Interview: Was macht Facebook eigentlich so verführerisch?

Facebook ist aus dem Leben vieler Menschen nicht mehr wegzudenken und so mancher wundert sich, wie viel Zeit man damit verbringen kann. Warum funktioniert das eigentlich so gut? Was sind die Mechanismen dahinter? Wann ist die Grenze zur Sucht überschritten? Und wie lässt man es gar nicht so weit kommen? Im E-Mail-Interview mit uns erklärt Heilpraktiker Ulrich Heister diese und andere Fragen.

„You take the blue pill, the story ends. You wake up in your bed and believe whatever you want to believe.“ (Screencapture aus „The Matrix“, Warner Bros.)

Symbolfoto Facebook: „You take the blue pill, the story ends. You wake up in your bed and believe whatever you want to believe.“ (Screencapture aus „The Matrix“, Warner Bros.)

Zu unserem Interviewpartner: Ulrich Heister ist seit 1995 als Heilpraktiker in eigener Praxis tätig. Seine Schwerpunkte sind Psychotherapie, Psychosomatik und Bewusstseinstraining. Seit seiner Kindheit interessiert ihn die Frage, wie die Dinge funktionieren. Sein beruflicher Weg startete konsequenterweise im Bereich der Naturwissenschaften. Er absolvierte mehrere Ausbildungen. Nachdem diese Neugier befriedigt war, entdeckte er, dass der Mensch der einflussreichste Faktor in der Welt ist. Was heißt es, Mensch zu sein? Welche Lebensprinzipien bestimmen unsere Existenz? Was lässt Menschen leiden? Er entschied sich für eine Ausbildung zum Heilpraktiker und erlernte verschiedene Methoden. Die klassischen Ansätze fand er sehr interessant, doch entschied er sich für die psychotherapeutischen und bewusstseinsbasierten, weil sie die ursächlichsten und grundlegendsten Ebenen ansprechen.

Er ist der Meinung, dass wir als Menschheit die Herausforderungen unserer Zeit nur bewältigen können, indem wir mehr Bewusstsein über uns und die Zusammenhänge in der Welt haben.

Vielleicht kennen Sie den Effekt auch: Sie wollen nur schnell etwas auf Facebook nachsehen und wenn Sie eine halbe Stunde später den Browsertab schließen, fällt Ihnen plötzlich auf: Sie haben alles Mögliche gemacht, aber nicht das, was sie ursprünglich wollten. Was sind nach Ihrem Eindruck die wichtigsten Elemente, mit denen das Social Network das bewerkstelligt?

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Unsere Aufmerksamkeit wird dort gebunden, wo unsere Bedürfnisse erfüllt werden. Facebook, aber natürlich auch andere Social Networks, sind Bedürfniserfüllungsmaschinen. Deswegen sind sie so erfolgreich. Aber was sind eigentlich unsere Bedürfnisse, auf die speziell Facebook so erfolgreich eingeht?

Eines der stärksten emotionalen Bedürfnisse von Menschen ist das nach Zugehörigkeit. Wer ein Facebook-Profil hat, gehört automatisch schon zur Facebook-Community dazu. Wir wissen alle instinktiv, dass es uns in einer Gruppe besser geht, als wenn wir uns als Einzelkämpfer durchschlagen müssen. Die Gruppe gibt Identifikation, Geborgenheit und Unterstützung in schwierigen Lebenslagen.

Eines der stärksten emotionalen Bedürfnisse von Menschen ist das nach Zugehörigkeit.

Haben wir ein Problem oder eine Frage, sehen wir bei Facebook gleich oben auf der Startseite das Eingabefeld, über das wir direkt mit unserer Gruppe in Verbindung treten können. Mit großer Wahrscheinlichkeit erfolgen sehr schnell Reaktionen, fast so schnell wie im direkten Gespräch. Wir haben direkten Kontakt zu viel mehr Menschen, als wir in derselben Zeit persönlich treffen könnten. Sehr wahrscheinlich bekommen wir mindestens eine nützliche Antwort. Mir sind etliche Fälle bekannt, bei denen der Facebook-Freundeskreis sehr konkrete Hilfe gegeben hat: zum Bespiel nach einem Wohnungsbrand oder im Krankheitsfall. Selbst wer im realen Leben Schwierigkeiten hat, Kontakte zu knüpfen, kann hier Aufmerksamkeit und Zuwendung erhalten. Besonders nützlich sind in diesem Zusammenhang Facebook-Gruppen: Sie bieten Anregungen, Diskussionen und Informationen in definierten Bereichen und kommen damit sehr speziellen Anliegen nach.

Verfügen wir über ein gewisses Maß an Informationen, stellt sich ein Gefühl der Sicherheit ein.

Spezifische und interessante Informationen erhält nur derjenige, der Freunde auf Facebook hat. Deren Nachrichten sind wohl der stärkste Aufmerksamkeitsmagnet und haben den größten Nutzen. Hier wird ein weiteres menschliches Bedürfnis, das Informationsbedürfnis, gestillt. Verfügen wir über ein gewisses Maß an Informationen, stellt sich ein Gefühl der Sicherheit ein. Wir haben einen Überblick über die Geschehnisse in dem Umfeld, mit dem wir uns identifizieren. Informationen sind zugleich die Referenzpunkte, über die wir unsere eigene Position im Freundeskreis einschätzen. Eigene Statusmeldungen geben uns das Gefühl, eine gewisse Wirkung und Einfluss zu erzielen. Wir haben die Möglichkeit, im Außen ein Image, ein ideales Ich, aufzubauen. Wir können beim anderen ein Bild von uns erzeugen, das dem entspricht, wie wir gerne gesehen werden möchten. Das Empfinden von Sicherheit, Selbstwirksamkeit und Kontrolle wird durch die sozialen Netzwerke gestärkt, ohne dass wir das Sofa verlassen müssen.

Klatsch hat einen Unterhaltungscharakter und dient der sozialen Kontrolle.

Der Austausch von Informationen hält uns in Verbindung mit unserer Peergroup. Bleibt dieser aus, haben wir Angst, etwas zu verpassen. Es entsteht ein gewisser Druck, den Anschluss nicht zu verlieren und in der Gruppe nicht ins Abseits zu geraten. Damit dies nicht geschieht, sind wir gerne bereit, einige Zeit zu investieren. Wir erfahren, was die anderen erleben und was ihnen wichtig ist. Im Netzwerk werden neben diesen direkten Informationen gerne auch Nachrichten über Dritte verbreitet, die häufig eher abwertender Natur sind und deren Wahrheitsgehalt meist nicht überprüft wurde. Dieser Klatsch hat einen Unterhaltungscharakter und dient der sozialen Kontrolle. Etwas über jemanden anderen zu wissen, kann mit dem Empfinden verbunden sein, im Vorteil zu sein oder sich überlegen zu fühlen. Meist ist das ein Versuch, die eigene Unsicherheit oder das eigene Minderwertigkeitsgefühl zu kompensieren. Damit wird das Bedürfnis nach Bedeutung erfüllt, falls keine andere, konstruktive Quelle hierfür gefunden werden kann.

Ich gehe mal davon aus, dass den meisten Facebook-Nutzern diese Mechanismen gar nicht bewusst sind. Viele würden vielleicht selbst sagen, dass sie das soziale Netzwerk vor allem zur Unterhaltung aufsuchen. Wie steht es denn mit diesem Bedürfnis?

Facebook ist ein sehr geeignetes Mittel zur Unterhaltung und Zerstreuung. Unsere Facebook-Freunde, die sicherlich zum größten Teil eine ähnliche Ausrichtung und Gesinnung haben wie wir selbst, versorgen uns mit Postings, Videos und Links, die unserem eigenen Geschmack sehr entsprechen. So bleiben wir leicht im Facebook-Universum kleben und folgen einem Link nach dem anderen. Geschickt gestaltete Teaser verstärken unseren Drang, sie anzuklicken. Gerade diese Funktionen sind ja auf Facebook mit den Jahren immer ausgefeilter geworden. Facebook arbeitet ständig daran, dass wir für kaum ein Bedürfnis die Plattform verlassen müssen. Instant Articles, also komplette Beiträge anderer Publikationen, oder die geplanten Bots, mit denen wir zukünftig über den Messenger sogar einkaufen können, sind Beispiele dafür.

Facebook arbeitet ständig daran, dass wir für kaum ein Bedürfnis die Plattform verlassen müssen.

Wer E-Mail- oder Push-Benachrichtigungen aktiviert hat, wird immer wieder automatisiert zu seinem Facebook-Profil gerufen. Die komfortable Nutzungsmöglichkeit des Messengers für persönliche Nachrichten ist natürlich ein weiterer sehr geschickter Zug, um die User an die Plattform zu binden. Manch einer kommuniziert nur noch über Facebook mit Freunden und Bekannten. Und wer dann sowieso schon Facebook geöffnet hat, kann dann noch schnell die Timeline checken, nachdem der persönliche Chat beendet wurde. Man will ja, wie gesagt, auf dem Laufenden bleiben. Es ist dazu kein bewusster Akt der Überprüfung notwendig, so wie wir uns beispielsweise absichtsvoll dazu entscheiden müssen, zum Postkasten zu gehen. Selbst während wir schon einige Zeit damit verbracht haben, uns durch die Timeline nach unten scrollen, werden neue Nachrichten über einen kleinen Button gemeldet. Und obwohl wir eigentlich schon längst etwas anderes tun wollten … und so geht es dann immer weiter.

Soziale Netzwerke geben uns Identität, Orientierung, Bezug und Bedeutung

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass derzeit kaum ein anderes Netzwerk so viele unserer Bedürfnisse zugleich befriedigt und deshalb so attraktiv für uns ist. Soziale Netzwerke bieten einen Zugang in ein eigenes Universum, das uns Identität, Orientierung, Bezug und Bedeutung gibt. Es entsteht ohne viel Aufwand ein Gefühl von Verbundenheit und Kontrolle. Man könnte es als ein soziales Fastfood betrachten. Es macht uns mit Genuss satt, wobei wir leicht zu viel davon zu uns nehmen und dabei manch ein Vitamin auf der Strecke bleibt.

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Bisweilen wird da von Facebook-Sucht gesprochen. Aber früher hat man auch mal die „Bücher-Sucht“ beklagt, obwohl man sich das heute kaum noch vorstellen kann. Wann ist denn Facebook-Nutzung tatsächlich problematisch und wann ist es einfach ein Zeitvertreib wie viele andere? Woran erkennt man, dass die Grenze zur Sucht überschritten worden ist?

Eine einfache und mir einleuchtende Definition von Sucht ist folgende: Mit etwas nicht aufhören zu können. Wer etwas in einem Ausmaß tut, dass er darunter leidet und sich aus eigener Kraft nicht davon lösen kann, hat diese Grenze zur Sucht wohl überschritten. Was jemand als Leid empfindet, ist jedoch individuell und subjektiv. Etwas, das für den einen extrem erscheint, kann für den anderen normal sein. Manch einer telefoniert gerne stundenlang, andere stürzen sich an einem Bungee-Seil in einen Abgrund. Dies kann auch suchtartige Züge annehmen, doch wird die Lebensfähigkeit dadurch wahrscheinlich nicht eingeschränkt. Solange sich der Betreffende damit selbst wohlfühlt und sein Leben funktioniert, ist alles in Ordnung, auch wenn Außenstehende es möglicherweise anders sehen.

Wer sich mit seinem eigenen Verhalten unwohl fühlt oder gar sein Leben nicht mehr oder nur teilweise bewältigt bekommt, sollte seine Handlungsweise überprüfen und ändern und sich dazu gegebenenfalls auch Hilfe holen. Das ist jedoch nur möglich, wenn er sich das Problem eingesteht und es anerkennt. Interventionen von außen werden ansonsten nur wenig nützen. Wer andere für ihr Verhalten kritisiert, sollte möglicherweise erst einmal seine eigene Motivation dafür hinterfragen. Manch einer fühlt  sich berufen, andere zu belehren, obwohl er keine eigene Erfahrung mit dem Medium hat.

Anders ist das natürlich bei Eltern, die beobachten, dass ihre Kinder zu viel vor dem Computer sitzen. Hier sollten klare Absprachen getroffen werden, die auch überprüft werden. Im Zeitalter der Smartphones ist diese Kontrolle schwierig. Daher ist zu überlegen, ab welchem Alter Kinder überhaupt eines besitzen sollten. Verbote und zu später Einstieg sind aber sicher nicht die Lösung, denn der Nachwuchs soll ja bewusst lernen, damit umzugehen.

Es ist schwierig, allgemeingültige Aussagen über eine Facebook- beziehungsweise allgemein Internet-Sucht zu treffen. Der wichtigste Indikator ist wohl, dass gewisse Lebensbereiche nicht mehr rund laufen. Stellt sich ein subjektives Unwohlsein ein? Kommt die Schule, die Ausbildung oder der Beruf zu kurz? Leidet die Partnerschaft? Vermüllt die Wohnung? Isoliert sich der Betreffende mehr und mehr? Hier bestünde sicher Handlungsbedarf.

Insgesamt sind jedoch vorschnelle Diagnosen von Laien immer eine problematische Sache. Ganz gleich, um welche Sucht es sich handeln könnte: Selbsthilfegruppen und Beratungstellen bieten auch Rat und Unterstützung für Angehörige, die sich Sorgen machen.

Mal angenommen, jemand wollte seine Facebook-Nutzung einschränken oder zumindest bewusster damit umgehen: Was gibt es da für gute Tipps und Kniffe, um Facebooks Versuchungen zu entgehen? Und damit meine ich nicht nur die private Nutzung, denn wir haben schließlich unter unseren Leserinnen und Lesern viele, die Facebook beruflich nutzen. Sie pflegen eigene Accounts, sind Social Media Manager in einem Unternehmen oder kümmern sich um die Anzeigenschaltung. Wie verliert man sich nicht im Angebot des Social Networks?

Für jemanden, der Social Networks beruflich nutzt, sind sie die normalen Arbeitswerkzeuge. Er hat selbstverständlich viel mit ihnen zu tun; wie, sagen wir mal, ein Installateur mit seinen Werkzeugen. Aber natürlich ist eine Rohrzange oder ein Schraubendreher wohl für die meisten Handwerker nicht zugleich ebenso verführerisch im Hinblick auf persönliche Bedürfnisse. Wie effektiv jemand insgesamt arbeitet, hängt wohl vor allem von seinem Zeitmanagement und den Prioritäten ab. Manche Aufgaben lassen sich automatisieren, wie zum Beispiel die Postings auf der Facebook-Seite, die sich über einen längeren Zeitraum im Voraus planen lassen. Für Interaktion mit der Community dagegen muss man die Seite regelmäßig direkt besuchen.

Der Profi sollte sich einen Plan machen, wie viel seiner Ressourcen er einsetzen möchte und muss.

Der professionelle „Facebooker“ sollte sich sinnvollerweise einen Plan machen, wie viel seiner Ressourcen er generell und für bestimmte Teilbereiche einsetzen möchte und muss. Dieser Plan sollte eingehalten werden, auch wenn manch eine Idee vielleicht auf der Strecke bleibt und nicht umgesetzt wird. Hier ist Selbstdisziplin gefragt. Wenn sich jemand von dem Aufwand überfordert fühlt oder dieser nicht den gewünschten Erfolg bringt, ist es vielleicht notwendig, diese Aufgaben an einen Dienstleister abzugeben. Fehlen hierfür die Ressourcen im Unternehmen, so steht vielleicht ein Gespräch mit dem Vorgesetzten an. Ein Mitarbeiter, der ständig an der Grenze der eigenen Belastbarkeit arbeitet, ist auch für seinen Arbeitgeber nicht gut. Es ist gleichwohl nicht von der Hand zu weisen, dass Social Media ganz neue Anforderungen an Erreichbarkeit und Präsenz aller Beteiligten stellen, und wir müssen erst lernen und üben, dies in traditionelle Arbeitsmodelle zu integrieren.

… und den Teil mit der Selbstdisziplin? Wie bekomme ich den hin?

Wie zuvor schon erwähnt, ist im Umgang mit Social Networks Selbstdisziplin generell das Schlüsselwort. Überlegen Sie sich, auch als Privatanwender, wieviel Zeit Sie wirklich mit und in sozialen Netzwerken verbringen möchten, beziehungsweise wieviel Zeit Ihnen zur Verfügung steht. Das hängt natürlich sehr von Ihrer Art der Nutzung ab. Manch einer guckt nur hin und wieder in Facebook hinein, für andere stellt es das wichtigste Kommunikationsinstrument dar. Daher kann das, was dem Einzelnen hilft, sehr unterschiedlich sein. Was sicherlich den meisten nützt: Bestimmen Sie selbst feste Zeiten und halten Sie sie ein.

Bestimmen Sie selbst feste Zeiten und halten Sie sie ein.

Fragen Sie sich immer wieder, ob das, was Sie gerade tun, das ist, was Sie wirklich wollen. Das gilt nicht nur für Social Networks. Beantworten Sie die Frage mit „Nein“, sollten Sie aufhören und sich dem zuwenden, was tatsächlich zu tun ist. Dazu ist ein gewisses Maß an Willenskraft notwendig. Diese lässt sich trainieren. Jedes Mal, wenn Sie sich willentlich neu ausrichten, wird sie stärker. Lernen Sie Ihre Aufmerksamkeit bewusst zu steuern. Das, was Ihre Aufmerksamkeit bekommt, wird wichtiger und realer. Verwenden Sie sie für Dinge, die Ihnen wirklich etwas bedeuten.

Verwenden Sie Ihre Aufmerksamkeit für Dinge, die Ihnen wirklich etwas bedeuten.

Das Digitale gehört heute zum Leben dazu. Wir müssen eine eigene Kultur dafür entwickeln. Es ist ein wertvolles Instrument, um Kontakte zu knüpfen, zu pflegen und aufrecht zu erhalten. Fragen Sich sich: Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Facebook-Profil oder Ihrer Facebook-Seite? Überlegen Sie sich, wen Sie als Facebook-Freund bestätigen. Es ist nicht unbedingt die hohe Anzahl an Freunden, die Sie Ihren Zielen näher bringt.

Grundsätzlich wird Ihnen Selbstehrlichkeit weiterhelfen. Sie wissen selbst, was für Sie gut ist. Sollten Sie feststellen, dass Ihre Facebook-Nutzung (oder generell Internet-Nutzung) ausufert, ohne dass Sie dies möchten und kontrollieren können, nehmen Sie Hilfe in Anspruch. Entgleitet uns die Kontrolle über unser Verhalten, liegt dies an automatischen persönlichen Mustern, die  uns nicht bewusst sind. Sie liegen auf mentaler und emotionaler Ebene und lassen sich in der Regel gut behandeln. Heute gibt es sehr wirkungsvolle Methoden, die in wenigen Sitzungen Erfolge bringen können.

Und wie verhält man sich, wenn man bei einer anderen Person ein solches Verhalten feststellt? Was ist eine gute Möglichkeit, um so etwas zur Sprache zu bringen?

Wie zuvor schon gesagt: Vorschnelle Diagnosen sind oft bedenklich, auch wenn Zuneigung und persönliche Besorgnis dahinterstehen. Man kann diese Frage zudem nicht allgemeingültig beantworten. Für eine Antwort ist der Kontext ausschlaggebend. Ist er privat oder beruflich? In der Berufswelt ist die Antwort klar: Sollte ein Mitarbeiter einen zu großen Teil seiner Arbeitszeit beispielweise auf Facebook unterwegs sein und seine eigenen Aufgaben vernachlässigen, ist ein Mitarbeitergespräch anzusetzen.

Grundsätzlich ist jeder für eigenes Verhalten selbst verantwortlich. Ausnahmen sind natürlich Kinder.

Im privaten Umfeld ist das anders. Hier ist grundsätzlich jeder für eigenes Verhalten selbst verantwortlich. Ausnahmen sind, wie gesagt, natürlich Kinder. Ansonsten gibt es keinen Grund, sich einzumischen, wenn es dem Betreffenden mit seiner Art der Nutzung der sozialen Netzwerke gutgeht und er sein Leben geregelt bekommt. Was nicht heißt, dass eine intensive Verwendung solcher Dienste keine sozialen Irritationen, etwa in Beziehungen, auslösen könnte.

Die Frage lautet grundsätzlich: Wer leidet? Derjenige, der sich unwohl fühlt, hat das Problem. Er sollte sich fragen, ob er einfach nur genervt oder tatsächlich besorgt ist. Im ersten Fall könnte er untersuchen, welches seiner Bedürfnisse zu kurz kommt, und ein Gespräch suchen. In diesem teilt er am besten zuerst seine Beobachtung mit. Dann, wie er sich damit fühlt, und was er sich wünscht. Ein Beispiel: „Ich erlebe fast jeden Abend, dass du mindestens eine Stunde lang dein Facebook-Profil checkst. Ich fühle mich ignoriert und würde gerne einen Teil dieser Zeit mit dir verbringen.“

Man kann es nicht oft genug sagen: Ich-Botschaften bringen es! Der Angesprochene wird eine solche Mitteilung bestimmt nicht ignorieren. Wenn er selbst ein Interesse an der Beziehung hat, wird er darauf eingehen. Vielleicht war ihm dieses Bedürfnis gar nicht bewusst. Auszusprechen, was man empfindet, kann häufig schon helfen. Der Kritisierte sollte nun ehrlich zu sich selbst sein und sich fragen, was ihm selber wichtig ist. Es wird sich sicher eine Lösung finden lassen, die alle Beteiligten zufrieden stellt. Manchmal stellt der Medienkonsum gar nicht das eigentliche Problem dar, sondern in der Beziehung liegt grundsätzlich etwas anderes im Argen. Ich denke, es ist sinnvoll, nicht zu lange damit zu warten, eine solche Situation anzusprechen. Wird der Frust lange aufgestaut, kann es schwieriger werden, und sehr emotional.

Belehrungen und Zurechtweisungen laufen in der Regel ins Leere.

Im zweiten Fall, wenn sich jemand Sorgen um jemand anderen macht, sollte man ebenfalls das Gespräch suchen. Vorwürfe helfen hier nicht weiter. Auch hier ist es nützlich, die eigene Beobachtung aus der Ich-Perspektive mitzuteilen und danach zu fragen, warum der oder die Betreffende soviel Zeit mit den sozialen Medien verbringt. Möglicherweise ist die Antwort ja einleuchtend und nachvollziehbar. Die Sorgen waren dann unbegründet. Sollten einem die Motive bedenklich erscheinen, besteht meiner Meinung nach nur die Möglichkeit, den eigenen Standpunkt darzustellen. Man kann also aussprechen, welche Bedenken vorhanden sind, was sich aus dem Verhalten ergeben könnte und wie man selbst damit umgehen würde. Dann muss der Betreffende selbst entscheiden, ob er die Argumente annimmt. Belehrungen und Zurechtweisungen laufen in der Regel ins Leere, da sich das Gegenüber nicht verstanden fühlt.

Generell bin ich der Meinung, dass es wichtig und richtig ist, ein auffälliges Verhalten zur Sprache zu bringen. Der Zeitpunkt sollte so gewählt sein, dass genügend Raum und Ruhe dazu vorhanden sind. Die Gesprächsatmosphäre sollte annehmend und möglichst entspannt sein. Ein Austausch der Standpunkte kann an sich schon sehr klärend und hilfreich sein; für beide Seiten.

Wie nutzen Sie eigentlich selbst Facebook privat und beruflich?

Computer gehören zu meinem Leben, seit es sie im Einzelhandel  zu kaufen gibt. Mein erster Computer war ein Commodore VC 20. Seitdem habe ich so ziemlich alle Entwicklungen mitgemacht. Facebook als eine prominente Kommunikationsplattform habe ich zu Beginn nur sporadisch benutzt. Mit der steigenden Anzahl an Freunden erreichten mich immer mehr unterhaltsame und interessante Nachrichten und Anregungen, denen ich ohne Facebook nicht begegnet wäre. Auch der unmittelbare persönliche Austausch verstärkte sich mehr und mehr, entweder über die Timeline oder als persönliche Nachricht. Mittlerweile hat sich auch die berufliche Nutzung verstärkt: zum einen für den kollegialen Austausch und auch für den Kontakt zu Klienten. Aktuell bin ich mindestens einmal täglich auf Facebook. Neben meinem Facebook-Profil betreibe ich auch eine Facebook-Seite.

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Artikel vom 22. Juni 2016