BarCamp und PodCamp Berlin 2: Blogger, Podcaster, Leser, Hörer und ein Soziologe

Mit ein wenig Verspätung berichte ich denn nun auch hier über das BarCamp und PodCamp in Berlin. Blogger und Podcaster aus ganz Deutschland und anderen Teilen der Welt waren an einem Ort versammelt und organisierten aus dem Fast-Nichts eine “Un-Konferenz”. So gehört sich das wohl. Der Bericht eines BarCamp/PodCamp-Neulings (mit Fotos ;-) )

Die Blogosphäre, die Podosphäre: eigenartige Parallelwelt abseits ausgetretener Pfade. Club. Verein. Clique. Haufen. Freundeskreis. Was ist das eigentlich? Und ist ein BarCamp ein “Thinktank des Web 2.0” – wie das ZDF behauptet?

Seltsam ist es doch, dass eine Technik, die manche nur als eine besondere Spielart unter den Content Management Systemen ansehen, solche Wirkungen hat. “Eigentlich sind Weblogs doch nur ein Unfall”, meinte jemand auf dem BarCamp. Und es stimmt: Was heute daraus entstanden ist, war zu Beginn gar nicht eingeplant. Medienrevolution? Unsinn. Ich will hier nur ein paar Links veröffentlichen und vielleicht was dazu schreiben. Pffft. Aber genau das ist das Faszinierende daran: Du erschaffst eine Technik mit einigen Besonderheiten wie Trackbacks und plötzlich kommt eine Lawine ins Rollen.

Hobbyschreiber. Semiprofis. Lichtgestalten. Szenepromis. Fachblogger. Journalisten. Problogger. Leser. Und ein Soziologe. Wenn sich mehr als 450 Leute zu einem Treffen anmelden, dessen Ablauf im Vorfeld unbekannt ist, ist das ein bunter Haufen. So auch hier. Im Gegensatz zu Journalistentreffen wie dem Jonettag gibt es allerdings erstaunlich wenige Schnacker und Selbstdarsteller. Das ist es wohl auch, was viele an Blogs und Podcasts mögen und weshalb sie sich vor “Professionalisierung” und Kommerzialisierung fürchten: keine Club-Atmosphäre mehr. Blogger vernetzen sich gern. Sie unterstützen sich und helfen einander – nicht immer, aber doch oft. Und man ist neugierig aufeinander. Schön.

Collage BarCamp und PodCamp Berlin 2
Etwas größer gibt’s die Bilder im UPLOAD-Notizblog

Aufwärmen…

Es war gar nicht so einfach am ersten Abend für jemanden, der noch nie auf einem BarCamp/PodCamp war. Meistens kennt man die entsprechende Website. Manchmal noch den dahinterstehenden Namen. Selten das Gesicht. Wer sind bloß alle diese Leute? Kenne ich jemanden? Kennt mich jemand? Am Freitag gab’s die Aufwärmparty und warm war es wirklich im Keller des Al Hamra… Voll, warm, laut und leicht verräuchert – kurz: sehr erfolgreich.

Als erstes traf ich Andreas Dittes, der leicht zu erkennen ist, schließlich gehört er zu jenen Bloggern, die recht offensiv mit dem eigenen Foto umgehen – sehr gut. Ebenso Gerrit van Aaken, der mir sehr sozial über die Anfangsunsicherheit am Tresen hinüberhalf und mich zu UPLOAD löcherte. Ein Soziologe war, wie erwähnt, auch noch da, der für VW das BarCamp/PodCamp besuchte, weil er verstehen wollte, wie das alles so abläuft. Ob er es verstanden hat, habe ich leider nicht mehr mitbekommen. Ich glaube, man braucht sehr viel Zeit und sehr viel Geduld, wenn man als vollkommen Außenstehender begreifen will, was diese Blogger und Podcaster eigentlich antreibt. Und es muss eine erhebliche Kraft sein, wenn solche Veranstaltungen aus dem Fast-Nichts entstehen, sich ein Sponsor für die Räume findet und viele Sponsoren, die das Drumherum erst möglich machen – zum Beispiel ein hervorragendes und praktisch nie leer werdendes Büffet…

Laptops: ein Muss

Glücklicherweise gab’s am nächsten Tag zumindest Namensschilder in trendy Klebestreifenoptik (was vor allem daran lag, dass es Klebestreifen waren). So konnte man den einen oder anderen schneller zuordnen. Und die großen und kleinen Namen der deutschen Blogo- und Podosphäre tummelten sich in den Räumen von Cimdata, die perfekt gepasst haben, wie ich finde. Es waren jedenfalls immer Steckdosen vorhanden – Schulungszentrum sei Dank. Die Größe kam auch gerade so hin.

Laptops sind übrigens ein Muss, von Apple dürfen sie gern sein und bitte: Aufkleber! Aufkleber sind die Blogbuttons der Offlinewelt. Was man mag, wo man war, wofür man steht: An meinen Aufklebern sollst Du mich erkennen. Ich habe jetzt auch den ersten drauf: Vom BarCamp/PodCamp selbst. Ein wenig erinnert mich das an die Metallplättchen auf Wanderstöcken oder die Städtenamen-Aufkleber, die man angeblich ganz oft auf Koffern hat. “Ich war da!” Stimmt: Ich war da. Und es wird fotografiert und gefilmt und sich gegenseitig fotografiert und gefilmt und beim Fotografieren gefilmt und beim Filmen fotografiert und getwittert und gebloggt… Video- und Audio-Interviews…

Soviel zu erleben, so wenig Zeit

Und ich habe einiges gehört und gesehen. Manches davon habe ich im UPLOAD Notizblog festgehalten. Spannend, seltsam und streitbar sicher Trueman.tv. Seit anderthalb Monaten ist alles, was Marcel sieht oder tut, im Internet zu sehen. Eine Sache, die ganz stark durch die Decke gehen und ein Knaller werden könnte – oder ein totaler Rohrkrepierer. Das wissen auch die Macher. Fragen nach den finanziellen oder technischen Details blieben unbeantwortet – Nachahmern will man das Leben schwer machen. Die webzwonullige totale Offenheit gibt es hier also nicht und sie ist ja wirklich eine erhebliche Gratwanderung: Wann sind die Informationen so interessant, dass sie mich interessant machen und wann gehe ich zu weit, so dass ich mir selbst ein Bein stelle?

Bei Suchmaschinenoptimierung gab es die Grundlagen zu hören – für mich zu grundlegend. Bei Yahoo Pipes bin ich irgendwo mitten im Vortrag dann doch wieder ausgestiegen, weil es mich als Gelegenheits-Techie überforderte. Interessant war es dennoch. Über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Podcasting gab es am Samstagabend eine spannende, kleine Diskussionsrunde – dazu schreibe ich in den nächsten Tagen nochmal extra was, denke ich. Auch Mogulus ist ein solches Thema. Erik Stripparo aus Italien berichtete von seinen Erfahrungen – nachdem dann auch das Internet verfügbar war. Eine hörenswerte Anregung ebenfalls, was man aus Spielen für die Gestaltung von Webseiten und speziell Communities lernen kann. Und Jan Theofel und Thomas Gigold berichteten über Blogprojekte, Bloggen auf Messen und Auftragsbloggen.

Sonntag war’s dann doch erheblich leerer – so wie manche Augen der Verbliebenen glasig. Am Samstag wird gern ordentlich gebechert, hatte man mir schon erklärt. Klar. Mh. Ich habe mich da lieber rausgehalten. Zwar gehe ich gern mal ordentlich feiern, aber das dann doch lieber in heimatlichen Gefilden. Da bin ich ein konservativer einer… Außerdem sei ich Experte im Verschwinden, teilte man mir hinterher noch mit. Tja…

Eine Art Fazit

Um eine Art Fazit zu ziehen: Es hat großen Spaß gemacht, es war anregend und es war anstrengend. Meine Erwartungen wurden somit auf jeden Fall erfüllt. Vor allem habe ich viele Leute das erste Mal “in echt” getroffen, die ich bislang nur aus dem Netz kannte. Und das war sehr klasse.

Nächster Termin: WordCamp08 in Hamburg. Bin schon angemeldet. Und vielleicht halte ich da ja auch mal eine eigene Session. Diesmal habe ich mich noch nicht aus der Ecke getraut.

Na denn: Bis zum nächsten Mal :-)

Jan Tißler ist auch bekannt als jati. Er arbeitet seit über 20 Jahren als Journalist, die meiste Zeit davon digital. 2006 hat er das UPLOAD Magazin aus der Taufe gehoben. Er ist fasziniert von den Freiheiten des digitalen Publizierens und erklärt gern, wie Unternehmen, Organisationen oder auch Selbstständige mit ihren Botschaften im Netz gehört werden. Immer mit einem Bein fest in der Zukunft. Der gebürtige Hamburger lebt inzwischen in Santa Fe, New Mexico.

Neues E-Book: Dossier Digitale Transformation

(Illustration: © Krueatip, fotolia)

Jetzt mehr erfahren...

 

6 Gedanken zu „BarCamp und PodCamp Berlin 2: Blogger, Podcaster, Leser, Hörer und ein Soziologe

  1. Ja, war nett Dich mal in Persona zu treffen. Mir fiel es auch nicht gerade leicht als Barcampneuling. Da musste man schon teilweise offensiv auf Leute zugehen um dabei zu sein. und mit dem Erkennen und Zuordnen hatte ich auch manchmal meine Probleme. :)

  2. Danke für den Bericht! Jetzt weiß ich auch wer da auf Upload schreibt. Was Marcel schreibt stimmt.
    Zwar war die Werbung nicht erlaubt, aber ich für meinen Teil fände Tagging gut. Also zum Namen Schlagbegriffe dazu schreiben. Oder meinetwegen auf die Namensfolie.

    Was das offensive auf Leute zugehen angeht, klappt es bei dem Barcamp-Publikum m.E. sehr gut. Alle sehr offen und sehr hilfsbereit. Und ganz toll ist, dass jeder eine bunte Geschichte zu erzählen hat. Jeder macht irgendwas spannendes, neues, kreatives. Jeder hat 1000 Ideen.

    Und nochwas: Es heißt Socializing und nicht Bechern. Grade dort entstehen oft die tiefsten Bekanntschaften. Sehr web2.0‰ ;)

  3. Oh, habe ich “Bechern” geschrieben? Ich meinte natürlich “Netzwerken” :-D

    Hat mir jedenfalls auch sehr viel Spaß gemacht, Euch beide einmal in echt gegenüberzustehen. :-)

  4. Ich fand es als Mitorganisator total genial, das so viele “Barcamp-Neulinge” dort waren. Genau das hatten wir unter anderem gehofft.
    Tagging auf den eigenen Klamotten war übrigens nicht verboten! Ganz im Gegenteil.
    Nur Flyer auslegen und so war den Sponsoren vorbehalten.
    Aber du hast Recht – das nächste Mal müssen wir uns noch was einfallen lassen, damit man besser und schneller die Gesichter bestimmten Namen und Projekten zuordnen kann.
    Wir lernen immer weiter dazu.

Kommentare sind geschlossen.