiner Entwicklung zu beteiligen, oder die Entwicklung erforderlicher Module und Funktionen für den eigenen Auftraggeber (den Online-Shop-Betreiber).

Neben bekannten Vertretern von Open-Source-Software, wie den Betriebssystemen Linux und Android oder dem Webbrowser Firefox, haben sich auch im Bereich der Online-Shops mehrere Open-Source-Projekte etabliert, die einen guten Einstieg in den E-Commerce ermöglichen. Zu den Systemen mit der weitesten Verbreitung gehören:

  • Magento
  • OXID eShop
  • Shopware
  • PrestaShop
  • osCommerce
  • Zen Cart
  • OpenCart
  • TomatoCart

Die Marktanteile der Shop-Systeme lassen sich nicht genau erfassen, da die Software von jedermann kostenlos heruntergeladen und installiert werden kann. So ist es insbesondere auch nicht möglich, zu erfassen, wie viele Shops tatsächlich aktiv betrieben werden und wie viele ungenutzt in den Weiten des Internets herumlungern.

Die ersten drei Systeme der Auflistung dürften auf jeweils mehrere zehntausend aktive Installationen/Online-Shops kommen und damit den größten Marktanteil (zumindest in der deutschen E-Commerce-Landschaft) für sich verbuchen.

Im diesem Kapitel gehen wir deshalb auf die Systeme Magento, OXID eShop und Shopware genauer ein.

Die Open-Source-Shop-Systeme zeichnen sich insbesondere durch ihre große Funktionsvielfalt aus. Was von Haus aus nicht im Shop-System als Funktion vorhanden ist, wird meist binnen kürzester Zeit durch die Entwicklergemeinde programmiert und teilweise als kostenlose, teils auch kostenpflichtige Ergänzung zum Shop-System angeboten.

Übersicht Open-Source-Shop-Systeme

Bei Magento, OXID eShop und Shopware handelt es sich um drei Systeme, die von Haus aus eigentlich alle Grundanforderungen erfüllen, die Sie für die Umsetzung Ihres E-Commerce-Projektes benötigen. Dem erfahrenen (oder zertifizierten) Entwickler bieten sie durch die Offenheit des Quellcodes viele Möglichkeiten, eigene Anpassungen vorzunehmen, die speziell in Ihrem Online-Shop erforderlich sind.

Magento

Ludwig Beck
Beispiel Magento: www.ludwigbeck.de

Magento, erstmals im Jahr 2008 als Open-Source-Lösung veröffentlicht, gehört mittlerweile zu den meistverwendeten E-Commerce-Systemen der Welt. Aufgrund des Open-Source-Ansatzes gibt es weltweit über 200.000 Magento-Entwickler und mehr als 260.000 aktive Shops auf Magento-Basis. Die Onlineshops haben zusammen über 50 Millionen Kunden und machen 100 Milliarden US-Dollar Umsatz. Magento Inc., die Firma hinter Magento, setzte sich ehrgeizige Ziele: Bis zum Jahr 2020 soll es 500.000 Entwickler, 98 Millionen Shop-User und 224 Milliarden Dollar Umsatz geben.

Das klingt hochgestochen, doch Magento erfreut sich aktuell größter Beliebtheit und befindet sich auf der „Überholspur“ – das sagen die Analysten von Gartner. In ihrem „Magic Quadrant for Digital Commerce“ stieg Magento Anfang 2017 in den Quadranten „Leader“ auf. Damit spielt das Onlineshop-System in der Spitzenklasse der Handelsplattformen mit, wozu unter anderem Intershop, IBM Websphere und SAP Hybris gehören. Auch in Deutschland sieht es für Magento sehr gut aus: Laut einer Erhebung von iBusiness ist Magento das meistinstallierte Shopsystem der Top-1.000-Händler

Seinen Ursprung hat das System in den USA, was ihm den Einstieg in den deutschen Markt zunächst schwermachte, da einzelne Funktionen nicht auf den deutschen Markt ausgelegt waren. Heute gibt es eine Reihe von Erweiterungen und Language-Packs, die exakt auf den deutschen Onlinemarkt abgestimmt wurden. Bei Magento 2 handelt es sich um ein komplett neues System, das besonders durch eine hohe Performance und raffinierte Lösungen punktet. Zum Beispiel sorgt die Multilayered Architecture, also die klare Trennung zwischen Geschäftslogik und von Präsentationsschicht, der Einführung von Dependency Injections sowie der Trennung zwischen Modulen und Core für eine ideale Basis, um komplexe E-Commerce-Projekte umsetzen zu können.

Mit Magento 2 laden die einzelnen Bestandteile von Onlineshops deutlich schneller als mit Magento 1. (Bild: netz98)

Magento ist zwar als Open-Source-Produkt bekannt, doch Magento Inc. setzt verstärkt auf den Vertrieb seiner kostenpflichtigen Fassung, die als Magento Commerce bekannt ist.

Mit Magento können nicht nur reine Onlineshops im B2C-Bereich, sondern auch digitale Vertriebsplattformen im B2B-Business umgesetzt werden. Zu den bekannten Referenzen auf dem deutschen Markt, die mit Magento umgesetzt wurden, zählen beispielsweise die folgenden Onlineshops:

 

OXID eShop

Edeka24
Beispiel OXID eShop: www.edeka24.de

Die Freiburger OXID eSales AG gab ihren Quellcode ebenfalls 2008 das erste Mal für die Entwicklergemeinde als Open-Source-Software frei und öffnete sich damit dem Markt.

Als in Deutschland entwickeltes System wurde von Beginn an konsequent auf die Bedürfnisse des deutschen E-Commerce-Marktes hingearbeitet.

Im Vergleich zu Magento sind die Verbreitung und auch die Entwicklergemeinde des OXID-Systems aufgrund der Ausrichtung auf den deutschen Markt verhältnismäßig klein. Wegen eines anderen (einfacheren) Programmieransatzes und der deutschsprachigen Entwicklergemeinde hat das System aber schnell seine Fans gefunden und ist im deutschsprachigen Raum sehr weit verbreitet.

Zu den bekannten Shops, die mit OXID eShop umgesetzt wurden, zählen beispielsweise die folgenden Online-Shops:

Weitere Beispiele sind auf der Webseite des Herstellers aufgelistet…

Shopware

Fortuna Fanshop
Beispiel Shopware: shop.fortuna-duesseldorf.de

Im Jahr 2010 wurde die Open-Source-Version der Shop-Software Shopware zum ersten Mal vorgestellt. Wie auch OXID eShop wurde Shopware für den deutschen Markt entwickelt und hatte daher einen einfachen Einstieg in den E-Commerce-Markt im deutschsprachigen Raum.

Gerade in den letzten Jahren wurde viel für die externe Entwicklungs-Community unternommen, so dass Shopware heute über eine Vielzahl registrierter Partneragenturen und viele externe Modulentwickler verfügt.

Im Allgemeinen wird Shopware als das etwas modernere Open-Source-Shop-System (vor OXID eShop und Magento) angesehen, wobei dies in erster Linie aber dem besseren Marketing zu verdanken ist.

Zu Shopware gibt es in dieser Ausgabe des UPLOAD Magazins einen eigenen, ausführlichen Beitrag.

Bekannte Shops, die mit Shopware umgesetzt wurden:

Weitere Beispiele sind auf der Webseite des Herstellers aufgelistet…

Vorteile von Open-Source-Shop-Systemen

Flexibilität, Erweiterbarkeit, Zukunftsfähigkeit. Durch den offenen Quellcode und die damit einhergehende Möglichkeit (als versierter Programmierer) jederzeit Änderungen am Online-Shop vornehmen zu können, kommt man in ernstzunehmenden E-Commerce-Projekten eigentlich nicht an Open-Source-Lösungen vorbei.

Zahlreiche kleine und (sehr) große Online-Shops setzen Magento, OXID eShop, Shopware und andere quelloffene Systeme ein, weil die Starrheit geschlossener Lösungen schlicht und einfach keine Alternative für ein E-Commerce-Projekte darstellt, das alle Möglichkeiten und auch alle Erfordernisse für einen erfolgreichen Online-Shop ausspielen soll.

Unterstützung wichtiger Funktionen. Wie bei der Auswahl des richtigen Autos kommt es auch bei der Wahl des Online-Shop-Systems auf die Menge und Verfügbarkeit relevanter Funktionen an. Zusammenfassend kann man sagen, dass keines der hier genannten Shop-Systeme eine relevante Funktion, die für die meistens Online-Shops gebraucht wird, vermissen lässt. Ganz im Gegenteil: Häufig bieten die Systeme Funktionen an, die über den eigentlichen Bedarf an Funktionen, die ein Online-Shop mit sich bringen muss, weit hinausgehen.

So ist es zum Beispiel nicht nötig oder gar sinnvoll, das Marketing-Instrument Newsletter über die Shop-Software abzuwickeln. Die Shop-Systeme verfügen aber meist schon über entsprechende Funktionalitäten, die Sie nutzen könnten. Stattdessen stehen hierfür aber viel hilfreichere Tools von spezialisierten Anbietern zur Verfügung, die Sie nutzen sollten.

Steht eine gewünschte Funktionalität einmal nicht von Haus aus zur Verfügung, lohnt sich ein Blick auf die Erweiterungsmodule externer Anbieter.

Erweiterungsmodule. Gerade die stetig wachsenden Entwickler-Communities der Open-Source-Systeme sichert eine starke funktionelle Erweiterung der Software. Sowohl freie Entwickler als auch Anbieter externer Software und Dienstleistungen vergrößern das zur Verfügung stehende Angebot stark, da es im Gegensatz zu Kauf-/Miet-Software jedem Benutzer oder Programmierer freisteht, eigene Erweiterungen für die Open-Source-Software zu programmieren und auf dem Markt anzubieten.

Sollten Sie also einmal eine Funktionalität in der Liste der offiziellen Shop-Funktionen vermissen, die Sie unbedingt benötigen, hilft häufig ein Blick in die Erweiterungsliste.

Die drei Platzhirsche auf dem deutschen Markt bieten extra entsprechende „Marktplätze“ an, auf denen kostenfreie und kostenpflichtige Erweiterungsmodule anderer Anbieter inseriert werden können.

Sie finden sie unter:

Die Erweiterungen unterscheiden sich unter anderem darin, ob sie kostenlos oder kostenpflichtig sind beziehungsweise ob sie vom Anbieter des Shop-Systems zertifiziert wurden.

Shopware-Community-Store
Shopware-Community-Store

Zertifizierte Module sind vom Hersteller unter anderem auf die Codequalität und Funktionalität (tut das Modul auch wirklich das, was es vorgibt?) geprüft und sind dadurch quasi mit einem Gütesiegel versehen.

Erweiterungen gibt es zum Beispiel in den folgenden Kategorien:

  • Templates
  • Administration des Shop-Systems
  • Auswertungen
  • Bezahlung
  • Internationalisierung des Online-Shops
  • Werbung und Marketing
  • Import und Export von Daten aus dem Shop-System
  • Sonstiges

Zukunftsfähigkeit. Hinter unseren drei Anbietern Magento, OXID eShop und Shopware steht jeweils eine Firma mit einem wirtschaftlichen Zweck. Es ist also – gerade bei Magento, das inzwischen zum Weltkonzern eBay gehört – nicht davon auszugehen, dass die Unterstützung für die jeweilige Open-Source-Software kurz- oder mittelfristig eingestellt wird.

Ganz im Gegenteil: Die Verbreitung der eigenen Open-Source-Lösung stellt für die Anbieter – obwohl sie kostenlos erhältlich ist – ein wichtiges Standbein für den eigenen wirtschaftlichen Erfolg dar. Denn gerade erfolgreiche Shops aus dem Open-Source-Bereich können das Interesse für die großen (und kostenpflichtigen) Enterprise-Versionen wecken.

Enterprise-Versionen der Online-Shop-Systeme bieten von Haus aus noch weitere Möglichkeiten, wie zum Beispiel Multi-Server-Installationen oder Shopping-Mall-Funktionen (vergleichbar mit Einkaufszentren finden sich in Shopping-Malls mehrere verschiedene Online-Shops unter einem einzigen technischen Dach). Sie richten sich jedoch eher an sehr große Online-Shop-Projekte, die auf diese Funktionen wirklich angewiesen sind. Im Gegensatz zur Open-Source-Variante sind die Enterprise-Versionen kostenpflichtig. Meist wird zur Software selbst auch noch ein Stundenkontingent für Installation und Support im laufenden Betrieb angeboten.

Die große Entwicklergemeinde der drei Open-Source-Varianten, die durch zahlreiche Stammtische, User-Groups und Community-Days organisiert wird, trägt mit ihren externen Modulen darüber hinaus dazu bei, dass auch die kostenpflichtigen Systeme ständig weiterentwickelt werden.

Von diversen Autoren sind zu den einzelnen Systemen Fachbücher erschienen, die sich allein mit der technischen Weiterentwicklung der Shop-Systeme beschäftigen (unter anderem im O’Reilly-Verlag) und ebenfalls ihren Teil zur Weiterentwicklung beitragen.

Im Vergleich zu Mietshops sind Sie als Shop-Betreiber übrigens nicht unbedingt vom Fortbestand des Software-Anbieters anhängig. Da Sie die Software herunterladen und auf einem eigenen Server installieren, könnte der Anbieter seinen Betrieb auch gänzlich einstellen: Sie wären hiervon zunächst nicht betroffen, da der Shop auf Ihrem eigenen Webserver autark weiterarbeiten könnte.

Gleiches gilt natürlich auch für Ihre E-Commerce-Agentur: Sind Sie auf der Suche nach einem neuen Projektpartner, dürfte es nicht schwierig sein, unter den vielen (zertifizierten) Agenturen neue Berater zu finden.

Nachteile von Open-Source-Software

Obwohl die Open-Source-Online-Shops (mit Ausnahme der Enterprise-Varianten) kostenlos sind, ist der Aufbau eines Online-Shops mit Magento, OXID eShop und Shopware mit einem nicht zu unterschätzenden Programmieraufwand verbunden.

Im Gegensatz zu den Miet-/Kauf-Lösungen können Sie eben nicht einfach loslegen und den Online-Shop mittels einiger weniger Klicks konfigurieren. Neben dem reinen Aussehen des Shops, dem Layout, müssen etliche Optionen angepasst und eingestellt werden.

Die Vielfalt der Funktionen und Möglichkeiten, die die Shop-Systeme bieten, geht auch mit einer Vielzahl an Einstellungen einher, die gemacht werden müssen.

Beispiel Versandkosten: Während Sie in Mietshops mitunter nur eine einzige Versandkostenregel definieren können, ist die Anzahl der Versandkostenregeln in Open-Source-Systemen de facto unbegrenzt. Was sie aber auch sein muss. Denn je nach Zielgruppen wollen Sie zum Beispiel Versandkosten für den einfachen und den Express-Versand, für Lieferungen ins In- und Ausland, für End- und Geschäftskunden usw. definieren.

Die Programmierung (Anpassung, Konfiguration, Layout-Änderungen) und mitunter auch die Optionseinstellungen sind zudem so kompliziert, dass Sie nicht mit einfachen HTML- und PHP-Kenntnissen auskommen werden. Nicht umsonst bieten die Softwarehersteller entsprechende Schulungen an, mit denen Agenturen und Dienstleister ihre Programmierer für die einzelnen Shop-Systeme zertifizieren lassen können.

Der gesamte Aufwand für Programmierung, Anpassungen und Konfigurationen (für alle möglichen Optionen) ist nicht zu unterschätzen und geht dementsprechend auch mit einigen Kosten einher.

Pro oder contra Open-Source-Shops?

Pro!

Für ein erfolgreiches Online-Shop-Projekt werden Sie nicht an einem Open-Source-System (oder später einer kostenpflichtigen Enterprise-Version) vorbeikommen.

Online-Shops sind so individuell wie die Kunden, die darin einkaufen sollen. Und sie (die Shops) müssen sich mit der Zeit an immer neue Trends und Vorgaben anpassen können.

Mit Miet-/Kaufshops ist das nicht möglich!

Und welches Shop-System nehme ich nun?

Das entscheidende und wichtigste Argument für oder gegen ein bestimmtes Open-Source-Shop-System ist die Meinung und die Erfahrungswerte Ihrer E-Commerce-Agentur!

Machen Sie nicht den Fehler und kommen Sie mit einer vorgefestigten Meinung zu Ihrem E-Commerce-Partner. Manche Kunden möchten zum Beispiel unbedingt einen Magento-Shop haben. Bei der Frage nach dem Warum wird dann häufig auf die Meinung eines Freundes oder Kollegen verwiesen, der (oft mit gefährlichem Halbwissen ausgestattet), „beraten“ hat.

Wenn Sie sich selbst nicht auf Basis sattelfester Argumente für ein System entschieden haben, sollten Sie die Entscheidung vielleicht der Agentur überlassen, mit der Sie am liebsten zusammenarbeiten möchten.

Betrachten Sie es so: Wenn Sie sich für eine Agentur entscheiden, werden Sie langfristig mit ihr zusammenarbeiten. Sie werden sich in vielen Dingen auf die Erfahrung und Kompetenz Ihres Dienstleisters verlassen. Warum nicht auch bei der Auswahl des Shop-Systems?
Alle genannten Shop-Systeme verfügen über ein Partner- und Zertifizierungsprogramm. Die Partner werden hierbei – je nach Partner-Level – ausführlich vom Anbieter geschult oder müssen entsprechende Kenntnisse nachweisen. Wenn Sie sich also für einen zertifizierten Partner eines Shop-Systems entscheiden, wird er Sie auch entsprechend beraten und in den nächsten Jahren begleiten können.

Er kennt die Stärken und Schwächen „seines“ Systems und kann Ihnen wahrscheinlich schon im Erstgespräch sagen, ob alle Funktionen aus Ihrer Wunsch- und Anforderungsliste tatsächlich erfüllt werden.

Im Vordergrund Ihres zukünftigen Online-Shops steht – im Gegensatz zu einer vielleicht emotionsbedingten Entscheidung beim Autokauf – die Meinung (sprich: Kaufbereitschaft) Ihrer Endkunden, also des Käufers im Shop, und nicht Ihre eigene. Und hier sollte in jedem Fall die Funktionalität und die Umsetzbarkeit von Anforderungen im Vordergrund stehen und nicht, als vielleicht einziges Entscheidungskriterium, die Farbgebung im Demoshop oder die Meinung eines Kollegen oder Bekannten. Verlassen Sie sich auf die Expertise Ihrer Agentur!

Buchtipp

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus dem Buch „Praxiswissen E-Commerce“ von Tobias Kollewe und Michael Keukert, erschienen im O’Reilly-Verlag. Über das Buch:

Jede Firma – ob klein oder groß – steht heutzutage vor der Aufgabe, ihr Warensortiment auch übers Internet anbieten zu müssen. Um dabei erfolgreich zu sein, ist eine maßgeschneiderte strategische wie auch praktische Lösung ein Muss.

Dieses Buch ist ein umfassendes Grundlagenwerk, das das Thema E-Commerce von A bis Z behandelt. Alle Prozesse – von der Konzeption über die Einrichtung eines Online-Shops bis hin zu den Marketingaktivitäten und zum Kundenservice – werden lückenlos abdeckt. Ganz wichtig: Das Buch ist nicht gebunden an eine spezielle Shop-Software, sondern befasst sich plattformunabhängig mit Fragen, auf die alle Shopbetreiber Antworten finden müssen.

praxiswissen-ecomm-coverDas Buch „Praxiswissen E-Commerce“ gibt es sowohl als gedruckte Ausgabe wie auch als E-Book direkt beim O’Reilly Verlag.

Darüber hinaus findet man es beispielsweise als gedruckte Ausgabe* sowie als Kindle-Edition* bei Amazon.

*Dies ist ein Affiliate-Link. Bedeutet: Wenn Sie darüber bestellen, bekommen wir eine Kleinigkeit vom Verkaufspreis ab. Für Sie ändert sich nichts.


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 24

Der Schwerpunkt lautet hier „Onlineshop starten“. Unsere Beiträge helfen, die richtige Idee zu finden, sie mit dem passenden Shopsystem umzusetzen und dann nach dem Start gezielt zu optimieren. Außerdem haben wir hier ein Interview, eine Buchrezension samt Verlosung und einiges mehr in petto.

Tobias Kollewe und Michael Keukert

Tobias Kollewe befasst sich mit den praktischen Seiten des E-Commerce und berät kleine und mittelständische Unternehmen bei der richtigen Online-Strategie. Seinen ersten eigenen Online-Shop eröffnete er im Jahr 1998. Als gelernter IT-ler und Kaufmann vereint er technisches Know-how und wirtschaftliche Denkweise. Er ist als Berater und Dozent für E-Commerce in Deutschland, Österreich, Belgien und den Niederlanden tätig und auf diversen Camps und Kongressen anzutreffen.

Michael Keukert ist im Jahr 1989 online gegangen und hat sich seit dieser Zeit nicht mehr ausgeloggt. Er berät Kunden zu allen Gesichtspunkten des Online-Marketings im E-Commerce und schult in der praktischen Anwendung – immer mit dem Fokus auf die Verbesserung der Klick- und Konversionsraten. Er ist Autor diverser Artikel zum Thema Suchmaschinen-Marketing mit Google AdWords und Newsletter-Marketing und hält Vorträge zu diesen Themen auf Konferenzen.

Ein Gedanke zu „Das richtige Shopsystem finden

Kommentare sind geschlossen.