WooCommerce vorgestellt: Online-Shops mit WordPress umsetzen

WooCommerce ist eine flexible und leistungsfähige Shop-Erweiterung für WordPress. Während WordPress in Deutschland aber sehr beliebt ist, ist WooCommerce hierzulande eher unbekannt. Stephan Sperling und Luca Pipolo stellen es in diesem Artikel vor und beleuchten es aus Sicht von Kunden, Agenturen und Entwicklern.

Beispiele für WooCommerce-Shops (Foto: WooCommerce)
Beispiele für WooCommerce-Shops (Foto: WooCommerce)

2015 hat Automattic, die Firma hinter WordPress, WooCommerce übernommen. WordPress und WooCommerce kommen seitdem also aus einem Haus und werden parallel weiterentwickelt.

Datanyze.com errechnet für WooCommerce einen weltweiten Marktanteil von rund 29% im Bereich der Shopsysteme. Damit ist WooCommerce zwar die meistgenutzte E-Commerce-Plattform weltweit. Der Marktanteil bezieht sich aber nur auf Installationen und nicht auf das Umsatzvolumen der Shops, die mit WooCommerce arbeiten. Und in der Tat gibt es weltweit kaum große, bedeutende Shops, die damit laufen.

WooCommerce ist auf den ersten Blick also ein Massen-Tool für einfache, kleinere Shops. Große Unternehmen scheinen andere Shopsysteme zu bevorzugen.

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WooCommerce aus Kundensicht

Warum setzen Händler auf WooCommerce? Bei der Auswahl des passenden Shopsystems spielen viele Faktoren eine Rolle. Insbesondere bei kleineren und mittleren Unternehmen stehen die Kosten im Vordergrund. WordPress und WooCommerce sind als Open-Source-Software zunächst einmal kostenlos nutzbar und lassen sich daher mit sehr niedrigen Investitionen einsetzen. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen ohnehin schon Websites auf Basis von WordPress betreiben, dadurch ist der Shop schnell ins bestehende Content-Management-System integriert. Die Bedienung des Shops ist für WordPress-Nutzer außerdem recht einfach zu erlernen und auch für Neulinge keine große Herausforderung.

Darüber hinaus gibt es für viele individuelle Anforderungen bereits Lösungen. Auch hier spielt der enorme Marktanteil weltweit und die Open-Source-Architektur große Rolle: Fast jedes Problem wurde irgendwo auf der Welt schon einmal gelöst. Mit etwas Glück findet man also im offiziellen Extensions-Verzeichnis, im Plugin-Verzeichnis von wordpress.org oder auch bei Anbietern wie themeforest.com ein kostenloses oder kostenpflichtiges Plugin.

Kostenpflichtige Plugins kosten meist weniger als 100 Dollar pro Jahr (für Support und Updates) und sind damit auch für kleine Einzelhändler erschwinglich. Aber Achtung, oftmals sind die Plugins sowohl im Front- als auch im Backend nicht in deutscher Sprache verfügbar. Das kann durchaus zu Problemen führen: Zum einen bei der Arbeit im Backend (Nutzer muss Englisch verstehen) und zum anderen im Frontend, wo dadurch ein Mix aus Deutsch und Englisch entsteht, was das Vertrauen in einen Shop nicht unbedingt fördert. Hier muss man dann im Zweifel selbst übersetzen.

Problematisch ist zudem die Kompatibilität der verschiedenen Plugins untereinander. Oftmals stehen viele verschiedene Plugins zur Lösung eines Problems zur Verfügung – welches aber mit den anderen, bereits vorhandenen Plugins harmoniert, gilt es erst herauszufinden. Das Fehlen einheitlicher Standards ist der Preis, den man hier für günstige und vielfältige Lösungen zahlt. Um zu vermeiden, dass ein Plugin zu gravierenden Fehlern führt, empfiehlt sich deshalb der Einsatz eines eigenen Testsystems, auf dem neue Plugins ordentlich getestet werden, bevor sie in das Live-System übernommen werden.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass  Shops auf Basis von WooCommerce 50 und mehr Plugins enthalten. Die Überwachung der Kompatibilität, insbesondere auch nach Updates von WordPress und WooCommerce, kann so schnell zum Zeit- und Geldfresser werden. Der Schein des „kostenlosen“ Shopsystems trügt also, denn die versteckten Kosten und der Lösungsdruck können enorm sein.

Häufiger Kritikpunkt ist, dass WooCommerce nicht explizit für das deutsche E-Commerce-Recht ausgelegt ist: In seiner Grundform ist WooCommerce in Deutschland nicht rechtssicher einsetzbar. Die Lücke schließen kostenpflichtige Erweiterungen wie Marketpress German Market oder WooCommerce Germanized. Enthalten sind hier jeweils auch Muster der benötigten Rechtstexte, was die Einstiegshürde in den Onlinehandel für Neulinge wiederum deutlich verringert.

WooCommerce aus Agentursicht

Wir werden oft nach dem perfekten Shopsystem gefragt – eine sehr pauschale Frage, auf die es keine pauschale Antwort geben kann. Zu unterschiedlich sind die Anforderungen und Bedürfnisse der einzelnen Händler. Und ganz ehrlich: Wir haben unzählige Shopsysteme getestet und sind zu dem Schluss gekommen, dass es das perfekte Shopsystem schlicht nicht gibt. Die Aufgabe ist es also eher, das kleinste Übel für das entsprechende Projekt zu finden.

In unserer Agentursparte arbeiten wir seit 2013 aktiv mit WooCommerce. Dabei haben sich in den letzten Jahren folgende Probleme herauskristallisiert: Kleine Kunden suchen nach einer extrem günstigen Möglichkeit, einen Onlineshop zu betreiben. Auf den ersten Blick ist WooCommerce da eine gute Wahl. Tatsächlich aber benötigt auch ein WooCommerce Shop intensive (technische) Betreuung, wie oben schon angedeutet. Zudem gilt: Das Shopsystem ist zwar ein wichtiger Erfolgsfaktor, aber bei weitem nicht der entscheidende Faktor im E-Commerce. Das Sortiment, die Produktdarstellung und das aktive Marketing sind mindestens ebenso wichtig. Ein gutes Shopsystem sollte alle diese Prozesse optimal unterstützen, was WooCommerce sicherlich kann. Aber Shopbetreiber, die nur möglichst billig einen Shop online nehmen wollen, werden daher keinen Erfolg haben, wenn sie nicht außerdem bereit sind, in die weiteren Erfolgsfaktoren zu investieren.

Wer sich für ein Shopsystem entscheidet, sollte vor allem darauf achten, dass sich externe Dienste einfach anbinden lassen. Denn ein wichtiger Baustein einer erfolgreichen E-Commerce-Strategie ist die Präsenz auf externen Plattformen wie Google Shopping, Idealo, Amazon & Co. Der Shop sollte also externe Plattformen über eine Schnittstelle bestücken können und das idealerweise automatisiert. Dazu ist es besonders wichtig, dass sich sämtliche Produktdaten genau erfassen lassen, denn nur so kann man sie strukturiert wieder exportieren und mit allen notwendigen Informationen an andere Plattformen übergeben.

Bei größeren Projekten wird WooCommerce unserer Erfahrung nach sehr selten in Erwägung gezogen. Hier geht der Blick meist auf den Wettbewerb und die Entscheidung für ein System fällt nicht selten durch das beliebte Argument: „Was die haben, will ich auch haben!“ Das Fehlen großer, bekannter Referenzshops ist oftmals ein Hemmschuh für WooCommerce. Das ist schade, denn aus unserer Sicht ist die Erweiterung  nicht nur für kleinere Händler und Shops geeignet. Es lassen sich durchaus auch große Projekte mit vielen tausend Produkten und einigen Millionen Euro Jahresumsatz realisieren.

WooCommerce aus Entwicklersicht

Aus Entwicklersicht ist WooCommerce eine schnelle und einfach umzusetzende Lösung. Besonders kleine und  mittelgroße Händler können damit tolle Ergebnisse ohne viel Aufwand erzielen. Falls keine sehr spezifischen Features gebraucht werden, lässt sich das System problemlos mit den gut platzierten Schnittstellen an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Auf der anderen Seite gibt es aber zwei große Probleme, denen sich jeder stellen muss, der sich für WooCommerce entscheidet. Das erste betrifft die Performance: Vor allem große Shops mit vielen Produkten und Produktvarianten lassen die Ladezeiten und die Hardware-Anforderungen schnell in die Höhe schnellen. Das WooCommerce-Entwicklerteam arbeitet bereits mit einigen cleveren Ansätzen daran, dieses Problem zu lösen: In der letzten Version verbesserten sie die zuvor unzureichende und nicht-indexierte Datenbankstruktur und sie haben auf einen Vorschlag von uns hin auch einen Cache für Produktvarianten hinzugefügt.

Als Faustregel kann ich nur empfehlen genau zu evaluieren, wann es sich lohnt die vorhandenen WooCommerce-Funktionen zu nutzen und wann es der bessere Weg ist, eine angepasste Datenbank-Anfrage zu schreiben. In manchen Fällen – auch weil WooCommerce ein Produkt mit einer hohen Anwendungsbandbreite ist – liefern oder senden die Standard-Methoden der Anwendung viel mehr Informationen als notwendig sind. Hier können angepasste Abfragen und ein zusätzliche Cache der effizientere Weg sein.

Das zweite Problem ist die aktuelle Aufbereitung des Codes von WooCommerce: Verwirrende Klassen-Namen, extrem lange und sehr spezifische CSS-Selektoren und komplexe, verschachtelte Container zwingen Entwickler oft dazu, unsauberen Code zu schreiben, um ein Standardverhalten zu überschreiben. Die Verwendung von !important oder der Einsatz von noch komplexeren Selektoren sind oft die einzigen Verteidigungsmittel dagegen. Unglücklicherweise gibt es nicht viel, was man als Einzelperson dagegen ausrichten kann, und es scheint auch keine Pläne für einen Wechsel zu einem modularen und moderneren Frontend zu geben.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn man drei Punkte berücksichtigt, kann WooCommerce vielfältige Chancen bieten:

  • Dazu sollte man erstens sauberen und wiederverwendbaren Code schreiben, um die Komplexität von WooCommerce nicht noch weiter zu steigern.
  • Zweitens sollte man die aktuelle Performance-Schwäche bei vielen Produkten oder -varianten berücksichtigen
  • und drittens die Integration von weiteren Plugins sehr sorgfältig prüfen.

Zuletzt möchten wir noch dazu einladen, der Community rund um WooCommerce etwas zurückzugeben, in dem Verbesserungen vorgeschlagen oder sogar neue Features entwickelt werden. Dadurch können wir und alle anderen Entwickler mit einem Tool arbeiten, das nie aufhört sich zu verändern und weiterzuentwickeln.

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Updates & Sicherheit

WordPress und WooCommerce sind allein schon wegen ihrer Verbreitung und dem großen Marktanteil häufig Ziel von Angriffen. Wer jedoch wichtige Basics wie die Verwendung von sicheren Admin-Passwörtern beachtet und die regelmäßig erscheinenden Sicherheitsupdates zeitnah einspielt, kann sich vor Angriffen schützen.

Es gibt ein bis drei Mal pro Monat Updates für WordPress und WooCommerce, die die Angriffsfläche reduzieren. Jedes Update zieht in aller Regel auch Updates der Plugins nach sich. Das gilt insbesondere für neue Hauptversionen von WordPress, die auch Einfluss auf die Funktionsweise der Plugins haben können. Obwohl WordPress vorab Beta-Versionen zum Testen für die Entwickler der Plugins zur Verfügung stellt, ist es ratsam nach größeren Updates zu warten, bis alle Plugin-Anbieter ihre Plugins getestet und angepasst haben.

Updates sind ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor bei WooCommerce-Projekten. Unserer Erfahrung nach müssen Shops nach Updates intensiv getestet werden und oft finden wir dabei Dinge, die ein Entwickler beheben muss. Die Updates nicht zu machen, ist wiederum allein schon aus Sicherheitsgründen keine Option. Im Zweifelsfall enthält man sich dadurch auch neue Funktionen vor, die das Geschäft voranbringen können.

Plugin-Empfehlungen: Sinnvolle Erweiterungen für WooCommerce

Zu guter Letzt einige Plugins, ohne die kein Shop-Projekt von uns auskommt:


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 66

Mit WordPress lässt sich viel mehr umsetzen als so mancher glauben könnte – sogar ganz ohne Plugins und Programmierkenntnisse. Mit den richtigen Erweiterungen kann es dann aber auch richtig bunt zugehen. Wir zeigen Ihnen, was sich mit WordPress alles umsetzen lässt. Dabei gehen wir auch auf das „Projekt Gutenberg“ ein, dessen nagelneuer Block-Editor für teils heftige Diskussionen unter den Nutzern gesorgt hat. Bonus-Artikel abseits des Schwerpunkts: Influencer-Relations im B2B-Bereich an einem praktischen Beispiel erklärt.

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