Ausprobiert: Digitale Magazine erstellen mit The Periodical Co

Mit „The Periodical Co“ kann jeder Interessierte ohne Programmierkenntnisse digitale Magazine erstellen und via Web, Apples „Zeitungskiosk“, Kindle und demnächst auch Android vertreiben. Momentan ist das Tool noch in einer geschlossenen Beta. Ich konnte es schon ausprobieren und zeige euch hier einmal, was es kann und wo es noch hakt.

Website von The Periodical Co
Website von The Periodical Co

Vorgeschichte

Wer UPLOAD schon länger verfolgt, der weiß, dass der Zusatz „Magazin“ hier nicht als Großspurigkeit gedacht war. Tatsächlich war die ursprüngliche Idee, die zum Start der Seite 2006 geführt hatte, ein digitales Magazin auf die Beine zu stellen. Aber weder gab es ein passendes Dateiformat, noch Tools, um sie einfach erstellen zu können, noch passende Lesegeräte oder einen Vertriebsweg. Denkbar schlechte Voraussetzungen. PDF-Magazine waren die größte Annäherung an die Idee eines digitalen Magazins zu dem Zeitpunkt. Zwei Ausgaben hat es vom eigentlich namensgebenden „UPLOAD Magazin“ immerhin gegeben.

Der Erfolg des Amazon Kindle brachte die Idee des digitalen Lesens da schon ein gutes Stück voran. Richtig interessant wurde es dann allerdings mit der Vorstellung des iPad und vor allem von Apples „Zeitungskiosk“. Inzwischen gibt es darüber hinaus zahlreiche Android-Tablets und den passenden Tablet-Kiosk.

Was jetzt fehlte nur noch ein Werkzeug, um ein eigenes Magazin schnell und einfach auf die Beine zu stellen. Niemand traute sich so recht heran – wahrscheinlich, weil Tablet-Magazine lange Zeit vor allem mit allerlei Multimedia-Gedröhne überzeugen wollten. Von einer „humpelnden Revolution“ schrieb ich noch letztes Jahr im Oktober auf netzwertig.com.

Marco Arments „The Magazin“ hat viel in Bewegung gesetzt.
Marco Arments „The Magazine“ hat viel in Bewegung gesetzt.

Zwei Monate später sah die Welt schon anders aus: „Weniger ist mehr“ war plötzlich das Motto. Sehr lesenswert ist dazu der Artikel „Subcompact Publishing“. Auslöser war Marco Arments „The Magazine“. Er konzentriert sich auf die Texte und verzichtet auf alles Zierrat. Sein Magazin bringt alle 14 Tage vier bis fünf handverlesene Artikel. Und anstatt sich ein kompliziertes Navigations-System auszudenken, reduziert er es auf zwei Varianten: Entweder man liest einen Artikel oder man ist im Inhaltsverzeichnis. Keine Mehrfinger-Gesten, keine versteckten Menüs, keine Blättereffekte.

Das alles sieht dabei auch noch elegant aus und ist lesefreundlich.

Vor allem aber: Plötzlich erschien ein digitales Magazin sehr machbar. Man würde als Einzelperson oder Kleinverlag vielleicht nicht so etwas wie die „Wired“ auf dem iPad mit ihren Videos, Animationen und durchgestylten Seiten auf die Beine stellen können. Aber wozu auch? So etwas wie „The Magazine“ braucht hingegen nur Inhalte, um zu leben.

Marco Arment hatte leider kein Interesse, sein selbstgestricktes Tool der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Aber das brauchte er auch nicht.

The Periodical Co: Magazin erstellen

The Periodical Co“ ist ein Ergebnis dieses Anstoßes, den Marco Arment mit „The Magazine“ gegeben hatte. Es ist ein Tool für genau solche digitalen Magazine. Man hat eine Oberfläche, in der man seine Magazine, ihre Ausgaben und die dazugehörigen Artikel anlegt und bearbeitet. Ist eine neue Ausgabe bereit zur Veröffentlichung, drückt man aufs Knöpfchen und das war’s. Die Macher von The Periodical Co wollen ihre Arbeit refinanzieren, in dem sie sich etwas vom Abopreis des Magazins abzweigen.

Im Moment ist es noch nicht öffentlich zugänglich, aber man kann sich um einen Beta-Zugang bewerben. Ich habe seit einigen Tagen einen und  es einmal anhand eines fiktiven UPLOAD Magazins ausprobiert.

Als erstes legt man eine neue Publikation an, also der Rahmen, in dem später die Ausgaben erscheinen.

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Anlegen eines neuen Magazins.

Anpassungsmöglichkeiten gibt es nur wenige. Man vergibt einen Namen, bestimmt die Adresse, kann eine Akzentfarbe für Links etc. festlegen. Das war’s im Grunde auch schon. Wer alles lieber unter einer eigenen Domain haben möchte, kann das auch, muss sich dann aber mit den entsprechenden Einstellungen beim eigenen Domainverwalter auskennen. Den monatlichen Abopreis kann man von „kostenlos“ bis 999,99 US-Dollar im Monat festlegen. Das sollte man sich gut überlegen, denn sobald man den ersten Abonnenten hat, lässt sich der nicht mehr ändern.

Ist die Publikation angelegt, legt man hier wiederum die Ausgaben an.

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Ein Magazin beinhaltet dann die jeweiligen Ausgaben.

Eine Ausgabe besteht dabei nur aus dem Titel und einer Beschreibung. Wer will, kann ihr ein eigenes Cover im Format 768 x 1.024 Pixel verpassen. Ansonsten wird eines automatisch generiert.

Dann fängt man an, Inhalte zu der Ausgabe hinzuzufügen. Ich habe mal angefangen, Beiträge von der UPLOAD-Website aus dem April zu einem fiktiven UPLOAD Magazin zusammen zu stellen.

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Übersicht zu einem Magazin und den Inhalten.
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Um einen Artikel anzulegen, hat man einen sehr simplen Text-Editor zur Verfügung.

Wer will, könnte sein Magazin komplett hier schreiben. An manchen Stellen ist der Editor noch hakelig, aber man darf nicht vergessen, dass wir es hier mit einer Beta zu tun haben. In meinem Fall habe ich den HTML-Text aus dem UPLOAD-Blog einfach in den HTML-Editor hier übernommen. Ein paar kleinere Anpassungen sind notwendig und man lädt die Bilder noch einmal neu hoch und setzt sie ein – fertig. Der Arbeitsaufwand war gering.

Das Layout selbst kann man nicht anpassen, also beispielsweise die Schriften. Das wird wohl auch künftig nur in Grenzen möglich sein, denn die diversen Plattformen haben schließlich unterschiedliche Möglichkeiten und Voraussetzungen. Und die Idee bei diesem Tool ist ja: Einmal die Inhalte erstellen und dann möglichst vielseitig verbreiten.

Aktuell gibt es auch keine Möglichkeit, mit mehreren Menschen an einem Magazin zu arbeiten. Dazu müsste man dann den Login weitergeben. In einem Fall wie bei UPLOAD wäre das kein Problem, da wir die Seite sowieso nur zu zweit machen. Aber wünschenswert für die Zukunft wäre es sicherlich.

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So sieht die Vorschau eines Artikels aus.
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Und so die Vorschau der Ausgabe, hier nur mit den beiden Testbeiträgen.

Weitere Funktionen und Einstellungen

Neben den Ausgaben findet man noch weitere Unterpunkte zur jeweiligen Publikation:

  • Analytics: Hier bekommt man eine Übersicht zur Zahl der Abonnenten, der Einnahmen und der Auszahlungen.
  • Platforms: Hier legt man fest, wo das Magazin erscheinen soll. Aktuell stehen hier das Web, Apples „Zeitungskiosk“ und Kindle zur Verfügung. Android soll folgen, außerdem Möglichkeiten, neue Ausgaben via Social Media anzukündigen oder den Abonnenten einen gesicherten RSS-Feed zur Verfügung zu stellen.
  • Settings: Hier findet man alles, was man beim Anlegen der Publikation angegeben hat.

Übrigens lassen sich auch einzelne Ausgaben kostenlos anbieten. Und man kann im Editor festlegen, wie viel von jedem Beitrag für Nicht-Abonnenten auf der Website sichtbar sein soll.

Bezahlsystem und Gebühren

Aktuell ist es so, dass die Leser entweder auf der Website oder in der iOS-App zu Abonnenten werden können. Klickt man als Leser auf der Website auf „Subscribe“, landet man auf einem recht schnöden Formular, um seine Kreditkartendaten einzugeben. Auf meine Rückfrage erklärte mir Shahruz Shaukat, dass es hier künftig auch PayPal geben wird. Er ist einer der drei Macher hinter The Perdiodical Co.

In jedem Fall bekommt der Abonnent dadurch einen Account, mit dem er dann auf allen Geräten lesen kann, auf dem das Magazin erhältlich ist.

Wie erwähnt, kann man sein Magazin aktuell im Web, für Kindle und für iOS via „Zeitungskiosk“ publizieren. Standardmäßig behalten die Periodical-Macher 20 Prozent des Abopreises für ihre Leistung ein. Bei iOS sind es nur 9 Prozent, aber da gehen ja schon 30 Prozent an Apple.

Sprich: Gewinnt man einen Abonnenten über die Website, kommen 80 Prozent bei einem an. Bei Abonnenten via Zeitungskiosk sind es 61 Prozent.

Laufende Kosten gibt es auch: Will man die Verbindung zu Kindle ermöglichen, kostet das 29 US-Dollar im Jahr. Für die iOS-App will Apple 99 US-Dollar im Jahr sehen.

Fazit

The Periodical Co ist ein einfach gehaltenes Tool, mit dem auch technische Laien ihr eigenes digitales Magazin auf die Beine stellen können. Viele wichtige Grundfunktionen stehen dabei schon zur Verfügung. Manche andere Funktionen fehlen zu diesem Zeitpunkt noch, wie beispielsweise mehrere Zugänge für Autoren. Man darf letztlich nicht vergessen, dass man es hier mit einer Beta zu tun hat.

Wichtig wäre für einen Einsatz hierzulande eine Übersetzung. Als erstes im Frontend bei allem, was die Leser sehen. Danach auch im Backend für die Autoren. Wie mir Shahruz Shaukat mitteilte, wurde dieser Wunsch von vielen Seiten an sie herangetragen und sie haben es weit oben auf ihrer Prioritätenliste.

Auf dieser Liste findet sich auch Android an prominenter Stelle. Tatsächlich sitzt bereits ein Entwickler dran, um das umzusetzen.

Alles in allem bin ich persönlich sehr begeistert davon, dass es so etwas wie The Periodical Co gibt. Denn noch vor einem Jahr schien es so gut wie unmöglich, sein eigenes digitales Magazin auf Tablets und E-Reader zu bringen. Und jetzt haben wir dieses Tool.

Und genau genommen gibt es sogar zwei: Ein Konkurrent zu The Periodical Co ist TypeEngine. Es ermöglicht beispielsweise unterschiedliche und auch anpassbare Templates. Allem Anschein nach konzentrieren sich die Macher aber ganz auf die iOS-Plattform. Ich habe mich auch hier um einen Beta-Zugang beworben.

Lesestoff entdecken: Dossier Digitale Transformation

(Illustration: © Krueatip, fotolia)

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5 Gedanken zu „Ausprobiert: Digitale Magazine erstellen mit The Periodical Co

  1. Hallo Herr Tißler, ich habe den Beitrag mit Interesse gelesen – wir experimentieren mit unserem online Magazin Frankfurt Academy Quarterly (FAQ) (ein Magazin der Konferenzmarke der Frankfurter Buchmesse) auch gerade mit digitalen Ausgaben. Periodical hatten wir uns angeschaut, aber es scheint für gelayoutete Magazine nicht so gut handhabbar zu sein. Daher haben wir einen Versuch mit Magzter und Contentment gestartet. Unser bisheriges Fazit: Alles kostet mehr Zeit als gedacht. Und: die Discoverability bleibt ein Problem – das der Verleger weitgehend allein lösen muss. Unser Partner, The Literary Platform aus UK, hat einen Erfahrungsbericht geschrieben dazu, siehe http://bit.ly/16zimYC

  2. Hallo Claudia,

    das würde tatsächlich noch einmal einen Artikel füllen und ich denke darüber nach, den auch zu schreiben ;) Einen kleinen Einblick geben vielleicht meine Notizen zu meiner Session auf dem Barcamp Hamburg.

    Wir nutzen Periodical aktuell für unser digitales Magazin, aber ich schaue mir parallel auch andere Tools an, weil jedes so seine Stärken und Schwächen hat. Wenn du dazu eine gezielte Frage hast, dann schreib mir gern an jan@upload-magazin.de.

    Jan

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