Wie Jack Contes “Patreon” Künstler und Fans vereint

Jack Conte ist eine coole Sau. Entschuldigung, aber das musste jetzt raus. Er ist fast schon unverschämt sympathisch, talentiert und kreativ. Mit seinem Projekt „Patreon“ will er nun zudem dafür sorgen, dass Künstler von ihren Werken leben können – in dem sie ihre Fans als Unterstützer gewinnen. Seine eigene Karriere als Solokünstler sowie als Teil von „Pomplamoose“ im Verbund mit Nataly Dawn ist kurzum ein Beispiel dafür, was das Internet heute möglich macht.

Jack Conte
Jack Conte auf dem Set zu „Pedals“.

Die eine Sache, die einen voll und ganz erfüllt

Man kann sich als Mensch glücklich schätzen, wenn man die eine Sache findet, die einen voll und ganz erfüllt, für die man „brennt“, für die man freiwillig und mit Freude bis zur Erschöpfung rackert und seine Grenzen immer weiter hinausschiebt. Viele Menschen gehen durch ihr Leben, ohne dieses eine Ding jemals gefunden zu haben, das sie selbst zum Strahlen bringt. Manche suchen nicht einmal.

Jack Conte hat es gefunden, so scheint es. Und das Beste ist: Er kann davon auch leben. Dabei entstehen Dinge wie dieses Musikvideo:

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Ich kann nur empfehlen, sich 10 Minuten Zeit zu nehmen und das folgende „Behind the Scenes“-Video anzusehen, auch wenn man vielleicht kein Fan der Musik selbst ist:

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Was Jack Conte produziert, nennt er selbst „VideoSongs“. Sie gehorchen zwei Regeln: Was man sieht ist das, was man hört. Alles, was man hört, bekommt man irgendwann auch zu sehen. Und so sind diese Videos nicht nur Begleitmaterial zur Musik, sie verschmelzen mit ihr zu einem neuen Werk und vor allem  zu einer Dokumentation der Kreativität.

Nicht jeder Künstler hat ein „Projekt“

Der 1984 in San Francisco geborene Conte ist dabei ein Multi-Instrumentalist, den man vor allem in den Videos von „Pomplamoose“ an Klavier, Bass, Schlagzeug und vielem anderen sehen kann. Manchmal dient ihm das Zuklappen einer Polaroid-Kamera als Percussion. Aber egal, was er tut: Immer hat man das Gefühl, dass er voll und ganz darin aufgeht. In Nataly Dawn hat er dabei offenbar die perfekte Ergänzung gefunden – sowohl musikalisch als auch privat.

Über YouTube wurden sie berühmt und verkaufen ihre Musik in Eigenregie über iTunes. Damit sind sie nun schon etliche Jahre erfolgreich. Und doch fiel Jack Conte auf, dass etwas in der Online-Landschaft fehlte: eine (einigermaßen) verlässliche Einnahmequelle für Künstler, die regelmäßig Werke produzieren.

Es gibt Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo, die schon zahlreichen Projekten einen dringend benötigten Finanzschub gebracht haben. Aber nicht jeder Künstler hat ein „Projekt“, um es dort anzupreisen und zu vermarkten. Musiker, Fotografen, Cartoonisten, Autoren und viele andere produzieren ihre Werke eher in Reihe, manche sogar mit bewundernswerter Regelmäßigkeit.

Das gute Gefühl, einen Lebenstraum zu ermöglichen

Patreon
Startseite von Patreon

Hier setzt Patreon an: Fans können einen Beitrag ihrer Wahl für jedes neue Werk geben, das ein Künstler produziert. Damit unterstützen sie nicht nur die Arbeit eines Menschen, den sie bewundern, sondern bekommen etwas Besonderes als Dankeschön. Die Werke selbst landen dabei interessanterweise nicht zwingend hinter einer Bezahlschranke. Entsprechend richtet sich Patreon überhaupt nicht an den heute weit verbreiteten Kulturkonsum, bei dem Künstler und Publikum zu austauschbaren Figuren werden. Patreon ist vielmehr eine Plattform für Begeisterung.

Jack Conte hat diese Seite mit seinem Freund aus College-Zeiten Sam Yam innerhalb weniger Monate aufgebaut und im März 2013 online gestellt. Natürlich ist er dort als User mit der laufenden Nummer „1“ ebenfalls vertreten. Und an seinem Beispiel sieht man, wie Patreon gedacht ist.

Conte veröffentlicht seine Videos offen und kostenlos auf YouTube. Seine neue EP gibt er gratis auf seiner Patreon-Seite weg, einfach so, man muss sich nicht einmal anmelden oder wenigstens seine Mail-Adresse hinterlassen. Stattdessen zeigt er auf seiner Seite, was er macht und wenn es einem gefällt, möge man ihn doch mit einem Betrag der eigenen Wahl unterstützen. Zudem kann man als Unterstützer auf Patreon generell eine Höchstsumme pro Monat festlegen.

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Je nachdem, wie viel man pro neuem Conte-Musikvideo bezahlt, bekommt man exklusive Inhalte – bis hin zum privaten Hangout. Natürlich erfahren seine Unterstützer als erste von Konzerten oder anderen Aktionen. Sie sind dichter dran an ihm.  Sie haben zudem das gute Gefühl, jemandem bei der Erfüllung seines Lebenstraumes behilflich zu sein und dafür zu sorgen, dass so spannende und verblüffende Dinge wie das „Pedals“-Video von oben entstehen.

Bereits mit nur 1 US-Dollar kann man also sagen: Hey, das neue Video habe auch ich mit ermöglicht. Ich als Unterstützer werde Teil des Ganzen. Jack Conte, seine Kunst, seine Fans – alles gehört zusammen. Und so ist es ja auch.

Patreon selbst bleibt dabei recht bescheiden im Hintergrund: Von den Beiträgen gehen 3 Prozent fürs Kreditkarten-Handling ab und 5 Prozent direkt an Patreon.

Diese gigantische Kronjuwele in Googles Onlineschatz

Jack Conte auf YouTube
Jack Conte auf YouTube

Und das alles durch YouTube, dieser gigantischen Kronjuwele in Googles Onlineschatz, mit der das Unternehmen nicht immer so recht etwas anzufangen weiß. Nach Google selbst ist die Video-Plattform die zweitgrößte Suchmaschine der Welt. Google+ und YouTube kombiniert ergäben ein Social Network von Facebooks Ausmaßen. Und trotz der sicher immensen Kosten rentiert sich der Videokoloss inzwischen sogar.

Wer Videos produziert, kann natürlich Googles Werbung einbinden und daran verdienen. Mit der „YouTube Pro“-Videoserie erklärt das Portal seinen Nutzern, wie sie das am besten hinbekommen. Nur ist das längst nicht für jeden geeignet. Schließlich muss die Werbung möglichst gut passen und gerade Videos mit künstlerischem Anspruch würden unter der oftmals doch eher billig oder banal wirkenden Werbung leiden.

Da passt schon eher das Modell der Vimeo Creator Services. Schade nur, dass Vimeo zwar fein, aber eben auch sehr klein ist. Zudem ist eine regelmäßige Unterstützung wie bei Patreon hier nicht vorgesehen. Und gerade die wird es für viele interessant machen. Schließlich muss man dann nicht jedes einzelne Werk wieder von vorn vermarkten.

Das Wunderbare am Internet

Google Bildersuche zu Jack Conte
Google Bildersuche zu Jack Conte: Jahrelange Arbeit und Kreativität zahlen sich für ihn aus.

Mit dem Geld-pro-Werk-Modell wird sich dabei sicher nicht jeder Künstler anfreunden können. Jack Conte selbst bekommt aktuell bereits über 6.000 US-Dollar pro Video über sein eigenes Portal und kann es sich daher erlauben, andere für seine Ideen einzubinden und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Aber was, wenn er einmal in das kreative Loch gerät?

Und natürlich funktioniert ein Modell wie Patreon vor allem dann gut, wenn man sich bereits eine engagierte Fanbase aufgebaut hat, Leute, die sowieso bereits den eigenen YouTube-Kanal abonniert haben und auf jedes neue Video warten. Diese Voraussetzung wiederum gilt ebenso für andere Crowdfunding-Portale wie Kickstarter, Indiegogo, PledgeMusic, SellABand, BandPage… Auf irgendeine Weise muss man sich einen Namen machen und Leute begeistern. Wer seiner Kunst am liebsten unter Ausschluss der Öffentlichkeit nachgeht, profitiert von den neuen Möglichkeiten nicht.

Dennoch ist klar, dass ein Portal wie Patreon neue Möglichkeiten eröffnet und Talenten weitere Chancen ermöglicht. Man muss nicht seine Seele an einen Fernsehsender und dessen Talentshow verkaufen. Man kann einfach „sein Ding machen“, andere zuschauen lassen und dann sehen, was passiert.

Niemand weiß, ob man dann wie Jack Conte einmal davon leben kann. Aber es ist möglich. Und das ist das Wunderbare am Internet.


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 1

Die erste Ausgabe! Darin: Gastautorin Dr. Kerstin Hoffmann über Content-Strategie. Außerdem: die Rettung der „Long Reads“, Jack Contes „Patreon“, Plädoyer für das Corporate Blog.

Lesestoff entdecken: Dossier Digitale Transformation

(Illustration: © Krueatip, fotolia)

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