Social Recruiting: Ein Überblick zu Nutzen, Möglichkeiten & Trends

Unternehmen begeben sich zur Suche ihres Traumkandidaten für eine Stellenausschreibung inzwischen auch in die sozialen Netzwerke – weil sie dort so viele Menschen erreichen können und diese Plattformen gute Tools und Funktionen bieten, die die Kandidatensuche erleichtern. In diesem Artikel erklärt Jakob Osman von der Agentur „Junges Herz“, welche Möglichkeiten es für dieses „Social Recruiting“ gibt und wie Sie diese nutzen können.

(Illustration: © mast3r, Fotolia.com)

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Was ist Social Recruiting?

Social Recruiting ist eine Maßnahme des E-Recruiting – der Personalbeschaffung über das Internet – und bezeichnet das Unterfangen von Unternehmen, über soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. Arbeitskräfte zu gewinnen. Häufig wird das Phänomen auch als Social Hiring oder Social Media Recruitment bezeichnet.

Unternehmen können in zweierlei Hinsicht in sozialen Netzwerken tätig sein:

  • Eine Möglichkeit ist das „Social Profiling“: Unternehmen können in einem Portal auf sich aufmerksam machen, indem sie zielgruppengerechte Werbeeinblendungen platzieren. Dieses passive Vorgehen hat den Vorteil, dass neben Jobsuchern auch Personen, die aktuell keine Arbeit suchen, von dem Arbeitgeber und seiner Stellenausschreibung erfahren.
  • Als zweite Möglichkeit können sich Unternehmen durch „Social Distribution“ in soziale Netzwerke einbringen. Zahlreiche Nutzer sind bei Social-Media-Plattformen registriert und geben dort ihre Interessen an, sind in Interessengruppen aktiv und teilen mit ihren Kontakten relevante Inhalte – das alles bietet ein enormes Informationspotenzial. Unternehmen können dann mit diesen Personen in Kontakt treten und sie auf eine offene Stelle hinweisen.

Wozu braucht man Social Recruiting?

Immer mehr junge Menschen tummeln sich in den sozialen Netzwerken. Aber das ist noch nicht Grund genug für einen Einstieg in das Feld des Social Recruiting. Eine Untersuchung der Universität Bamberg zu den Recruiting Trends des Jahres 2015 kam zu dem Ergebnis, dass die tausend stärksten deutschen Unternehmen nach dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel auch in den sozialen Medien einen wesentlichen Trend in der Personalbeschaffung sehen.

Die befragten Unternehmen haben bereits 30% ihrer offenen Stellen im Jahr 2015 in den sozialen Netzwerken ausgeschrieben. Die Bedeutung dieser Netzwerke wird für Personaler in den nächsten Jahren weiter steigen, wenn zunehmend mehr junge Nutzer das erwerbsfähige Alter erreichen.

Es gibt noch weitere Gründe, welche die sozialen Medien als Recruiting-Kanal für Ihr Unternehmen interessant machen können:

Geringer Kostenaufwand: Maßnahmen des Social Recruiting sind günstig. Dabei sollte für Sie nicht der Trugschluss entstehen, dass der Unternehmensauftritt in sozialen Netzwerken keinerlei Kosten für Sie verursachen wird. Im Vergleich zu den traditionellen Maßnahmen des Personalmarketings sind Kosten für Social Media allerdings geringer. Sie können zunächst kostenlos ein Profil für Ihr Unternehmen in einem sozialen Netzwerk eröffnen. Danach stehen Ihnen zahlreiche Wege offen, über die Sie kostenfrei oder zu günstigen Konditionen in dem Netzwerk tätig werden können. Vergessen Sie hierbei allerdings nicht laufende Kosten, um das Profil aktuell zu halten, damit es für potenzielle Interessenten auch ansprechend ist. Weiter unten erfahren Sie mehr zu möglichen Inhalten.

Zielgerichtete Kandidatensuche: Auf dem Profil Ihres Unternehmens können Sie Stellenanzeigen und Inhalte veröffentlichen, die für Jobsuchende interessant sind. Darüber hinaus können Sie sich aktiv auf die Suche nach geeigneten Kandidaten begeben. Die Suchfunktionen unterstützen Sie bei der zielgerichteten Suche: So können Sie sie auf bestimmte geografische Eckdaten oder Interessen einschränken. In diesem Zusammenhang hat sich der Begriff „Active Sourcing“ ausgeprägt. Dabei geht es nicht nur darum, dass Sie schnell einen passenden Kandidaten für eine gerade zu besetzende Stelle finden. Vielmehr kann das Active Sourcing dabei helfen, ein Netzwerk aus Kandidaten aufbauen, die gut zu Ihrem Unternehmen passen. Möchten Sie in Zukunft eine weitere Stelle besetzen, können Sie dann im Idealfall auf dieses bereits vorhandene Netzwerk zurückgreifen und damit Zeit sparen.

Mehr Kandidaten erreichen: Im Vergleich zu traditionellen Kanälen der Personalbeschaffung können Sie durch Social Media weit mehr Personen erreichen. In den sozialen Netzwerken können Sie nicht nur den Kontakt zu Jobsuchern aufnehmen. Es ist für Sie auch möglich, Personen anzusprechen, die sich derzeit bereits in einem festen Arbeitsverhältnis befinden. Über Social Media können Sie also auf „versteckte Kandidaten“ einwirken und diese gegebenenfalls zu einem Jobwechsel motivieren.

Employer Brand bekannt machen: Nicht zuletzt führt Ihr Social-Media-Auftritt dazu, dass der Bekanntheitsgrad Ihres Unternehmens steigt. Die sozialen Netzwerke bieten Ihrem Unternehmen damit die Möglichkeit, sich der Öffentlichkeit als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Dies stärkt Ihre Employer Brand, die heutzutage immer wichtiger wird. Besonders kleinere Unternehmen mit schwacher Arbeitgebermarke können von der Präsenz in den sozialen Medien profitieren. Sie können geeignete Kandidaten auf offene Stellen hinweisen. Haben diese kein Interesse an einer Bewerbung, können sie die Stellenausschreibung an Kontakte in ihrem Netzwerk weiterleiten. Veröffentlichen Sie zudem auf Ihrem Profil regelmäßig qualitativ hochwertige Inhalte, die für Jobsucher interessant sind, können Sie so die „viralen“ Effekte der sozialen Netzwerke nutzen.

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Wie setzt man Social Recruiting im Alltag ein?

Schauen wir uns jetzt einmal genauer an, wie Sie Social Media für Ihr Recruiting nutzen können.

Offene Stellen besetzen: Viele Unternehmen nutzen ihr Social-Media-Profil, um offene Stellen auszuschreiben. Sie können dazu auf einfache Weise Ihre Karriereseite mit einem sozialen Netzwerk verknüpfen, indem Sie den Link einer Stellenanzeige auf Facebook oder in anderen Portalen teilen. Damit noch mehr Nutzer auf die Ausschreibung aufmerksam werden, können Sie Ihre Follower dazu animieren, die Anzeige mit ihren Kontakten zu teilen. Dadurch erreichen Sie nicht nur eine größere Zielgruppe, sondern bringen eventuell auch mehr Personen auf Ihre Unternehmenswebseite.

Kontakt mit interessanten Kandidaten aufbauen und halten: Anstatt darauf zu warten, dass Kandidaten auf eine Stellenanzeige reagieren, können Sie aktiv nach diesen suchen und selbst Kontakt aufnehmen. Eine gute Möglichkeit, um in den sozialen Netzwerken auf geeignete Kandidaten aufmerksam zu werden, sind Interessengruppen. In diesen tauschen sich Nutzer zu bestimmten Themen aus und teilen interessante Beiträge. Bevor Sie sich auf Ausschau begeben, sollten Sie somit die Interessen und Themen identifizieren, die für Ihr Unternehmen und Ihre Stellen relevant sind.

Dabei gilt: Nutzer, die sich aktiv in Diskussionen einbringen und gute Beiträge veröffentlichen, sind meist auch engagierte Mitarbeiter. Je nach Plattform können Sie anhand der Profile noch weitere Informationen finden – mehr als durch ein Bewerbungsschreiben. Haben Sie einen interessanten Kandidaten gefunden, können Sie diesen direkt auf eine offene Stelle hinweisen oder die Person zumindest in Ihr Netzwerk aufnehmen. Pflegen Sie Ihre Kontakte aktiv, indem Sie sich aktiv in die Diskussionen verschiedener Interessengruppen einbringen und Beiträge kommentieren. So steigern Sie gleichzeitig die Sichtbarkeit Ihres Unternehmens.

Sich als attraktiver Arbeitgeber zeigen: Nutzen Sie Ihren Social-Media-Auftritt nicht nur, um offene Vakanzen zu veröffentlichen. Gestalten Sie Ihr Unternehmensprofil ansprechend und bieten Sie Ihrer Zielgruppe stattdessen etwas, das für diese relevant ist und einen Mehrwert erzeugt. Veröffentlichen Sie in regelmäßigen Abständen neue Beiträge: Das muss nicht immer eine Stellenausschreibung, sondern kann auch mal ein Mitarbeiterinterview oder ein Unternehmensvideo sein. Auf diese Weise erfahren Kandidaten etwas über die Werte Ihrer Unternehmenskultur.

Kandidaten empfehlen lassen: Mitarbeiterempfehlungsprogramme bieten ein großes Potenzial für die Personalbeschaffung. Verschiedene Studien konnten zeigen, dass Unternehmen über das private Netzwerk ihrer Mitarbeiter Kandidaten finden können, die nicht nur gut qualifiziert sind, sondern auch zur Unternehmenskultur passen. Zudem bleiben Arbeitnehmer, die durch Mitarbeiter empfohlen wurden, dem Unternehmen länger treu. Was früher nur durch manuelle Mitarbeiterempfehlungsprogramme möglich war, läuft heutzutage dank innovativer Software-Lösungen auch automatisch: Diese Tools analysieren die Social-Media-Netzwerke Ihrer Mitarbeiter und schauen nach Kandidaten, die zu Ihrer Stellenausschreibung passen. Ihre Angestellten können eine Anzeige dann aus der Anwendung heraus mit Kontakten in ihrem Netzwerk teilen. Damit Ihre Mitarbeiter noch motivierter sind, Kandidaten zu empfehlen, sollten Sie ihnen attraktive Belohnungen bieten.

Welche Werte können gemessen werden?

Damit sich das Social Recruiting gegen andere Maßnahmen der Personalbeschaffung behaupten kann, müssen Erfolge in konkreten Kennzahlen festgehalten werden. Nur so lassen sich notwendige Anpassungen in der Strategie erkennen.

Auf einfache Weise können Sie zunächst die Größe Ihres Netzwerkes ermitteln. Je nach Social-Media-Plattform kann das die Zahl der Kontakte, Follower oder Friends sein. Wesentlich interessanter ist jedoch die Frage, wie Kontakte in den sozialen Netzwerken mit Ihnen interagieren: Wie viele Personen kommentieren Ihre Beiträge? Wie viele Personen teilen Ihre Stellenanzeigen mit ihren Kontakten? Über diese Zahlen können Sie erkennen, welche Ihrer Inhalte das Interesse der Nutzer wecken und welche Themen weniger beliebt sind.

Werden Nutzer zudem durch Stellenanzeigen, die Sie in sozialen Netzwerken veröffentlicht haben, zu Ihrer Karriereseite weitergeleitet, können Sie schnell ermitteln, von welchem Portal der meiste Traffic ausgegangen ist. Sehr wahrscheinlich nutzen Sie bereits ein Statistiktool wie Google Analytics oder Piwik auf Ihrer Seite. Dadurch erkennen Sie, in welchen Netzwerken Ihre Zielgruppe am stärksten ausgeprägt ist. Im weiteren Verlauf können Sie analysieren, wie viele Bewerbungen durch die einzelnen Portale initiiert wurden und wie viele zu einer Einstellung geführt haben.

Zudem können Sie messen, wie hoch die Fluktuationsrate der über die sozialen Medien gewonnen Kandidaten ist und wie stark sich diese von Kandidaten unterscheidet, die über traditionelle Kanäle gewonnen wurden.

Zukunftsperspektiven des Social Recruiting

Die sozialen Medien unterliegen einem raschen Wandel. In den nächsten Jahren werden die folgenden Trends einen großen Einfluss auf das Social Recruiting haben.

Mobile Recruiting: Immer mehr junge Nutzer verwenden Smartphones und Tablets, um unterwegs in den sozialen Netzwerken zu surfen – immer häufiger auch, um dort nach Stellenanzeigen zu schauen oder sich über Unternehmen zu informieren. Eine Mobile-Recruiting-Strategie wird deswegen für Unternehmen in Zukunft wichtiger werden. Dies beginnt schon damit, dass Sie eine mobile Version Ihrer Karriereseite anbieten sollten. Denn viele Nutzer verlieren bereits ihr Interesse, wenn die Seite auf ihrem Smartphone in der Desktop-Variante angezeigt wird. Zukünftig sollen über das Mobiltelefon auch Ein-Klick-Bewerbungen und Bewerbungen ohne Anschreiben und Lebenslauf möglich sein.

Zum Thema „Mobile Social“ gab es bereits eine eigene Ausgabe des UPLOAD Magazins, die Sie kostenlos auf der Website lesen können.

Influencer Marketing: Es ist mittlerweile nichts Neues mehr, dass Unternehmen und Marken bekannte Persönlichkeiten als Werbefiguren einsetzen. Ein ähnliches Prinzip wird beim „Influencer Marketing“ angewendet. Allerdings handelt es sich dabei nicht zwingend um prominente Personen, sondern sogenannte „Meinungsführer“. Diese Meinungsführer sind meist gewöhnliche Internetnutzer, die in sozialen Netzwerken oder auf Video-Portalen wie Youtube über bestimmte Themen berichten und dadurch ein großes Publikum begeistern. Viele Unternehmen machen sich die Macht dieser Personen bereits im Rahmen der Produktwerbung zunutze. Arbeitgeber werden das Influencer Marketing in Zukunft verstärkt nutzen, um die Attraktivität des Unternehmens oder bestimmter Berufsfelder zu steigern.

Mehr zum Thema Influencer Marketing finden Sie in diesem zweiteiligen UPLOAD-Artikel von Falk Hedemann.

Video Recruiting: In den nächsten Jahren wird es für Unternehmen kaum noch möglich sein, gute Bewerber allein durch eine textbasierte Stellenanzeige anlocken zu können. Gerade junge Kandidaten können dadurch nicht mehr begeistert werden. Vine-Clips oder kurze Videos, die über die sozialen Netzwerke veröffentlicht oder in eine Stellenanzeige integriert werden, können hingegen attraktive Blickfänger sein. Das Bewegtbild wird deswegen im Rahmen des Personalmarketings immer wichtiger werden. Unternehmen sollten auf gute Inhalte achten und falsche Wahrheiten vermeiden, denn Bewerber möchten vor allen Dingen herausfinden, ob das Unternehmen zu ihnen passt.

Welche Netzwerke werden immer wichtiger?

Meist war es ausreichend, wenn Unternehmen in den vergangenen Jahren auf Portalen wie Facebook, Twitter, LinkedIn und Xing vertreten waren. Künftig wird das nicht mehr genug sein, denn die Beliebtheit anderer Netzwerke steigt stetig. Ganz vorn dabei sind Instagram, Pinterest und Snapchat. Instagram und Pinterest sind Plattformen, über die Nutzer Internetinhalte mit ihren Kontakten teilen können. Es geht hier vor allen Dingen um Bilder. Diese Portale bieten somit großes Potenzial, um Werte der Unternehmenskultur zu vermitteln oder einen Einblick in Berufe oder das Unternehmen zu ermöglichen. Auch der Instant-Messenger Snapchat eröffnet neue Möglichkeiten für das Recruiting: Einige Unternehmen nutzen die App schon, um mit kurzen Videos, die nur 24 Stunden im Internet verfügbar sind, Kandidaten zu begeistern. Andere Unternehmen fordern ihre Bewerber auf, selbst kurze und kreative Bewerbungsvideos mithilfe der Snapchat-App zu drehen.

Auch zu Snapchat gab es bereits eine eigene Ausgabe des UPLOAD Magazins, die inzwischen komplett auf der Website veröffentlicht ist.

Und zu Instagram sollten Sie sich auf UPLOAD den ausführlichen Artikel von Kristina Kobilke ansehen

Artikel vom 29. August 2016