Microsoft Teams: Die wichtigsten Fragen & Antworten zur Slack-Alternative

Microsoft Teams will den Markt der Kollaborations-Tools aufmischen und damit nicht zuletzt dem allseits beliebten Slack Konkurrenz machen. Jürgen Kroder erklärt in diesem Artikel, was Microsoft Teams kann und wie es im Vergleich dasteht.

Ein Blick auf Microsoft Teams. (Foto: Microsoft)

Ein Blick auf Microsoft Teams. (Foto: Microsoft)

Die tägliche Flut an E-Mails kann die Arbeit lähmen, gerade wenn man in großen Teams agiert oder mit vielen externen Partnern zu tun hat. Die Lösung dafür sollen Collaboration-Tools sein. Um eines davon herrscht seit ein paar Jahren ein gewisser Hype, weil es einen raketenhaften Aufstieg hinlegte. Von wem wir reden? Na klar, von Slack.

Der Erfolg dieses Online-Tools weckt Begehrlichkeiten bei anderen Firmen. Zum Beispiel bei Microsoft. Der Redmonder Konzern kündigte kürzlich seine Antwort auf Slack an: Microsoft Teams.

Was es damit auf sich hat, wie es funktioniert, was es kostet und was man ansonsten noch darüber wissen muss, erklären wir in diesem Artikel.

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Was ist Microsoft Teams?

Microsoft Teams ist laut Microsoft ein „chat based workspace“. Oder wie es auf der deutschen Seite heißt: „Die neue Chatumgebung in Office 365“.

Damit ist grob umrissen, worauf sich das neue Online-Tool fokussiert: auf Chats, also schnell verfasste Nachrichten. Diese kann man direkt an einzelne Nutzer oder ans ganze Team schicken. Oder man chattet mit ausgewählten Gruppen, zum Beispiel nur mit den Kollegen aus der Marketing-Abteilung.

Damit soll MS Teams wie andere Collaboration-Tools funktionieren: Man tauscht sich in Echtzeit aus, kann aber auch die Mitteilungen erst lesen, wenn Zeit dafür ist. Letzteres soll die Mail-Flut eindämmen. So kann man ganz flexibel mit seinen Kollegen oder externen Teams kommunizieren. Und dass, ohne das Informationen verloren gehen, denn die Chatverläufe werden gespeichert und sind somit jederzeit verfügbar.

Warum bringt Microsoft nun auch ein solches Tool?

Dafür gibt es sicherlich einige Gründe. Einer dürfe der gewaltige Erfolg von Slack sein, weswegen Microsoft bereits Interesse zeigte, den Newcomer zu übernehmen. Zudem versucht neuerdings auch Facebook mit seinem Angebot „Workplace“ (ehemals „Facebook at Work“) in den Markt mit Collaboration-Tools vorzustoßen.

Kein Wunder: Der Markt derartiger „Enterprise Social Software“ wächst, Analysten gehen von einem Volumen von rund acht Milliarden Dollar im Jahr 2019 aus.

Wann erscheint es? Wann ist der Release in Deutschland?

Microsoft Teams ist seit seiner Ankündigung in über 180 Ländern erhältlich – auch in Deutschland. Hierbei handelt es sich aktuell um die sogenannte „Customer Preview“, also um eine Vorab- bzw. Beta-Version.

Die fertige Fassung (sofern man davon bei einem Online-Produkt reden kann) soll im ersten Quartal 2017 veröffentlicht werden.

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Wer kann MS Teams nutzen?

Die Customer Preview steht nur den Kunden von Office 365 Enterprise oder Office 365 Business zur Verfügung. Damit sind genauer gesagt die Fassungen Enterprise E1, E3 und E5 sowie Business Essentials und Business Premium gemeint, nicht aber das Basispaket Office 365 Business.

Laut Venturbeat.com scheint sich daran vorerst auch nichts zu ändern. Ein Microsoft-Pressesprecher sagte gegenüber dem Online-Magazin, dass es keine Pläne gebe, eine Consumer-Variante zu veröffentlichen.

Was kostet Microsoft Teams?

Theoretisch nichts. Das Chat-Tool ist wie oben erwähnt fester Bestandteil von Office 365 Business Essentials, Business Premium sowie Enterprise E1, E3 und E5. Somit zahlt man für die Nutzung des entsprechenden Office-365-Pakets, nicht für die einzelne Software. Im Fall von Office 365 Business Essentials sind das 4,20 Euro pro Benutzer pro Monat, bei Office 365 Business Premium ist man mit 10,50 Euro pro Nutzer und Monat dabei (Stand: 29.11.2016).

Diese werden durch die Integration von MS Teams nicht teurer. Das Tool stellt quasi eine kostenlose Ergänzung dar.

Gibt es eine kostenlose Version?

Nein. MS Teams ist derzeit nur in den angegebenen Office-365-Angeboten enthalten, es kann nicht einzeln bzw. losgelöst davon genutzt oder erworben werden. Zudem wird es keine kostenlose Fassung geben, wie Slack sie anbietet. Das sagte der Microsoft-Pressesprecher ebenfalls gegenüber Venturbeat.com.

Auf welchen Plattformen läuft MS Teams?

Microsoft Teams ist auf zahlreichen Plattformen nutzbar. (Foto: Microsoft)

Microsoft Teams ist auf zahlreichen Plattformen nutzbar. (Foto: Microsoft)

Getreu der Multiplattform-Strategie, die Microsoft schon seit einigen Jahren fährt, ist der Slack-Herausforderer unter Windows, macOS, Android, iOS und anderen Systemen per Browser nutzbar. Neben den Mobile Apps wurden mittlerweile auch Desktop-Apps veröffentlicht. Eine kompakte Übersichtsseite mit allen App-Downloads gibt es unter https://teams.microsoft.com/downloads.

Wie man deutlich sehen kann, ist den Redmondern die Plattform-Unabhängigkeit sehr wichtig. Microsoft Teams lässt sich somit auf Smartphones, Tablets, Notebooks und Desktop-PCs gleichermaßen nutzen. Eben jene Systeme, die im Business zum Einsatz kommen.

Wie lässt sich Microsoft Teams aktivieren?

Administratoren schalten Microsoft Teams für die Mitarbeiter frei, indem sie sich im Office 365 Admin Center in die Einstellungen begeben und unter „Services & Add Ins“ dann den recht neuen Punkt „Microsoft Teams“ anklicken.

Wie sieht es im Einsatz aus?

Die Screenshots zeigen, dass das Office-Programm die Anmutung moderner Windows-Anwendungen hat. Die Struktur der Chats erinnert an Yammer oder Slack. Auf einen Blick hat man alles Wichtige im Blick, mit kleinen roten Markierungen wird man auf Updates und wichtige Informationen hingewiesen. Das alles ist nichts Neues – aber das ist auch gut so.

Der Image-Trailer untermauert zusätzlich, dass die Bedienung wohl ganz einfach und intuitiv ausfällt:

Microsoft Mechanics zeigt mehr Details und geht in die Tiefe, wie MS Teams funktioniert:

Wie bedient man Microsoft Teams?

Eigentlich wirkt die Bedienung ganz intuitiv, gerade wenn man schon einmal mit anderen solchen Chat-Tools gearbeitet hat. Wer trotzdem unsicher ist oder spezielle Fragen hat, sollte sich zuerst in der Microsoft Virtual Academy die Tutorial-Videos anschauen.

Bleiben danach noch Fragen offen oder sind Bugs aufgetaucht, ist die Microsoft Tech Community ein guter Anlaufpunkt für weitere Antworten.

Was macht es besonders?

Microsoft erfindet mit Teams das Rad nicht neu. Muss es auch nicht unbedingt. Um sich aber von der Konkurrenz abzuheben, konzentriert man sich auf die eigenen Stärken – und das sind die anderen Software- bzw. Online-Produkte.

Eine Besonderheit von Microsoft Teams ist, dass es in den Chats einen Video-Button gibt. Klickt man auf diesen, kann man eine Adhoc-Konferenz über Skype abhalten. Mit wenigen Klicks lädt man einzelne Leute aus dem Team oder das gesamte Team zu einer solchen Konferenz ein, ohne dass man dazu extra Skype starten müsste. Die Online-Meetings erfolgen entweder nur über die Tonspur oder in der gewohnten Videotelefonie-Ansicht mit Bild.

Lädt man Dateien wie Powerpoint-Präsentationen oder Excel-Sheets in einem Chat hoch, werden diese in der Sharepoint-Teamseite abgelegt, wo sie jeder Nutzer ohne Probleme öffnen und bearbeiten kann. Zudem lassen sich ganz einfach Word-, Notes- oder OneNote-Dokumente in Chats einbinden. Die größte Stärke ist also die fast barrierefreie Vernetzung und Integration anderer Office-Tools.

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Memes treffen auf Kurvendiagramme, Spaß auf Business: Microsoft möchte mit Teams offensichtlich verschiedene Zielgruppen ansprechen. (Foto: Microsoft)

MS Teams bietet noch weitere Alleinstellungsmerkmale, zum Beispiel die spielerische Integration von Stickern und Memes. Und es ist nicht alleine nutzbar, also ohne ein entsprechendes Office-365-Abo. Dementsprechend entfällt die Möglichkeit, Microsoft Teams kostenlos zu nutzen – was ja eine Stärke von Slack ist.

PS: Welche Unterschiede Microsoft Teams noch im Vergleich mit Slack besitzt, erklärt PCMag.com recht gut.

Kann man auch externe Apps und Tools einbinden?

Ja. Wie bei Slack lassen sich auch bei Microsoft Teams fremde Dienste („Apps“) nutzen bzw. einbinden, wozu beispielsweise Trello, Github und RSS-Feeds gehören. Man kann davon ausgehen, dass die Auswahl an Nicht-Office-Tools noch zunehmen wird.

Wie sieht es mit der Datensicherheit aus?

Laut Microsoft werden diverse Sicherheits- und Compliance-Standards unterstützt, wozu unter anderem ISO 27001, SOC 2 und HIPAA gehören. Zudem werden Daten bei der Speicherung und Übertragung verschlüsselt, eine mehrstufige Authentifizierung soll für verbesserten Identitätsschutz sorgen.

Welche Alternativen zu MS Teams gibt es?

Einige. Angefangen über das schon mehrfach erwähnte und gehypte Slack über Workplace by Facebook, Mattermost und HipChat bis hin zu Friends, Flip und dem Microsoft-eigenen Yammer: Mittlerweile gibt es zahlreiche Tools, mit denen man chatten und Dateien austauschen kann. Jedes Tool besitzt seine ganz eigenen Vor- und Nachteile, je nach Anforderungen und Geschmack.

Was passiert mit Yammer? Wird es eingestellt?

Das bleibt weiterhin am Leben und ein Bestandteil von Office 365. Das belegt einerseits diese Infografik, die gezeigt wurde, als Microsoft-CEO Satya Nadella Microsoft Teams offiziell vorstellte.

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Yammer behält seinen Platz in Microsofts Office-365-Universum. (Grafik: Microsoft)

Außerdem erklärte uns gegenüber ein Mitarbeiter des deutschen Microsoft-Supports, dass man an Yammer festhalten werde – trotz der Überschneidungen mit MS Teams. Beide hätten ihre Daseinsberechtigung, da sie unterschiedliche Ausrichtungen böten. So sei Yammer beispielsweise eher für die unternehmensweite Kommunikation ausgelegt, Microsoft Teams eher für kleine und mittelgroße Gruppen.

Artikel vom 08. Dezember 2016