5 Fragen an scholarz.net, die Wissenschaftsplattform

Als die Zettelwirtschaft aus der Studierstube quoll, hatten sieben Studenten und Doktoranden aus Würzburg schließlich genug: Das Ganze musste auch einfacher gehen, strukturierter, übersichtlicher – und am besten online. Bald wurde aus der Idee die Wissenschaftsplattform Scholarz.net und aus der Zettelwirtschaft ein echtes Business: Mit frischem Investorenkapital ging es vor Kurzem raus aus dem Hörsaal und rein in die freie Wirtschaft. Ein Interview mit CEO Daniel Koch.

Das Team von scholarz.net

Das Team von scholarz.net. Daniel Koch: “Ursprünglich haben wir scholarz.net entwickelt, weil wir für unsere eigenen Doktorarbeiten so ein Tool gesucht haben.”

Scholarz ist vor einem Jahr als Wissenschaftsplattform online gegangen. In zwei Sätzen: Was kann der User bei euch machen?

Allgemein gesagt: besser und effizienter forschen und netzwerken. Konkret besteht die Software aus zwei Komponenten: einerseits einem innovativen persönlichen Datenmanagement, mit dem WissenschaftlerInnen ihr Wissen besser verwerten können, andererseits einem Forschungsnetzwerk, über das man interessante Kontakte finden, Wissen austauschen, mit anderen zusammenarbeiten und Projektgruppen organisieren kann .

Irgendwo habe ich gelesen, dass scholarz ursprünglich für Dissertationen entwickelt wurde: Man kann Chapter anlegen, Notizen speichern, Quellen verwalten – auch eine komplette Diss schreiben und exportieren?

Stimmt, ursprünglich haben wir “scholarz.net” entwickelt, weil wir für unsere eigenen Doktorarbeiten so ein Tool gesucht haben. Inzwischen richtet sich die Plattform aber an alle wissenschaftlich arbeitenden, also auch Studenten. Die Software hilft einem, Daten, Ideen und Wissen zu verwalten, sortieren und strukturieren. Alles bis unmittelbar vor dem Ausformulieren. Dann exportiert man das Projekt und schreibt den Fließtext mit einem Texteditor seiner Wahl. “scholarz.net” ersetzt kein Word.

Ihr seid als Forschungs-Projekt gestartet, seit kurzem steht ihr jedoch mit einem Investor im Rücken auf eigenen Beinen. Wohin soll die Reise gehen und wie wollt ihr das Projekt kommerzialisieren?

Das bestimmende Ziel ist: Qualität und Nachhaltigkeit sichern. Die Nutzer sollen stets guten Support, schnelle Server und regelmäßige Weiterentwicklungen bekommen. In einem ersten Schritt wollen wir erreichen, dass sich “scholarz.net” selber trägt. Vor allem durch Lizenzeinnahmen aus Rahmenverträgen (“Key Accounts”) mit Universitäten und großen Partnern. Einzelnutzer werden immer einen “Free Account” nutzen können, der jedoch eine Datenhöchstgrenze haben wird. Wer sehr viele Daten hochladen möchte, wird sich über ein Pro Account mit ca. 3 bis 5 Euro im Monat an den Serverkosten beteiligen müssen. Die Musik für den Investor liegt aber in einem anderen Bereich. In einem zweiten Schritt wollen wir unsere Software auch für Unternehmen und andere Zielgruppen vermarkten. Uns erreichen immer wieder Anfragen in diese Richtung. Denn letztlich ist unsere Lösung ein cleveres Handwerkszeug, mit dem Wissensarbeiter jeder Art ihre Produktivität steigern können.

Screenshot von scholarz.net

Screenshot von scholarz.net. Daniel Koch: “Die Software hilft einem, Daten, Ideen und Wissen zu verwalten, sortieren und strukturieren. Alles bis unmittelbar vor dem Ausformulieren.”

Was hat es mit den „Key Accounts“ für Universitäten auf sich?

Unsere Key Accounts sind mehr als einfach nur Rahmenverträge, über die eine Uni oder eine Organisation jedem ihrer Studenten und Wissenschaftler ein gutes Handwerkszeug zur Verfügung stellt. Wir bieten eine Reihe von Zusatzvorteilen, die das Angebot für die Institution an sich wertvoll machen. Z.B. binden wir die Software auf Wunsch in die Seiten des Kunden ein, sodass die Einzelnutzer auf der Seite der Uni ihre Forschungsarbeit erledigen können. Außerdem erhält der Kunde ein vollwertiges internes Social Network, mit dem er seine Einzelnutzer und z.B. auch Alumni vernetzen kann. Diese geschlossene Community bleibt aber Teil der weltweiten Forschungsgemeinschaft, sodass man sich auch über die Grenzen seiner Uni hinaus vernetzen und mit anderen zusammenarbeiten kann.

Wie sieht es mit dem Andocken an andere bestehende Plattformen und Services aus? Ist etwas geplant?

Das ist natürlich ein wichtiges Thema, das viel Potential bietet, allerdings im Moment leider noch ziemlich brach liegt. Wir arbeiten im Moment an besseren Import aus Literaturdatenbanken und Export zu Literaturverwaltungsprogrammen und LaTeX. Was Schnittstellen zu anderen Diensten anbelangt, würden wir uns über Unterstützung aus der Community freuen. Gerne auch in Form eines Praktikums oder eine Diplomarbeit – wir hatten schon einige Praktikanten, die einiges aus dieser Zeit mitgenommen haben.

Tipp: Starten bei scholarz.net in 3 Schritten

  1. Leg die Projekte an, an denen du gerade arbeitest und importiere die Quellen aus denen du Informationen ziehst.
  2. Sammle all deine Ideen, Informationen, Zitate, Exzerpte, und Forschungs-Daten in Notizen und ordne die Notizen den Stellen zu, wo du sie brauchst. (Z.B. ein Zitat stammt aus der Quelle X, wird verwendet in den Projekten Y und Z, und gehört thematisch zu den Schlagworten A und B.) So kannst du deine Daten wunderbar sortieren und dein eigenes „Wissensuniversum“ bauen.
  3. Vernetze dich in der Community mit deinen Kollegen, gründe eine Arbeitsgruppe oder gib einzelne Ordner für die relevanten Personen frei, damit sie mitarbeiten können.

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(Cover-Illustration: © enotmaks, depositphotos.com)

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