Jenseits der Piratenbucht: Was BitTorrent alles kann

Die meisten werden BitTorrent wohl vor allem mit illegalen Downloads verbinden, die man auf Seiten wie Pirate Bay finden kann. Nüchtern betrachtet ist BitTorrent vor allem ein Dienst, mit dem man große Datenmengen bewegen kann, ohne dazu entsprechende Server und Leitungen zu benötigen. Die Firma BitTorrent Inc. selbst bringt dabei immer mehr Angebote heraus, die zeigen: Auch jenseits der Piratenbucht kann BitTorrent nützlich sein. Ein Überblick.

piraten
Foto: Walt Disney Pictures

BitTorrent und BitTorrent Inc.

Wer das erste Mal eine Torrent-Datei herunterlädt wird sich wundern, dass sie nur wenige KB groß ist und offenbar gar nicht das Gesuchte enthält. Tatsächlich enthält sie quasi nur die Information darüber, um welche Datei es einem geht. Erst ein spezielles Programm wie beispielsweise µTorrent kann dann den eigentlichen Download starten.

Der Grund ist die Technik, die hinter BitTorrent steckt. Bei einem klassischen Download lädt man die Datei von einer einer einzigen, bestimmten Stelle im Internet herunter. Es gibt eine direkte Verbindung zwischen dem Ort im Internet und dem eigenen Computer und die Daten wandern von A nach B, bis der Download abgeschlossen ist.

Bei BitTorrent hingegen gibt es diese zentrale Stelle nicht. Man lädt die Datei von all jenen Nutzern herunter, die sie schon heruntergeladen haben oder noch dabei sind, sie herunterzuladen. Damit das klappt, wird die Datei in viele kleine Stücke unterteilt. Während eines BitTorrent-Downloads wird also nicht die Datei als Ganzes von Quelle A zu Ziel B geladen, sondern zahlreiche kleine Portionen kommen von diversen Stellen des Netzes.

Auf diese Weise braucht man keinen leistungsfähigen Server und keine entsprechende Leitung, wenn man etwas zum Download anbieten will. Die benötigte Bandbreite und der Speicherplatz kommen von allen, die die Datei herunterladen oder bereits heruntergeladen haben.

Nachteil: Wenn es für einen Inhalt wenig Interessenten gibt, kann der Download entsprechend langsam oder sogar unmöglich sein.

Weiterentwickelt wird das alles von der Firma BitTorrent Inc. mit Sitz in San Francisco.

BitTorrent und die Piraten

BitTorrent-Website
BitTorrent-Website

Da man mit BitTorrent wie beschrieben auch riesige Dateien verbreiten kann, ohne dazu einen entsprechenden Server zu benötigen, lässt sich diese Technik natürlich auch für illegal angebotene Inhalte benutzen. Und auch wenn es dazu keine offiziellen Zahlen gibt, dürfte das wohl die hauptsächliche Nutzung von BitTorrent sein.

Es ist dabei übrigens nicht so, dass man als BitTorrent-Nutzer unerkannt bleibt. Sofern man nicht weitere Maßnahmen ergreift, ist man leicht zu identifizieren. Abgesehen davon sind die angebotenen Dateien nicht immer das, was sie scheinen. Jeder muss selbst wissen, ob diese Risiken es wert sind.

An sich aber ist BitTorrent eine sehr nützliche Erfindung, die vielen helfen kann, ihre Inhalte zu verbreiten. Die Firma BitTorrent Inc. möchte das jedenfalls mehr in den Vordergrund rücken, in dem sie weitere Angebote und Anwendungsmöglichkeiten entwickelt.

BitTorrent Bundles

BitTorrent Bundle
Website zu den BitTorrent Bundles

Mit den BitTorrent Bundles richtet sich das Unternehmen genau an jene Menschen, die sich von den BitTorrent-Nutzern in der Regel um den Lohn für ihre Arbeit gebracht fühlen: Künstler wie Musiker, Filmemacher und andere. Das Konzept: Einen Teil der angebotenen Inhalte des Bundles kann man sich als Nutzer frei herunterladen. Will man alles haben, muss man zahlen oder auf andere Weise aktiv werden (z.B. seine Mailadresse angeben o.ä.). Die so angebotenen Bundles können nicht wie andere Torrents auf beliebigen Seiten angeboten werden. Hat man einmal alles heruntergeladen, gibt es allerdings keinen Kopierschutz. Im Prinzip könnten die Nutzer die Inhalte also nehmen und frei weiterverbreiten. Aber letztlich gibt es diese Gefahr immer.

Dieses Angebot ist die Erweiterung eines Versuchs, den BitTorrent mit diversen Künstlern schon einige Jahre unternimmt. Sie konnten schon vorher für ihre Werke Werbung bei den 170 Millionen BitTorrent-Nutzern machen. Die Premium-Komponente ist noch sehr neu und noch ist nicht abzusehen, wie erfolgreich sie sein wird.

Mehr dazu bei TorrentFreak und in diesem Post im BitTorrent-Blog.

BitTorrent Live

BitTorrent Live
Website zu BitTorrent Live

BitTorrent Live ist derzeit in einer offenen Beta, also offiziell noch in einer Testphase. Im Prinzip ist es ein Angebot zum Livestreaming, das auf das schon beschriebene BitTorrent-Modell setzt: Nur geht es hier eben nicht um herunterladbare Dateien, sondern Streams. Auch für die benötigt man schließlich normalerweise leistungsfähige Server, die entsprechend breitbandig mit dem Internet verbunden sind. Bei BitTorrent Live wird stattdessen jeder Zuschauer auch zum Verbreiter des Streams.

BitTorrent Sync

BitTorrent Sync
Schaubild zu BitTorrent Sync

BitTorrent Sync wirbt damit, vor allem für große Dateien geeignet zu sein und will damit gegen Dienste wie Dropbox antreten. Idee ist, bestimmte Ordner zwischen mehreren Geräten zu synchronisieren. Wer mehrere Arbeitscomputer hat oder einen PC im Büro und einen zu Hause, weiß diesen Service zu schätzen. Bei BitTorrent Sync läuft dies auch wieder über die schon beschriebene BitTorrent-Technik und im Gegensatz zu Dropbox & Co. gibt es damit keinen Server in der „Cloud“, auf dem die eigenen Dateien zwischengespeichert werden. Deshalb gibt es auch keine Begrenzungen in Sachen Speicherplatz oder Datenverkehr wie bei den Konkurrenten.

Mehr über BitTorrent Sync auch in meinem Artikel auf t3n.de dazu.

SoShare

SoShare
SoShare

Bei SoShare muss man schon genau hinschauen, um den Hinweis auf BitTorrent Inc. überhaupt zu entdecken. Mit dem Dienst können Nutzer Dateipakete von bis zu 1 TeraByte Größe mit anderen teilen. Aus den Dateien wird dabei eine Vorschau-Website generiert, von der sich der Empfänger die benötigten Dateien herunterladen kann. Beide Seiten benötigen dazu ein SoShare-Plugin.

Über den technischen Ablauf ist wenig bekannt. So bleibt unklar, inwiefern hier das BitTorrent-Protokoll eine Rolle spielt.

Fazit

Wie eingangs erwähnt: An sich ist BitTorrent erst einmal nur eine Technologie, die das Verbreiten großer Dateien ermöglicht, ohne dass man dazu entsprechende Kapazitäten einkaufen müsste. So gesehen lässt sich darüber viel Geld sparen, sofern genügend Nutzer vorhanden sind, die mithelfen. BitTorrent ist deshalb nicht nur interessant, wenn man nach illegalen Downloads sucht, sondern auch, wenn man auf der Suche nach kostengünstigen Möglichkeiten für legale Uploads ist.

Natürlich ergibt sich gerade für Kreative eine Zwickmühle: An sich würde sich BitTorrent bestens für sie eignen, um ihre Inhalte unabhängig verbreiten zu können. Aber wer seinen Nutzern erklärt, wie BitTorrent funktioniert, stößt sie damit zugleich auf die zahlreichen illegalen Downloads.

Andere Institutionen werden damit weniger ein Problem haben. Für die steht vielleicht nur als Gegenargument im Raum, dass BitTorrent eben jenen „piratigen“ Stallgeruch hat. Und abgesehen davon mag BitTorrent für Laiennutzer auch zu kompliziert sein, als dass man es jenseits von Content-Piraterie einsetzen könnte. Schon die Hürde, ein eigenes Programm oder auch nur ein Browser-Addon installieren zu müssen, kann zu hoch sein.

Dennoch: Die Grundidee hat großen Reiz. Und wie man an den obigen Beispielen sieht, lässt sie sich vielseitig einsetzen.

Jan Tißler ist auch bekannt als jati. Er arbeitet seit über 20 Jahren als Journalist, die meiste Zeit davon digital. 2006 hat er das UPLOAD Magazin aus der Taufe gehoben. Er ist fasziniert von den Freiheiten des digitalen Publizierens und erklärt gern, wie Unternehmen, Organisationen oder auch Selbstständige mit ihren Botschaften im Netz gehört werden. Immer mit einem Bein fest in der Zukunft. Der gebürtige Hamburger lebt inzwischen in Santa Fe, New Mexico.

Ein Gedanke zu „Jenseits der Piratenbucht: Was BitTorrent alles kann

  1. BitTorrent könnte auch eine günstige und super geeignete Technik sein, um Podcasts zu verteilen.

    Was dank Bitlove http://bitlove.org/ auch möglich ist. Es fehlen nur die Podcast-Clients die das unterstützen.

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