Unser Weg zum Web-Abo „UPLOAD Magazin Plus“ (2): Wie wir es umgesetzt haben

Wer selbst im Netz etwas auf die Beine stellen will, hat heutzutage oftmals ein Luxusproblem: Es gibt so viele verschiedene Wege, das Ziel zu erreichen. So ging es uns auch, als wir über ein Web-Abo nachgedacht haben. Wir haben dafür nun eine Membership-Website mit WordPress und WooCommerce umgesetzt. In diesem Artikel zeichnen wir unseren Gedankengang nach, erklären unsere Entscheidungen und zeigen die Hürden auf, die wir zu überwinden hatten.

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Was wir mit „UPLOAD Magazin Plus“ machen und warum, hatte ich in diesem Beitrag erklärt. Wer den noch nicht gelesen hat, sollte das jetzt nachholen. Denn unsere Entscheidungen haben natürlich mit den Zielen zu tun, die wir erreichen wollen.

Zudem eine Warnung vorweg: Ich nehme nicht für mich in Anspruch, den einzig wahren Weg gefunden zu haben. Im Gegenteil: Wir werden erst im Laufe der nächsten Monate und Jahre sehen, ob wir uns richtig entschieden haben. Glücklicherweise sollte es möglich sein, den Kurs zu korrigieren, sofern das nötig ist.

Genug der Vorrede. Hier nun unsere Überlegungen und Entscheidungen. Ich habe dazu auch ein Video gemacht:

Basis: WordPress

Wir setzen auf WordPress für unsere Website und es stand nie wirklich zur Debatte, daran etwas zu ändern. Wir haben über die Jahre gute Erfahrungen damit gemacht. Man findet sehr leicht Entwickler und Helfer, die sich damit auskennen. Es gibt eine enorm aktive Community. Zu praktisch jeder Fragen finden sich online Antworten (oder ein passendes Plugin…). Und nicht zuletzt wird WordPress von Automattic konsequent vorangetrieben.

WordPress ist dabei nicht perfekt. So ist es von Haus aus kein professionelles Redaktionssystem. Und es ist auch nicht speziell darauf vorbereitet, ein modernes digitales Magazin zu publizieren. Aber es bietet eine sehr gute Ausgangsbasis.

Nicht zuletzt ist es Open Source. Und das bedeutet für uns: eine gewisse Sicherheit, sich nicht komplett abhängig zu machen. Schließlich kann man WordPress selbst anpassen und erweitern (lassen).

Sicherlich gibt es Systeme dort draußen, die Vieles besser können als WordPress, moderner und sauberer programmiert sind, von vornherein für Redaktionen gedacht sind etc.

Aber letztlich war keine Option davon verlockend genug, um den Schritt zu wagen.

WordPress also ist und bleibt unsere Basis.

Das passende Tool fürs Web-Abo finden

Für unser Web-Abo suchten wir im Grunde nach einer Lösung für eine „Membership-Site“. Das sind Seiten, bei denen bestimmte Inhalte nur für Mitglieder (in unserem Fall: Abonnenten) sichtbar sind. Und wer das einmal kombiniert mit WordPress sucht, wird auf etliche Angebote stoßen. Das Thema ist vor allem in „Geld verdienen im Netz“-Kreisen sehr beliebt.

Nützlich waren bei der Recherche vor allem diese beiden Seiten:

Wer sich das alles durchlesen will, hat erst einmal zu tun…

Letztendlich haben wir uns für eine recht neue Lösung entschieden: WooCommerce in Verbindung mit den Addons „Memberships“ und „Subscriptions“. Siehe dazu:

WooCommerce ist eine Shoplösung für WordPress. Man kann damit also auf Basis einer WordPress-Site seinen Onlinestore umsetzen. Und das ist ein Pluspunkt, denn wir wollten gern mehr machen als nur das Web-Abo. So werden wir dort beispielsweise auch unser erstes eigenes E-Book verkaufen.

WooCommerce gehört außerdem inzwischen zur WordPress-Firma Automattic. Das gab uns das sichere Gefühl, dass dieses Tool auch noch im nächsten Jahr existiert und weiterentwickelt wird.

Außerdem gibt es mehrere Lösungen, um WooCommerce für den deutschen Markt anzupassen. Das ist ein generelles Problem mit vielen Kandidaten: Sie sind für den US-Markt gemacht, der aber ganz andere rechtliche Voraussetzungen hat und auch ansonsten anders funktioniert. Wir hatten den Eindruck: Okay, wir werden das relativ einfach anpassen können.

Und nicht zuletzt haben die oben verlinkten Testberichte gezeigt, dass die WooCommerce-Addons „Memberships“ und „Subscriptions“ bereits heute auf einem sehr guten Stand sind. Sie bieten nicht alles, was die Konkurrenten haben, aber doch eine ganze Menge. Und wir sind einfach einmal optimistisch, dass WooCommerce diese Addons fleißig weiterentwickeln wird. Es gibt zwar viel Konkurrenz. Aber viel Konkurrenz bedeutet auch: Da gibt es einen großen Markt.

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass es hier mit DigiMember auch eine deutschsprachige Alternative gibt, die zugleich eine Rundum-sorglos-Lösung sein will. Mein Eindruck war allerdings, dass wir uns hier erneut von einem einzigen Anbieter abhängig machen. In meinen Recherchen fand ich beispielsweise heraus, dass DigiMember wohl sehr vehement den Zahlungsweg via DigiStore24 propagiert und andere Einbindungen eher stiefmütterlich behandelt. Meine Anfragen an den Support im Vorfeld der Entscheidung wurden außerdem nur sehr schleppend beantwortet. Und nicht zuletzt muss ich ganz offen und ehrlich sagen, dass ich Automattic mehr zutraue.

Ich will hier aber keinen Streit vom Zaun brechen oder das Angebot von DigiMember schlecht reden. Zu uns und unseren Plänen hat es aber zum heutigen Stand der Dinge nicht gepasst. Wer eine schlüsselfertige Lösung für den deutschsprachigen Raum sucht, wird hier aber eventuell fündig.

WooCommerce und die Addons „Memberships“ und „Subscriptions“

Zurück zu WooCommerce und den Addons: Am Anfang war mir noch nicht ganz klar, wie das wirklich funktionieren würde. Zunächst hatte ich im Hinterkopf, dass wir einen eigenen, abgeschlossenen Bereich für Mitglieder schaffen würden (denn mit WordPress lassen sich ja auch mehrere getrennte Blogs parallel betreiben – das nennt sich „Multisite“).

Letztlich hat sich gezeigt, dass wir es idealerweise direkt auf unserer Hauptseite installieren sollten. Dadurch sparen wir uns Arbeit und gewinnen Flexibilität, weil wir die Inhalte nur einmal erstellen und erfassen. Nachteil ist, dass die Seite übersichtlich und funktional sein muss, ob man nun als Abonnent eingeloggt ist oder nicht.

Die einzelnen Elemente spielen nun also wie folgt miteinander zusammen:

  • WordPress ist die oben schon vorgestellte Basis. Wir haben damit ein gutes System zur Hand, um Inhalte aller Art zu erstellen, zu veröffentlichen und zu verbreiten. WordPress selbst ist kostenlos.
  • WooCommerce erweitert WordPress um einen Shop. Das bedeutet in der Praxis: Es fügt eine handvoll Seiten sowie neue Einstellungen hinzu. Die Startseite ist standardmäßig weiterhin das WordPress-Blog, aber solche Dinge kann man bekanntlich praktisch nach Belieben anpassen. Daneben gibt es eine Startseite für den Shop, Einzelseiten für die Produkte, einen Warenkorb, eine Kasse etc.pp. Das grundlegende WooCommerce-Plugin ist kostenlos.
  • „Memberships“ ist ein kostenpflichtiges Addon für WooCommerce von WooCommerce selbst. Durch dieses Addon gewinnt man viele Optionen hinzu, um Mitgliedschaften anzulegen und zu bestimmen, welche Nutzer was sehen können. Verkauft werden diese Mitgliedschaften über den eigenen Shop.
  • „Subscriptions“ zu guter Letzt ist ebenfalls ein kostenpflichtiges Addon von WooCommerce selbst. Und damit kann man Abos verkaufen – nicht nur für digitale Waren wie bei uns, bei Spotify oder Netflix. Sondern auch für physische Produkte. In unserem Fall können wir die Abo-Funktion mit den Mitgliedschaften kombinieren. Wer ein Abo kauft, erwirbt also technisch gesehen eine zeitlich begrenzte Mitgliedschaft.

Das mag jetzt alles ein wenig kompliziert klingen, spielt aber gut miteinander zusammen, soweit ich das bislang beurteilen kann. Natürlich muss man alle diese Elemente getrennt voneinander aktuell halten beispielsweise. Aber gut: Nachteile handelt man sich immer ein. Mehr Freiheit bedeutet mehr Verantwortung – keine Überraschung.

Die Nutzer sehen von der Komplexität sowieso nichts: Sie kaufen das Abo im Shop und haben dann Zugang zu den neuen Inhalten. Den behalten sie so lange wie sie das Abo nicht kündigen. In einem eigenen Bereich „Mein Konto“ sehen sie, welche Inhalte, Produkte und Rabatte zu ihrer Mitgliedschaft gehören.

Ein Nachteil von WooCommerce – oberflächlich betrachtet: Während das grundlegende Plugin kostenlos ist, kostet so ziemlich jede ergänzende Funktionalität Geld. Und nicht gerade wenig, wenn man noch gar keine Umsätze hat oder wie in unserem Fall gar nicht abschätzen kann, wie hoch die Umsätze einmal sein werden. Hier muss man sich also manchmal bescheiden und eine Funktionalität verschieben, wenn man das Geld nicht ausgeben will.

Ich persönlich bezahle allerdings gern Geld für die Plugins, auch jährlich wiederkehrend. Das gibt mir das Gefühl, dass sie weiterentwickelt werden und ich Support bekomme, wenn ich ihn brauche. Und ich kann zum Beispiel sagen, dass ich einen sehr netten und am Ende hilfreichen Austausch (auf English) mit dem Support für das „Subscriptions“-Addon hatte.

Weitere Schritte und Hürden bis zur Umsetzung

Nur mit der Installation von WooCommerce und den beiden Addons ist es aber natürlich noch nicht getan. So ging es bei uns weiter:

  • Das Design muss angepasst werden. WooCommerce hat viele Seiten, die schon automatisch recht ordentlich aussehen können, ohne dass man etwas am eigenen Theme ändern muss. Aber vor allem die Shop-Startseite braucht eine helfende Hand.
  • Man braucht Bezahl-Gateways. Wir starten mit PayPal und mit Kreditkartenzahlungen via Stripe. Für beide gibt es kostenlose WooCommerce-Addons.
  • Man muss sich darum kümmern, dass der Shop auch dem deutschen Recht genügt. Dabei hilft uns die kostenlose Version des Addons Germanized.
  • Außerdem wollten wir gern rechtlich auf der sicheren Seite sein und haben dazu auf www.gepruefter-webshop.de zurückgegriffen. Die haben die Rechtstexte geliefert, haben den Shop kontrolliert und stehen dafür im Falle einer Abmahnung gerade. Ich wollte bei diesem Thema unbedingt auf der sicheren Seite sein, auch wenn wir dadurch nun einen monatlichen Betrag bezahlen. Angebote gibt es hier übrigens etliche. Wir haben uns nicht für den günstigsten Anbieter entschieden, sondern den, der aus unserer Sicht das beste Preis-/Leistungsverhältnis hatte.
  • Zudem müssen alle Texte übersetzt werden, die die Nutzer sehen. Für WooCommerce gibt es da bereits eine vollständige Übersetzung (auch in die für uns wichtige, formale „Sie“-Variante von Deutsch), nicht aber für Memberships und Subscriptions. Hier muss man dann noch manuell ran. Mithilfe des WordPress-Plugins Loca Translate kann ich jeden Text sehr einfach direkt bei uns im Backend übersetzen. Das macht zwar Arbeit, funktioniert aber gut.
  • Nicht zuletzt gibt es in all den genannten Plugins und Addons etliche Einstellungen, die man vornehmen kann, soll und muss. Die Zeit sollte man nicht unterschätzen, zumal sich hier auch zahlreiche grundsätzliche Fragen stellen.
  • Und dann muss das alles am Ende natürlich sinnvoll in die bereits laufende Seite integriert werden. Wir brauchen also neue Navigationspunkte und müssen alle Erklärtexte zum Abo anpassen.

Und wir sind da noch lange nicht fertig. Unser Shop und unser Abo haben eine funktionierende erste Version, aber die Wunschliste für Verbesserungen und Anpassungen ist lang.

Fazit

Natürlich haben Recherche der Tools und die Umsetzung am Ende eine Menge Zeit gekostet. Trotzdem kann ich sagen: Es ist durchaus machbar auch ohne großen Verlag und Investorengelder im Rücken. Man kann so etwas alles selbst umsetzen oder braucht nur hier und da Hilfe. Allerdings muss ich ehrlicherweise erwähnen, dass ich mir über die letzten 15, 20 Jahre viele Dinge beigebracht habe, die andere vielleicht nicht selbst machen würden. Ich habe kein Problem damit, WordPress oder die Plugins und Addons zu installieren, auch mal Elemente zu gestalten und selbst nach Lösungen für technische Schwierigkeiten zu suchen. Wer hier jedes Mal externe Hilfe braucht, wird logischerweise langsamer vorankommen und zugleich mehr Geld brauchen.

Letztlich glaube ich, dass wir uns eine gute Grundlage für kommende Unternehmungen geschaffen haben. Endlich haben wir unsere Abos selbst in der Hand. Endlich sind wir gestalterisch nicht mehr davon abhängig, was man in einem E-Book oder unseren Apps machen kann. Endlich sind wir unabhängiger von Plattformen wie Apples App Store oder Google Play.

Wer mehr dazu wissen möchte, was genau wir nun vorhaben und warum, findet das wie erwähnt in meinem ersten Artikel.

Und wer sich das einmal in der Praxis ansehen möchte:

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Artikel vom 07. Oktober 2016