Netzwerken mit Strategie: 10 hilfreiche Tipps (nicht nur) für Frauen

Frauen braucht man eigentlich nichts über das Netzwerken zu erzählen. Denn Vernetzung und Austausch mit Gleichgesinnten liegt ihnen quasi im Blut. Auch ihre Kommunikation ist vom Netzwerk-Gedanken statt hierarchisch geprägt. So helfen sich Frauen in ihren Netzwerken ausgiebig, bestärken sich gegenseitig und tauschen sich aus. Woran liegt es dann aber, dass eher Männer von ihren Netzwerken profitieren und Frauen schon mal ins Hintertreffen geraten?

(Bild: © Dreaming Andy – Fotolia.com)
(Bild: © Dreaming Andy – Fotolia.com)

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, die wir mal etwas näher beleuchten:

  • Frauen netzwerken eher auf der gleichen Hierarchieebene, Männer vernetzen sich auch in Seilschaften, deren einzelne Mitglieder sich gegenseitig nach oben ziehen.
  • Männer machen einfach. Wenn abends nach der Konferenz noch getrunken wird, sind sie dabei. Wenn zusammen Fußball gespielt wird, bringen sie sich mit vollem Kampfgeist ein. Ihnen ist es dann auch egal, ob sie ihren Chef tunneln oder ihm ein Tor reindrücken.
  • Männer sind großzügig. Sie wollen zeigen, dass sie sich was leisten können. Da wird die Rechnung im Restaurant nicht auseinander gerechnet, sondern auch mal übernommen. Auch ein Signal, dass hier ein lohnenswerter Partner sitzt.

Das sind doch Klischees! Stimmt. Da an diesen allerdings so einiges dran ist, leiten sich gerade hieraus die „Strategischen Netzwerk-Regeln für Frauen“ ab.

Regel Nr. 1: Folgen Sie dem Geld

In der Regel bedeutet das dann auch: Spielen Sie mit den Jungs! Reine Frauen-Netzwerke zeichnen sich meist nicht durch die Anbahnung von Geschäften aus. Geld und Aufträge locken eher in gemischten Gruppen. Dafür kommen Netzwerke wie Branchen- und Berufsverbände, die örtliche IHK-Vollversammlung oder andere Kammergremien in Frage. Wichtig ist es auch, je nach Zielsetzung eine Auswahl zu treffen. Unternehmerinnen brauchen natürlich andere Netzwerke als Managerinnen. Wenn Sie sich für ein Frauen-Netzwerk engagieren möchten, recherchieren Sie genau, wie Business-orientiert ein Netzwerk ist. Wenn zusammen am gemeinsamen Erfolg gearbeitet wird, Empfehlungen ausgesprochen werden, man sich austauscht und unterstützt, lohnt sich auch ein solches Frauen-Netzwerk für den Beruf.

Regel Nr. 2: Zeigen Sie sich im Netzwerk

Kennen Sie noch den Spruch: „Von nichts, kommt nichts?“ Das Gleiche gilt natürlich auch für Ihre Netzwerke. Denn Empfehlungen werden zu den Menschen ausgesprochen, die man kennt. Und wer sich im Netzwerk engagiert, zum Beispiel die Organisation von Veranstaltungen übernimmt, Artikel für die Website schreibt, das Netzwerk nach außen vertritt oder für ein Amt verantwortlich zeichnet, ist für viele sehr sichtbar. Andere Mitglieder können einen dann besser einschätzen und wissen, was Sie gut können und wofür Sie stehen. Auch Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit zeigen sich schnell in der täglichen Zusammenarbeit.

Das führt uns gleich zum nächsten Punkt:

Regel Nr. 3: Netzwerken ist Arbeit

…natürlich eine Arbeit, die Spaß macht und die mit Gleichgesinnten gestemmt wird. Es bleibt trotzdem Arbeit. Nehmen Sie es also so ernst wie Ihre Arbeit! Setzen Sie sich Ziele wie: „Heute spreche ich auf unserer Veranstaltung drei neue Leute an.“, „Bei unserem nächsten Jahrestreffen halte ich einen Vortrag.“ oder „Wenn der Job des Schatzmeisters zu vergeben ist, stelle ich mich zur Wahl.“ Diese Aufgaben nehmen Sie so ernst wie „echte“ Projekte, denn …

Regel Nr. 4: Netzwerken sollte Ergebnisse bringen

Netzwerken geht nicht mal eben so nebenher. Konferenzen, Veranstaltungen, Projekte, Ämter – all das benötigt Zeit, Geld und Ressourcen. Unternehmerinnen leuchtet das ein. Wer angestellt ist, muss sich diese Zeit manchmal mühsam erkämpfen. Und wer zum Beispiel Familie hat, weiß, dass Zeit das knappste Gut ever ist. Und wenn man dann noch als Mutter Teilzeit arbeitet und zurücksteckt, fällt die Argumentation doppelt schwer. Doch gerade dann ist Netzwerken wichtig! Da hilft einfach nur: Dranbleiben! Sie müssen Partner und Familie klar machen: Diese Zeit brauche ich für meinen Job!

Regel Nr. 5: Behalten Sie die Kontrolle über Ihr Bild

Es liegt bei Ihnen, wie Sie sich in Ihrem Netzwerk präsentieren. Daher machen Sie sich vorher Gedanken dazu: Wenn das neue Projekt nicht so gut läuft, können Sie entscheiden, ob Sie darüber berichten – und wem. Auch wenn Sie als Unternehmerin noch gleichzeitig drei Jobs erledigen, um Ihre Erfolgsidee zu finanzieren, brauchen Sie das ja nicht jedem auf die Nase zu binden. Wenn Sie Zweifel haben, ob Sie den Vortrag auf der Vollversammlung wirklich halten wollen, klären Sie das mit Ihrem Vortragscoach. Oder mit einer vertrauten Person.

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Regel Nr. 6: Ihr Elevator Pitch (in verschiedenen Längen) steht

Hinter der Idee des Elevator Pitch steckt folgendes: Sie steigen in einen Aufzug und treffen auf eine für Sie wichtige Person, zum Beispiel den CEO des Unternehmens, einen Business Angel oder Mentor. Die 30 Sekunden, die der Aufzug aus dem Erdgeschoss in die oberste Etage braucht, ist Ihre Zeit. Sie haben nun 30 Sekunden Zeit, sich, Ihr Projekt, Ihr Unternehmen vorzustellen. Jedes Wort muss also sitzen – und von der ersten Sekunde an Interesse wecken. Da wir manchmal auch mehr als 30 Sekunden haben, lohnt es sich, auch für eine Minute, fünf Minuten und eine Viertelstunde „Stoff“ zu haben. Kurz gesagt: Kommen Sie auf den Punkt!

Regel Nr. 7: Suchen Sie sich „Hubs“

Das sind Personen, die in Ihrem Fachgebiet wichtig und einflussreich sind. Sie können Türöffner sein. Eine junge Kollegin hatte zum Bespiel Veranstaltungen für Chefredakteure organisiert. Danach musste sie sich nie wieder einen Job suchen! Hier helfen auch wieder Sichtbarkeit, Engagement – und Mut! Denn nur wenn Sie jemanden um etwas bitten, kann er „Ja!“ sagen. „Nein!“ leider auch. An diesem Punkt waren Sie allerdings schon vorher.

Regel Nr. 8: Werden Sie selbst zur Förderin

So wie Sie Mentoren, Förderer und Empfehlungen brauchen, können Sie andere unterstützen, empfehlen Sie natürlich auch andere Frauen (und Männer) für Jobs, Aufträge etc. Machen Sie deutlich, dass die Empfehlung von Ihnen kam. Das Geben und Nehmen findet nicht immer zwischen den gleichen Personen ab, es geht eher um das Prinzip: „Pay it forward!“

Regel Nr. 9: Seien Sie selbst verbindlich – und langmütig mit anderen

Menschen gehen sehr unterschiedlich an Aufgaben heran. Die eine ist ein „Arbeitstier“, Freizeit ist für sie ein Fremdwort. Die andere lässt es gern mal locker angehen und braucht immer zwei Tage länger als veranschlagt. Da es meistens um ehrenamtliches Engagement geht, gibt es keine Möglichkeit, andere Mitstreiterinnen zu „disziplinieren“. Wenn jemand grundsätzlich zuverlässig ist, sehen Sie es ihr nach. Was Sie sich allerdings merken sollten, sind Absagen im letzten Moment. Oder auch die begeisterte Übernahme von Projekte, die dann vernachlässigt werden. Fragen Sie nach, bieten Sie Unterstützung an. Wenn das nicht hilft, sollten Sie auch Konsequenzen ziehen. Gleichzeitig zeigen Sie, dass Sie die Verlässlichkeit in Person sind. Und wenn Sie sich zu viel zugemutet haben, holen Sie sich Hilfe!

Regel Nr. 10: Lernen Sie zu nehmen 

Eine Empfehlung ist ein großer Vertrauensbeweis. Sie können allerdings auch darauf vertrauen, dass eine solche Empfehlung nicht leichtfertig ausgesprochen wird. Also bedanken Sie sich persönlich! Und wenn sich die Gelegenheit ergibt, freut sich der Empfehlende auch über ein kleines Geschenk oder eine Essenseinladung.

Fazit

Netzwerken ist also gar nicht schwer – und auch mit Strategie heranzugehen, sollte mit diesen Tipps möglich sein. Wichtig ist es auch, sich klar zu machen, dass nicht alles immer perfekt klappen muss. Aber wer nicht locker lässt, wird irgendwann sein Ziel erreichen – und ein Netzwerk kann dabei eine fantastische Hilfe sein.

Kurz gefragt: „Profilagentin“ Kixka Nebraska

Ein wesentliches Element fürs Netzwerken: das eigene digitale Profil. Wir haben dazu die Spezialistin Kixka Nebraska befragt:

(Foto: Rieka Anscheit)
(Foto: Rieka Anscheit)

1. Was meinst du alles, wenn du von „Profil“ sprichst? Du meinst ja mehr, als dass man sich mal bei Xing und Facebook angemeldet hat. Was gehört da alles dazu?

Das digitale Profil fängt für mich schon im Kleineren an und hört erst im Größeren auf: Alles, was im Internet in Verbindung mit dem eigenen Namen erscheint und selbst gesteuert werden kann, gehört für mich dazu: Von der E-Mailadresse (!), der Signatur in der E-Mail über Profilseiten und Kommentare in den sozialen Netzwerken bis hin zur eigenen Webseite oder dem eigenen Blog. Die Optionen sind in den letzten Jahren nochmals vielfältiger geworden, zur Zeit gibt es gerade den Boom bei den Bewegtbild-Live-Apps (z.B. Snapchat-Avatare, die bei Twitter als scanbare Profilbilder eingesetzt werden). Das heißt, es ist noch schwieriger geworden, für sich den richtigen Mix heraus zu filtern.

2. Und hast du spezielle Empfehlungen für deine weiblichen Klienten? Welche Dinge sollten sie besonders beachten?

Mehr. Im Sinne von: Viele Frauen sind – was die digitale Selbstdarstellung angeht – immer noch nicht so gut aufgestellt, wie es bei den Profilen von Männern bereits vor fünf Jahren der Fall war. Und sie müssten deutlich mehr Präsenz zeigen: Angefangen bei der Vollständigkeit der Profile und der Aktualität der Daten. Aber vor allem in der Sichtbarkeit, die sich erst durch die Aktivität im Netzwerk ergibt: Zum Beispiel mit eigenen Postings oder in den Kommentaren, als Teil der öffentlichen Konversation. Frauen wollen zu sehr durch innere Werte glänzen. Da muss man schon ganz schön nah dran sein, um die zu bemerken.

Wichtig ist natürlich das Foto, das gehört unter professionellen Gesichtspunkten auf jeden Fall zum digitalen Auftritt – für Frauen ist es dabei besonders wichtig, nicht mit Ganzkörperfotos, sondern mit einem Portrait präsent zu sein: Je mehr Gesicht zu sehen ist, umso mehr Kompetenz und Intelligenz wird der Person nach Studien zugeschrieben.

Zur Person: Kixka Nebraska ist seit Ende 2010 als Profilagentin im Netz aktiv, die digitale Sichtbarkeit ihrer Auftraggeber zu erhöhen.


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 26

Gemeinsam mit den Digital Media Women haben wir mit der Nummer 26 eine ganz besondere Ausgabe des UPLOAD Magazins auf die Beine gestellt: Wir schwenken das Rampenlicht auf „digitale Macherinnen“. Dazu haben wir beispielsweise 24 profilierte Frauen der Digitalszene im Kurzinterview. Wir beleuchten die Gründerinnenszene in Hamburg. Und wir geben praktische Tipps und Tricks rund ums Netzwerken.

Ute Blindert

Sie ist Autorin, Speakerin und Unternehmen zu den Themen Karriere und Entwicklung. Sie begleitet vor allem Akademiker in Karriere- und Selbstmarketingfragen. Als Gründerin der Karriereportale www.karriereletter.de und www.businessladys.de ist sie mit ihrem Team nah dran an den Fragen zur Arbeitswelt der Zukunft. Mehr Mut zur Eigenverantwortung, ob als Mitarbeiter oder Gründer, liegt ihr sehr am Herzen. Bei den Digital Media Women engagiert sie sich zudem ehrenamtlich für diese Themen.