Google Search Console: Auf diese fünf Funktionen sollten Sie nicht verzichten

Es gibt eine ganze Reihe von kostenfreien und kostenpflichtigen Tools, die wertvollen Input zur suchmaschinenfreundlicheren Gestaltung der eigenen Website liefern. Ein Tool wird dabei regelmäßig nicht im vollen Umfang genutzt: die kostenfrei von Google angebotene Search Console. Stephan Czysch, Autor des Fachbuchs „SEO mit Google Search Console“, hat einige wichtige Tipps dazu für Sie zusammengestellt.

(Foto: Patryk Grądys, Unsplash)

Einführung: Mehr als Websites

Seit Mai 2015 heißen die ehemaligen Google Webmaster Tools bereits Google Search Console. Seit dieser Zeit hat sich nicht nur der Name geändert, sondern neue Funktionen erhielten Einzug in die Toolsammlung. Eine der signifikantesten Veränderungen ist die Möglichkeit, neben Websites auch Apps als so genannte Property anzulegen und zu analysieren.

Eine Property ist dabei ein beliebiger Online-Auftritt. Das kann eine klassische, auf Desktop-Geräte optimierte Website sein, eine separate mobile Website oder eben eine App. Google investiert einige Ressourcen, um auch die in Apps veröffentlichte Inhalte für die (mobilen) Suchergebnisse aufzubereiten und als Suchtreffer zu präsentieren. Das Stichwort ist in diesem Zusammenhang Firebase App Indexing.

Doch der Reihe nach: Um Zugriff auf Daten der Google Search Console zu erhalten, müssen Sie sich zunächst als Inhaber des Online-Auftritts ausweisen. Dazu benötigen Sie neben einem Google-Konto einen zum Konto gehörenden Verifizierungsschlüssel, der innerhalb des Webauftritts verfügbar sein muss. Denn natürlich möchte Google Daten und Einstellungen zu einer Website nur mit jenen Personen teilen, denen die Webpräsenz gehört. Die Search Console ist nämlich nicht nur ein Analyse-, sondern auch ein Konfigurationswerkzeug.

Die Google Search Console ist nicht nur ein Analyse-, sondern auch ein Konfigurationswerkzeug.

So können Sie über die „URLs Entfernen“ Funktion mit wenigen Klicks Websites komplett aus dem Google-Index verschwinden lassen. Wäre das nicht verlockend: Wettbewerber einfach so verschwinden zu lassen, um die Sichtbarkeit der eigenen Inhalte auszubauen? Entsprechend tut Google gut daran, auf einen solchen Bestätigungsschlüssel zu setzen. Als bestätigter Inhaber können Sie dann weiteren Google-Konten Zugriff auf eine Property erteilen. Dafür gibt es eine Nutzerverwaltung.

download-iconDiesen und andere Artikel aus UPLOAD Magazin 43 herunterladen: Jetzt die E-Book-Version der Ausgabe kaufen (4,99 Euro, kostenlos für Abonnenten)

Webauftritte richtig verifizieren und mit Properties Sets arbeiten

Die für Sie in der Google Search Console einsehbaren Daten sind immer von der bestätigten URL-Struktur abhängig. Das bedeutet beispielsweise, dass Sie beim Anlegen von http://www.trustagents.de als Property eben nur Daten sehen, die innerhalb dieser URL-Struktur liegen. In diesem Fall sind das neben der Startseite Unterseiten von http://www.trustagents.de. Würden darüber hinaus Inhalte unter einem separaten Hostnamen wie http://blog.trustagents.de erreichbar sein, sind diese Daten nicht innerhalb der www.-Property sichtbar und müssen separat angelegt werden!

Auch zwischen unterschiedlichen Protokollen unterscheidet Google. Ziehen Sie einen Webauftritt von http auf https um, dann müssen Sie die https-URL-Struktur als eigene Property in Google Search Console verifizieren. Am Indexierungsstatus lässt sich ein solcher Umzug sehr gut darstellen:

Abbildung 1: Während der Indexierungsstatus unter http sinkt…

Abbildung 2: …steigt dieser unter https entsprechend an.

Achten Sie also darauf, dass Sie alle relevanten Hostnamen in Kombination mit dem richtigen Protokoll in der Search Console verifizieren. Denn ansonsten sehen Sie entweder gar nichts, oder eben zu wenig!

Manche Webpräsenzen sind heute ein Dreiklang aus responsiver Website, einem unter einem separaten Hostnamen platzierten Blog und einer App. Über die Google-Suche können Nutzer in jeder dieser separaten Online-Welten einsteigen. Und wie Sie eben erfahren haben, sehen Sie in der Search Console Daten basierend auf der angelegten Property-Adresse. Das führt dazu, dass Sie den Gesamterfolg Ihrer Webpräsenzen in separaten Properties analysieren. Etwas mühsam oder?

Um Daten über verschiedene Properties hinweg auswerten zu können, gibt es die so genannten Property Sets (Deutsch: „Satz“). In solchen können Sie mehrere Properties zusammenführen und sehen in ausgewählten Search-Console-Berichten die Daten aller verknüpfter Properties zusammengefasst. Der beliebteste „Gesamtbericht“ ist sicher die Suchanalyse. Dieser war bis Dezember 2016 auch der einzige Bericht, der innerhalb eines Property Sets zur Verfügung stand. Mittlerweile sind weitere Berichte auf Satzebene analysierbar. Um ein solches Set zu erstellen, müssen Sie zuerst die einzelnen Properties verifizieren, und anschließend auf der Search Console Startseite über „Satz erstellen“ zusammenfassen.

Nutzen Sie die Satzfunktion, wenn Sie eine Website von http auf https umziehen. Denn es wird einige Tage dauern, bis sämtliche über die Google-Suche kommende Zugriffe in der https-Property zu sehen sind.

Ein Beispiel: Hatten Sie vorher 300 Zugriffe pro Tag über Google laut dem Bericht „Suchanalyse“, dann werden vermutlich 260 Zugriffe kurz nach dem Umzug weiterhin unter http einsteigen, und eben 40 Zugriffe bereits auf https-Adressen stattfinden (vorausgesetzt, dass Sie einen aus SEO-Sicht sauberen Website-Umzug durchführen und entsprechende Weiterleitungen setzen). Wenn Sie ein Property Set anlegen, ersparen Sie sich also das manuelle Zusammenrechnen der Zugriffe.

Alle Artikel bequem via E-Mail lesen!

Alle Artikel bequem via E-Mail lesen!

Jede Woche veröffentlichen wir ein bis zwei ausführliche Beiträge, geschrieben von namhaften Expertinnen und Experten. Sie erklären, geben Tipps und ordnen ein. Wenn Sie diese und weitere Artikel nicht verpassen wollen, schicken wir Sie ihnen gern per E-Mail zu – ganz bequem und in voller Länge! Im Februar lautet der Schwerpunkt „SEO 2017“.

Mehr über die Ausgabe erfahrenJetzt E-Mail eintragen

Wichtige Search-Console-Funktionen vorgestellt

1. „Suchanalyse“

Eine häufig gestellte Frage: Für welche Suchbegriffe werden meine Inhalte auf welcher Position gefunden? Seitdem Google damit begonnen hat, immer weniger Suchanfragen an die besuchte Website zu übermitteln (Stichwort: „not provided“ in Webanalyse-Tools), befinden sich viele Websites hinsichtlich dieses Themas im Blindflug.

War es früher noch problemlos möglich, herauszufinden, welche Suchanfragen für Zugriffe sorgten, muss man sich (außerhalb der Search Console) auf Ranking-Abfragen und Sichtbarkeitswerte von SEO-Tools wie Sistrix, SEMrush oder Searchmetrics verlassen. Doch genau hier liegt das Problem: Es ist zwar schön zu wissen, auf welcher Position man steht, aber man weiß eben nicht, ob man auch angeklickt wurde. Diese Daten liefert Ihnen Google über die Search Console mit der Suchanalyse.

Abbildung 3: Die Suchanalyse-Daten können Sie unter verschiedenen Dimensionen wie Suchanfragen oder Seiten analysieren.

Bei der Arbeit mit diesem Bericht ist es wichtig zu wissen, wie Google die Daten berechnet. Denn je nachdem, in welcher Dimension die Suchanalyse betrachtet wird, ändern sich die Werte der Metriken. Als Metriken stehen Ihnen

  • Klicks,
  • Impressionen,
  • Klickrate und
  • Position

zur Auswahl. Standardmäßig zeigt Google immer nur Klicks an, die weiteren Metriken lassen sich separat aktivieren. Es muss allerdings immer mindestens eine Metrik aktiviert sein – ansonsten macht der Bericht aber auch wenig Sinn.

Durch einen Klick auf eine Suchanfrage wird diese als Filterwert mit der Einstellung „ist identisch mit“ übernommen. Dadurch lässt sich unter anderem die Frage beantworten, wie häufig die eigene Website für die Suchanfrage an einem bestimmten Tag angezeigt wurde.

Abbildung 4: Für die analysierte Suchanfrage konnte die Website 710 Besuche erzielen…

Es ist nicht nur interessant zu wissen, dass man für eine Suchanfrage gefunden wird, sondern auch mit welcher Adresse. Denn dann kann man sich in einem weiteren Schritt daranmachen, diese Webseite gezielt zu optimieren. Um die zur Suchanfrage gehörende(n) Adresse(n) zu finden, muss „Seiten“ ausgewählt werden.

Abbildung 5: …betrachtet man die Suchanfrage aber unter Seiten, ergeben sich mehr Klicks.

Das Interessante hierbei: Die Metriken unterscheiden sich, obwohl dieselbe Suchanfrage analysiert wurde! Woher das kommt? Unter Suchanfragen zählt Google das Auftreten einer Website in den Suchergebnissen für die entsprechende Suchanfrage genau einmal. Das ist die websitebezogene Betrachtung. Wechseln Sie zu Seiten, werden die Metriken für jede URL separat ausgewiesen und die Gesamtwerte sind deshalb höher.

Achten Sie auch darauf, dass die durchschnittliche Position eine sehr trügerische Angabe sein kann. Denn diese wird standardmäßig auf der durchschnittlichen Position „weltweit“ berechnet. Werden Sie in Deutschland 1.000x in den Suchergebnissen auf Platz 1 angezeigt, aber in Österreich insgesamt nur 1x und dabei auf Platz 5, dann ist die durchschnittliche Position 1+5/2= 3.

Abbildung 6: Im weltweiten Durchschnitt nur auf Platz 3,5, im Hauptland aber auf 1,0 – es ist also eher kein Optimierungspotenzial hinsichtlich der Position vorhanden.

Die Suchanalyse kann aber noch viel mehr als das Gezeigte. So können Sie sich Suchanfragen anzeigen lassen, die gewisse Zeichen enthalten, einen Vergleich zwischen verschiedenen Endgeräten durchführen und vieles mehr. Es ist sehr hilfreich, sich mit diesem Bericht intensiv auseinanderzusetzen, denn es lassen sich ungemein viele Potenziale entdecken und Fragestellungen beantworten!

An dieser Stelle ein Hinweis: Die Suchanalyse-Daten stellt Google nur für die letzten 90 Tage zur Verfügung. Ältere Daten lassen sich über den Bericht nicht mehr abrufen. Um Langzeitanalysen durchführen zu können, sollten Sie die Daten deshalb abspeichern. Am besten machen Sie das über die Search Console API, denn über diese können Sie nicht nur mehr Daten erhalten (im Interface sind es maximal 999 Datenpunkte), sondern Suchanfragen samt dazugehöriger Einstiegsseite bekommen.

Als Tooltip: SearchAnalyticsForSheets erlaubt es kostenfrei, die Suchanalyse regelmäßig als Google Spreadsheet abzuspeichern. Auch andere Tools greifen auf die Search Console API zu und stellen die Suchanalysedaten zur Verfügung. Ich arbeite zum Beispiel sehr gerne mit serplorer, da dieses Tool die Daten exzellent aufbereitet und Langzeitanalysen zulässt, ohne dazu verschiedene Exporte zusammenkopieren zu müssen.

2. „Nutzerfreundlichkeit auf Mobilgeräten“

Mit der Suchanalyse können Sie für Ihre Property vergleichen, wie viele SEO-Zugriffe über Smartphones bzw. Desktop-Geräte stattfinden. In vielen Branchen oder Themenwelten liegen die mobilen Zugriffe bereits über den Desktop-Zugriffen und entsprechend sollten Sie dafür sorgen, dass Ihre Website problemlos auf Smartphones dargestellt werden kann.

Für Ad-hoc-Tests bietet Google bereits ein Tool an, die kontinuierliche Überwachung von URLs auf Mobilfreundlichkeit wird dadurch aber nicht abgedeckt. Genau für diesen Einsatz steht der Bericht Nutzerfreundlichkeit auf Mobilgeräten in der Google Search Console parat.

Abbildung 7: Auch Probleme bei der mobilen Nutzerfreundlichkeit können Sie mit der Search Console identifizieren.

Nach einem Klick auf eine Problemgruppe werden die betroffenen Webseiten angezeigt. Sie sollten mit der Optimierung jener Adressen beginnen, die über die Desktop-Suche und innerhalb der Website insgesamt am häufigsten aufgerufen werden. Denn wenn eine Website nicht mobilfreundlich ist, dann wird diese in den mobilen Suchergebnissen schlechter gefunden.

3. „HTML-Verbesserungen“

Suchmaschinen haben nach wie vor Probleme damit, wenn mehrere unterschiedlichen Adressen dieselben inhaltlichen Signale senden (Stichwort: „Duplicate Content“). Denn der Mehrwert steigt nicht dadurch, dass sehr ähnliche oder identische Informationen unter verschiedenen Adressen aufgerufen werden können. Mehrfach verwendete Werte innerhalb des eigenen Webauftritts können mit den HTML-Verbesserungsbericht identifiziert werden.

Abbildung 8: Gar nicht gesetzte oder identische Seitentitel sollten Sie dringend vermeiden.

Besonders der Seitentitel ist ein wichtiges Element der Onpage-Optimierung. Auf diesen ganz zu verzichten oder komplett identische Titel für verschiedene Adressen zu verwenden, ist aus SEO-Sicht ein Problem. Da jede Website ein eigenes Thema behandeln sollte, gehört ein einzigartiger Seitentitel dazu. Das gilt im gleichen Maße für die Meta Description. Diese wird in der Google-Suche angezeigt und sollte den Nutzer dazu animieren, Ihre Website zu besuchen. Sauber optimierte Snippets gehören zu den grundlegenden SEO-Hausaufgaben. Wer noch weiter gehen möchte, der beschäftigt sich mit dem Thema Snippet Optimierung.

4. „Abruf wie durch Google“

Um Google über neue oder aktualisierte Inhalte zu informieren, kann die „Abruf wie durch Google“-Funktion verwendet werden. Diese informiert Google nicht nur über Veränderungen oder neue Inhalte, sondern lässt sich gleichzeitig dazu verwendeen, ein optisches Abbild der Website zu erstellen. Die eigenen Webseiten rendern zu lassen kann sehr aufschlussreich sein: Denn wenn für Suchmaschinen der Zugriff auf wichtige Ressourcen für die optische Darstellung blockiert sind (allen voran CSS und JavaScript), dann bestehen signifikante Unterschiede im Aussehen der Website für Suchmaschinen und Nutzer.

Abbildung 9: Hier ist alles in Ordnung: Für Nutzer und Suchmaschinen sieht die Website identisch aus.

Da über „Abruf wie durch Google“ analysiert werden kann, wie Google eine Webseite sieht, können Sie zudem Sicherheitsproblemen auf die Schliche kommen. Findige Hacker manipulieren Websites nur für Google, um beispielsweise für die Rankingberechnung wertvolle Linksignale auf eigenen Angebote zu setzen und diese vor dem Webmaster zu verstecken.

5. „Sicherheitsprobleme“

Wenn wir schon beim Thema Sicherheit sind: Schaut man sich die Statistiken von Google zum Thema Safe Browsing an, dann sieht man, dass enorm viele Websites Ziel von Angriffen sind.

 

Abbildung 10: In Googles Safe-Browsing-Report findet man einige interessante Daten zum Thema Websicherheit.

Mit einer einfachen Suchanfrage lassen sich Websites identifizieren, auf denen typischerweise von Hackern (und Spammern) platzierte Inhalte zu finden sind.

Abbildung 11: Was diese Domains wohl normalerweise mit Potenzmitteln zu tun haben?

Interessant ist in der Suchergebnisdarstellung, dass sich bei keiner der Websites der Hinweis auf eine mögliche Manipulation finden lässt. Teilweise sieht man in den Suchergebnissen den Einschub „Diese Website wurde möglicherweise gehackt.

Wenn Google Sicherheitsprobleme mit einer bestätigten Property festgestellt hat, dann wird eine entsprechende Benachrichtigung in der Search Console zugestellt. Mein Tipp für Sie: Setzen Sie sich am besten einen Google Alert (oder ähnlich) für Ihre Website auf, die typische Begriffe für Potenzmittel und Gambling abdeckt.

Abbildung 12: Lassen Sie sich über typische Spamthemen informieren, wenn diese von Google auf Ihrer Website gefunden werden.

Fazit

Bereits die Vorstellung dieser fünf Berichte und Funktionen sollte jeden Webworker davon überzeugen, die Google Search Console einzusetzen. Und dabei habe ich in diesem Artikel gar nicht über Funktionen zu strukturierten Daten, Accelerated Mobile Pages, externen Links, Crawling-Fehlern und vielen anderen geschrieben. Nehmen Sie sich die Zeit, sich mit der Search Console intensiv auseinanderzusetzen!

Buchtipp: „SEO mit Google Search Console“

Lernen Sie darin, über welche Suchbegriffe Ihre Website gefunden wird und wo es noch Potenzial gibt, wie Sie Ihre Seitentitel optimieren können, wo Usability- und Sicherheitsprobleme vorliegen, wie Sie Ihre Daten besser aufbereiten (Strukturierte Daten & Daten Highlighter) und Googles Crawler beim Erfassen der Inhalte unterstützen können. Erhältlich als Taschenbuch bei Amazon (Affiliate-Link) sowie direkt bei O’Reilly.

Artikel vom 12. Februar 2017