Virtual Reality, wir müssen reden

In meiner „ENTER“-Kolumne schreibe ich in jeder Ausgabe übers Titelthema – oder auch nicht. Diesmal geht es um etwas ganz anderes: Ich zeichne hier mein Beziehungsgespräch mit Virtual Reality nach. Es war nicht einfach. Aber es war ein wichtiges Gespräch. Am Ende haben wir uns umarmt. Und das war so:

(Foto: "Razer OSVR Open-Source Virtual Reality for Gaming" von Maurizio Pesce auf flickr.com. Lizenz: CC BY 2.0)
(Foto: “Razer OSVR Open-Source Virtual Reality for Gaming” von Maurizio Pesce auf flickr.com. Lizenz: CC BY 2.0)

Hey, Virtual Reality, äh… setz dich doch mal hin, bitte. Ja, mach’s dir bequem. Nee, also… Ich… Irgendwie ist das einer dieser Momente, denen man am liebsten aus dem Weg gehen möchte. Aber letztlich führt das ja zu nichts. Da muss man einfach durch. Irgendwie. Oder so. Denke ich mir jedenfalls.

Ähem. Also… Wie fange ich da an? Ich… Du… Also wir beide hatten ja eine tolle Zeit. Aufregend war’s. Wir hatten Pläne. Wir haben viel gemeinsam angestellt. Und ich finde das immer noch ganz klasse. Du hast da echt… also, das soll jetzt nicht irgendwie pathetisch klingen oder so, aber… also du hast da echt einen besonderen Platz in meinem Herzen. Wir kennen uns ja auch schon lange. Beim ersten Mal, damals in den 90ern, hat’s mit uns ja nicht so richtig geklappt. Ich will das gar nicht aufwärmen. Virtual Boy und so. Wir wissen ja, dass das alles nix war. Ist jetzt auch egal. Also nicht so wichtig. Wissen wir ja alles.

Ich war echt wieder Feuer und Flamme

Aber dann sind wir ja vor ein paar Jahren wieder zusammengekommen und, hey, also, wow, ich war echt wieder Feuer und Flamme. Weißt du ja auch. Ich habe geschrieben über dich. Erst nur einen Artikel, aber der war immerhin auf dem Cover. Und ein Jahr später war dann die Begeisterung richtig groß und wir hatten einen ganzen Schwerpunkt zu Virtual und Augmented Reality.

Aber… Also in letzter Zeit… Ich… äh… sehe da etwas klarer. Also ich sehe andere Dinge. Und nicht dass du das jetzt missverstehst! Ich mache dir da keine Vorwürfe. Wir sind ja wer wir sind und wir alle wollen glücklich sein und ein schönes Leben führen. Jeder strebt das an – auf unterschiedliche Weise. Wir alle haben unsere Stärken und Schwächen, unsere Fehler und unsere Talente.

Nun… Ich glaube, du bist noch nicht soweit. Also wir. Wir sind noch nicht so weit. Wir brauchen da noch mehr Zeit.

Es liegt nicht an dir, es ist total mein Ding! Ehrlich. Ich sage das nicht nur so.

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Weil… Viele Dinge sind ja überhaupt gar nicht deine Schuld. Also so etwas wie die Oculus Rift ist zum Beispiel schon toll, aber wenn man dafür einen Gaming-Rechner braucht und dann alles in allem 1.500 Dollar ausgibt, ist das halt eher nichts für mich. Erst einmal. Vielleicht so etwas wie Samsungs Galaxy VR. Das fällt halt nicht gleich auseinander wie Google Cardboard, aber ich muss auch nicht so viel Geld auf den Tisch legen für etwas, mit dem ich aktuell nicht wirklich viel machen kann.

Das Problem ist letztlich: Es gibt viele Ideen, aber wenige davon funktionieren wirklich gut. Wir finden das schließlich gerade erst alle gemeinsam heraus. Kann man wirklich VR-Filme drehen und ist das dann eine eigene Kunstform oder doch mehr eine Jahrmarkts-Attraktion? 3D-Filme fanden wir auch lange ganz toll, aber inzwischen zeigt sich eben: Manchmal ist das ganz schön, aber meistens eben nicht. Zudem bräuchte man für jeden, der einen VR-Film sehen will, einen entsprechenden PC plus Brille. Da ist ja nichts mit Leinwand und ein paar hundert Sitzen in einem Saal. Oder gemeinsam vor dem Fernseher sitzen. Geht alles nicht. Sogar Kopfhörer hat man auf. Null Kommunikation mit der Umwelt.

Spiele wird’s natürlich geben. Aber ehrlich gesagt spiele ich nicht mehr so viel. Ich habe so viele andere Dinge im Leben. Mal so ein Spielchen auf dem iPhone oder iPad ist prima. Das war’s dann aber auch schon.

Ist, wie gesagt, echt nicht deine Schuld. Du hast ja viel Potenzial und alles

Andere Anwendungen gibt es bislang kaum oder sie scheinen manchmal nur so lange eine gute Idee, bis man sie ausprobiert hat. Ist, wie gesagt, echt nicht deine Schuld. Du hast ja viel Potenzial und alles. Aber aktuell… wird das noch nichts. Wir brauchen mehr Zeit!

Bis dahin haben dann vielleicht auch Leute herausgefunden, was man wirklich mit Virtual Reality machen kann. Wofür es sich eignet und wofür nicht. Wie man es am besten umsetzt. Zugleich werden die Geräte dann mit der Zeit noch günstiger.

Wir kennen das schon! So läuft das im Tech-Bereich. Erstmal ist es für ein paar Leute, die sich dafür begeistern können. Einige Jahre später erreicht es dann eine größere Gruppe von Leute. Und das kann ja immer noch passieren!

Insofern: Hey, also, ich möchte dich wirklich nicht verlieren, Virtual Reality. Aber momentan ist das so ungefähr, wie ich fühle.

Ich hoffe, du kannst das verstehen.

Nachtrag: Wir haben dann noch lange geredet und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir auf jeden Fall weiter in Kontakt bleiben wollen. Wer weiß, wie die Welt in ein paar Jahren aussieht…


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 27

„Mobile Social“ ist das Titelthema dieser Ausgabe. Gemeint ist damit einer der großen Trends dieses Jahres: Die steigende Nutzung von Mobilgeräten macht die sowieso bereits mächtigen Social Networks noch wichtiger. Und dabei ist die nächste spannende Plattform schon am Horizont zu sehen: Messenger.

Jan Tißler ist auch bekannt als jati. Er arbeitet seit über 20 Jahren als Journalist, die meiste Zeit davon digital. 2006 hat er das UPLOAD Magazin aus der Taufe gehoben. Er ist fasziniert von den Freiheiten des digitalen Publizierens und erklärt gern, wie Unternehmen, Organisationen oder auch Selbstständige mit ihren Botschaften im Netz gehört werden. Immer mit einem Bein fest in der Zukunft. Der gebürtige Hamburger lebt inzwischen in Santa Fe, New Mexico.