Ende eines Duells, Tag 2: Was Blogger von Journalisten lernen können

Tag 2. Die Rollen wechseln: Heute sind Blogger die Schüler und Journalisten die Meister. Können die einander so feindlich gegenüberstehenden Krieger am Ende doch etwas voneinander lernen?

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© Emir Simsek – Fotolia.com


Wer den Hinweis gestern verpasst hat: Ja, es gibt nicht “die” Journalisten und nicht “die” Blogger. Das weiß ich. Wir alle wissen das. Unnötig, darauf in einem Kommentar hinzuweisen ;-) Aber für unsere Sache ist es nützlich, einmal so zu tun, als wären Blogger und Journalisten so unterschiedlich wie sie selbst gern behaupten – oder jedenfalls einige von ihnen behaupten ;-)

Aber was können nun Blogger von Journalisten lernen? Los geht’s:

  • 1. Es gibt eine Verantwortung für das, was man tut. Journalisten werden in der Regel sehr bald damit konfrontiert, dass ihr Tun Konsequenzen hat. Wenn ich etwas Falsches schreibe und das am nächsten Tag 120.000 Mal gedruckt wird, habe ich ein Problem. Dieser Verantwortung stellen sich Blogger längst nicht immer.
  • 2. Man kann an Texten arbeiten und sie damit besser machen. So manches Blog-Posting kommt und kommt nicht auf den Punkt. Erst am Ende (oder nie) erfährt man, worum es dem Autor eigentlich geht. Oder aber Dinge sind missverständlich oder schlicht falsch formuliert. Solche Probleme kann man umgehen, wenn man einen Text nicht nur runterschreibt und sofort veröffentlicht. Journalisten lernen, wie man einen Artikel aufbaut und gezielt bearbeitet (redigiert).
  • 3. Nichts geht über eigene Recherche. Es geht heute sehr einfach, Dinge weiterzuverbreiten. Ob es der Retweet bei Twitter oder der Repost bei Tumblr ist: Meist kann man mit einem Klick Inhalte noch einmal publizieren. Dabei werden auch Dinge verbreitet, die sich im Nachhinein als falsch herausstellen.  Journalisten lernen hingegen, Informationen gegenzuchecken und sich die Originalquelle anzuschauen.
  • 4. Mit Teamwork kommt man weiter. Blogger arbeiten oft allein. Blognetzwerke oder Gemeinschaftsblogs sind selten und selbst wenn, dann sind es meist Zusammenschlüsse von Einzelpersonen und keine Teams. Journalisten arbeiten hingegen oft mit mehreren an einem Thema oder an einer Artikelserie/Sonderseite. Daraus entsteht eine besondere Qualität. Mehr Sichtweisen, mehr Hintergrundwissen, mehr Ideen summieren sich zu einem Ergebnis, das jeder Einzelleistung voraus ist.
  • 5. Kontinuität und Konsequenz. Ein Thema ist mit einem Artikel für einen Journalisten nicht erledigt. Bei einem Profi geht die Arbeit dann erst richtig los. Er versucht, weitere Informationen, Meinungen und Sichtweisen einzuholen und damit das Thema umfassender zu beleuchten. Er bleibt dran und verfolgt Themen weiter. Daraus ergeben sich oft neue Erkenntnisse und Artikel.
  • 6. Das Ganze sehen. Blogs sind oft zufällige Sammlungen von Einzelbeiträgen. Journalistische Produkte sind hingegen idealerweise Kompositionen von Themen und Darstellungsformen, die letztlich ein Gesamtbild ergeben. Man hilft dem Leser damit, sich ebenfalls einen Eindruck zu verschaffen und nicht nur einzelne Aspekte wahrzunehmen.
  • 7. Planung bringt andere Ergebnisse. Wer alles dem Zufall überlässt, hat nur eine gewisse Minimalchance, dass es gut wird. Wer hingegen vorher seinen Kopf anstrengt, kann gezielt darauf hinarbeiten. Ein Journalist recherchiert vor einem Termin, um den Zusammenhang besser verstehen und gezieltere Fragen stellen zu können. Er überlegt vor dem Schreiben, wie er ein Thema darstellen möchte und welche Form dem am Besten gerecht wird. Er reagiert zudem nicht nur auf aktuelle Ereignisse, sondern “setzt Themen”, die im Vorfeld geplant werden.

Wie gesagt: Verallgemeinerungen. Ich weiß, dass viele Journalisten und Medienangebote diesem Idealbild nicht mehr entsprechen oder nicht mehr entsprechen können. Leider.

Vielleicht ist auch das ein weiterer Grund, warum Journalisten auf Blogger so empfindlich reagieren: Sie sehen selbst, dass der Unterschied nicht mehr so groß ist, wie er durch ihre Ausbildung und ihre Erfahrung sein könnte. Es ist ja nicht so, dass Journalisten schlauere Menschen als Blogger wären. Sie haben aber Wissen aus ihrer täglichen Berufspraxis, das ihnen andere Möglichkeiten gäbe – wenn man sie denn ließe.

Blogger hingegen sehen vor allem das (bisweilen miserable) Endergebnis und negieren daher generell alles, was mit Journalismus zu tun hat.

Dabei können, wie ich meine, beide wunderbar voneinander lernen. Aber, mal unter uns gesprochen: Ich denke nicht wirklich, dass dieses Duell bereits zu Ende ist. Aber ich dachte, es käme ganz gut, mal so zu tun als ob…

So sind sie eben, die Journalisten: eiskalt berechnend, nur auf die sensationelle Schlagzeile aus ;-)

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8 Gedanken zu „Ende eines Duells, Tag 2: Was Blogger von Journalisten lernen können

  1. Alle diese Punkte in der Auflistung hier beachte ich, ausser das mit dem Gemeinschafts-Blog das kommt erst noch. ;)

    Ansonsten kann ich sagen, das ich aus meiner Sicht sowohl Blogger als auch ein Stück weit Journalist bin, jedoch nicht im klassischen Sinne. :D

  2. Ich denke, dass ist generell richtig, nur zwei Anmerkungen dazu:
    – in der Schule und im Studium lernt man, dass das Wichtigste immer zum Schluß kommt, journalistisches Handwerk ist zumeist jahrelang anerlernt und trainiert. Der Blogger hingegen hat keinen Redakteur, der ab und an an dessen Ego kratzt.
    – viele Blogger haben allerdings gar nicht den Anspruch, Journalisten zu sein oder deren Aufgaben zu übernehmen, ich behaupte mal frech, die Mehrheit hat eher missonarische als journalistische Absichten.

  3. Zu Punkt 2: Was das Verbessern der Texte angeht, hat man als Blogger im Vergleich zum (Print-) Journalisten natürlich einen Vorteil: Man kann sie immer wieder überarbeiten. Wie viel Aufwand ich selbst da reinstecke, lasse ich oft von den Besuchern entscheiden – gerade an häufig aufgerufenen Beiträgen arbeite ich kontinuierlich weiter, poliere sie sprachlich, ergänze Links, verknüpfe sie mit neuen Diskussionen etc. So etwas lohnt sich.

  4. Für mein privates Blog kann ich mich nicht den ganzen Nachmittag ans Telefon hängen, um einen bestimmten Pressesprecher zu erreichen. Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen bezahlter Arbeit und meinem Hobby. Ich gebe zu, dass ich mir oft beim Bloggen eine entspanntere Haltung gönne.

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