Content Marketing: Leitfaden für die Zusammenarbeit mit Freelancern

Content Marketing ist alles andere als ein Selbstläufer – das hat sich mittlerweile hoffentlich ausreichend herumgesprochen. Aber selbst wenn sich Unternehmen für die Umsetzung Hilfe von außen holen, weil sie nicht das nötige Wissen besitzen oder die zeitlichen Ressourcen nicht ausreichen, gibt es noch genügend Fallstricke, in die man sich verheddern kann. Das gilt unter anderem auch für die Zusammenarbeit mit Freelancern. Der folgende Leitfaden von Falk Hedemann für die Zusammenarbeit im Content Marketing soll Ihnen einerseits eine Orientierung bieten und anderseits aufzeigen, wie sich Projekte aus der Perspektive von Freelancern darstellen.

Symbol Teamwork
(Foto: © LeonidKos, depositphotos.com)

Glaubt man den vielen Prognosen und Trends für 2019, so wird im Content Marketing unter anderem um die Professionalisierung gehen. Das ist auch gut so, denn noch immer wird diese Marketing-Disziplin bei vielen deutschen Unternehmen zu gering priorisiert, wie der Content Marketing Monitor Deutschland 2018 zeigt. Weniger als ein Fünftel der vom Deutschen Marketing Verband befragten Unternehmen steuern demnach ihr Content Marketing zentral. Und noch alarmierender: Jedes zweite Unternehmen arbeitet ohne Content-Marketing-Strategie oder -Konzept. Mitverantwortlich dafür ist sicher auch der von 74 Prozent beklagte Ressourcenmangel sowie die fehlende Expertise bei 49 Prozent der Befragten.

download-iconÜbrigens: Sie können sich UPLOAD-Ausgaben als E-Book herunterladen. Und für Abonnenten sind diese Downloads sogar kostenlos. Jetzt mehr über das Abo erfahren...

Gerade für die letzten beiden Aspekte bietet sich ein Outsourcing an, bei dem externe Dienstleister den operativen Teil des Content Marketings übernehmen. Häufig wird daraus eine zusätzliche Aufgabe für die „Haus-und-Hof-Agentur“, die bereits andere Aufgaben übernommen hat. Das kann durchaus eine sehr gute Lösung sein, wenn die Agentur genügend Erfahrung besitzt und entsprechendes Personal für die Produktion der Inhalte zur Verfügung hat. Wenn das nicht der Fall ist, schlägt die Stunde der Freelancer. Die können entweder von der Agentur oder direkt vom Unternehmen punktgenau gebucht werden und sorgen für die notwendigen Ressourcen.

Bei der Zusammenarbeit kann es je nach Konstellation zu Problemen kommen, die ich nachfolgend gerne aus meiner eigenen Erfahrung heraus aufzeigen möchte. Mein Ziel ist dabei, für ein besseres Verständnis der Rolle des Freelancers zu sorgen, damit die Prozesse insgesamt profitieren. Viele Probleme sind grundsätzlich vermeidbar, wenn sie denn bekannt sind. Letztlich kann das Content Marketing nur dann optimal funktionieren, wenn alle Beteiligten möglichst gut zusammenarbeiten. Das ist bei komplexen Prozessen nicht immer einfach und erfordert einen Blick über die eigene Perspektive hinaus.


Bevor es losgehen kann

➭ Die Anfrage

Schon vor der geplanten Zusammenarbeit mit einem Freelancer gibt es einige Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt. Das fängt bereits mit der ersten Anfrage an, die oft sehr allgemein gehalten ist und kaum etwas über das geplante Projekt mitteilt. Dennoch soll der Freelancer möglichst zeitnah ein Angebot abgeben. Das ist für alle Beteiligten problematisch: Der Freelancer kann weder den Aufwand abschätzen, noch überhaupt sagen, ob das Thema für ihn geeignet ist. Die Anfrageseite bekommt möglicherweise gar nicht erst ein Angebot. Und wenn doch, dann ist es unspezifisch und muss sehr wahrscheinlich aufwändig und mit unnötigem Konfliktpotenzial nachverhandelt werden.

Was nicht passieren sollte:

Verbindlich klingende Anfragen wie „Wir planen da was ganz Großes und wollen dich unbedingt dabeihaben! Ich kann dir noch nicht sagen, worum es genau geht, aber schick mir doch schnell man dein Angebot (am besten noch heute). Wie viele Ressourcen hast du denn noch frei? Block sie schon mal!“ sind nur dann so toll wie sie klingen, wenn auch wirklich was draus wird. Oft genug gehen solche Anfragen gleich an eine ganze Reihe von Freelancern, so dass am Ende nur einer glücklich ist.

Was gar nicht geht, sind Anfragen für honorarfreie Probearbeiten. Gerade Freelancer können ihre Zeit nicht verschenken, denn sie bekommen nur die Zeit bezahlt, die sie verkaufen.

So geht es:

Vermitteln Sie schon in der ersten Anfrage ein möglichst konkretes Bild vom geplanten Projekt. Um welches grobe Thema geht es, welcher Umfang wird benötigt, welche Aufgaben sind zu besetzen? Wenn es nicht anders geht, kann vom Freelancer bereits im Vorfeld eine Verschwiegenheitserklärung eingeholt werden, die bei einem Abschluss in der Regel eh fällig ist. Nicht immer passt ein Angebot sofort, aber oft lässt es sich mit einer Konkretisierung der geforderten Leistung noch anpassen. Kommt es dennoch nicht zu einer Zusammenarbeit, gehört eine zeitnahe Absage zum guten Ton. Eine Begründung der Absage ist zwar optional, kann sich aber für zukünftige Anfragen positiv auszahlen. Sollen mehrere Freelancer für ein Projekt getestet werden, machen Sie das in Ihrer Anfrage transparent und bieten dafür ein einheitliches Honorar an. Schon an dieser Stelle fängt die Wertschätzung an.

Zusatztipp:

Drehen Sie die traditionelle Anfrage-Angebot-Mechanik doch einfach mal um und beschreiben Sie mit der Anfrage bereits ganz konkret, was geleistet werden soll und welches Honorar Sie dafür bereit sind zu zahlen. Sie kommunizieren so von Anfang an auf Augenhöhe und heben sich aus der Perspektive der Freelancer angenehm vom Markt ab. Zudem kann eine solche Transparenz zeitkritische Suchen stark beschleunigen.

➭ Die erforderliche Leistung

In einigen Fällen wird es auch nach der vagen Anfrage im nächsten Schritt nicht wesentlich konkreter. Entweder, weil sich das Unternehmen und/oder die Agentur selbst noch nicht sehr viele Gedanken gemacht haben und nur feststeht, dass es eine Ressourcenlücke zu schließen gilt. Was es wann in welchem Umfang an Arbeiten zu verteilen gibt und wer genau für bestimmte Dinge zuständig ist, wird meist erst im Laufe der Gespräche klar. Oder es gibt insgesamt noch keinen Überblick über die zu erledigenden Aufgaben, weil das Projekt noch in der Entstehung ist. In diesem Fall wird der Freelancer eventuell zusätzlich beratend tätig, wenn er die entsprechenden Erfahrungen mitbringt und hier helfen kann. In beiden Fällen geht viel Zeit verloren, was für den Freelancer vor allem dann zum Problem wird, wenn er am Ende nicht engagiert wird. Aber auch sonst tritt er bereits unentgeltlich in Vorleistung.

Was nicht passieren sollte:

Leider kommt es immer wieder vor, dass der Freelancer mit einem längeren Frage-Antwort-Spiel herausfinden muss, was eigentlich von ihm erwartet wird. Das kostet allen Seiten viel Zeit und kann schon vor dem Start für Frust sorgen. Weniger erfahrene Freelancer finden das unter Umständen auch erst während der Zusammenarbeit heraus und müssen dann viel mehr leisten, als sie ursprünglich kalkuliert hatten.

So geht es:

Machen Sie sich bereits vor dem ersten Kontakt ein genaues Bild von den erforderlichen Leistungen und wählen Sie speziell dafür geeignete Freelancer aus. Das verkürzt die Sondierungsgespräche und vermeidet Konflikte und Missverständnisse, die durch verschiedene Interpretationen entstehen können. Kommen im Laufe der Zusammenarbeit neue Leistungen dazu, muss entsprechend nachverhandelt werden.

➭ Grundsätzliche Absprachen

Damit ein Freelancer ein seriöses Angebot abgeben kann, benötigt er einige Informationen für seine Kalkulation. Es reicht nicht, beispielsweise nur über das Schreiben von Blogbeiträgen zu sprechen, denn es gibt drumherum eine ganze Reihe von kleinen Aufgaben, die es zu erledigen gilt. Je nach Konstellation können zu einem Aufgabenpaket nicht nur der Content selbst gehören, sondern auch die Bebilderung, die Teaser für das Social Sharing auf den verschiedenen Kanälen oder das Einpflegen ins CMS samt Verlinkung mit bestehendem Content. Diese zusätzlichen Aufgaben klingen erst einmal nicht nach viel Arbeit, aber allein die Bebilderung kann unter Umständen bereits die zeitliche Kalkulation des Freelancers kollabieren lassen.

Was nicht passieren sollte:

Ein Klassiker innerhalb der häufig vorkommenden Dreier-Konstellationen mit einem Unternehmen, einer Agentur und einem Freelancer sind bilaterale Absprachen, die dann von der dritten Seite nicht eingehalten werden. Plötzlich werden zusätzliche Aufgaben eingefordert, über die im Vorfeld gar nicht gesprochen wurde. Problematisch sind auch ständig wechselnde Ansprechpartner, die jeweils wieder andere Leistungen anfordern.

So geht es:

Sprechen Sie mit dem Freelancer einmal den kompletten Prozess von der Themenidee bis zur Distribution des fertigen Contents durch und legen Sie dabei für jeden einzelnen Punkt eine Zuständigkeit fest. Anschließend sollten alle Absprachen dokumentiert und von allen Seiten abgenommen werden. So weiß jeder Beteiligte genau, was seine Aufgaben sind und wie die Prozesskette aufgebaut ist. Wichtig ist für die beauftragende Seite, dass sie mit einer Stimme spricht.

Folgende Aufgaben und Fragen gibt es zu verteilen, bzw. zu beantworten:

  • Themenrecherche und -setting: Wer überlegt sich die Themen für die Inhalte und wer gibt die Themen zur Bearbeitung frei?
  • Umfang: Welchen Umfang sollen die Inhalte im Durchschnitt haben? Gibt es verschiedene Formate mit unterschiedlichen Umfängen?
  • Zusätzliche Elemente: Wer kümmert sich um die Bebilderung? Wer erstellt die Social Teaser?
  • Technische Aufgaben: Dazu gehört beispielsweise das Einpflegen ins CMS, das Festlegen von Kategorien und Tags und auch der Aufbau einer internen Verlinkung.
  • Autorenkennung: Wer wird als Autor im Content hinterlegt, der Freelancer selbst oder ein Mitarbeiter?
  • Formate: Welche Contentarten sollen abgedeckt werden?
  • Sind regelmäßige Termine wie Redaktionscalls geplant?

Zusatztipp:

Für viele Projekte im Content Marketing bietet sich ein Head of Content als Schaltzentrale an. Gerade in größeren Projekten mit vielen Beteiligten sollten einige Aufgaben zentral gesteuert werden, damit es zu einem einheitlichen Gesamtbild kommen kann. Dazu gehört unter anderem die Bebilderung, die eine verbindliche Bildsprache über alle Inhalte hinaus aufweisen sollte. Auch das Taggen und das Setzen der Kategorien führen schnell zu einem Wildwuchs, wenn es nicht von einer zentralen Position erledigt wird. Zudem braucht es eine Person, die das gesamte Projekt im Blick behält und den Status quo jederzeit mit der festgelegten Strategie abgleichen kann.

➭ Timing

Für den Freelancer ist es wichtig zu wissen, ab wann seine Mitarbeit gefragt ist. In der Regel muss er einen neuen Auftrag in seinen Arbeitsplan integrieren und benötigt dafür ein gewisses Maß an Planungssicherheit.

Was nicht passieren sollte:

Besonders bei Projekten, die gerade frisch aufgesetzt werden, sind zeitliche Verschiebungen eher die Regel. Wenn es dabei um einen überschaubaren Zeitrahmen geht, ist das kein größeres Problem. Es kommt aber auch vor, dass sich der Start eines Projekts gleich um mehrere Monate verschiebt. Dafür kann beispielsweise die technische Umsetzung verantwortlich sein. Oder es treten noch Fragen und Probleme auf, an die im Vorfeld nicht gedacht wurde. Je nach vereinbartem Volumen, kann das für einen Freelancer schnell zu einem ernsthaften Problem werden, da geplante Einnahmen ausbleiben. Meldet sich ein Auftraggeber einfach nicht, kann bereits reservierte Arbeitszeit auch nicht anderweitig verplant werden.

So geht es:

Versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten können. Kommt es dennoch zu einer ungeplanten Verzögerung, sprechen Sie unverzüglich mit dem Freelancer und teilen ihm idealerweise einen neuen Starttermin mit. Eventuell gibt es die Möglichkeit einen Teil der benötigten Inhalte schon im Vorfeld zu produzieren, so dass der Verdienstausfall nicht allzu groß ausfällt.

➭ Strategie

Für jedes Content-Marketing-Projekt wird ein strategisches Konzept benötigt, das direkt an die holistische Content-Strategie andockt. Darin werden unter anderem die Zielsetzungen für die Inhalte festgelegt und dokumentiert, wie diese erreicht werden sollen. Nur wenn diese Strategie auch dem Freelancer bekannt ist, können dessen Inhalte das Erreichen der gesteckten Ziele optimal unterstützen.

In seinem Leitfaden für eine zukunftssichere Content-Strategie gibt Ihnen Jan Tißler dazu wertvolle Tipps an die Hand. Ebenfalls nützlich ist Thomas Mauchs Beitrag zum Business-Canvas für die Content-Marketing-Strategie.

Was nicht passieren sollte:

Typische Aussagen wie:

  • „Über die Strategie reden wir dann später, lass uns erstmal loslegen!“
  • „Die Strategie habe ich im Kopf, die kann ich dir nicht schicken!“
  • „An der Strategie arbeiten wir noch im Detail, aber die dürfte doch im Groben klar sein!“
  • „Die Strategie dürfen wir extern nicht kommunizieren!“
  • „Sichtbarkeit!“

sind immer Alarmsignale, denn sie deuten darauf hin, dass es noch keine fertige und durchdachte Strategie gibt. Der Freelancer kann dann nicht zielgerichtet arbeiten. Vergleichbar ist diese Situation etwa mit einer Taxifahrt, bei der der Fahrer vom Gast statt einer Straße mit Hausnummer nur gesagt bekommt „Nach Norden!“ – damit ist zwar die Richtung in etwa vorgegeben, aber die Wahrscheinlichkeit das konkrete Ziel zu erreichen, tendiert gegen Null.

So geht es:

Stellen Sie im Vorfeld eine valide Strategie für das Content-Marketing-Projekt auf. Nehmen Sie sich dafür unbedingt die nötige Zeit und holen Sie sich dazu das nötige Wissen ins Team, wenn es nicht vorhanden sein sollte. Wichtig: Eine Strategie ist nur dann eine Strategie, wenn sie schriftlich festgehalten wurde. Es reicht nicht, wenn Sie darüber in einem Team-Meeting sprechen und anschließend haben alle Beteiligten eine eigene Version im Kopf. Besprechen Sie die wichtigsten Punkte der Strategie mit Ihren Dienstleistern, damit eine optimale Umsetzung gelingen kann.

Zusatztipp:

Meißeln Sie Ihre Strategie nicht gleich in Marmor, auch wenn das eine sehr nachhaltige Form der Dokumentation ist. Stattdessen sollten Sie die Strategie als lebendes Dokument betrachten. Setzen Sie sich nicht gleich die Weltherrschaft als Ziel, sondern planen Sie genügend Zwischenschritte ein. Das bedingt einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess, in den die jeweils gemachten Erfahrungen einfließen. Sie laufen somit weniger Gefahr sich zu verzetteln und können Ist und Soll agil miteinander abgleichen.

➭ Pricing

Nicht wenige Content-Projekte scheitern bereits an unrealistischen Vorstellungen über die Kosten. Wer die Produktion der Inhalte outsourcen möchte, sollte dafür ein ausreichendes Budget veranschlagen. Die konkreten Kosten hängen dabei von vielen verschiedenen Faktoren ab und können daher sehr unterschiedlich ausfallen. Klar ist aber in jedem Fall: Content Marketing ist keine kostengünstige Alternative zum Advertising, auch wenn sich die Investitionen in dauerhafte Inhalte im Vergleich zur Werbung langfristig lohnen können.

Was nicht passieren sollte:

Noch immer kursieren die wildesten Vorstellungen über die Preise von freien Autoren: „Wir buchen dafür einen Freelancer, das spart uns Budget!“ Das stimmt so natürlich nicht. Zum einen hat sich der Freelancer ein spezielles Wissen aufgebaut, was ihn für das Content Marketing ja überhaupt erst interessant macht. Zum anderen geht es für ihn nicht nur um den Netto-Preis, sondern auch um die vielen zusätzlichen Kosten, die er einkalkulieren muss, wenn er seine Selbstständigkeit auf eine sichere Basis stellen will.

Linktipp: Im Artikel „Leben als Freelancer: Eine persönliche Entmystifizierung und Liebeserklärung“ erkläre ich unter anderem, welche Faktoren für die Preiskalkulation eines Freelancer-Tagessatzes eine Rolle spielen.

So geht es:

Erkundigen Sie sich frühzeitig, mit welchen Honoraren Sie für Ihr Projekt kalkulieren müssen und setzen Sie darauf aufbauend ein entsprechendes Budget auf. Bedenken Sie dabei, dass Ihr Budget letztlich auch die Qualität der Inhalte widerspiegelt, die Sie dafür einkaufen können. Vermeiden Sie wann immer es geht zusätzlichen Aufwand.

Zusatztipp:

Wenn das notwendige Budget nicht zur Verfügung steht, wird gerne versucht, den Preis des Freelancers stark nach unten zu drücken. Dabei muss Ihnen allerdings klar sein, dass damit auch die Zeit, die in einen Inhalt investiert werden kann, stark reduziert wird und die Qualität leidet. Es gibt bereits reichlich mittelmäßigen Inhalt, der schon heute wenig Beachtung findet. Statt bei der Qualität zu sparen, könnte eine Reduzierung der Quantität den gleichen budgetschonenden Effekt erzielen. Der Vorteil: Funktioniert das Projekt anschließend gut, kann damit ein höheres Budget leicht legitimiert und die Zahl der Inhalte angehoben werden. Mangelnde Qualität funktioniert dagegen sehr selten und lässt sich im Nachgang nur schwer korrigieren.


Was es nach dem Start zu beachten gibt

➭ Prozess-Timing

Wenn alle Vorarbeiten erledigt sind, geht die eigentliche Arbeit erst richtig los. Es müssen regelmäßig Inhalte produziert, veröffentlicht und distribuiert werden. Selbst für kleine Projekte ist dafür ein Redaktionsplan zu pflegen, aus dem sich das Timing der einzelnen Schritte ableitet.

Was nicht passieren sollte:

Fehlende Redaktionspläne und schlechtes Timing führen regelmäßig zu Adhoc-Aktionen, bei denen Inhalte von heute auf morgen produziert werden sollen. Das kann im Einzelfall funktionieren, sorgt aber in jedem Fall für unnötigen Stress. Unter Umständen kann der Zeitdruck auch zu schlechterer Qualität führen.

So geht es:

Sprechen Sie mit den Verantwortlichen für jeden einzelnen Prozess-Schritt, definieren Sie entsprechende Bearbeitungszeiten und ergänzen einen Puffer. Wichtige Schritte sind unter anderem Themenfindung, Briefing, Kreation, Redigieren und das Einpflegen ins Content-Management-System. Wollen Sie zum Beispiel immer montags einen Blogartikel veröffentlichen, können Sie mit den ermittelten Zeiten rückwärts rechnen und wissen genau, wann Sie spätestens das Briefing samt Deadline verschickt haben müssen.

Zusatztipp:

Die vorangestellten Aufgaben wie Themenfindung und Briefing lassen sich gut für einen längeren Zeitraum bündeln. Das reduziert nicht nur den Aufwand, sondern gibt dem Freelancer auch deutlich mehr Freiraum für die Bearbeitung.

Lesen Sie dazu auch Miriam Löfflers Beitrag „Prozesse und Tools fürs Content-Management“

➭ Briefing

Nachdem die ersten Themen festgelegt und in den Redaktionsplan eingetragen wurden, muss der Autor noch gebrieft werden. Das Briefing ergänzt die allgemeine Absprache um themenspezifische Anforderungen und gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Prozesskette.

Was nicht passieren sollte:

Ein Autoren-Briefing ist viel mehr als „Schreib doch mal was zum Thema xyz!“ Damit bekommt der Autor allenfalls eine ganz grobe Idee, worum sich der Beitrag tatsächlich drehen soll. Geht es damit dennoch in die Umsetzung, trifft der Autor nur sehr selten genau das, was der Auftraggeber sich vorgestellt hatte.

So geht es:

Ja, das Briefing benötigt Zeit und verlangt vom Ersteller ein gewisses Maß an thematischer Tiefe. Doch diese Zeit ist gut investiert: Je besser und detaillierter das Briefing, desto genauer weiß der Autor, was er zu tun hat. Die in gute Briefings investierte Zeit amortisiert sich schnell durch eine geringere Nachbearbeitungszeit und eine höhere Contentqualität.

Zusatztipp:

Verzichten Sie auf ein einfaches telefonisches Briefing. Dabei wird schnell etwas vergessen oder eine wichtige Information geht unter. Besser geeignet sind schriftliche Briefings, die mit Standardfeldern alle wichtigen Informationen transportieren. Schriftliche Briefings können zudem jederzeit erstellt werden und Sie sparen sich die unter Umständen schwierige Terminfindung für das Telefonat.

➭ Feedback

Wie beim Briefing geht es auch hier um die Optimierung der Qualität. Regelmäßiges Feedback ist der erste Schritt zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess – für die Inhalte, die Prozesse und die Zusammenarbeit.

Was nicht passieren sollte:

Das Feedback gehört zu den stark vernachlässigten Schritten in der Prozesskette des Content Marketings. Für den Freelancer endet der Prozess daher oft schon mit der Abgabe des für ihn fertigen Inhalts. Was daran noch geändert wird, bleibt vielfach unkommentiert. Gelegentlich verwechseln Auftraggeber konstruktives Feedback mit destruktiver Kritik: Aussagen wie „Gefällt mir nicht“ oder „Das können wir so nicht bringen!“ zeigen nicht in die gewünschte Richtung.

So geht es:

Ein gutes Feedback versetzt den Autoren grundsätzlich in die Lage, den aktuellen Inhalt über eine Korrekturschleife unmittelbar zu verbessern. Dabei sind selbst Kleinigkeiten wie eine bestimmte Wortwahl oder eine Schreibweise ein nützliches Feedback für beide Seiten: Der Freelancer bekommt im Laufe der Zeit einen immer besseren Eindruck von der erwarteten Sprache und reduziert damit auch den Redigieraufwand.

Zusatztipp:

Geben Sie nicht nur dann Feedback, wenn Ihnen ein Content nicht gefällt und Sie etwas geändert haben möchten. Positives Feedback ist ein starker Motivationsfaktor und lässt externe Dienstleister engagiert an die nächsten Aufgaben gehen. Mit positiven Rückmeldungen können Sie zudem Unsicherheiten abstellen und für eine Verstärkung sorgen, wenn etwas besonders gelungen ist. Ein freundlicher Umgangston sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Wenn Sie Artikel wie diesen nicht verpassen wollen, bestellen Sie unseren wöchentlichen Newsletter. Wir haben jede Woche einen neuen, ausführlichen und nützlichen Beitrag für Sie, geschrieben von Fachjournalisten und Experten. Themen: E-Business, Online-Marketing, Social Media und mehr. Mit uns bleiben Sie auf dem Laufenden und lernen jedes Mal etwas Neues hinzu. Über 1.900 Empfänger nutzen bereits diesen kostenlosen Service!

Weitere Informationen zu den Inhalten und zum Datenschutz finden Sie auf dieser Seite.

➭ Lernprozess & Weiterentwicklung

Es gibt Fertigkeiten, wie Radfahren oder Schwimmen, die man einmal lernt und dann kann man sie. Content Marketing kann zwar auch erlernt werden, ist aber ungleich komplexer und unterliegt zudem einem steten Wandel, der durch technologische Entwicklungen und Veränderungen im Verhalten der Konsumenten beeinflusst wird. Wir müssen demnach ständig Neues dazulernen und Strategien und Konzepte anpassen.

Was nicht passieren sollte:

Frei nach dem Motto „Never touch a running system“ wird nicht auf neue Entwicklungen reagiert, weil ja bisher alles gut funktionierte. Und selbst wenn ein Projekt aktuell gut funktioniert, muss das nicht automatisch morgen auch noch so sein. In einigen Fällen wird gar nicht auf die Entwicklung des Projekts geachtet, weil auch das wieder Ressourcen erfordert. Kommt irgendwann aus der Chefetage die Nachfrage, was die Investition denn nun für das Unternehmen bringt, kann das schnell das plötzliche Projekt-Aus bedeuten. Der Freelancer bekommt es dann erst ganz zum Schluss mit und kann nicht mehr helfen.

So geht es:

Planen Sie in regelmäßigen Abständen eine Gesprächsrunde mit allen Verantwortlichen und besprechen Sie die weitere Entwicklung: Wo stehen wir, wo wollen wir hin, was sind die nächsten Schritte? Erstellen Sie dazu quantitative und qualitative Analysen zum Projekt: Wie viele Zugriffe gibt es, wie lange bleiben die Besucher, wie oft kommen sie wieder, welche Inhalte funktionieren besonders gut, welche nicht, wie entwickeln sich die angeschlossenen sozialen Kanäle, wie gut werden die Inhalte verbreitet? Scheuen Sie sich nicht davor, den Freelancer um Eindrücke aus seiner Perspektive zu bitten – oft ist er viel dichter an der Zielgruppe oder sogar ein Teil davon.

Lesen Sie dazu auch: „Einführung Content-KPIs: Den Erfolg von Inhalten messen“


Fazit: Content Marketing ist kein Sprint, sondern ein Zehnkampf

Sie haben bestimmt schon einmal gehört, dass Content Marketing kein Sprint ist, sondern ein Marathon. Gemeint ist damit, dass die Strategie nicht auf schnelle Erfolge ausgelegt sein sollte, sondern auf Langfristigkeit. Aus meiner Erfahrung heraus reicht Ausdauer alleine aber nicht aus. Content Marketing ist daher eher wie ein Zehnkampf zu sehen, für den man sehr viele verschiedene Fertigkeiten und Fähigkeiten benötigt. Die Kunst liegt nun darin, alles so zu kombinieren, dass am Ende das bestmögliche Ergebnis herauskommt. Es ist sicher möglich das alles in einer Hand zu halten und jede Disziplin selbst zu absolvieren. Doch es dürfte schnell klar sein, dass kumulierte Leistungen von Spezialisten für jede einzelne Disziplin ein besseres Gesamtergebnis erzielen. Freelancer können dabei eine wichtige Rolle spielen, da sie sich oft auf sehr spezielle Disziplinen fokussieren und damit Lücken im Content-Marketing-Zehnkampf ausfüllen.


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 67

In dieser Ausgabe bekommen Sie zahlreiche nützliche Tipps und Hinweise um Ihre Inhalte zu professionalisieren. Wir stellen den Business Canvas für ihre Content-Marketing-Strategie vor, eklären wie ein Content-Audit funktioniert und wozu er gut ist, erforschen die komplexe Welt der Erfolgsmessung für Inhalte, haben gute Tipps für eine bessere Zusammenarbeit mit Freelancer parat und stellen Ihnen Prozesse und Tools fürs Content Management vor. Außerdem haben wir einen Veranstaltungstipp für Sie und erklären, was es mit strukturierten Daten für die Suchmaschinen-Optimierung auf sich hat.

Lesestoff entdecken: Dossier Digitale Transformation

(Illustration: © Krueatip, fotolia)

Mehr über die Inhalte erfahren...

 

Schreiben Sie einen Kommentar